Eigenbau Oberschlitten

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FP91
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Re: Eigenbau Oberschlitten

Beitrag von FP91 » Mo 10. Dez 2018, 21:57

Hey Markus,

schön das zu lesen! Gerade wo einfache Berichte im Forum selten geworden sind. Einfach "unverkrampfter Maschinenbau" wie hier mal jemand in einem anderen Topic schrieb!

Grüße

Flo

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soldernerd
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Re: Eigenbau Oberschlitten

Beitrag von soldernerd » Di 11. Dez 2018, 10:14

Interessantes Projekt, ich freue mich, mehr darüber zu lesen :goodpost:

Was ist das eigentlich für eine Fräse mit der horizontalen Spindel?

Gruss
Lukas

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Re: Eigenbau Oberschlitten

Beitrag von K-Mehl-Treiber » Di 11. Dez 2018, 22:56

Freut mich wenn es euch gefällt :thx:

Die Fräsmaschine ist eine Horizontalfräsmaschine ohne Gegenhalter von Beling und Lübke.
(siehe auch hier: viewtopic.php?f=4&t=26810&p=439221#top )

Na denn, lasset die Köhlerei weitergehen :ironie:
Dass das Fräsen von Grauguss eine staubige Angelegenheit ist wird hier im Forum sicher nicht zum ersten Mal erwähnt ;-) .

Gut, es ging dann weiter mit dem Unterteil des Oberschlittens. Von der Konstruktion her ähnlich aufgebaut wie das Original des Wackeldackels, nur dass die Verbindung mit der Grundplatte viel mehr Fläche bietet.

Los ging es erst mal mit dem Fräsen der Stufen für den späteren Schwalbenschwanz:
20180824_195526.jpg
20180824_195536.jpg
Dann gings am nächsten Tag mit dem Schwalbenschwanz weiter:
20180830_155345.jpg
20180830_181051.jpg
Nachdem der Schwalbenschwanz fertig war, wurde in der Mitte noch eine Nut für die Spindel gefräßt, fast gleich wie bei der Vorlage. Nur um genug Platz für die Spindelmutter zu haben wurde noch eine größere Tasche eingefräst.
Dabei ist im Bereich der Tasche am dünnen Teil des Schwalbenschwanzes noch gleich viel Fleisch vorhanden wie beim Original, somit sollte das keine Schwachstelle darstellen. Der Rest hat ja deutlich mehr Material.
20180903_201117.jpg
20180903_201205.jpg
So weit der Stand von Anfang September.
Die Zwei kleinen Stufen in der Nut für die Spindel habe ich mit dem Hintergedanken stehen lassen, dass ich hier noch eine Phase anbringen wollte, oder mit einem Kugelfräser eine Rundung zu machen.
Nun bis jetzt ist das erst mal so geblieben. :pfeif:

LG
Markus

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FP91
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Re: Eigenbau Oberschlitten

Beitrag von FP91 » Di 11. Dez 2018, 23:00

Hi Markus,

also ich bleib erstmal beim Lob: Große klasse, dass du dich ran traust und so gute Bilder zeigst. Hätte ich die Zeichnungen vorher gesehen hätte ich schon geschriehen: Das gefällt mir nicht. Zwischen den Schwalbenschwänzen sollten Stege sein, dass hast du leider ganz frei gefräst. Sonst "verbiegen" die sich bei stärkeren Druck. Ist daher auch bei (allen mir bekannten) Schwalbenschwanzführungen so gelöst.

Liebe Grüße, Flo

*der trotzdem Respekt vor der Arbeit hat, soweit bin ich noch lang nicht!
20180903_201205.jpg

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Re: Eigenbau Oberschlitten

Beitrag von K-Mehl-Treiber » Mi 12. Dez 2018, 21:38

Hi Flo,

ja, das ist ein Manko dieser Konstruktion.
Ich habe länger mit mir gekämpft ob ich das wieder so nachbauen sollte, aber weil das alles so schmal ist, ist mir keine bessere Lösung eingefallen.

Vermutlich wäre es besser gewesen erst mal noch ein paar Meinungen einzuholen, aber wie das halt oft so ist, man ist Feuer und Flamme für das gerade ausgetüftelte und will nur noch die Späne fliegen lassen.

Erst wollte ich statt den Kanal zu fräsen einfach ein Loch für die Spindel bohren. Leider wäre das Loch aber dann trotzdem oben offen gewesen, weil ich nicht viel weiter runter kann und trotzdem eine 14er Spindel einbauen will, wie beim Original.
Von unten kommt nämlich noch der Zentrierzapfen dran, mit dem der Schlittenunterteil auf der Grundplatte mit den T-Nuten sitzt.
Und da wollte ich für den Zapfen zumindest noch 10mm Material übrig haben.

An anderen Drehbänken ist ja die T-Nut umlaufend schon in den Planschlitten eingearbeitet. Da fällt dieses 20mm dicke Zwischenstück weg. Damit kann man die beiden Schlittenteile dann viel massiver ausführen.
Weil meine Drehbank aber für den Anschluss einer Frässäule am Bett vorbereitet ist, hat sie eben diese beiden T-Nuten im Planschlitten.

Egal, ich denke stabiler als die Originalen 4mm Restwandstärke dürfte das doch sein. :nixweiss:

Wie es mit dem Ding weiterging:

Eine Bohrung in die Mitte der Platte gesetzt und rauf auf den Teiltisch:
20180915_190704.jpg
20180915_190714.jpg

Um nicht in die Geraden an den Enden der Kreisbahn zu fräsen hatte ich mir mit Hilfe der Winkelfunktionen die maximalen Verdrehwinkel vorher ausgerechnet.
Mehr gibt's dann zu diesen Teil nicht mehr zu sagen. Leider hab ich nämlich dann keine weiteren Bilder vom Fräsen gemacht.

Als das dann aber geschlichtet war, gabs eine Anprobe auf der Drehmaschine noch mit dem originalen Schlittenoberteil das nach verstellen der Einstellschrauben auch noch hier draufpassen würde:
20180917_214042.jpg
Von der Reitstockseite her:
20180917_214053.jpg
Eingespannt ist ein 80er Rund, einfach um die Platzverhältnisse besser einschätzen zu können, weil ich mir das selber nicht so ganz vorstellen konnte. Bis zu dieser Anprobe hatte ich ein bisschen Angst, dass sich das alles doch nicht so ausgehen würde wie ich das geschätzt hatte. Aber ich fand dann, dass das doch noch relativ gut geht.
20180917_214105.jpg
Von nahem siehts auch nicht gruseliger aus :muahaha:
Das Futter hat übrigens 160mm im Durchmesser, nur so als Größenvergleich.

Und nun nochmal vom Hubschrauber aus gesehen :-D
20180917_214139.jpg
Tags darauf wurde erst mal der Block für den Oberteil, also für den Schlitten an den vier langen Seiten überfräst.
Anschließend wurde als erstes die Nut für den Schwalbenschwanz vorbereitet und in der Mitte noch etwas weiter ausgefräst um Platz für die Spindelmutter zu schaffen. Gleichzeitig ließ ich aber noch einen Steg stehen, als Anschlag, damit man nicht zu weit nach hinten kurbeln kann und die Spindel aus der Mutter ausfädelt.
Natürlich ist das nicht auf meinem Mist gewachsen, das hab ich ebenfalls vom Original abgekupfert.
20180918_215739.jpg
20180918_215748.jpg
Danach wurden mit dem Schwalbenschwanzfräser noch die beiden Innenseiten bearbeitet.
Außerdem hab ich dann aus einem Stück GGG40 das noch herumlag eine halbwegs genau passende Einstelleiste gezimmert.
In den Schlittenoberteil wurden dann die die Löcher und Gewinde für die Schrauben der einstelleiste gebohrt und geschnitten.
Vorne und hinten wird die Einstelleiste jewels von einem 3mm Stift in ihrer Lage fixiert.
Davon muss ich noch Fotos machen, hab ich im Moment keine.
Leider war ich beim Fräsen dann mit dem Kopf woanders und hab keine Bilder von der Keilleiste und den Bohrungen gemacht.

Soweit erstmal,
LG
Markus
So, das ist jetzt erst mal der Stand zu diesem Projekt.

K-Mehl-Treiber
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Re: Eigenbau Oberschlitten

Beitrag von K-Mehl-Treiber » Sa 22. Dez 2018, 22:40

Schönen Abend allerseits.

An der Zwischenplatte wurden dann die Senkungen für die Muttern eingebracht.
Nun, da ich keinen Flachsenker besitze und auch keinen kaufen wollte und außerdem kein überzähliger Bohrer zu finden war, hab ich mir einen Flachsenker aus Silberstahl gedreht, gefräst und gehärtet.
Leider ist mir dabei ein Fehler passiert. Der Zentrierzapfen am Senker hat 10mm, nur die Bohrungen haben aus welchem Grund auch immer 11mm. :o

Ich hab das dann trotzdem mal probiert auf der Bohrmaschine zu bohren.
Ging beim ersten Loch auch richtig gut. :super:
20181011_210952.jpg
20181011_211240.jpg
Nur war das Zweite Malheur: der gesenkte Durchmesser war immer noch zu klein für die Stecknuss aus dem Knarrenkasten.
Hatte ich mich wohl beim Exzentrisch drehen vertan :steinigung: .

Also wieder zurück an den Start. Nochmal exzentrisch drehen (hatte nur 20mm Silberstahl für ein Werkzeug das 25mm bohren sollte.)
Diesmal aber ohne Zentrierzapfen und dann auf der Fräse nach Koordinaten gebohrt.
20181108_214455.jpg
20181108_214512.jpg
Passt :handshake:

Dann mal grob überschabt und tuschiert. Die Platte trug nur in der Mitte.
Aber nach ca. 6 Durchgängen hatte ich eine halbwegs gute Auflage um auf Parallelität zu messen.
20181120_201152.jpg
20181120_201210.jpg
Danach konnte gemessen werden. Nun eine Seite hängt um 5/100 mm. War wohl nicht richtig gespann beim Planen.
(Ich rede mir immer noch ein, dass meine Fräse geometrisch gut ist, obwohl ich weiß, dass die Y-Achse 3/100 in die falsche Richtung hängt und der Tisch selber nochmal ca. 3/100 )

Egal. das ganze hängt auch noch über die Diagonale. Also mal grob mit Edding eingeteilt und angefangen Stufen zu schaben.
20181122_202234.jpg
Warum alles blau ist? --na weil die Fläche so gut trägt :ironie:
Nö. Einfach um besser erkennen zu können wo ich schon war und wo noch nicht.

So weit ist das Projekt jetzt.
Was gestern noch unverhofft eingetroffen ist, ist das Packet mit den Madenschrauben für die Einstelleiste.
Ich hatte eigentlich erst nach den Feiertagen damit gerechnet.
Mit dabei sind zwei Axial-Kugellager für die Lagerung der Spindel, eine Trapezgewindespindel TR14x3 rechts und zwei Spindelmuttern.
Außerdem hatte ich noch ein Doppelreihiges Schrägkugellager mitbestellt.
Jetzt kann ich mich nicht entscheiden: soll ich das Schrägkugellager einbauen oder die beiden Axialkugellager verwenden? :nixweiss:

LG
Markus

Edit: Rechtschreibfehler und letztes Bild

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Nobby60
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Re: Eigenbau Oberschlitten

Beitrag von Nobby60 » So 23. Dez 2018, 06:46

Moin
Gefällt mir sehr gut was du hier zeigst :respekt:
Gruß Norbert
Sieg SC 10
Sieg SU 1
MBS 115
Wotan&Zimmermann STW300
Deckel G1L
SSM in Gelb
Holzmann ed400
Grobwerk Nord ☺️

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tommydsa
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Re: Eigenbau Oberschlitten

Beitrag von tommydsa » So 23. Dez 2018, 08:01

Eine hübsche und passende Weihnachtsgeschichte für die Zerspanungsbude..

Respekt. :goodpost:
So genau wie nötig und so einfach wie möglich....

Tommy

THIEL Duplex 58, Gack H185, Genko TB, Opti D280, Opti F20, Güde MBS115, USM3. Bj.1948 - 2014

https://www.youtube.com/channel/UC7lpVs ... FOafZTjpBQ

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Re: Eigenbau Oberschlitten

Beitrag von K-Mehl-Treiber » Do 10. Jan 2019, 22:49

Schönen Abend :hi:

Freut mich wenn es euch gefällt :thx:

Letztes Wochenende gab's mal ein kleines Zwischenspiel.
Ich hab mir "mal schnell" einen Bohrer aus Silberstahl gedreht und geschliffen.
20190102_193329.jpg
20190102_193354.jpg
Durchmesser 3,8mm.
Der geht sogar zum ins Volle bohren :kuss:
Na gut ich hab auch nur Messing damit gebohrt:
20190102_200905.jpg
20190102_200915.jpg
Das Ganze soll am Ende dann so aussehen wie auf der Zeichnung:
20190102_205631.jpg
Darauf kann man auch schon erahnen was das werden könnte :pfeif:
Es sollen Einlagestücke werden, damit die Einstellschrauben nicht die Leiste verkippen können. Durch den Zapfen auf den Madenschrauben sind die Messingstücke auch schon recht gut geführt. Zusammen mit dem Kerndurchmesser des M6 passt das sehr gut in den Oberschlitten.

Aber erst mal musste noch der 60° Winkel angefräst werden. Also rauf auf die Beling damit :-D
20190106_103626.jpg
Teilapparat auf 30° gestellt.
20190106_104342.jpg
Und ein paar Durchgänge hin und her - Fertig.

Und hier sind die Dinger schon entgratet beim Probesitzen:
20190106_112056.jpg
Und hier liegt schon die Einstellleiste bereit.
20190106_112101.jpg
Passt. So weit erst mal wieder.

Schönen Abend
Markus

PS.: das Doppelloch in der Einstelleiste ist natürlich volle Absicht :ironie:

Maybach
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Re: Eigenbau Oberschlitten

Beitrag von Maybach » Mo 14. Jan 2019, 12:09

@Markus

Bin beeindruckt!

Maybach

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