Backen ausschliefen, Schleifstift abrichten

Thomas#
Beiträge: 1241
Registriert: Fr 2. Okt 2015, 22:29
Wohnort: Kiel
Germany

Backen ausschliefen, Schleifstift abrichten

Beitrag von Thomas# » Mi 17. Apr 2019, 00:19

Hi,

die harten Backen meines 160er Drehbankfutters hatten einen Unrundlauf von so 1/10mm.

Zum Ausgleich bei einem rund übernommenen Werkstück, hatte ich immer Papier diverser Dicken der/den Krallen beigelegt.
Die Methode nervt aber auf Dauer :schlaumeier:
Und so bin ich eines Abends spontan das Ausschleifen der Backen angegangen.

Dazu fand sich ein rosa Schleifstift Fabrikat Pferd, Typ ZY 3232 6 AR 14 O 5V.
AR = Edelkorund
O = Härtegrad "mittel"
V = keramische Bindung

Näheres (und Varianten) auch hier Seite 7
https://www.pferd.com/media/PFERD-Werkz ... g-3-de.pdf

In die im Futter liegenden Grundbacken setzte ich eine fette Nuss Fabrikat Wisent (Baumarkt) die im großen Durchmesser - oh Wunder - nur um 1/100 schwankte.
Dann das Futter angezogen und probe-geschliffen (Hinweis: nur 2.900 U/min kann die Fräs-Spindel).

Für das Drehfutter selbst, wurde eine möglichst niedrige Drehzahl als vorteilfhaft festgestellt, von schätzungsweise 80 - 120 U/min.
Als radiale Zustellung zeigten sich so maximal 3/100 als sinnvoll.
Und dann diverse Runden zum Ausfeuern, bis zur nächsten Zustellung.
Man hört am Geräusch seeeehr gut, wenn eine Backe noch "zu eng" ist.

Ergebnis:
der Rundlauf war ganz wesentlich verbessert- freu!
Vom Erstlingswerk motiviert ergab sich, dass ich das aber noch rationalisieren/verfeinern möchte.

Und zwar:

1) der Schleifstift war soweit ein Glücksgriff.
Also da wurde tatsächlich relativ gut geschliffen und nicht nur übel zerkratzt.

Frage dazu:

Welche Sorte könnte ich probieren, die unter den gegebenen Umständen, eventuell noch besser geeignet sein könnte?
Ich denken natürlich an Sizilium-Carbid ...

Oder sonst, sieht Link oben, was es noch so gibt.

2) und das wäre mir eigentlich das Wichtigste:
den Schleifstift per einem Abricht-Diamanten, vorab und zwischendurch, immer mal wieder in Form bringen zu können.

Frage dazu wäre, an welchen Abricht-Diamanten müsste ich dabei denken?
Also besonders hinsichtlich dem Wert für Karat?

Beispiele bei ebay:
https://www.ebay.de/sch/i.html?_from=R4 ... acat=11804

Habe keine Ahnung, welcher Wert sinnvoll sein könnte.
Mehr Karat = vermutlich längere Lebensdauer?

Danke für Tips und
Grüße von Thomas#

Folgend noch ein paar erläuternde Bilder.
Das letzte deutet an, wie ein Abricht-Diamant platziert werden könnte.
Abrichten über die Länge mittels der Y-Achse.
Dateianhänge
Backen ausschleifen_1.jpg
Backen ausschleifen_3.jpg
Backen ausschleifen_5.jpg
Backen ausschleifen_6.jpg
Backen ausschleifen_4.jpg

reloader
Beiträge: 3044
Registriert: Mo 15. Nov 2010, 11:31
Wohnort: Castrop-Rauxel
Germany

Re: Backen ausschliefen, Schleifstift abrichten

Beitrag von reloader » Mi 17. Apr 2019, 00:33

Hallo,

ich habe zum Ausschleifen immer die galvanisch gebundenen Diamantschleifstifte von Pferd benutzt. Die schleifen recht agressiv und fast ohne seitlichen Druck. Das ist gut fürs Ergebnis. Mit Korund Schleifkörpern habe ich nie gute Ergebnisse erzielt.


viele Grüße

Edgar

Dr.Frank
Beiträge: 285
Registriert: Fr 20. Feb 2015, 21:05

Re: Backen ausschliefen, Schleifstift abrichten

Beitrag von Dr.Frank » Mi 17. Apr 2019, 05:48

Guten Morgen!

Nimm' Dir doch zum abrichten des Schleifstiftes einfach eine alte Diamantfeile her. Achtung: am besten den Schleifstift nach hinten freistellen, damit die Eingriffsfläche verringert wird.

Gruß, Frank

Benutzeravatar
Rainer60
Beiträge: 620
Registriert: So 11. Feb 2018, 19:33
Liechtenstein

Re: Backen ausschliefen, Schleifstift abrichten

Beitrag von Rainer60 » Mi 17. Apr 2019, 07:20

Hoi Thomas
Die 1 Karat sind eher für Schleifscheiben Ø300mm. Für Schleifstifte sind Mehrkornabrichter gutmütiger.
Um Drehfutterbacken auszuschleifen sehe ich Korund nur um den letzten feinen Schliff hinzukriegen.
Beim Backen schleifen sollte nicht nur am Ø sondern auch die Planflächen nachgezogen werden.

Für einen geometrischen Schliff würde ich einen CBN-Schleifstift mit der Körnung 126 nehmen, welcher stirnseitig freigestellt ist. Durch die Drehzahl der Frässpindel solltest einen möglichst grossen Schleifstift nehmen und im Gegenlauf schleifen. Damit kannst Du ohne abrichten Dein Futter nacharbeiten. Allerdings benötigst einen weissen Abrichtstein, um die CBN Körner freizustellen (reinigen). Der Schliff wird mit der 126er Körnung etwas rauh, aber geometrisch i.O.

Zur Zustellung:
Bei CBN sagt man die Zustellung sollte in etwa 10% der Korngrösse sein, da sie sonst verstopfen. Bei einem 126er ist die Korngrösse 0.126mm und somit sollte die Zustellung 0.0126mm sein. Deshalb sehe ich Deine genannte Zustellung schon sehr sportlich für Korund. Auch bei CBN lange ausfunken lassen bis kein Schleifgeräusch mehr hörbar ist!

Spannung:
Die Backen hast Du innen gespannt und dadurch das Aufschnabeln etwas vernachlässigt. So werden vermutlich die Spannflächen auch konisch drücken. Die Backen sollten in der Richtung vorgespannt werden, in welcher sie bei Gebrauch wirken. Dies ist nicht immer einfach zu realisieren.
Der Friede sei mit Euch...
Gruss Rainer
————————————————————————————
Es gibt immer eine Lösung - machmal auch eine Andere

Aeious
Beiträge: 270
Registriert: Di 27. Dez 2016, 14:19
Wohnort: Augsburg

Re: Backen ausschliefen, Schleifstift abrichten

Beitrag von Aeious » Mi 17. Apr 2019, 07:34

Zum schleifen der inneren Fläche habe ich mal eine Frage.
Auf dem Bild sieht es ja so aus als würden nur die ersten drei Zähne der inneren Spannflächen geschliffen (alles vor der gespannten Nuss).
Wie schafft man es denn, dass die gesamte Spannfläche bis hinten gleichmäßig geschliffen wird?
Gruß
Andreas

Sieg SC4, Genko TB24, Tronxy X5S

bear
Beiträge: 140
Registriert: So 11. Jan 2015, 14:24
Switzerland

Re: Backen ausschliefen, Schleifstift abrichten

Beitrag von bear » Mi 17. Apr 2019, 07:44

Moinsen....

Ein Tipp, man sollte die Backen immer vorne "verspannen"... im realen Betrieb wird auch im vorderen Bereich gespannt und die Backen verkippen in den Führungen. Wenn man die Backen schon so verkippt bearbeitet erhöht sich sie Präzision...


Gruss

Julian
Dateianhänge
Unbenannt.PNG

Benutzeravatar
eXact Modellbau
Beiträge: 7229
Registriert: Mi 17. Aug 2011, 08:04
Wohnort: Bad Doberan (Mecklenburg)
Kontaktdaten:
Germany

Re: Backen ausschliefen, Schleifstift abrichten

Beitrag von eXact Modellbau » Mi 17. Apr 2019, 09:19

Moin
Da Du die Backen nicht vorgespannt hast, hätte ich das Futter in der höchsten Drehzahl laufen lassen. Dadurch liegen die Backen dann automatisch an der Außenseite der Planspirale an. So habe ich das damals auch gemacht, und war mit dem Ergebnis zufrieden.
Die Drehzahl der Schleifspindel erscheint mir etwas gering für den Durchmesser des Schleifkörpers. Kriegst Du da überhaupt schon Funken?
Gruß
Larry

Nehmen und geben! Es ist nicht der Sinn eines Forums, Informationen per PN auszutauschen!

www.die-minilok.de

michiel
Beiträge: 812
Registriert: Mi 28. Aug 2013, 15:25
Wohnort: Schleswig Holstein
Germany

Re: Backen ausschliefen, Schleifstift abrichten

Beitrag von michiel » Mi 17. Apr 2019, 09:24

Hat doch vorgespannt, mit der Nuß.
Gruß
Michiel

Benutzeravatar
gerhard_56
Beiträge: 536
Registriert: Di 5. Jul 2016, 16:14
Germany

Re: Backen ausschliefen, Schleifstift abrichten

Beitrag von gerhard_56 » Mi 17. Apr 2019, 09:29

Die Grundbacken hat er vorgespannt, die Aufsatzbacken nicht.
Viele Grüße, Gerhard

Gullideggl
Beiträge: 337
Registriert: Fr 30. Nov 2012, 18:14

Re: Backen ausschliefen, Schleifstift abrichten

Beitrag von Gullideggl » Mi 17. Apr 2019, 09:44

Hallo Larry,
Da Du die Backen nicht vorgespannt hast, hätte ich das Futter in der höchsten Drehzahl laufen lassen. Dadurch liegen die Backen dann automatisch an der Außenseite der Planspirale an. So habe ich das damals auch gemacht, und war mit dem Ergebnis zufrieden.
diesen Tipp hattest du schon länger hier gegeben und ich habs dann letztes Mal auch probiert. Volle Drehzahl und los. Bin mit dem Ergebnis mehr als zufrieden und man hat kaum Rüstzeit für die Aktion.

Durch die Fliehkraft drückts die Backen gegen die Planspirale. Damit das gut funktioniert, habe ich alles sauber gemacht, auf leichten Lauf der Backen in den Führungen geachtet und in der Position, in der die Backen ausgeschliffen werden (Durchmesserbereich) den Backenfutterschlüssel bei vorgespannten Backen (von Hand nach außen drücken reicht eigentlich) ein paarmal hin und her gedreht. So geht man halbwegs sicher, dass nicht irgend ein winziger Span dafür sorgt, dass die Backen nicht ganz an der Planspirale anliegen.
Werde ich wieder so machen.

Grüßle Jo

Antworten