Rundschleifmaschine Studer Typ 1

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wink
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Rundschleifmaschine Studer Typ 1

Beitrag von wink » Do 14. Jun 2018, 10:24

Servus zusammen,

hab ja im Ölthread schon anklingen lassen, dass es bei mir Zuwachs geben könnte im Bereich Rundschleifen.
Über einen sehr netten Mitforenten habe ich beim plaudern den Hinweis bekommen, in der Schweiz wäre eine Studer Typ 1 mit fast Vollausstattung zu einem sehr gutem Kurs zu verkaufen. (Danke Mike!)
Nachdem ich mit dem Verkäufer Kontakt aufgenommen habe, haben wir noch ein bisschen telefoniert wie der Allgemeinzustand ist, was an Zubehör dabei ist etc. Preislich sind wir uns auch einig geworden, so dass eine persönliche Abholung vereinbart wurde.

Zur Historie der Maschine:
Gekauft im Mai 1941, geliefert im Sommer 1941 an Oerlikon. Später war sie dann nochmal zur Revision bei Studer und wurde da auch neu eingeschabt. Danach ist sie nur noch sporadisch als Ersatzmaschine gelaufen, bevor sie dann vom Opa des Verkäufers Mitte der 80er Jahre für 4.500 Franken erworben wurde. Der gute Mann war in leitender Funktion bei Oerlikon tätig, so ist es nicht verwunderliche, das dies nicht die einzige Maschine, die so den Weg in den Keller des Anwesens fand...insgesamt waren dort 12 Drehbänke (Schaublin, Southbend, WMW, Lorch etc.), eine Macmon Fräse, Alzmetall Bohrmaschine, div. Schleifmaschinen, ein Hauser Lehrenbohrwerk (mir läuft jetzt noch das Wasser im Mund zusammen...), diverse optische Messgeräte, Hobel, Sägen und wasweisichnochalles. Mit Zur Maschine dazu gab es auch einen Haufen Originalunterlagen :-)

Abholung:
Gestern wars dann soweit. Der Markus und ich sind in der früh um 06:00 Uhr mit Anhänger und Werkzeug Richtung Schweiz aufgebrochen.
Nach gut 5h Fahrt sind wir dann vor Ort gewesen und haben uns erst mal die Maschine live und in Farbe angesehen. Der Zustand war wie beschrieben.
Auf einer Schulnotenskala würde ich der Maschine angesichts des Alters die Note 1-2 geben.
Der Lack ist noch top, es gibt zwar Abplatzer und Abnutzung, aber im Großen und Ganzen macht die Maschine einen ordentlichen Eindruck, sämtliche Spindeln und Kurbeln gehen leichtgängig und ruckfrei.
Mechanisch ist sie ein bisschen eingelaufen, von den Rändern her sind ca. 15cm die Schabespuren nicht mehr ersichtlich, sowohl am Tisch als auch am Bett. Hier muss ich wsl. mal mit dem Schaber drüber.
Besonders positiv ist in meinen Augen, dass der KSS Tank furztrocken und sauber war, die Führungen aber alle gut geölt sind. Der Besitzer hat die Maschine also fachgerecht eingelagert.
Nach einem sehr leckeren Mittagessen (Tomatenrisotto mit Bratwürsten aus dem Tessin, vielen Dank an Susann!) gings ans zerlegen und verladen der Maschine.
DSCN0419.jpg
Anschließend das Untergestell mit dem Motorkran auf den Hänger gestellt.
DSCN0422.jpg

Dann das (seeehr) umfangreiche Zubehör und alle Anbauteile verpackt und auf Auto/Anhänger verladen. Das hat gefühlt (und tatsächlich) ewig gedauert.
Geplant waren 2,5h plus Essen für das zerlegen und verladen. geworden sinds dann fast 4h plus Essen.

Nachdem alles verladen und verzurrt war gings dann gegen 17:00 Uhr wieder Richtung Heimat.
DSCN0423.JPG

An der Grenze Schweiz Österreich haben wir dann nochmal die Beladung geändert, das Auto war schon gut tief und der Hänger auch etwas frontlastig, Das war uns zu heikel.
Also Zeug aus dem Kofferraum hinter die Achse beim Hänger. Dann war das viel besser. (bevor die Sicherheitsbeauftragten fragen: nein wir hatten keine negative Stützlast, wir hatten sehr frontlastig geladen ursprünglich)

Schwierig war dann noch den netten Damen und Herren beim Zoll zu erklären, dass die Maschine vom Preis keineswegs mit den Studer Maschinen zu vergleichen ist, die man aktuell so inseriert findet. Insgesamt haben wir dreimal die Plane abgebaut und dreimal erklärt was das Teil kann, wie alt, wo verschlissen etc...zum Glück hatte ich die Originalunterlagen, da war klar ersichtlich, das es sich um eine uralte Maschine handelt, die natürlich entsprechend günstig ist.
Auch wollten die mir nicht so recht glauben, dass ich den Haufen Guss nur für mich privat erworben habe.
Nach über einer halben Stunde dann die überraschende Wendung: Stempel drauf und weiterfahren, hat nicht mal Einfuhrumsatzsteuer gekostet.

Also weiter nach Hause.
gegen 23:00 Uhr waren wir dann bei meiner Werkstatt.
Da es dort sehr steil den Berg rauf geht und der Knick recht heftig ist, haben wir unten erst das Auto entladen, dass ich nicht aufsitze und dann den Hänger vor die Werkstatt gezogen. Abladen lief erstaunlich gut, hat aber trotzdem fast 2h gedauert. Momentan steht die Studer jetzt als Teilesammlung in der Werkstatt und harrt der Dinge.


Zubehör:
Mit dabei waren neben ca. 20 Schleifscheiben 5 oder 6 Flansche, wsl. der Wuchtdorn, Planscheibe, Backenfutter, div. Spannzangen und MK hülsen. Zentrierspitzen, Reitstock, eine zweite Schleifspindel, Ersatzriemen, Bedienwerkzeug, beide Innenschleifspindeln (lang und kurz), Maschinenleuchte

Was leider fehlt sind die beiden Lünetten (wobei die vermutlich irgendwo im Keller sind...aber da ist zu viel Zeug zum suchen...) und der Radienabrichter.

Bisher (interessante) Feststellungen:
- die KSS Wanne ist ein massives Gussteil (Wandstärke 8mm plus), der Deckel ebenso. Gewicht der Wanne dürfte im Bereich 100kg sein.
- Leichtbau war allgemein nicht so die Stärke von Studer, so ungefähr alles da dran ist massiv und schwer...(wobei das für eine Schleifmaschine glaube ich ja eher positiv ist)
- die Elektrik ist leider 4-adrig und ein Motor hat nen defekten Schütz
- Die Schmierung des Tisches ist sehr interessant gelöst: in den Ölreservoirs am Unterbau laufen geschliffene Räder, welche das Öl nach oben an die Tischführung streichen.
- Die Maschine hat Bauteile einer anderen, baugleichen aber anders lackierten Maschine erhalten


todo:
- Elektrik auf 5-adrig umbauen, Motorschütz tauschen
- Maschine zusammenbauen
- Maschine ausrichten und untergießen
- Führung nachschaben
- einen Zubehörschrank auftreiben


Schabeplan:
- Maschinenuntergestell ausrichten und untergießen
- Führungen an der Maschine nachschaben
- Maschine als Master nehmen und Tisch anpassen
- Zahnstangen ggf. entsprechend nachsetzen

Was ich noch nicht weiß: wie ich die Maschine schaben kann, ohne dass ich danach die ganzen Krümel in der Mechanik hängen habe. Auseinanderbauen möchte ich die aber auch nicht.


Zum Abschluss noch ein Bild der geschabten Flächen. Das war hier so Rostrot ist, ist einfach Ölschmodder:
DSCN0421.JPG


Und ganz zum Schluss noch ein riesengroßes :thx: an den Markus, der sich extra einen Tag Urlaub genommen hat um die Maschine mit mir abzuholen und in meine Werkstatt zu verfrachten!!!
MfG
Christoph

Warum sollte ich hier meine ganzen Maschinen aufführen? Heißt ja noch lange nicht dass ich damit adäquat umgehen kann... :pfeif:

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Re: Rundschleifmaschine Studer Typ 1

Beitrag von elmech » Do 14. Jun 2018, 10:42

Hallo Christoph, Danke für die Reportage und immer Spannend mit dem Geschichtlichen Hintergrund einer so alten Maschine! Ich wünsche Dir viel Freude daran und hoffe, sie lebt noch lange in Deiner Werkstatt! Freundliche Grüsse Andi

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wink
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Re: Rundschleifmaschine Studer Typ 1

Beitrag von wink » Do 14. Jun 2018, 10:54

elmech hat geschrieben:
Do 14. Jun 2018, 10:42
Ich wünsche Dir viel Freude daran
Vielen Dank
elmech hat geschrieben:
Do 14. Jun 2018, 10:42
hoffe, sie lebt noch lange in Deiner Werkstatt!
Das hoffe ich auch. Rein Altersmäßig ist sie mit meiner Deckel von ´39 ja eh in bester Gesellschaft. :-)
MfG
Christoph

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astoba
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Re: Rundschleifmaschine Studer Typ 1

Beitrag von astoba » Do 14. Jun 2018, 17:06

Haha

das mit dem Zoll kann schon toll sein, hatte da auch schon so lustige Gespräche.

Prima das es soweit alles geklappt hat, und wie immer mehr Bilder.

Gruß Mike

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Re: Rundschleifmaschine Studer Typ 1

Beitrag von Oliver M » Do 14. Jun 2018, 19:39

- die Elektrik ist leider 4-adrig und ein Motor hat nen defekten Schütz
- Die Schmierung des Tisches ist sehr interessant gelöst: in den Ölreservoirs am Unterbau laufen geschliffene Räder, welche das Öl nach oben an die Tischführung streichen.
Wegen dem Schütz, ich hab hier noch was liegen, meld dich wenns soweit ist.
Das mit der Schmierung ist eine gängige Konstruktion, die Myford MG12 hat das auch so.

Der Spindekonus ist W25 ?
Da wär es interessant ob eine W20 Reduzierung dabei ist.
Du willst die untergießen ? Oder gingen auch Maschinenfüße ?

Gruß Martin
Früher war alles:
A: besser B: aus Holz C: mit Schlitzschrauben

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wink
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Re: Rundschleifmaschine Studer Typ 1

Beitrag von wink » Do 14. Jun 2018, 20:17

@mike: Bilder kommen.

@Martin: wegen dem Schütz kriegst du später noch ne PN, muss erst die Daten anschauen.
Spindelkonus muss ich noch schauen was da alles dabei ist.

Btw: der "neue Schütz" hat sich als Sanftanlauf herausgestellt...etwas antiquiert aber wsl. Nagelneu.
MfG
Christoph

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Re: Rundschleifmaschine Studer Typ 1

Beitrag von wink » Do 14. Jun 2018, 20:37

Ahja, das mit dem Sockel hab ich ganz vergessen:

Ich will die Maschine 10cm höher setzen, betonieren muss ich also eh.
Grundsätzlich sagt die BDA die ich habe, das die Maschine mittel dreier 15mm starker Stahlplatten zu Unterbauten und auszurichten ist. Der Spalt ist dann mit Beton auszugießen.
Maschinenfüße hätten für mich aber auch ihren Charme, aber der Sockel hat unten keine Löcher.
Weiß noch nicht wie ich das mache.
Wenn jemand Vorschläge hat, immer her damit.
MfG
Christoph

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Re: Rundschleifmaschine Studer Typ 1

Beitrag von styro » Do 14. Jun 2018, 21:05

Servus Christoph

Wenn möglich, würde ich die Maschine mit Maschinenfüßen ausrüsten (schön auszurichten und entkoppelt). Wenn Du sie auf eine Stahlplatte stellst, kannst Du mittels Magnetbohrmaschine die Löcher dafür im Sockel setzen.

Gruß

Georg
Wir leben in einer Welt, in welcher jeder den Preis der Dinge kennt, aber niemand ihren Wert.
(Oscar Wilde)

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Re: Rundschleifmaschine Studer Typ 1

Beitrag von wink » Do 14. Jun 2018, 21:43

Hm, mal schauen. Das Problem ist, das hinten nicht wirklich Platz ist dafür.
Ich mache morgen mal ein Bild.
MfG
Christoph

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Re: Rundschleifmaschine Studer Typ 1

Beitrag von wink » Fr 15. Jun 2018, 07:28

So, hier erst mal der Fundamentplan:
Fundament.png
Da sieht man halt mein Problem, warum ich nicht wirklich was durchbohren kann für Maschinenfüße.
Die Alternative wäre an den 4 Ecken Füße zu setzen, dann wäre das ganze halt mechanisch überbestimmt.



Ich konnts natürlich nicht lassen und habe anstatt nach der Arbeit sofort schlafen zu gehen, noch 2 Stündchen geräumt und geschraubt.
In dieses Eck soll die Studer mal.
DSCN0424.JPG

Der Platzbedarf der Maschine:
DSCN0425.JPG

Einmal messen und markieren. Das werden die Innenecken der Schalung für den Betonsockel.
DSCN0426.JPG

Und die Maschine mal am geplanten Standort auf der geplanten Höhe (10cm Sockelhöhe)
DSCN0429.JPG

und noch a bisl zusammengebaut:
DSCN0433.JPG


Zum Schluss noch ein Teil der Anbauteile und des Zubehörs:
DSCN0427.JPG
Und die KSS Wanne. Da Baujahr ´41 auch beschussfest :unknown:
DSCN0428.JPG



PS: Weiß jemand wie ich die BIlder auch hochkant eingebunden bekomme? :wall:
MfG
Christoph

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