Wo Kühlung vewenden?

liezenblau
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Wo Kühlung vewenden?

Beitrag von liezenblau » Di 23. Apr 2013, 15:53

Hallo,

ich arbeite teilweise mit meiner kleineren Drehmaschine (Spitzenweite 550 mm) und teilweise mit meiner BF 20 Fräse. Verarbeitet wird bisher großteils Aluminium und hin und wieder auch Automatenstall.

Für beide Maschinen habe ich eine sehr gute Minimalmengenschmierung, die ich mittels Magnetbefestigung gut zwischen die 2 Maschinen wechseln kann. Ein und ausgeschaltet wird die Minimalmengenschmierung mittels Magnetschalter für die Druckluft, so kann auch der Schalter bequem vom Fuß aus geschaltet werden. Drehen tu ich bisher ausschließlich mit Wendplatten.

Da ich in den diversen Büchern viel verschiedenes gelesen habe, nun meine Frage hier im Forum. Wann und wo soll ich die Kühlung verwenden?
Gibt es unterschiede zwischen Drehen und Fräsen?
Bei welchen ARbeiten darf ich nie schmieren? z.B. abstechen?
Bei welchen Material ist Schmierung unbedingt notwendig? Wo wieder nicht?

Danke. Liezenblau

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JollyRoger
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Re: Wo Kühlung vewenden?

Beitrag von JollyRoger » Di 23. Apr 2013, 16:56

Mit Wendeplatten kannst du immer trocken arbeiten. Bei VHM-Fräsern bietet sich eine Minimalmengenschmierung an wenn du eine hast, richtig kühlen sollte bzw. kann man die aber nicht. HSS-Drehmeißel sollte man kühlen oder zumindest etwas schmieren, ebenso Bohrer, Gewindeschneider usw usw usw da bietet sich in deinem Fall wohl Schneidöl an. HSS-Fräser verwende ich eigentlich immer nur mit Emulsion.

Bei Alu kann es zu Problemen mit der Aufbauschneide kommen wenn man unzureichend kühlt.

shopper
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Re: Wo Kühlung vewenden?

Beitrag von shopper » Di 23. Apr 2013, 17:05

Bei Alu kann es zu Problemen mit der Aufbauschneide kommen wenn man unzureichend kühlt.
aber ja doch nicht bei jedem...
das schwatte/seewasserbeständige oder bei guss----JA


will man was für schön.... alu in drehquali wird ja auch so mit dem zusatz verkauft

daten,bezeichnungen hab ich nich im kopp
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JollyRoger
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Re: Wo Kühlung vewenden?

Beitrag von JollyRoger » Di 23. Apr 2013, 17:16

Wie gesagt, es kann ;-) Grad die Reststücke in ebay sind immer wieder Schmieralu und kein schönes AlCuMgPb

stefang
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Re: Wo Kühlung vewenden?

Beitrag von stefang » Di 23. Apr 2013, 17:21

Ich bin eigentlich Fan von Trockenbearbeitung soweit möglich, egal ob Fräsen oder Drehen.

Bei manchen Materialien ist das einfach (Grauguss, Messing, Stahl(allerdings nicht bei V2A)), bei anderen kann man schnell Probleme kriegen (Alu, rostfreie Edelstähle, Kupfer).

Messing und Grauguss sind total unproblematisch, bei Grauguss kriegt man, wenn man zaghaft schmiert, sogar den gegenteiligen Effekt, der Gussstaub wird zu einer Schleifpaste, die einem die ganze Maschine zukleistert :D

Minimalmengenschmierung ist eine gute Lösung, wenn man das rumgepritschle mit Emulsion nicht will, allerdings kriegt man da andere Probleme (Zernebelte Öle in der Luft).

Beim Fräsen versuch ich mittels Strategie auf das Schmieren zu verzichten (große Zustellung, geringer seitlicher Eingriff), Dann klappt sogar Schmieralu trocken.

Beim Reiben Emulsion (Oder Öl, wenn man die Passung lieber etwas auf der größeren Seite will), Gewindebohren, Senken, mit Schneidöl.
Bei VHM-Fräsern bietet sich eine Minimalmengenschmierung an wenn du eine hast, richtig kühlen sollte bzw. kann man die aber nicht.
Klar, wenn man mit reichlich Emulsion arbeitet geht das perfekt und die Späne haben garkeine Chance nochmal in die nähe der Schneide zu kommen.

Vieleicht interessant: Bei uns in der Lehrwerkstatt wurden an allen konventionellen Drehbänken Minimalmengenschmierungen nachgerüstet.
Einhellige Meinung: Begeisterung. Die Wendeplatten leben deutlich länger als bei Trockenbearbeitung, die Sauerei ist stark eingeschränkt (Mit Emulsion schenkt man sich das Kühlen gerne mal, die Hemmschwelle bei Minimalmengenschmierung ist scheinbar deutlich niedriger :D )


gruß
Stefan

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Re: Wo Kühlung vewenden?

Beitrag von ceego » Mi 10. Feb 2016, 09:35

Auch wenn das Thema schon älter ist würd ich mich mal eben hier einklinken.

Nach den ersten Sauereien beim Fräsen mit Kühlung aus der Sprühflasche (12er Schrupp, 10mm Zustellung ins Volle, Vorschub manuell :-)) ist mir die Sauerei einfach zu groß, gefräst wurde S355 (St52k).
Ich habe als Startsatz ein paar HDS-Fräser und 3 HSS-PM-Schruppfräser mit TiAlN.
Angegeben ist z.B. für Stahl <700N/mm² eine Schnittgeschwindigkeit von 64m/min (bei den Schruppern).

Sollte man jetzt für Trockenbearbeitung die Schnittgeschwindigkeit anpassen? Oder die Zustellung zurücknehmen?
Mit dem manuellen schmieren/kühlen habe ich es gerade so geschafft, dass die Späne maximal hellgold blieben, eher normal silber.
Welche Farbe kann man denn so einem HSS-PM zumuten? Eher weniger Zustellung und mehr Vorschub?

Für die "Hardal"-Fräser ist ebenfalls eine mögliche Trockenbearbeitung angegeben und 50-65m/min.

Beim Schlichten mal ein bisschen KSS ist ja ok, aber die quasi-Überflutung von gestern macht keinen Spaß.

Gruß,
Andii

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HansD
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Re: Wo Kühlung vewenden?

Beitrag von HansD » Mi 10. Feb 2016, 10:04

Wenn ich darf würde ich gerne die Frage unabhängig von KSS oder nicht stellen:
Ich weiss, dass ich einen 12er Schruppfräser im Vollschnitt 12 tief fahren kann.
Mit natürlich sehr kleinem manuellem Vorschub und Kühlung die nicht ausreichte die Nut freizuspülen.
Wenn Zeit im Gegensatz zur Werkzeugstandzeit keine Rolle spielt - wäre es dann besser auf ein Viertel Zustellung zurückzugehen und dafür den Vorschub (auf das Vierfache?) anzuheben?
Oder sind die Proportionen falsch?

Hans
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Re: Wo Kühlung vewenden?

Beitrag von Doc Alex » Mi 10. Feb 2016, 10:29

stefang hat geschrieben: Minimalmengenschmierung ist eine gute Lösung, wenn man das rumgepritschle mit Emulsion nicht will, allerdings kriegt man da andere Probleme (Zernebelte Öle in der Luft).
Genau deshalb sind Öle für die Minimalmengenschmierung nicht zulässig.

Zum Thema Gesundheitsgefahren (das ist zwar nur im Gewerbe verpflichtend aber auch im Hobbybereich sinnvoll!):

Hinweise zur Arbeitssicherheit

Bei der Anwendung der Minimalmengenschmierung unterliegt der Anwender u.a. den Gesetzlichen Regelungen und den Vorgaben der Berufsgenossenschaften.

Dabei sind folgende Produkte nicht für die Vernebelung geeignet:

- Verflüchtigende Schmiermittel
- Schmierstoffe, die bei der Verdüsung die Explosionsgrenzen erreichen
- Schmierstoffe mit Bakteriziden und Fungiziden (bei wassermischbaren Fluiden)
- Produkte auf der Basis mineralischer Grundöle mit > 3 ppm Benzo[a]pyren

Download der BGR-Broschüre

http://www.sat-semer.de/fileadmin/downl ... V-R143.pdf

Also ganz sicher keiner der Vorschläge von Speiseöl, Petroleum bis zu Spiritus!

Möglich sind bestimmte Fettalkohole und Esteröle.

Die Esteröle schmieren wohl besser, während die Fettalkohole wohl besser verdampfen und so besser kühlen. Es gibt Schmierstoffe passend für alle Materialien. Eine Übersicht gibts hier:

http://www.hebro-chemie.de/index.php/de ... schmierung

Als Universalmittel verwende ich inzwischen das hier:

http://www.hebro-chemie.de/ti/DE/540144254.DE.pdf


Es ist auch nicht nötig einen Nebel zu erzeugen. Es gibt Tröpfchendüsen siehe hier:

http://forum.zerspanungsbude.net/viewto ... 28&t=16746

Viele Grüße

Doc ALex
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Re: Wo Kühlung vewenden?

Beitrag von HansD » Mi 10. Feb 2016, 12:59

Doc Alex hat geschrieben: Dabei sind folgende Produkte nicht für die Vernebelung geeignet:
- Verflüchtigende Schmiermittel
- Schmierstoffe, die bei der Verdüsung die Explosionsgrenzen erreichen
- Schmierstoffe mit Bakteriziden und Fungiziden (bei wassermischbaren Fluiden)
- Produkte auf der Basis mineralischer Grundöle mit > 3 ppm Benzo[a]pyren

Also ganz sicher keiner der Vorschläge von Speiseöl
In Deiner Liste der ungeeigneten Produkte finde ich doch gar kein Speiseöl?

Hans, der hofft dass sie nicht auf Basis mineralischer Grundöle hergestellt werden
Bauberichte Thread #12691

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Re: Wo Kühlung vewenden?

Beitrag von Doc Alex » Mi 10. Feb 2016, 13:14

HansD hat geschrieben: In Deiner Liste der ungeeigneten Produkte finde ich doch gar kein Speiseöl?
Das fällt unter:

- Schmierstoffe, die bei der Verdüsung die Explosionsgrenzen erreichen

Hier der Link der BG:

http://publikationen.dguv.de/dguv/pdf/10002/i-718.pdf

VG

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