Bohrerschleifgerät- Selbstbau

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SchlosserIng
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Bohrerschleifgerät- Selbstbau

Beitrag von SchlosserIng » Sa 14. Jul 2018, 10:59

Hallo Kollegen!
Angeregt von dem Angebot im Thread #34883, wollte ich mal wissen, was dieses Objekt so besonders macht.
Dabei bin ich auf ein "Konkurrenz"-Produkt gestoßen.
Nachdem ich
  • mit zwei einfachen Eigenbau-Vorrichtungen nicht "ausreichend glücklich" geworden bin (mangelnde Präzision der Ergebnisse),
  • beim händischen Anschleifen aber zunehmend auf eine gute Brille angewiesen bin und womöglich auch noch zitterig werde,
scheint es mir für einen Selbstbau geeignet.

Was sagt ihr dazu?
Macht's besser
Gottfried

Meine Meinung: es erst mal versuchen ... und dann verzweifeln?
EFM200DS, EDM300DS, GFW4013, Woodstar-pt85, Oberfräse,
viel Eigenbau (wovon die Hälfte nicht gut funktioniert), viel "wenig Platz"

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HansD
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Re: Bohrerschleifgerät- Selbstbau

Beitrag von HansD » Sa 14. Jul 2018, 11:17

Gottfried, ich schleife nur noch Vierflächenschliff. Zwar an der SSM aber das ist für das Ergebnis ja egal.

Hans
Bauberichte Thread #12691

Bevor ihr euch ärgert über meine Beiträge - freut euch lieber über die vielen die ich nicht geschrieben habe!

Limbo
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Re: Bohrerschleifgerät- Selbstbau

Beitrag von Limbo » Sa 14. Jul 2018, 11:23

Das tollste und das schlechteste Bohrerschleifgerät kann sowohl hervorragende- wie miese Anschliffe erzeugen. Es kommt viel mehr auf den Bediener an.

Für Bohrer in "Hauashaltsgröße" reicht eine einfache Bohrerschleifmaschine mit Motor vom Feinkostdiscounter aus, oder auch so ein schwenkbarer Halter für 20€, der neben dem Schleifbock montiert wird. Man muss nur bei jeder Maschine oder Vorrichtung verstehen, wie sie eingesetzt und der Bohrer eingespannt wird.

Als recht universelle Selbstbauvorrichtung empfehle ich Dir mal im Forum die Beiträge zu "The Acute Tool Sharping System" zu lesen, oder auch danach zu googeln. Das ist auch eine Vorrichtung, die vor den Schleifbock installiert wird.

Hans
Drehmaschine Dema LSDM 6133
Fräsmaschine VF 45FG (MB4 Clon)
Hobel Gastl RG200 ST-E
3D-Drucker Creality E3
Bandsäge Flex SBG 4910
StichelSchleifMaschine HBM Typ U3

reloader
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Re: Bohrerschleifgerät- Selbstbau

Beitrag von reloader » Sa 14. Jul 2018, 11:28

Hallo,

der gute Herr Hall. Ich habe mehrere Bücher von ihm.
Der Schliff ist nur ein 2 Phasen Schliff. Kann man so machen, ich bin kein Freund davon. Was mir gefällt, ist seine Schleifauflage. Die findet man auch in seinen Büchern.
Wenn man einen Kreuztisch hat, kann man das Teil deutlich einfacher konstruieren.

Zum Thema Bohrerschleifen hatten wir hier schon mal einen sehr langen Beitrag (auf der Suche nach der perfekten Bohrerschleifeinrichtung)

Ich würde auf jeden Fall meine Duplex Schleifeinrichtung wieder bauen.

viele Grüße

Edgar

elmech
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Re: Bohrerschleifgerät- Selbstbau

Beitrag von elmech » Sa 14. Jul 2018, 12:47

Hallo Gottfried, diese Vorrichtung wäre mir zu umständlich und für kleine Bohrer geht sie wohl nicht? Ich habe Drei Bohrerschleifmaschinen, Eine 0,5-6mm Optische Ausrichtung der Bohrer in Zange gehalten und zwei Schwenkprisma Maschinen, wo der Bohrer an der Sehne, vorne angeschlagen wird. Da geht das Schleifen schnell und für meine Ansprüche, ausreichen genug. Das Problem sind für mich die kleinen Bohrer geworden und einfach wegschmeissen, mag ich nicht! Da schleife ich lieber neu nach. Aber eben, es gibt so viele Lösungen dazu und wie geschrieben wurde, der eine kommt damit klar und der andere halt nicht! Viel Erfolg bei der Suche! Grüsse Andi

Schleifgott
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Re: Bohrerschleifgerät- Selbstbau

Beitrag von Schleifgott » Di 17. Jul 2018, 15:05

Hallo,
3 Kritikpunkte, die ich immer wieder bei den meisten Vorrichtungen für den Schleifbock sehe:

1. Das Spannprinzip:
Die zu schleifenden Werkzeuge werden teilweise recht sicher in einem Prisma o.ä. gespannt, jedoch die weitere Handhabung des Spannelementes mit der Vorrichtung ist dann sehr klapprig und zu ungenau. Das beste Beispiel ist das bereits erwähnte „The Acute Tool Sharping System“. Darüber habe ich schon sehr intensiv ausführlich in einem anderem Forum die deutlichen Schwächen und Nachteile dieser Vorrichtung argumentiert und veranschaulicht.

2. Schleifrichtung:
Bei der von Gottfried erwähnten Vorrichtung, sowie bei vielen weiteren, ist die Schleifrichtung die falsche. Die Schleifrichtung ist in dem Fall entgegen der Schneide. Dies hat einen entscheidenden Nachteil. Man führt beim Schleifprozess die Wärmeenergie komplett in Richtung Schneide. Die Schneide wird damit extrem thermisch belastet und es kommt zu einer nachteiligen Veränderung (Härte,Gefüge) des Materials direkt an der Schneide, zumal man trocken schleift. Auch ein leichtes benetzen mit Kühlmittel nützt nichts, da dadurch ein Thermoschock verursacht wird und kleine feine Haarrisse entstehen (nicht nur bei HM sondern auch bei HSS).
...und man braucht sich im Nachgang nicht zu wundern, wenn man mit diesen nachgeschliffenen Werkzeugen in Folge dessen nur noch geringe Standzeiten erreicht.

3. Ausspitzung:
Bei keiner der vorgestellten Schleifvorrichtungen wird die Angelegenheit der Ausspitzung mit in Betracht gezogen oder vorgestellt bzw. überzeugend gelöst. 1/3 bis 2/3 der Zerspanungsenergie / Vorschubskraft verursacht die Querschneide bei nicht korrekt ausgespitzten Bohrern. Extrem ist es z.B. bei den sogenannten TITEX-Bohrern (sind sehr leistungsfähig, vor allem bei sehr tiefen Bohrungen verlaufen diese durch ihren starken Kern nicht so leicht), die einen sehr starken Kern (bis zu 2/3 vom Bohrerdurchmessers) haben. Da ist es zwingend notwendig, korrekt auszuspitzen und möglichs die Ausspitzung orginalgetreu nachzubilden, um die Leistungsfähigkeit zum Original des Bohrers möglichst annähernd zu erreichen. Wie macht man das dann mit diesen Schleifvorrichtungen? Oder doch wieder von Hand ausspitzen? Da kann man am Ende auch gleich den Bohrer von Hand schleifen und sich die Bastelei für eine nur halbfunkionierende Schleifvorrichtung sparen.

Schlussendlich muss ich zu diesem Thema sagen, dass bei der Entwicklung von solchen Hilfsmitteln eben leider nur halbherzig und nicht über sinnvoll konstruktive Lösungen gedacht wird, welche den komplett notwendigen Aufgabenbereich beim Schleifen eines Werkzeuges abdeckt.

Gruß SIG

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SchlosserIng
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Re: Bohrerschleifgerät- Selbstbau

Beitrag von SchlosserIng » Di 17. Jul 2018, 17:29

Danke, SIG, für Deinen Beitrag!
Ich denke, dass Du Deinem Nick wieder mal Ehre gemacht hast ...

(1.) Ich kann Dir nur beipflichten, was Du bezüglich der Führungen beim „The Acute Tool Sharping System“ bemängelt hast. Da müssen die Drehpunkte wirklich arg spielfrei gefertigt sein, wenn die Wiederholgenauigkeit ausreichend gut sein soll. Das Prinzip hat mich zwar wegen seiner Wollmilchsau-Eigenschaften beeindruckt, aber nachbauen wollte ich erstmal nicht.
(2.) Das mit der "falschen" Schleifrichtung war mir gar nicht aufgefallen. Ich hätte die Vorrichtung wahrscheinlich schon wegen der besseren Sichtkontrolle mit umgekehrter Neigung gebaut. Manuell werden die Bohrer ja auch "auf die Schneide hin" geschliffen und ich hatte auch selbst schon beim beim HSS-Bohrer- oder -Meißel-Schleifen festgestellt, dass die Schneide schneller zu heiß wird, wenn sie sich (in Schleifrichtung) hinten befindet.
(3.) Ausspitzen habe ich immer nur "von Hand" erlebt bzw. gemacht. Aber dazu müssen die Augen gut funktionieren, was ich leider bei mir nicht mehr behaupten kann. Früher war es für mich kein Problem, bei (von Hand mit Cellon-Tusche gemalten) Leiterplatten noch eine Linie zwischen zwei Lötpads (Abstand 2,5) durchzuziehen; jetzt probiere ich sowas gar nicht mehr. Der Satz "Man ist so alt, wie man sich fühlt", stimmt an solchen Stellen ganz klar nicht! Deshalb ist mir der Vierflächenschliff sympathisch. Probeweise freihand so geschliffene Bohrer fühlten sich "schön bissig" an, was größtenteils an der (fast) nicht vorhandenen Querschneide liegt. Wohl auch aus diesem Grund wird HansD den Facettenschliff bevorzugen.

Das Projekt "Bohrerschleifgerät-Selbstbau" steht bei mir zwar nicht ganz oben in der Warteliste, aber für etwas "Theorie und Konstruktion" bin ich immer dankbar.
Mein einziger Satz Spannzangen (ER32) würde sich zwar (bis auf die ganz kleinen Bohrer) als Halter eignen, aber ich wollte ihnen die Korundkörner nicht antun.
Ein überzähliges Bohrmaschinen-Spannfutter ist mir nicht mehr genau genug ...

Also her mit Ideen oder Links, bitte :flehan: :flehan:

Danke natürlich auch den anderen Post-Verfassern!
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Gottfried

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Re: Bohrerschleifgerät- Selbstbau

Beitrag von HansD » Di 17. Jul 2018, 17:45

SIG, deine Hinwweise zur Schleifrichtung habe ich nicht verstanden.
Den Normalfall habe ich als Schleifen gegen die Schneide verstanden, der Stein trifft also auf die Schneide und schleift dann nach hinten, von der Schneide weg. Die Wärme fliesst in Richtung dickeres Material, von der Schneide weg.
Ist das denn nun falsch oder richtig?

Hans
Bauberichte Thread #12691

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Re: Bohrerschleifgerät- Selbstbau

Beitrag von SchlosserIng » Di 17. Jul 2018, 18:42

Hans, an Stelle von SIG traue ich mich, Dir zu antworten.
Mit dem Normalfall (= richtig) hast Du recht.
Schau mal in den YouTube-Link von meinem ersten Post, etwas weiter hinten, wo die Vorrichtung in Aktion zu sehen ist. Da siehst Du, das die zu schärfende Schneide unten liegt, also am Ende der Berührungsfläche mit der Scheibe, das meint m. E. SIG mit "falsch" - mir gefällt es schon instinktiv nicht.
Oder hat das wieder etwas mit dem Ingenieur-Bauch-Gefühl zu tun, diesmal mit meinem?
( :-D endlich konnte ich die Story wieder mal hochholen :muahaha: )
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Re: Bohrerschleifgerät- Selbstbau

Beitrag von HansD » Di 17. Jul 2018, 19:37

Mir geht das Rückwärtsschleifen auch gegen den Bauch... Lässt sich aber an der SSM nicht immer vermeiden.

Hans
Bauberichte Thread #12691

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