Noch ein Neuer mit einer Alten

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Bele
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Noch ein Neuer mit einer Alten

Beitrag von Bele » Sa 11. Aug 2018, 01:02

Hallo zusammen!

Nach längerem Hin- und Her-Überlegen habe ich mir eine für meine Verhältnisse passende, gebrauchte "Drehraspel" gekauft.

Die Auswahlkriterien waren in etwa die Folgenden:
-) Preis (unter einer vierstelligen Summe wird man nix gescheites bekommen, aber höher als 3 sollte die erste Ziffer auch nicht sein)
-) Längs- UND Planvorschub
-) Spitzenhöhe mindestens 200mm, sodaß man zur Not auch mal eine Bremsscheibe "abzupfen" kann-
-) Ein bisserl Zubehör sollte schon dabei sein
-) Die Maschine sollte nicht allzu lang sein, da ich nicht vorhabe, elendig lange Wellen abzudrehen, und auch die Platzverhältnisse keine riesige Voest oder Heid zulassen

Und so habe ich über einige Wochen fleißig die Internet-Anzeigen durchgekämmt, bis ich mir diese hier "geschossen" habe:
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IMG_20180726_183050.jpg
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Sie erfüllt im Prinzip alle meine Vorgaben, es funktioniert soweit alles, und in meiner unendlichen Euphorie dachte ich mir, die fehlenden Unterlagen suche ich mir schon mit Tante Guugel`s Hilfe aus dem Netz zusammen.

So. Jetzt sitze ich da, hab das weltweite Netz vor mir, und finde über diese Maschine ...NIX :wall:

Jetzt bleibt mir nur die Hoffnung, bei Euch "Spänen-Gurus" etwas Licht in die Sache zu bringen.

Wer weiß etwas über die Firma TIGER-WIEN?? Waren das irgendwelche Klone von anderen Herstellern? Die verwendeten Schrauben sind schon mal metrisch, das Baujahr schätze ich auf Mitte Siebziger Jahre. Aber mehr weiß ich dann auch schon nicht mehr über das Ding.

Die englische Lathes Seite habe ich bereits ohne Erfolg durchforstet.

Eine Besonderheit dürfte die Norton-Schwinge mit 9 Einstellungen sein, sowas sieht man eher selten, glaube ich.

Was mich besonders schmerzt, ist die fehlende Plakette mit den Gewindesteigungen. Wenn mir hier jemand weiterhelfen könnte, würde ihn mein Dank auf ewig verfolgen... :thx:

lg
JB

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Harald F.
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Re: Noch ein Neuer mit einer Alten

Beitrag von Harald F. » Sa 11. Aug 2018, 08:51

Guten Morgen

willkommen in der Bude :hi:
Bele hat geschrieben:
Sa 11. Aug 2018, 01:02
Nach längerem Hin- und Her-Überlegen habe ich mir eine für meine Verhältnisse passende, gebrauchte "Drehraspel" gekauft.
herzlichen Glückwunsch zur Raspel :-) Die sieht doch gut aus :super:
Bele hat geschrieben:
Sa 11. Aug 2018, 01:02
Was mich besonders schmerzt, ist die fehlende Plakette mit den Gewindesteigungen.
Mit einer Anleitung kann ich leider auch nicht dienen, aber Du hast hier (mindestens) zwei Möglichkeiten:

1) sämtliche Zahnräder auszählen, die Steigung der Leitspindel vermessen und daraus die Gewindesteigungen berechnen

2) sämtliche Kombinationen aus Getriebeschaltungen und Norton-Getriebe-Stellungen durchprobieren und die resultierenden Steigungen ausmessen, indem Du z.B. mit einer Messuhr den Schlittenvorschub für 10 Umdrehungen (bei großen Steigungen auch weniger) der Spindel bestimmst.

Damit hast Du dann Deine "Gewindesteigungsplakette".

Ich persönlich würde, da ich meinen Rechenküsten nicht traue, mit Methode 1 arbeiten und zumindest die wichtigsten Steigungen mit Methode 2 verifizieren. Das steht mir mit meinem alten Schätzchen übrigens auch bevor :-)


Viele Grüße

Harald

JCM
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Re: Noch ein Neuer mit einer Alten

Beitrag von JCM » Sa 11. Aug 2018, 09:12

Schöne Maschine...scheint alles dran zu sein was man braucht.

Auch wenn ich in Wien und gar nicht so weit von den Tigern in Schönbrunn zuhause bin, so kann ich dir leider auch nicht direkt weiterhelfen, denn die Maschine kenn ich nicht. Das sagt aber auch rein gar nichts aus, denn ich kenne eh nur wenige ;)

Dass es die Maschine bei LAthes nicht gibt, ist auch nicht so komisch. Die Österreichischen Markensind, bis auf Emco, dort weitgehend nicht abgedeckt, oder die Beschreibungen fehlerhaft. Beispiel: Richter und Söhne aus Wien (auch W.A.R.S.; W.A. Richter und Söhne), wird dort z.B. als deutscher Hersteller angegeben, ist aber noch heute hier um die Ecke im 23. Bezirk in Wien zuhause.

Hier meine ideen wie du mehr Infos finden könntest:


1) Frage direkt bei Kellner und Kunz, dem Händler der Maschine (siehe kleine Plakette), ob sie noch Infos haben. Sogar die Filliale in Wels scheint es noch zu geben. https://www.reca.co.at/de/unternehmen/s ... -wels.html

2) Schau mal in der Diplomarbeit von Hermann Gottwald nach. Referenz: Hermann Gottwald (2008): Werkzeugmaschinenbau in Österreich im 19.
und 20. Jahrhundert, Diplomarbeit der Universität Wien. Verfügbar online.
Habe den Link gerade nciht parat, findet aber bei Google als pdf. Da steht eigentlich zu fast jedem Hersteller aus Ö zumindest ein Satz drin. Wenns doch ein Import ist, bringt das wahrscheinlich nichts.

LG Jakob
Gruss aus Wien
Jakob
---
Bohr- und Fräsmaschienen: Metabo 7523; Saupe BFW300; Arboga E100
Drehmaschienen: Wolf & Jahn 70mm WW ~1930; South Bend 10K, 1960.

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Re: Noch ein Neuer mit einer Alten

Beitrag von motor64.1 » Sa 11. Aug 2018, 09:35

● Krzan Walter432, Wien III Franzosengraben 39-44, gegründet 1949, Werkzeugmaschinen
Erzeugung, Produkte: Tigerdrehbänke, Drehbänke, Fräs-, Hobel-, Rundschleifmaschinen,
Bohrwerke
1955 bis 1965 Drehbänke für Metallbearbeitung, Werkzeugmaschinen


Vor vielen Jahren gab es noch alle Ersatzteile und komplette Maschinenüberholungen für Tiger-Bänke in Perchtholdsdorf, in der Nähe der Wienerstraße.

Ob die Firma noch existiert? :nixweiss:
Grüße
Franz

Bele
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Re: Noch ein Neuer mit einer Alten

Beitrag von Bele » Sa 11. Aug 2018, 10:11

He, danke für die raschen Antworten!

Ja, das mit dem Ausmessen der Vorschübe wird wohl nicht ausbleiben können :scheisse: ...eigentlich elendiglich fad

Die Diplomarbeit von dem Herrn Gottwald werd ich mir auch einmal anschauen, obwohl ich eher glaube, daß die Maschine aus existierenden Teilen zusammengebaut wurde, und dann als "Tigerchen" benamst.

Im Netz habe ich zwar zumindest 2 Tiger-Maschinen gefunden, die auch zum Verkauf angeboten werden, ansonsten dürften sie aber eher unbekannt sein.

Für die Theorie mit dem Umlabeln und Zusammenbasteln (was ja keinesfalls schlecht sein muss) sprechen zwei Details, die mir bis jetzt aufgefallen sind:

-) An der gesamten Maschine findet sich keinerlei Bezeichnung oder Ähnliches, außer an dem Deckel mit dem 3-stufigen Schalter, der ist aber mit 4 Schrauben entfernbar, dahinter sitzt außer dem Schalter für die 3 Motordrehzahlen nur mehr der Wendeschalter für Links- / Rechtslauf, der mit der Schaltwelle über ein Gestänge verbunden ist.
Wenn also dieser Deckel weg ist, heißt die Maschine: NIX
Andere Hersteller haben selbst in den Gußteilen ihren Namen oder wenigstens ein Symbol eingegossen, oder auch sonst wo einen Verweis auf die Herkunft der Maschine angebracht.

-) Den Wählhebel, der leicht links versetzt oberhalb des dreistufigen elektrischen Drehschalters sitzt, kann man mit sanfter Gewalt über den Knopf des Drehschalters nach rechts bewegen. Dann ändert sich die Drehrichtung des gesamten Vorschubgetriebes. Genau diese Änderung der Drehrichtung kann ich aber auch unten an den Wählhebeln des eigentlichen Vorschubkastens bewirken. Wieso sollte jemand so etwas konstruieren? Es sieht so aus, als ob das obere Hauptspindel-Getriebe (heißt das eh so?) mit dem Vorschubgetriebe zusammengepflanzt wurde.

Auf der Ausgangswelle des oberen Getriebes sitzt das gleiche Zahnrad wie auf der Eingangswelle des unteren. Dazwischen ist ein größeres, um den Höhenunterschied zu überbrücken. Aber die beiden Wellen drehen immer gleich schnell und in der gleichen Richtung. Bei anderen Maschinen findet man dort z.B. die Umschaltung der Richtung bzw. bei älteren Geräten sind dort die Wechselräder anzubringen. (soweit ich das bis jetzt heraugefunden habe, bin kein Drehmaschinen-Profi)

Naja, ich bin keinesfalls unzufrieden mit dem Gerät. Im Gegenteil, bin froh, daß ich mir keine Chinesen-Drehe geholt habe.
Das hatte ich kurzzeitig auch überlegt, aber schnell wieder verworfen. Da bekommt man für nicht mal 2k eine Kombi aus Drehmaschine mit ganz ordentlicher Spitzenhöhe UND auch noch einen schwenkbaren Fräsarm dazu... Drehzahl an einem Einphasenmotor frequenzgesteuert auch noch.
Wie toll das ganze verarbeitet ist, kann man sich ausrechnen.
Da war mir dann doch ein uralt-Gußtrum lieber. Keine Rocket-Science, und wenn doch mal was kaputt geht, ists meistens zu reparieren.

Mal sehen, was ich noch über das Gerät herausfinde... (eigentlich sollte ich ihr ja jetzt langsam einen eigenen Namen geben, ...nach einem Tiger schauts ja eher net aus. Vielleicht "Tante Trude" oder so... :muahaha: )

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