Gleitlager - Stabilität bzw. Belastbarkeit des Ölfilms

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Stahlfussel
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Gleitlager - Stabilität bzw. Belastbarkeit des Ölfilms

Beitrag von Stahlfussel » So 17. Mär 2019, 11:45

Hallo Männers,
ich habe eben an meiner Myford ML 7 den Rundlauf der Spindel überprüft (MK2 Prüfdorn im Spindelkonus). Die Spindel ist weich und läuft in Weissmetall-Lagern. Geschmiert wird mit Shell Tellus 32, ungefähr 1 Tropfen alle 60 Sekunden.

Erster Durchgang:
Prüfung mit von Hand gedrehter Spindel, Keilriemen lose, ohne die Lager mit Öl versorgt zu haben. Die Maschine stand ca. 5 Tage still.
Rundlauffehler 15mm vor der Spindelnase: 6-8µm

Zweiter Durchgang:
Prüfung mit Antrieb, Keilriemen gespannt, 200 U/Min, Lager mit Ölzufuhr
Rundlauffehler < 2µm, die Nadel zittert nur leicht

Dritter Durchgang:
Prüfung mit von Hand gedrehter Spindel, Keilriemen lose, Lager mit Ölzufuhr
Rundlauffehler auch < 2µm

Ich nehme an, dass der in den Lagern umlaufende Ölfilm die Spindel zentriert.

Meine Frage: hält der Ölfilm dem Schnittdruck* stand? Darf ich von diesem Rundlauf auch unter Last (Schlichten) ausgehen?
*) ich muss hierzu ja etwas annehmen. Also bspw. S355/ST52, 5/100mm Zustellung, Vorschub 1/10mm/U, 1.280 U/Min, scharfer, positiv geschliffener HM-Drehstahl mit 3mm Spitzenradius.

Danke für Eure Hinweise und Meinungen.

Gruß,
Jochen

elmech
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Re: Gleitlager - Stabilität bzw. Belastbarkeit des Ölfilms

Beitrag von elmech » So 17. Mär 2019, 12:02

Hallo Jochen, da musst Du dir keine Gedanken machen das ist nicht das Problem beim ML7! Der Riemenzug verändert ja den Rundlauf auch nicht! Das Spiel ist knapp obwohl ganz trocken werden diese Lager ja nicht so schnell! Ich habe meine mit einer neuen, gehärteten Spindel und Phosporbronze Lagern ausgerüstet und war aber mit der Präzision nicht zufrieden. Spiel hatte ich gut 1/100mm gemessen- Trocken, ohne Öl. Ich habe Kollegen, die drehen seit über 40 Jahren mit der Ml7 und haben immer noch die gleichen Lagerungen eingebaut! Wünsche Dir viel Spas mit der Maschine! Freundliche Grüsse Andi

mikromeister
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Re: Gleitlager - Stabilität bzw. Belastbarkeit des Ölfilms

Beitrag von mikromeister » Mo 18. Mär 2019, 23:24

Prinzipiell wird der Schnittdruck die Spindel im Ölfilm etwas verlagern aber bei so geringem Lagerspiel und bei der guten Dämpfung des Ölfilms ist das kein Problem.

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JollyRoger
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Re: Gleitlager - Stabilität bzw. Belastbarkeit des Ölfilms

Beitrag von JollyRoger » Di 19. Mär 2019, 07:58

Stahlfussel hat geschrieben:
So 17. Mär 2019, 11:45
Meine Frage: hält der Ölfilm dem Schnittdruck* stand? Darf ich von diesem Rundlauf auch unter Last (Schlichten) ausgehen?
Würde er so einem Schnittdruck nicht standhalten, gäbs deine Maschine schon nicht mehr ;-) dann wären die Lager schon längt im Ar...

Gleitlager sind, je nachdem wie sie dimensioniert wurden, eher empfindlich auf kleine Drehzahl in Kombination mit hoher Last bzw. auf Ein-/Ausschaltvorgänge. Ein Gleitlager, das gut mit sauberem (!!!!!) Öl versorgt wird und wo die Welle halbwegs Drehzahl hat, ist quasi verschleißfrei. Deshalb handelt man sich Motorschäden am Auto auch am ehesten bei hoher Last und kaltem Motor ein, da die Schmierstoffversorgung und -verteilung im Lager hier nicht ganz so gut ist, oder aber wenn man das Öl nicht regelmäßig wechselt.

Wenn du nicht grad permanent große Trapezgewinde drehst und die Maschine gut wartest kannst du dich auf die Gleitlager verlassen und du wirst auch noch lange Freude damit haben.

Übrigens: Die fünf Rufzeichen hinter "sauber" kommen daher, dass Schmutz im Öl die Ausfallursache Nr. 1 für Gleit- und Wälzlager ist.

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