Instandsetzung Frässpindel mit MK4

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gearhead82
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Instandsetzung Frässpindel mit MK4

Beitrag von gearhead82 » Do 13. Jun 2019, 17:33

Hallo,

Ich hatte letztens im Forum gefragt, ob mir das jemand machen kann. Hier der Post: Post #39918
Nun hab ich mich doch getraut das selbst zu machen. Hatte Bedenken, weil mein Support miserabel ist.
Habe irgendwie ausgeblendet, dass es ja MK-Reibahlen gibt, die alle Ungenauigkeiten egalisieren, solange die Flucht stimmt.

hier ein paar Fotos:

Lünette einrichten. Habe dafür ein 20er Rund und verschieden lange M10x1-Schrauben. Das Rund richte ich vorher mit Messuhr und verst. Vierbackenfutter aus.
DSCF2318.JPG
Lagersitz der Spindel ausrichten. Habe nur nen <10€ Chinataster. Geht aber auf <5µ genau.
Bei der ersten Spannung habe ich den Lagersitzt direkt in die Lünette gespannt (Bronzegleitlagerung). Hat dann unschön gefressen, wegens Wärmeeintrag. Daher die Spannung mit dem Kugellager.
DSCF2319.JPG
Mit dieser abenteuerlichen Aufspannung stelle ich den Winkel des Supports ein. tan 1,488° = die Solldifferent pro gekurbelten mm. Die erste Einstellung war auf Anhieb fast gut, hätte ich mal so lassen sollen. Die Verstellversuche um noch genauer zu werden haben etwas gedauert.
Das Spanngummi soll das Spiel im Support eleminieren. Funktionierte sehr gut!
DSCF2317.JPG
Ausdrehen. Die Bohrstange hat ganzschön vibiert, aber es ging. Trocken, ober mit Druckluft zum Spänerauspusten
DSCF2320.JPG
Reiben. Die ersten Schnitte haben immer nur weit innen was weggenommen. Habe den Winkel etwas nach Gefühl nachjustiert, nochmal nachgedreht, nun rieb es auf ganzer Länge.
DSCF2321.JPG
0,03mm Schlag. Besser als vorher die 0,17, aber nicht optimal. Nochmal leicht nachgedreht und gerieben, nun 0,015 - 0,02. Besser wirds nicht.
DSCF2322.JPG
Das Tragbild könnte besser nicht sein.
DSCF2323.JPG
Weils so schön war und alles eingerichtet, habe ich noch eine weitere Spindel einer anderen Fräse gleichermaßen behandelt. War nach 1h gemacht.
Ergebnis auch 0,015mm Höhenschlag. 15mm weiter drinnen im Kegel 0,01.

Wüsste gern, woher die Ungenauigkeit kommt.

Liebe Grüße
Stefan

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Markus_G
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Re: Instandsetzung Frässpindel mit MK4

Beitrag von Markus_G » Do 13. Jun 2019, 18:02

Hallo Stefan,
danke für den interessanten Beitrag.
Hab etwas ähnliches seit längerem vor und hab bei Dir ein paar gute Anregungen gefunden.
Schöne Arbeit übrigens.
Gruß
Markus

Das muss jetzt nicht so genau werden, es kommt auf 5µ nicht an.

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gerhard_56
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Re: Instandsetzung Frässpindel mit MK4

Beitrag von gerhard_56 » Do 13. Jun 2019, 20:10

Hallo Stefan,
war die Reitstockspitze beim reiben perfekt auf Mitte des Werkstück ausgerichtet?
Falls nein, würde die Reibahle hinten um den Betrag aus der Mitte gedrückt und das könnte dann der Grund für die Ungenauigkeit sein.
Viele Grüße, Gerhard

gearhead82
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Re: Instandsetzung Frässpindel mit MK4

Beitrag von gearhead82 » Do 13. Jun 2019, 21:40

war die Reitstockspitze beim reiben perfekt auf Mitte des Werkstück ausgerichtet?
Falls nein, würde die Reibahle hinten um den Betrag aus der Mitte gedrückt und das könnte dann der Grund für die Ungenauigkeit sein.
Genau der Gedanke kam mir vorhin auch. War sie mit Sicherheit nicht. :wall:
Könnte auch erklären, warum an einigen Schneiden mehr Späne waren als an anderen.
Aber selbst dann müsste doch die Flucht bleiben, nur der Winkel vom Konus wird leicht anders... :kopfkratz:

Dann gibts hoffentlich noch den Effekt, dass die ausgefahrene Reitstockspitze genug Elastizität/Spiel hat, sodass sie eher von der Reibahle geführt wurde als andersrum.

Hätte trotzdem besser mit etwas flachem drücken sollen.

Gruss, Stefan

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FP91
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Re: Instandsetzung Frässpindel mit MK4

Beitrag von FP91 » Do 13. Jun 2019, 21:50

Hi Stefan,

super, dass es geklappt hat. Der Rundlauffehler könnte aus vielerlei Gründen entstanden sein, an den Reitstock würde ich da nicht denken. Das gäbe einen Winkelfehler, wäre aber trotzdem zentrisch. Ich würde mich da nicht grämen. Das ist besser, als so manche Maschine neu schafft.

Grüße

Flo

gearhead82
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Re: Instandsetzung Frässpindel mit MK4

Beitrag von gearhead82 » Do 13. Jun 2019, 22:04

Ist so eine Mischung aus Stolz und Gram.

Selbst wenn ichs erstmal nicht genauer hinbekommen habe, so wüsst ich doch gern wie es "nahezu perfekt" ginge.

Evtl. könnte das Lager in der Lünette eine Rolle spielen. Hat ja auch etwas Spiel.
Bei der ersten Spindel wars ein C3-Lager, bei der zweiten ein "normales", die Abweichung aber bei beiden Werkstücken gleich.
Vielleicht hättich zum Reiben wieder auf Gleitlagerung umbauen sollen.

Habe nach dem ausdrehen leider keine Schlagmessung gemacht, daraus hätte man ja auch Rückschlüsse ziehen können, an welcher Stelle die Ungenauigkeit entstand.

Ahoi,
Stefan

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gerhard_56
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Re: Instandsetzung Frässpindel mit MK4

Beitrag von gerhard_56 » Do 13. Jun 2019, 23:02

FP91 hat geschrieben:
Do 13. Jun 2019, 21:50
Hi Stefan,

super, dass es geklappt hat. Der Rundlauffehler könnte aus vielerlei Gründen entstanden sein, an den Reitstock würde ich da nicht denken. Das gäbe einen Winkelfehler, wäre aber trotzdem zentrisch. Ich würde mich da nicht grämen. Das ist besser, als so manche Maschine neu schafft.

Grüße

Flo
Keine Frage, das Ergebnis ist super.
Aber warum denkst Du da nicht an den Reitstock? Wenn der nicht mittig ist, dann sitzt die Reibahle hinten versetzt und führt die Reibahle, vorne wird sie im Werkstück im vorgedrehten Konus geführt und zwar um so mehr, je weiter sie eintaucht, hinten bleibt sie aber in der außermittigen Lage und das müsste doch zu einem Schlag führen, der im Konus kleiner wird, denn das Werkstück steht doch. Nur wenn das Werkstück sich dreht und die Reibahle steht, ergibt sich kein Schlag sondern ein Winkelfehler.
Viele Grüße, Gerhard

elmech
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Re: Instandsetzung Frässpindel mit MK4

Beitrag von elmech » Do 13. Jun 2019, 23:38

Hallo, richtet man bei alten Maschinen den Reitstock nach Prüfdorn und Uhr ,macht man das mit kurz geklemmter fester, Spitze. Nie mit Rotorspitze ,immer mit fester Spitze und genauem Konus derselben! Ist Bett und Reitstockbohrung, samt Pinole, schon etwas verschlissen , wachsen die Ungenauigkeiten dann schnell. Da sind die gezeigten Abweichungen, noch relativ genau! Eine MK Reibahle mit Spitze angestellt ( Handreibahle!) , ist punkto Zentrierung sehr, auf gleichmässigen Druck und Schneidleistung, angewiesen! Besser wäre da, eine Reibahle mit MK Kegel Aufnahme. Einen Innenkegel genau zu Produzieren, erfordert eigentlich eine sehr genaue Innenschleifmaschine und eine genau vorgefertigten, rundlaufenden, Kegel. Freundliche Grüsse Andi

gearhead82
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Re: Instandsetzung Frässpindel mit MK4

Beitrag von gearhead82 » Fr 14. Jun 2019, 08:09

Nur wenn das Werkstück sich dreht und die Reibahle steht, ergibt sich kein Schlag sondern ein Winkelfehler.
Achja, das geht vielleicht nicht aus dem Bericht hervor: Das Werkstück drehte sich. Ein aufgesteckter Rinkschlüssel am Reibahlenviekant, abgestützt an der Maschine, hielt die Reibahle und die Pinole machte Druck von hinten.
Winkelfehler ist, wie man am Tuschierbild sieht, eigentlich nicht entstanden. Wird also nicht so schlimm ausser Mitte gewesen sein.

Die Reibahle ist als Handreibahle konzipiert. Keine Ahnung wie man den nötigen Druck per Hand aufbauen soll...und noch gleichzeitig drehen.
Aber warum denkst Du da nicht an den Reitstock?
Weil :gruebel:

LG, Stefan

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Stern-300E24V
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Re: Instandsetzung Frässpindel mit MK4

Beitrag von Stern-300E24V » Fr 14. Jun 2019, 09:23

Hi, ersteinmal Respekt vor Deiner Arbeit ! Deine Beitrag macht mir Mut und gibt mir Anregungen, meine Spindel meiner AB4 zu "enteiern"... Nur fehlt noch die Zeit um sie zu zerlegen :-( Auserdem habe ich noch keine Zeichnungen Gefunden/Bekommen :-(

Ich habe allerdings zwei MK4-Reibahlen, eine zum "Schruppen" (sieht aus wie deine) und eine zum Schlichten ! Evtl. wäre mit der Schlichtahle das Tragbild nocheinmal besser ?
Den Gedanken, meinen Konus später zu schleifen werde ich wohl aus Mangel an Werkzeug und "Präzision" meiner Drehe wohl verwerfen.... mit dem Rundlauffehler deiner Spindel könnte ich sehr gut an meiner Mortischa* leben.

'Mortischa = Alzemtall AB4SJ
Grüßle, Jörg :hi:

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