Bleifrei löten - was ist euer Geheimnis?

Jasmir
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Bleifrei löten - was ist euer Geheimnis?

Beitrag von Jasmir » Do 15. Aug 2019, 18:39

Moin zusammen,

ich bin jetzt seit kurzem auch mit bleifreiem Elektronik-Lot unterwegs. Aber leider will es nicht, wie ich will. Dabei ist das löten selbst ja noch ok (auch wenn die Lötstellen nicht mehr ganz so toll aussehen, und ich mit der Temperatur etwas höher gehen musste). Mein Hauptproblem ist aber die Lötspitze: Sie wird nach kurzer Zeit nicht mehr so richtig vom Lötzinn benetzt, erst wenn ich sie wieder so richtig mit Lötzinn vollpampe und abstreife. Abstreifen alleine reicht nicht, dann bilden sich relativ schnell kleine dunkle Flecken auf der Lötspitze. Ergebnis: Ich verbringe jetzt gefühlt 50% der Zeit und verplemper 80% des Lötzinns, um die Lötspitze wieder gangbar zu machen. Das möchte ich natürlich nicht.

Wie macht ihr das mit dem bleifrei-Zeugs? Benötige ich da eine andere Lötspitze/andere Beschichtung der Lötspitze? Wenn ja, welche?

Parameter:
Temperatur 310-350°C (vorher 280-320)
Lötzinn: Armack Typ32-3 (Sn95Ag4Cu1, Flussmittel 3,5%)
Lötstation: Fixpoint EP 5

Spitzbube
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Re: Bleifrei löten - was ist euer Geheimnis?

Beitrag von Spitzbube » Do 15. Aug 2019, 18:49

moin jasmir
du brauchst den stein der weisen... :-D ich meine den salmiakstein :o
guggst du hier >>> https://www.stannol.de/uploads/tx_mobil ... ein_DE.pdf <<<
mfg
der spitzbube

Bastelspass
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Re: Bleifrei löten - was ist euer Geheimnis?

Beitrag von Bastelspass » Do 15. Aug 2019, 18:54

Ich will das meine Lötstellen halten, deswegen werde ich weiter Bleihaltig löten.
Beim Militär und der Medizintechnik lötet man weitet mit Blei.
Ein Freund musste alle Platinen der Busse einer Kleinstadt bleihaltig nachlöten, weil die Türen nicht mehr aufgingen.
Bleifrei Löten erinnert mich an Eisen im Spinat, (war ein Irtum) falsche Kommastelle.

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Stolle1989
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Re: Bleifrei löten - was ist euer Geheimnis?

Beitrag von Stolle1989 » Fr 16. Aug 2019, 03:53

Ist mir vei meinen Hobbyanwendungen vollkommen Schnurz ob da Blei drin ist.
Viel wichtiger ist mir, dass es sich gut verarbeiten lässt und dauerfest ist.

Man wird schon nicht tot umfallen wenn man ab und an ein wenig einatmet, bzw wenn man es öfter macht wird eime kleine Absaugung über einen PC Lüfter z. B. schon viel bringen.

Ich denke es ist wie Alufolie auf dem Grill, jahrzehnte lang war es Standard und nun sind alle ganz panisch.
Viele Grüße aus der Braunschweiger Ecke
Lennart

Drehmaschine: Weiler Matador VS2 + Emco Compact 5
Fräsmaschine: Deckel FP2 + Rong Fu 45 oder so
Sägen: MBS115
Schleifen: Deckel S0E, Wedevag Bohrerschleif, Brierley ZB25

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Karl
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Re: Bleifrei löten - was ist euer Geheimnis?

Beitrag von Karl » Fr 16. Aug 2019, 09:16

Bastelspass hat geschrieben:
Do 15. Aug 2019, 18:54
Ich will das meine Lötstellen halten, deswegen werde ich weiter Bleihaltig löten.
Beim Militär und der Medizintechnik lötet man weitet mit Blei.
Das tue ich auch, solange ich noch Sn60Pb40 zur Verfügung habe.
Es wird aber immer schwieriger, noch welches zu bekommen.

Der TE hat aber hier eindeutig nach Tipps zum bleifreien Löten gefragt.
Könnt Ihr alle nicht lesen oder warum kommen dann gleich mal drei Antworten,
die davon abraten. WARUM? Er wird schon seine Gründe haben ...
WARUM kann man hier nicht einfach mal eine klar gestellte Frage beantworten?

Mich würde das übrigens auch interessieren, was es da für Tipps & Tricks gibt,
um mit diesem neumodischen Zeugs vernünftige Lötstellen hinzukriegen ...

Gruß
- Karl

Tiberius
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Re: Bleifrei löten - was ist euer Geheimnis?

Beitrag von Tiberius » Fr 16. Aug 2019, 09:25

Viel Flußmittel parat haben. Ich hab nie großartig mit extra Flußmittel gearbeitet aber bei dem bleifreien Lot hau ich im Zweifelsfall was extra drauf. Macht halt das reinigen nachher aufwändiger. Aber bei SMD Bauteilen braucht man tendenziell sowieso mehr Flußmittel als bei Durchkontakt. Ich verwende gerne "Löthonig" bei normalen Sachen und so dünneres SMD Flußmittel aus der Kanüle für die ganz kleinen Dinge. Festes Kolophonium aus der Dose eigentlich nur zum reinigen der Spitzen.

edit: Steht zwar meistens auf den Lotspulen auch drauf aber bleifreies Lot muss auch heißer gelötet werden als bleihaltiges. Wenn man keinen Einstellbaren Lötkolben hat sondern einen alten mit fester Temperatur, dann sollte man über eine Neuanschaffung nachdenken. Ich hab zusätzlich zur alten Weller Station einen TS100 angeschafft und bin begeistert was der fürs Geld bietet.

c45
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Re: Bleifrei löten - was ist euer Geheimnis?

Beitrag von c45 » Fr 16. Aug 2019, 09:29

Man wird durch Blei nich tot umfallen, aber überspitzt gesagt mit der Zeit immer Dümmer (IQ und Lernverhalten sind beeinträchtigt, Wikipedia).
Ich löte schon einige Jahre bleifrei (Platinen, Handlöten) und die Lötstellen halten auch.
Mit herkömmlichen Lötkolben tut man sich da aber schwer, wegen dem höheren Schmelzpunkt des bleifreien Lotes.
Bei den herkömmlichen regelbaren Lötkolben kann man zwar die Temperatur erhöhen, aber es fehlt meist an genug schnell zugeführter Wärme.
Bei neuere Lötkolben ist der Temperatursensor fest in die Lötpitze eingebaut, der Lötkolben hat dadurch ein wesentlich besseres Regelverhalten und kühlt auch bei größeren Lötstellen nicht so schnell ab.

Gruß

Jürgen

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gerhard_56
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Re: Bleifrei löten - was ist euer Geheimnis?

Beitrag von gerhard_56 » Fr 16. Aug 2019, 09:53

Ich habe eine Ersa RDS80 Lötstation, neben der stufenlosen Temperatur Einstellung hat die 3 Festtasten für 150, 300 und 400 Grad. Wenn ich löte drücke ich die 400 Grad, innerhalb von 10-15 Sekunden hat die Lötspitze diese Temperatur für die Lötung erreicht und wenn ich den Lötkolben abgelegt habe, drücke ich 150 Grad. Zumindest gefühlt meine ich, dass die Benetzungsfähigkeit der Lötspitze so länger erhalten bleibt und nicht so schnell verzundert, mit bleihaltigen Lot war es mMn aber besser. Die Lötspitzen sind die Standard Lötspitzen von Ersa, nach einer gewissen Zeit nehmen die auch das Lot schlechter an, dann habe ich die gleiche Arbeit wie Du.

Insbesondere wenn ich Lötstellen nachlöten will habe ich mit den neuen Loten Probleme, irgendwie läuft das Zeug schlecht. Ich habe mir jetzt einmal das Flussmittel Amtech NC-559 besorgt und will versuchen, mit einem kleinen Tupfer dieses Flussmittels auf eine vorhandene Lötstelle die Lötbarkeit zu optimieren, überschüssiges Flussmittel muss nachher nicht entfernt werden, probiert habe ich es allerdings noch nicht. Vorstellen kann ich mir auch, das ein kurzes eintauchen der Lötspitze die Benetzbarkeit wieder sofort herstellt, muss ich aber auch noch ausprobieren.
Viele Grüße, Gerhard

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Re: Bleifrei löten - was ist euer Geheimnis?

Beitrag von Marko » Fr 16. Aug 2019, 10:54

Hallo,
- Lötstation mit genügend Leistungsreserve
- ausschließlich Lötspitzen für bleifreies Löten verwenden!
- Lötspitzentemperatur nur so viel wie nötig ( durch Probieren herantasten ) über dem Schmelzpunk des Lotes
- professionelles Flußmittel für bleifreies Löten verwnden
- Trockenreiniger ( Messingspäne ) benutzen
- prof. Lötspitzenaktivator benutzen!

Lieber Gruß,
Marko

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Re: Bleifrei löten - was ist euer Geheimnis?

Beitrag von ecke » Fr 16. Aug 2019, 11:30

Dieses Jahr wurde uns der Gebrauch in unserer Entwicklung (Großkonzern) von Bleilot untersagt und alles Material eingezogen.
Wir haben uns dann Pb-Frei von allen möglichen Herstellern besorgt. Diese Lote hatten recht unterschiedliches Verhalten: von geht gar nicht, bis brauchbar.
Dem alten Pb-Lot konnte aber keines das Wasser reichen. Für privat habe ich extra einiges gebunkert.

Wir haben uns dann nach etlichen Versuchen hierfür entschieden:
Bei 420C° lässt sich das auch ohne Flussmitel vernüftig löten.

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