Restauration meiner Standbohrmaschine Robert Wehinger, RW, Modell B15, alias das hässliche Entlein

Zeigt uns eure Maschinen!!
JCM
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Restauration meiner Standbohrmaschine Robert Wehinger, RW, Modell B15, alias das hässliche Entlein

Beitrag von JCM » Di 5. Jun 2018, 22:03

Hallo Zusammen,

Vor einigen Wochen hatte ich in den Kleinanzeigen hier nahe Wien eine Ständerbohrmaschine entdeckt, die mein Interesse geweckt hat. Ich fuhr hin und schon kurz darauf war ein massives Stück Gusseisen mit einem offenen Kabelende mein Eigen geworden. Im folgenden Beitrag möchte ich nun die Maschine und ihre Restauration vorstellen. Tatsächlich bin ich schon einige Zeit mit letzterem befasst, aber komme halt nie dazu das hier aufzuschreiben.

Zuerst aber will ich euch mit einem kleinen Ratespiel unterhalten, denn nachdem ich hier zuletzt einen umfassenden Beitrag zu sich erbrechenden Hunden und den dafür möglicherweise geeigneten, säurefesten Metalle lesen durfte (unterhaltsam war es wohl :-) ), so stelle ich zweifelsfrei fest, dass wir uns hier bereits im ‚Sommerloch‘ befinden. Und genau da hilft wohl ein kleines Quizz ganz gut weiter.

Also, los geht’s mit Teil1:

Die Quizzfrage lautet: Was ist das für eine Maschine, wo ist sie Hergestellt und wann wurde sie gebaut?
Los geht’s mit ein paar Bildern im Kaufzustand (wie immer direkt aus der Werkstatt mit mäßiger Qualität; das ist ja ne Werkstatt und kein Fotostudie). Werkzeugaufnahme ist MK1, Gewicht wohl so 80-100kg, Der Motor ist demontiert.
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Wer die Fragen beantworten kann dem gebührt natürlich unendliche Ehre und Ruhm. Sollte er hier aus der Gegend sein, geb ich auch gerne ein Bier aus, denn so viel Ruhm will ja auch ausgehalten werden ;)


LG aus Wien
Jakob
Ps. Ich kenne die Lösung schon.
Gruss aus Wien
Jakob
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motor64.1
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Re: Restauration meiner Standbohrmaschine Robert Wehinger, RW, Modell B15, alias das hässliche Entlein

Beitrag von motor64.1 » Mi 6. Jun 2018, 10:58

1. Könnte eine Bohrmaschine sein :o

2. Österreich :flag035:

3. 50er od. 60er Jahre :-)


 Sollte er hier aus der Gegend sein, geb ich auch gerne ein Bier aus, denn so viel Ruhm will ja auch ausgehalten werden 
Bier bitte 40 km östlich von Wien abliefern :thx:




1528275300714298885241.jpg
Ing. R. W. aus H. a./B. :schlaumeier:
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Mir fällt gerade ein: ich trinke ja gar kein Bier :hae:
Grüße
Franz

JCM
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Re: Restauration meiner Standbohrmaschine Robert Wehinger, RW, Modell B15, alias das hässliche Entlein

Beitrag von JCM » Mi 6. Jun 2018, 23:23

Ganz ausgezeichnet Franz... Das waren ja keine 24h :respekt: !

Der Herr R.W. aus H.a.B. - ganz genau! und ja, 50er dürfte hinkommen. :hi:

Da bei meiner leider das Typenschild vorn fehlt, so habe ich doch einiges gesucht, bis ich den Hersteller etc ausfindig machen konnte. Nach gut zwei Wochen Recherche hatte ich schon aufgegeben und habe aber doch durch Zufall ein Bild einer identischen Maschine entdeckt, bei welcher ich das Etikett ablesen konnte. Da hätte ich wohl besser das nahezu allwissende Forum gefragt als mich vom scheinbar grossen Wissensschein des Herrn Google täuschen zu lassen. Man versuche mal sinnvoll nach R.W. + Bohrmaschine zu googeln, dann weiss man was ich hier meine.

Also, volle Punkte an dich. Wir müssen mal schauen, wie wir das mit dem 'nicht-bier' dann machen :)

Auch ja, solltest du mir, wieder erwarten, jetzt noch ein Foto eines Tatoo mit "R.W." irgendwo an deinem Körper zeigen können, so hast du natürlich den Jackpot geknackt (von mir aus dann ne ganze Kiste Saft) und wirst in die Österreichischen Maschinengeschichtsbücher eingehen ;)

Nun warten wir aber mal noch ab ob sonst noch jemand dieses Teil kennt, bzw, vielleicht sogar auch noch eine hat. Dann werde ich noch ein bisschen was dazu schreiben.

schönen Abend gewünscht - Jakob
Gruss aus Wien
Jakob
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Re: Restauration meiner Standbohrmaschine Robert Wehinger, RW, Modell B15, alias das hässliche Entlein

Beitrag von JCM » Do 14. Jun 2018, 22:41

und dann mache ich hier mal weiter...

Teil 2: Auflösung des Rätsels
Nach dem ja die Quizzfrage schon gleich von Franz hier elegant gelöst wurde, so will ich hier nun auch das Rätsel für alle anderen auflösen.

Der Hersteller der Maschine ist die Maschienenfabrik Ing. R. Wehinger in Hard bei Bregenz am Bodensee. Es handelt sich als um einen weniger bekannten Hersteller aus Österreich. Dies freut mich natürlich besonders, da dies ja seit einigen jahren meine Wahlheimat ist. Und ja, als ich noch in Schweden gewohnt habe wollte ich auch immer ne Arboga, hab aber dort nie was passendes gefunden, obwohl es wirklich viele gab 8-)

Zuråuck zum Thema: Die Maschine ist wirklich schön gebaut mit vielen kleinen Details, die zumindest mir sehr gefallen (mehr dazu später). Qualitativ würde ich die Maschine als ‚Industriequalität‘ bezeichnen. Also voll und ganz vergleichbar mit Flott, Alzmetall, Arboga etc. pp., wobei einige Teile der Konstruktion am ehesten den Flott Maschinen der 50er ähneln.
Der Typ B15 war wohl das häufigste Modell der Fabrik. Zumindest ich kenne keine andere(n). Die B15 wurde sowohl als Säulenbohrmaschine mit Standfuss, wie auch Tischbohrmaschine angeboten. Meine ist ja das Tischmodell, anbei ein paar schöne Bilder eines Säulenmodells. Und ja, ich habe die explizite Erlaubnis des Verkäufers diese hier zu zeigen. Ich hatte ihn gefragt, denn dies die einzigen Bilder einer R. Wehinger Bohrmaschine sind, die ich in den großen Weiten des Internetz überhaupt finden konnte.

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027_-418715572.jpg (40.62 KiB) 945 mal betrachtet
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027_-1274222886.jpg (41.33 KiB) 945 mal betrachtet
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027_-1451037669.jpg (44.23 KiB) 945 mal betrachtet
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027_1495916354.jpg (35.51 KiB) 945 mal betrachtet
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027_2010897247.jpg (44.49 KiB) 945 mal betrachtet

Es waren übrigens genau diese Bilder, die mir erst verraten hatten, was ich da eigentlich eingekauft hatte. Und nachdem ich den Hersteller ausfindig gemacht hatte, so fand ich dann noch etwas mehr. Hier also noch einige Worte zur Eisengeisserei R. Wehinger. Folgende Angaben finden sich ein einer kürzlich von mir ausfindig gemachten Zusammenstellung Österreichischer Maschinenhersteller.

„Wehinger Robert Ing.541, Wien XIV Moßbachergasse 10, ab 1950 auch in Hard
bei Bregenz, ab 1967 Wiener Neustadt Industriegelände Ost, gegründet vor 1945,
Maschinenfabrik, Produkte: landwirtschaftliche Maschinen, Werkzeugmaschinen,
Haushaltsgeräte, Bohrmaschinen, Gipsplattenpressen
1945 Werkzeugmaschinen
1949 bis 1984 Bohrmaschinen für Metall, hydraulische Pressen“


Quelle: Hermann Gottwald (2008): Werkzeugmaschinenbau in Österreich im 19.
und 20. Jahrhundert, Diplomarbeit der Universität Wien. Verfügbar online.


Zugegeben, etwas überrascht war ich, all dies in einer Diplomarbeit der Uni Wien im Fach Geschichte zu finden! Auch ich arbeite ja an dieser Uni und betreue solche arbeiten, allerdings in einem ganz anderen Fach. Hoffen wir, dass auch unsere mal für die Nachwelt nützlich sind ;)

Nach weiteren Recherchen habe ich zuletzt noch festgestellt, dass es wohl tatsächlich noch eine Robert Wehinger GmbH in Wiener Neustadt geben soll. Ob diese Firma allerdings noch irgendetwas produziert o.ä., kann ich nicht sagen, aber es gibt sie in verschiedenen Firmenregistern.

So long für heute – es kommt demnächst noch die eigentliche Restauration
Jakob
Gruss aus Wien
Jakob
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Re: Restauration meiner Standbohrmaschine Robert Wehinger, RW, Modell B15, alias das hässliche Entlein

Beitrag von JCM » Do 14. Jun 2018, 23:03

Teil 3: Das Rätsel des Motors

Und weiter ging es… der erste Schritt nach dem Kauf war natürlich das Teil zumindest vorläufig in Betrieb nehmen zu können. Beim Verkäufer lief sie an 3x400V und ich hatte auch probegebohrt, wusste also das der Motor in Ordnung ist.
Da ich allerdings nur 230V in der Werkstatt habe, so habe ich alle meine Maschinen mit 3-Phasenmotoren per Steinmetzschaltung auf 230V angeschlossen. Mit Stern-Dreieck (230/400V) Motoren geht das ja recht problemlos. Was mich als Klemmbrett erwartete war dann aber etwas 'umfassender' als ich es sonst kenne.
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2018-05-07-1883.jpg

Nun ja, was ist das? Also habe ich das allwissende Internet befragt und bin nach reicher Suche dann doch noch fündig geworden. Ganz einfach: „Ein 12 poliger Motor*“ eben. Angeblich ist das ganze nahezu identisch mit einem Klemmbrett mit 6 Anschlüssen wie am KZ Läufer üblich, mit dem Unterschied, dass die Wicklungen hier noch ‚halbiert‘ werden können um den Motor an einem 220V Drehstromnetz zu betreiben. Irgendwo (genauer: https://www.elektrikforen.de/threads/al ... sen.20550/) lass ich auch, dass diese Motoren aus der Zeit der Umstellung von 220 auf 380V Drehstromnetz stammen. Leider habe ich keine Ahnung, wann dies hier in Ö geschehen ist.

Auch fand ich das ganze zwar spannend, aber so recht kam ich nicht Vorwärts mit dem Anschluss und der Inbetriebnahme. Wie sich dann aber schnell herausstellte war das Hauptproblem die fast leere Batterie im Multimeter. Wenn ich es anschaltete, dann funktionierte die Widerstandsmessung recht gut, aber nach einigen Sekunden, deutete alles nur noch in Richtung abgebrannter Spulen… 8-)
Als die Batterie getauscht war, konnte ich dann die einzelnen Spulen identifizieren und deren Verschaltung aufzeichnen. Der Anschluss erfolgte dann im Stern, für 3x230V mit Kondensator. Anbei eine Grafik die den Anschluss eines „12 Polers*“ zeigt.
Anschluss_Schem_12pol_mein_motor.jpg
Anschluss_Schem_12pol_mein_motor.jpg (24.8 KiB) 940 mal betrachtet
* ja, diese bezeichnung ist falsch, das ist mir klar.

Da keinerlei Typenschild o.ä. mehr am Motor vorhanden war, kam dann das nächste Rätsel auf mich zu. Wie soll man die Motorleistung erfahren, wenn kein Schild mehr dran ist? Ich habe mich für *fachgerechtes schätzen* entschieden. Etwas grösser als der KZ-Läufer mit 0,37kw and der Drehe … einen Kondenstator für 0,55kw hatte ich eh noch liegen. Also alles verkabelt und siehe da, die Maschine bohrt schon ganz wunderbar. Ich denke er hat 0,55 kw, aber sicher bin ich keinesfalls. Falls jemand noch ne Methode kennt, wie man das kostengünstig ermitteln könnte, nur her damit.

Auch weiß ich natürlich nicht, ob dieser Motor da schon länger dran war. Original war er wohl nicht. Die Motorplatte hat jedenfalls Lochmuster für mindestens drei verschieden Motoren. Die Maschine wurde also definitiv benutzt, wahrscheinlich schon drei Motorenleben lang ;)

LG aus Wien Jakob
Gruss aus Wien
Jakob
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Re: Restauration meiner Standbohrmaschine Robert Wehinger, RW, Modell B15, alias das hässliche Entlein

Beitrag von motor64.1 » Fr 15. Jun 2018, 11:48

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Grüße
Franz

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Re: Restauration meiner Standbohrmaschine Robert Wehinger, RW, Modell B15, alias das hässliche Entlein

Beitrag von JCM » Sa 16. Jun 2018, 09:22

Danke Franz für deine Bilder - nun kann man hier schon drei verschiedene Ausführungen sehen! Deine hat ja offensichtlich ein Vorgelege, wie ich es schon bei Genko etc. gesehen habe. Ist denn der Drehzahlbereich dann auch nach unten erweitert, oder macht die trotzdem 'nur' 500U/min als langsamste stufe?

Und noch eine Bitte an die Mods. Könntet ihr den Titel vielleicht zu 'Restauration meiner Standbohrmaschine Robert Wehinger, RW, Modell B15, alias das hässliche Entlein' ändern? Das wäre nett. Ach ja, wenn ihr dann schon dran seit, könntet ihr auch gleich noch die ersten zwei Bilder von Franz im letzten Beitrag umdrehen. Wäre super... Danke.

LG Jakob
Gruss aus Wien
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Re: Restauration meiner Standbohrmaschine Robert Wehinger, RW, Modell B15, alias das hässliche Entlein

Beitrag von eXact Modellbau » Sa 16. Jun 2018, 09:34

Klicke das Ausrufezeichen an, und trage dein Begehr vor. So landet deine Anfrage direkt beim Moderator.
Gruß
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Re: Restauration meiner Standbohrmaschine Robert Wehinger, RW, Modell B15, alias das hässliche Entlein

Beitrag von JCM » Sa 16. Jun 2018, 09:48

Teil 4: Zerlegen und technisch Prüfen


Als nächstes habe ich die Maschine zerlegt und mir die Konstruktion und den Zustand der Lager etc. genauer angeschaut.
Als Besonderheiten dieser Maschine(n) möchte ich noch folgendes nennen:

1) Die vielen schönen Gussteile, mit hochwertigem Guss. Beispiele sind die massive Säule inklusive Fuss, welche bei mir aus eine Stück Guss hergestellt ist und dann wohl auf Nenndurchmesser (62mm) abgedreht wurde. Ebenfalls sehr schön ist das Feststellrad des Tiefenanschlags – mehr als ein halbes Kilo bringt dieses kleine massive Gussrad auf die Waage. So kenne ich das sonst nur von älteren Fräsen und Drehbänken, bei denen es auf dieses bisschen Eisen mehr einfach nicht mehr ankam.

2) Der Tiefenanschlag ist sehr gut durchdacht. Er besteht aus einer Art Kupplungsglocke, welche mit einem Skalenring versehen ist und welche dann auf eine Art Kupplung geklemmt werden kann (Fotos siehe unten). Mit dieser Konstruktion kann man mit einem Handgriff am Rad (+ die andere Hand am Vorschub) direkt die Werkstückoberkante nullen und gleich noch die Bohrtiefe einstellen. Etwas schnelleres /besseres habe ich noch nicht an einer Bohrmaschine gesehen! Natürlich kenne ich aber auch nicht alles was es gab/gibt…

Nun ein Paar Fotos:

2018-05-12-1912.jpg
2018-05-16-1914.jpg
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Dann habe ich die Maschine noch etwas vermessen. Meine hat nach vielen vermuteten Jahren Industrie Nutzung einen Rundlauffehler von rund 15/100mm. Nun ja, nicht prickelnd, aber auch kein Hindernis. An den Lagern schien es nicht zu liegen. Auch ist die Lagerkonstruktion der Pinole denkbar einfach und robust. Einmal Radial, einmal Axial, spannring drauf und fertig. Da die Lager noch okej schienen, so hab ich da gar nichts weiter gemacht – never change a running system.
2018-05-16-1925.jpg
Zuletzt habe ich dann noch das Pinolen spiel gemessen. Nun ja, ich lande bei 25/100mm bei vollem Auszug in Richtung der Säule und etwas weniger (12-15/100mm) in 90 Grad dazu. Auch hier also, nicht perfekt, aber für das meiste okej. Nachstellen oder einstellen kann man das eh nicht, also gibt’s da auch nix zu tun :-D
Das das Pinolenspiel, wie auch die lager noch recht okej sind, ist sehr wahrscheinlich ein Ergebniss des ‚Zentralschmiersystems‘, welches recht gut zu funktionieren scheint. Es drückt oben an der Pinole Fett ein, welches dann nach unten wandert und die Pinole und deren Lagerung schmiert. Eine Schmiernut kann man im letzten Bild sehen. Hier habe ich mal sauber gemacht und neues Fett rein. Das war es dann schon.

LG Jakob
Gruss aus Wien
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Re: Restauration meiner Standbohrmaschine B15, alias das hässliche Entlein

Beitrag von motor64.1 » Sa 16. Jun 2018, 11:27

1) Die vielen schönen Gussteile, mit hochwertigem Guss. Beispiele sind die massive Säule inklusive Fuss, welche bei mir aus eine Stück Guss hergestellt ist 

Naja...... :?

15291400456091417132540.jpg
15291402510902046340133.jpg
Über 30 Jahre stand die Bohrmaschine frei in der Werkstatt :-D

Bis der sicherheitsbewwußte Werkstättenleiter diesen Übelstand bemerkt hat und alle Maschinen sofort festgedübelt werden mussten..... :aerger:

Wenige Tage später hat es einem Monteur ein Werkstück gefangen......und die Bohrmaschine ist abgebrochen und in der Schrottkiste gelandet :hae:

Ich habe dann ein Gewinde in die Säule geschnitten und ein Stück Kolbenstange eingesetzt. :super:




Wo ist eigentlich dein Fuß geblieben? :o
Grüße
Franz

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