Meuser M III Instandsetzung

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roudini
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Meuser M III Instandsetzung

Beitrag von roudini » Do 12. Jul 2018, 11:56

Hallo zusammen,

ich möchte hier mal meine neue Errungenschaft und dazugehöriges Vorhaben vorstellen.

Gleich vorweg:
Ich bin bestenfalls ein "Hobby-Schrauber", der vor 30 Jahren mal Kfz-Mechaniker gelernt hat (seitdem sitze ich nur noch im Büro rum :vielposten: ).
Insofern erfüllt mich mit Ehrfurcht und Demut :flehan: was ich die letzten Tage hier so alles gelesen und gesehen habe :zustimm:

Jedenfalls war eine eigene Drehbank schon seit meiner Lehrzeit immer ein heimlicher Traum. Nun habe ich dieses Teil mehr oder weniger zum Schrottpreis von einem Bekannten bekommen. Er selbst hat sie vor 3 Jahren eigenhändig per Kettenzug aus einer privaten Keller(!)werkstatt durch einen Deckendurchbruch bugsiert :respekt:
Jedenfalls wollte er sie selber wieder instand setzen, was aber letztlich am Zeitmangel gescheitert ist.

So, jetzt aber zur Maschine:
IMG_0170.JPG
(lasst euch nicht von dem Bild links oben ablenken... :pfeif: )

Meine ersten Eindrücke vom technischen Zustand:
- Erstmal war die Spindel m.E. viel zu schwergängig, wurde aber deutlich besser, nachdem ich links die Muttern für die Axiallager gelockert hatte - später mehr dazu...
- elektrisch ist alles i.O., Maschine läuft
- Gänge funktionieren allesamt, auch im Vorschubgetriebe
- Leit- und Zugspindel, Fallschnecke usw. machen was sie sollen
- Getriebe im Spindelkasten läuft extrem rauh und laut, obwohl hier offenbar ein dickflüssiges Öl eingefüllt ist

Dann noch ein erstes (sicherlich laienhaftes) Prüfen der Spindellagerung.
Ich habe dazu eine Messuhr oben ans Backenfutter gesetzt und dann mit einem Hebel auf dem Bett versucht das Futter nach oben zu drücken. Dabei konnte ich an der Messuhr eine Bewegung von max 2/100 feststellen. Für mein Verständnis dürfte das nicht mal ein schlechter Wert sein?

Jedenfalls möchte ich das Ganze dann im leeren Spindelkasten (ohne Zahnräder) mit gereinigten Lagerschalen nochmal in aller Ruhe messen. Natürlich auch den Rundlauf der Spindel, was ohne Riemenscheibe im Kasten sicherlich einfacher geht :smoke007:
Für Hinweise wie man hier am besten vorgeht und was besonders zu beachten ist wäre ich natürlich dankbar :-)

Nachdem was ich hier inzwischen so alles gelesen habe, wird das eine erste Entscheidung herbeiführen ob das Ganze Projekt an dieser Stelle lieber gestoppt werden sollte...


Jedenfalls habe ich die Spindel gezogen und wohl die Hauptursache für die Schwergängigkeit gefunden:
IMG_0173.JPG
So schauen übrigens die Lagerschalen aus:
IMG_0164.JPG
IMG_0172.JPG


Nach Ablassen des Öls kann ich jetzt das Getriebe etwas genauer in Augenschein nehmen.
Sowohl die Lager der Vorgelege-Welle, als auch die der Riemen-Trommel röcheln wie ein 70-jähriger Kettenraucher :smoke007:

Besorgniserregender ist allerdings der Zustand der Zahnräder. Hier hat scheinbar eine einsame Lagerkugel schon heftigen Schabernack getrieben.
IMG_0169.JPG
Beim Antrieb des Vorschubgetriebes schauen die Zahnräder noch übler aus
IMG_0168.JPG
Beim Ziehen der Spindel ist das innere Axiallager auch gleich in alle Einzelteile zerfallen... wer findet alle 8 Kugeln im Bild? :augenauf:
IMG_0166.JPG
Zwar fehlt nirgendwo ein Zahn, jedoch sind die Flanken allesamt "angenudelt". Im Moment bin ich mir nicht sicher für wie dramatisch ich das bewerten muss...
Klar, in einem Fahrzeug-Getriebe kann man sowas nicht lassen, da an dieser Stelle aber keine brutalen Kräfte wirken, kann ich mir vorstellen dass sowas trotzdem noch viele Jahre Läuft...?

Bin gespannt auf Euer Feedback zu der ganzen Geschichte :hallo:
Alle sagten dass es nicht geht.
Dann kam einer, der nicht wusste dass es nicht geht und hat's gemacht

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pipi
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Re: Meuser M III Instandsetzung

Beitrag von pipi » Do 12. Jul 2018, 12:09

An den Zahnrädern würde ich Garnichts machen. Das Werk der Kugel sieht nicht schön aus aber wird die Maschine nicht zerstören.

Der Seitenverschleiß ist normal, wenn man die Gänge, bei noch laufender Spindel versucht, reinzuwürgen.

mfg Patrick
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Aber egal was du hast, das was du brauchst, fehlt immer ^^

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FP91
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Re: Meuser M III Instandsetzung

Beitrag von FP91 » Do 12. Jul 2018, 12:31

Das sieht doch ganz gut aus, oder nicht? Neues Axiallager und rausfinden, in welchem Lager die Kugel fehlt ... dann ab dafür!

Grüße

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Re: Meuser M III Instandsetzung

Beitrag von 0815^ » Do 12. Jul 2018, 12:58

Sehr interessant.


Wie ist denn die Spindel auszubauen?

Meine M1L dürfte deiner sehr ähnlich sein, wenn nicht all zu aufwändig würde ich gerne die Lager inspizieren. Und auch nach Schmutz suchen.

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Re: Meuser M III Instandsetzung

Beitrag von roudini » Do 12. Jul 2018, 14:00

@0815
Ich habe es so gemacht:
1. Links die Nutmutern an der Spindel lösen
2. Im Kasten die Nutmutter links vom großen Spindel-Zahnrad (welches auf meinen Fotos nicht mehr drin ist) lösen, muss dann während dem austreiben immer weiter gelöst werden
3. Gewindestange mit passender U-Scheibe von Links durch die Spindel
4. Rechts mit 2 Holzklötzen und Flacheisen mit Loch gegen Gehäuse gespannt
5. ein paar gefühlvolle Klopper links auf die Gewindestange (das große Zahnrad sitzt auf einem Konus auf der Spindel)
6. Spindel mit Gummihammer vorsichtig ausgetrieben
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Re: Meuser M III Instandsetzung

Beitrag von roudini » Fr 13. Jul 2018, 07:56

Hallo zusammen,

schon stehe ich vor der ersten konkreten Herausforderung... :hae:

Wie zum Geier soll man dieses Teil (Riemenwelle) auseinander bekommen um die Lager zu tauschen??? :wall:
IMG_0174.JPG
So wie auf dem Bild geht es jedenfalls nicht :steinigung:

Ich vermute mal ganz schwer, dass die Riemenscheibe auf die beiden Wellen aufgeschrumpft ist.

Das einzige was ich mir da momentan vorstellen könnte:
1. das Ding ein paar Stunden ins Gefrierfach
2. Abzieher wie gehabt ansetzen
3. Riemenscheibe einseitig mit dem Brenner schnell erhitzen und hoffen...

Könnte das so funktionieren?

Gruß
Rudi
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Re: Meuser M III Instandsetzung

Beitrag von roudini » Do 19. Jul 2018, 12:01

So, ein freundliches Telefonat mit Meuser hat Klarheit gebracht - das Ganze ist nicht aufgeschrumpft sondern lediglich eingepresst! :super:

Also habe ich einen Weg gesucht wie ich hier mit der Presse ansetzten kann, rausgekommen ist das hier:
IMG_0178.JPG
IMG_0179.JPG
Falls nicht erkennbar: Das sind die 3 Pratzen eines Abziehers, welche in die Nut zwischen den beiden eingepressten Wellen greifen. Um ein Rausrutschen zu verhindern, habe ich noch eine passende Nuss eingesteckt.

Noch ein pasendes Stück Welle und das Ganze ging raus wie Butter :2up:
IMG_0192.JPG

Solche Anblicke liebe ich :
IMG_0197.JPG

Der Zusammenbau ging ebenso problemlos
IMG_0198.JPG

Zwischenzeitlich habe mich auch noch etwas mit diesem Zahnrad beschäftigt:
IMG_0188.JPG
etwas nachgearbeitet, sodass zumindest die Zahnflanken keine Erhebungen mehr aufweisen
IMG_0195.JPG
to be continued...
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Re: Meuser M III Instandsetzung

Beitrag von DerRestaurator » Fr 20. Jul 2018, 13:49

Wichtiger als die Zähne deines Zahnrdes, sind die Kanten des Mitnehmers, die bei Dir schon sehr abgenutzt sind! Entweder Du setzte irgendwie einen Ersatzmitnehmer ein, der Originalmaße hat oder Du fräst/feilst Deine wieder winkelig. Das Nacharbeiten des vorhandenen Matrials hat aber mehr Totgang zur Folge und sorge für Geräusche beim Drehrichtungswechsel ;-)

:hi: Philipp, der Dich notfalls auch kostenneutral von dem gesamten Elend befreit :imstupid:
Das Gefährlichste ist das Leben als solches - und immer mit Todesfolge!

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Re: Meuser M III Instandsetzung

Beitrag von roudini » Mi 25. Jul 2018, 14:37

Hallo,

inzwischen habe ich den Spindelkasten wieder zusammen und das "Meuschen" läuft :2up:
(die Mitnehmer an den Zahnrädern hatte ich auch noch nachgearbeitet)

Allerdings läuft das Vorgelege-Getriebe nicht wirklich sauber, was sich sich durch sporadisches Knacken im Betrieb bemerkbar macht.
Gestern haben wir die Ursache vermutlich gefunden:
IMG_0169.JPG
Beim hinteren Zahnrad welches hier eingreift, ist ein Zahn insgesamt minimal nach Hinten verzogen - vermutlich durch den "Impact" der Lagerkugel (liefere noch ein Foto davon nach). Ich werde also heute versuchen, mittels Edding o.ä. soetwas wie ein Tragbild zu bekommen, um den faulen Zahn etwas nacharbeiten zu können. 8-)
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Re: Meuser M III Instandsetzung

Beitrag von 0815^ » Do 2. Aug 2018, 06:27

Super, danke für die Bilder. Bin gespannt wie es weiter geht.

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