Überprüfung gebrauchter Tuschierplatten

Hier könnt Ihr eure Werkstatt vorstellen.
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Old-Papa
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Überprüfung gebrauchter Tuschierplatten

Beitrag von Old-Papa » Di 3. Dez 2019, 20:16

Hallo,

ich habe mehrere Grauguss-Tuschierplatten (massive, stark verrippte DDR-Ware), wobei nur eine (600x600) geschabt ist. Die andere 600er ist offenbar gehobelt und schon etwas als "Richtplatte" misbraucht worden. Die Dritte ist nur etwa 250x250 groß und wohl gefräst.
Mit welchen Mitteln kann ich als Amateur feststellen, wie genau meine geschabte ist und wie könnte ich die kleine sinnvoll "hinschaben"?
Mir stehen Messuhren mit 0,001mm (Mahr) und mehrere Digitale Mitutoyo (Auflösung nur 1µm) zur Verfügung. Für die Messuhren habe ich auch massive verstellbare Halter (Galgen), doch wie würde man damit diese Aufgabe angehen?

Old-Papa

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opa12
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Re: Schwalbenschwanzführung konisch

Beitrag von opa12 » Mi 4. Dez 2019, 14:10

Eine Maschinenwasserwaage mit 0,02mm/m reicht dazu.
Vorgehensweise wird hier recht gut beschrieben viewtopic.php?f=30&t=23468&hilit=platte ... n&start=90
Wichtig dabei, die Platte muss auf 3 Punkten und auf einem möglichst stabilem Gestell liegen. Keine Gummiunterlagen, da verändert sich der Messwert alleine durch das Gewicht der Wasserwaage. Wenn kein stabiles Gestell vorhanden ist, dann am einfachsten mit einstellbaren Schaubböcken direkt am Boden.

Bg Franz

Jonathan9192
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Re: Überprüfung gebrauchter Tuschierplatten

Beitrag von Jonathan9192 » Mi 4. Dez 2019, 15:07

abgetrennt von Thread #41977
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Old-Papa
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Re: Schwalbenschwanzführung konisch

Beitrag von Old-Papa » Do 5. Dez 2019, 08:07

opa12 hat geschrieben:
Mi 4. Dez 2019, 14:10
Eine Maschinenwasserwaage mit 0,02mm/m reicht dazu.
Vorgehensweise wird hier recht gut beschrieben viewtopic.php?f=30&t=23468&hilit=platte ... n&start=90
Wichtig dabei, die Platte muss auf 3 Punkten und auf einem möglichst stabilem Gestell liegen. Keine Gummiunterlagen, da verändert sich der Messwert alleine durch das Gewicht der Wasserwaage. Wenn kein stabiles Gestell vorhanden ist, dann am einfachsten mit einstellbaren Schaubböcken direkt am Boden.

Bg Franz
Meine Platte liegt derzeit mit ihren 3 Punkten auf einem massiven Stahlschreibtisch. Allerdings wäre ein Stahluntergestell schnell zusammengespaxt. Die diversen Links und Videos zum Thema habe ich mir mal angesehen, manche Kollegen treiben ja einen irren Aufwand! Diese ganze optische Geschichte fällt aus, das Equipment ist sicherlich viel teurer als eine neue 00er Platte in Granit.
Eine große 0,002er Maschinenwasserwaage habe ich, doch wie soll ich damit Berge und Täler finden, die deutlich kürzer als diese sind? Ok, Berge gehen vielleicht.
In den Videos sieht man die Kollegen mit irgendeinem Gerät über die Platte fahren, das eine Messuhr (sieht wie meine 0,001er Mahr aus) montiert hat. Was ist das und kann man sowas selber stricken? Ich vermute irgend ein Teil, dass an 3 präzisen Punkten aufliegt und vorne einen "beweglichen" Arm mit einem 4. Punkt zum Messen hat, darüber die Messuhr. Richtig?

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opa12
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Re: Schwalbenschwanzführung konisch

Beitrag von opa12 » Sa 7. Dez 2019, 15:26

Old-Papa hat geschrieben:
Do 5. Dez 2019, 08:07
Meine Platte liegt derzeit mit ihren 3 Punkten auf einem massiven Stahlschreibtisch.
Stell die Maschinenwasserwaage in die Mitte der Platte, dann nimm ein Gewicht das ca: dem der Waage entspricht und verschiebe dieses über die Platte. Wenn sich der Wert der Maschinenwasserwaage je nach Position des Gewichtes ändert ist dein Gestell zu labil zum vermessen der Platte. Alternativ ginge auch eine Differenzmessung mit 2 Maschinenwasserwaagen, aber ob du dir den Aufwand antun willst?
Old-Papa hat geschrieben:
Do 5. Dez 2019, 08:07
Eine große 0,002er Maschinenwasserwaage habe ich, doch wie soll ich damit Berge und Täler finden, die deutlich kürzer als diese sind? Ok, Berge gehen vielleicht.
Für die lokalen Fehler könntest du mit deiner 205x250mm Platte versetzend tuschieren.
Oder mit einem Repeatometer
Old-Papa hat geschrieben:
Do 5. Dez 2019, 08:07
In den Videos sieht man die Kollegen mit irgendeinem Gerät über die Platte fahren, das eine Messuhr (sieht wie meine 0,001er Mahr aus) montiert hat. Was ist das und kann man sowas selber stricken? Ich vermute irgend ein Teil, dass an 3 präzisen Punkten aufliegt und vorne einen "beweglichen" Arm mit einem 4. Punkt zum Messen hat, darüber die Messuhr. Richtig?
Old-Papa
Nennt sich Repeatometer viewtopic.php?f=30&t=42626&start=30

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Re: Überprüfung gebrauchter Tuschierplatten

Beitrag von Ernest » Sa 7. Dez 2019, 17:23

Im Internet kannst Du ein Buch finden und runterladen (Foundations of Mechanical Accuracy von Wayne R. Moore), in dem beschrieben ist, wie man 3 Platten (müssen glaub ich gleich groß sein) gegeneinander touchieren und dann zurechtschaben kann, bis alle 3 sehr gut sind. Vielleicht passt das ja bei Dir.

Nachteil: Es müssen 3 Platten sein.

Vorteil: Nur (immer wieder) gegeneinander touchieren und dann schaben, keine sonstigen Messeinrichtungen.
Hobby bedeutet, mit maximalem Aufwand überschaubare Ergebnisse zu realisieren.
BF30V

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Re: Überprüfung gebrauchter Tuschierplatten

Beitrag von K-Mehl-Treiber » Sa 7. Dez 2019, 17:31

....braucht aber ewig...
Ich hab das mal mit drei 1m langen Linealen angefangen.
Da es nur ein nebenherprojekt ist, sind die noch nicht fertig.

LG
Markus

Edit: viewtopic.php?f=61&t=26900&hilit=lineale+aufeinander

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Stahlfussel
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Re: Überprüfung gebrauchter Tuschierplatten

Beitrag von Stahlfussel » Sa 7. Dez 2019, 17:45

Zur 3-Platten-Methode:
das Moore Buch unterliegt noch dem Copyright.

Hier aber das Original:
das Verfahren wurde von Sir Joseph Whitworth 1840 auf einer Konferenz in Glasgow vorgestellt. Das Papier dazu habe ich als Anhang beigefügt:

Gruß,
Jochen
Dateianhänge
WhitworthJoseph_1840_TruePlanes.pdf
Sir Joseph Whitworth on True Planes, vorgetragen in Glasgow 1840
(304.29 KiB) 100-mal heruntergeladen

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Re: Überprüfung gebrauchter Tuschierplatten

Beitrag von Old-Papa » Sa 7. Dez 2019, 21:57

Herzlichen Dank für die Literaturhinweise!
Leider ist Englisch nie in mein Hirn geraten (ein paar Brocken dann doch), daher kann ich doch eher was mit englischen Bildern anfangen ;)

Der o.g. Link zum "Repeatometer" beschreibt zwar viel, doch offenbar nicht dieses Ding (oder ich hab das falsch verstanden). In den Weiten von YT habe ich aber unter diesem Suchbegriff sehr viel erfahren, so ein Ding wird demnächst gebaut ;) Also auch hier herzlichen Dank für den "Fachbegriff"

Die Dreiplattenmethode scheitert zumindest an der dritten Platte. Allerdings sollte meine geschabte schon halbwegs plan sein. Damit kann ich ja mal die andere tuschieren. Nur das Gewicht ist enorm, ich schätze gut 50k, das wuppe ich nicht mehr so einfach aus der Hüfte :o

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Re: Überprüfung gebrauchter Tuschierplatten

Beitrag von Dr. No » So 8. Dez 2019, 00:53

Stahlfussel hat geschrieben:
Sa 7. Dez 2019, 17:45
das Verfahren wurde von Sir Joseph Whitworth 1840 auf einer Konferenz in Glasgow vorgestellt.
Und seit dieser Zeit ist noch kein Einziger bekannt geworden, der das jemals im Experiment nachgewiesen hätte :-)

Peter

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