meine "neue" Torsa Drehmaschine

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spansau
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Re: meine "neue" Torsa Drehmaschine

Beitrag von spansau » So 17. Mai 2020, 10:40

Guten Morgen Harald,

das ist ja schonmal gut gelungen, und man sieht, daß auch auf "kleinen Maschinchen" Großes gelingt, es ist eben eine Frage der Zeit und des Feingefühls.

Ja, so habe ich mir den Lehrdorn vorgestellt. :2up:

Deine Schwierigkeiten mit dem Rattern liegen, - so denke ich, - haupsächlich zum Einen an der Materialwahl ;-)
und an der Aufspannung des Stahls. Den hätte ich direkt ohne Multifix aufgespannt. Bei solchen Dimensionen mache ich das auch auf der ARISTON, und verwende einen Meißel mit einem recht fetten Schaft.

Wie hast Du eigentlich vor der ersten Anprobe entgratet?
Da gibt es einen ganz alten Trick:
man nimmt ein sehr weiches Holz (Fichte/Tanne), mit dem man gut in den Gewindegang kommt,
Ein Abruck von ein paar Gängen der Original-Spindelnase wäre nicht schlecht, würde mit etwas Druck - zwei Hölzer und Schraubzwinge - gelingen.
Dises fettet man ein und "beschichtet" es mit Korundstaub vom Schleifbock.
Damit geht man bei laufender Maschine mehrfach durch das Gewinde.
Duch den Druck werden die Schleifkörner in das Holz, - aber nicht in die Metalloberfläche gedrückt. Somit werden feinste Grate und Aufwerfungen entfernt und geglättet.

Wie sich das beim VA auswirkt, kann ich nicht sagen.

Die gründliche Reinigung hinterher ist selbstverständlich.

Diese Vorgegensweise hat bei meinen Gewinden schon mehrfach geholfen, die beim Anprobieren noch etwas geklemmt hatten weil irgendwo ein letzter feiner Grat oder ein Spänchen noch vorhanden war.
Gruß
Max

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Harald F.
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Re: meine "neue" Torsa Drehmaschine

Beitrag von Harald F. » So 17. Mai 2020, 16:44

Hallo
spansau hat geschrieben:
So 17. Mai 2020, 10:40

Deine Schwierigkeiten mit dem Rattern liegen, - so denke ich, - haupsächlich zum Einen an der Materialwahl ;-)
und an der Aufspannung des Stahls. Den hätte ich direkt ohne Multifix aufgespannt. Bei solchen Dimensionen mache ich das auch auf der ARISTON, und verwende einen Meißel mit einem recht fetten Schaft.
ja, und der große Abstand zwischen Futter und zu drehendem Gewinde war sicher auch nicht hilfreich. Zugegeben: ich hatte gestern wenig Lust auf Abstechen und Sägen :pfeif:
spansau hat geschrieben:
So 17. Mai 2020, 10:40
Wie hast Du eigentlich vor der ersten Anprobe entgratet?
ich habe nur den Grat am Beginn des Gewindes mit einer Feile entfernt. (Auf dem Foto ist der teilweise noch zu erkennen.)
spansau hat geschrieben:
So 17. Mai 2020, 10:40

Da gibt es einen ganz alten Trick:
man nimmt ein sehr weiches Holz (Fichte/Tanne), mit dem man gut in den Gewindegang kommt,
Ein Abruck von ein paar Gängen der Original-Spindelnase wäre nicht schlecht, würde mit etwas Druck - zwei Hölzer und Schraubzwinge - gelingen.
Dises fettet man ein und "beschichtet" es mit Korundstaub vom Schleifbock.
Damit geht man bei laufender Maschine mehrfach durch das Gewinde.
Duch den Druck werden die Schleifkörner in das Holz, - aber nicht in die Metalloberfläche gedrückt. Somit werden feinste Grate und Aufwerfungen entfernt und geglättet.

das werde ich auf jeden Fall ausprobieren. :2up:


Übrigens habe ich noch mal ein wenig gemessen:

Mit der Dreidrahtmethode (3 mm Bohrer als "Draht") komme ich beim Original-Gewinde auf 60.55 mm. Der Lehrdorn hat aktuell 60.66 mm.
Ein M60 x 5.5 soll einen Flankendurchmesser zwischen 56.088 mm und 56.353 mm aufweisen (http://www.iso-gewinde.at/)
Die Dreidrahtmessung müsste dann Messwerte zwischen 60.325 mm und 60.59 mm ergeben (https://emte.ch/German:3-Draht-Gewindemessung.asp)
Das Original liegt da gut im Toleranzfeld.
Meine "Kopie" liegt noch um etwa 0.1 mm darüber. Das deckt sich ja auch gut mit der Beobachtung, daß der auf dem Originalgewinde nahezu spielfrei sitzende Flansch nicht auf den Lehrdorn passt.

Ich werde also nochmals ein wenig abdrehen müssen und die Feinarbeit dann mit der "Holzläppfeile" erledigen.

Viele Grüße
Harald
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Harald F.
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Re: meine "neue" Torsa Drehmaschine

Beitrag von Harald F. » Sa 23. Mai 2020, 16:48

Hallo

weiter ging es gestern mit der Fertigstellung des Lehr-Gewindes (M60x5.5).
Das hat, bis auf die elende Abstecherei, gut geklappt. Mit dem schmalen Stechstahl habe ich so tief, wie der Halter es zuliess, über Kopf eingestochen und den Rest dann mit der Bügelsäge erledigt.
Das Entgraten habe ich mit einer mit Schmirgelpapier belegten Dreicksfeile erledigt.
Der Versuch, das Gewinde durch Pressen in Weichholz abzuformen, war nicht sehr erfolgreich. Vermutlich ist das Gewinde einfach zu tief.

Heute ging es dann an die Herstellung des M60 Innengewindes in der Buchse.
Das ging wieder nach dem selben Verfahren, mit dem ich das Aussengewinde des Lehrdorns gefertigt habe.
In Guss ging das aber weitaus schneller und recht problemlos. Die einzige Schwierigkeit bestand darin, daß meine Emco keine Bremse hat und ich wegen des langen Auslaufs in Verbindung mit der großen Steigung höllisch aufpassen musste, um nicht mit dem Stahl in's Futter zu fahren. Obwohl man ja Guß lehrbuchmässig trocken zerspanen soll, habe ich versuchsweise mal mit WD40 geschmiert, was zwar die Sauerei verschlimmerte aber die Oberfläche verbesserte.
chuck-adapter-din800-DSC00551.JPG
chuck-adapter-din800-DSC00550.JPG
Das hat super geklappt - etwas zu super, denn, als ich erstmals auf die Idee kam, mit dem Lehr-Gewinde zu prüfen, passte dieses bereits "ziemlich perfekt". Das Spiel lag bei 0.1 mm - also eigentlich schon etwas zu viel, aber noch halbwegs akzeptabel. :pfeif:
chuck-adapter-din800-DSC00553.JPG
Dann habe ich den zylindrischen Sitz ausgedreht. Auch das funktionierte wunderbar, viel zu wunderbar, denn mit der resultierenden Wurfpassung :scheisse: (ca 0.05 mm Übermass) war das Teil Ausschuss. :wall:
Etwas blöd ist, daß ich keinen passenden Guß mehr am Lager habe. Ersatz ist bestellt.
Nächster Versuch dann hoffentlich nächstes Wochenende. :andiearbeit:

Grad kommt mir der Gedanke, daß ich mein Ausschuss-Gewinde schlitzen und dann als Läppdorn für das Innengewinde verwenden könnte.

Viele Grüße
Harald
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Re: meine "neue" Torsa Drehmaschine

Beitrag von ostwestfale » Sa 23. Mai 2020, 19:21

Du bist aber auch ein Pechvogel :nixweiss:
Aber das geht mir auch öfters, dann will man es noch ein bißchen besser mach und dann ... Schrott und neu :pfeif:

Gruß aus Bielefeld
Hans

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Re: meine "neue" Torsa Drehmaschine

Beitrag von spansau » Sa 23. Mai 2020, 19:51

Das tut mir jetzt aber Leid, daß es so ausgegangen ist, Harald.

Hast Du den Lehrdorn nur nach der Drei-Draht-Methode gemacht, - nicht nach Anprobe?
Die Drei-Draht-Methode ist für mich eher ein Blindflug, das Herantasten an den Flansch eher auf Sicht.

Wieviele Gänge wolltest Du ins Holz drücken? Wahrscheinlich war wohl das Holz nicht weich genug? Vorfräsen wäre dann nicht schlecht.
Jetzt hast Du auch die Gelegenheit, die Lehrdorne mit einem anständigen gerändelten Schaft, Griff, zu versehen. Die sind dann auch feinfühliger zu handhaben,
außerdem, - wenns klemmt, dann bekommt man sie besser raus.

Ich schreibe hier von Lehrdornen
also mindestens noch einer für den Zylinder. So hast Du ein IST-Maß, und vor Allem schleichen sich keine Meßfehler ein.

Was ich Dir noch empfehlen kann:
schneid das Gewinde überkopf
1. man sieht den Stahl bequem und gut in der Bohrung
2. die Späne bleiben nicht auf der Schneide liegen
3. man stellt zu wie beim Außengewinde.
4. der Schnitdruck geht nach oben wie beim Abstechen, es rattert weniger

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Gruß
Max

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Harald F.
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Re: meine "neue" Torsa Drehmaschine

Beitrag von Harald F. » Sa 23. Mai 2020, 21:14

Guten Abend
ostwestfale hat geschrieben:
Sa 23. Mai 2020, 19:21
Du bist aber auch ein Pechvogel :nixweiss:
nee, ich bin ein Schussel. :nixweiss:
Ich habe erst mal d'rauflos gedreht nach dem Motto "ist ja noch Material da" und hab nur mal schnell mit dem Messschieber kontrolliert. Bei Messschieber-Durchmesser 61.9 (Sollmass 61.9x) habe ich dann mal den Subito kalibriert und in die Bohrung gehalten. Der Zeiger zuckte nicht mal - Übermass. :wall:

spansau hat geschrieben:
Sa 23. Mai 2020, 19:51
Das tut mir jetzt aber Leid, daß es so ausgegangen ist, Harald.
wie gesagt: eigene Schuld :imstupid:
spansau hat geschrieben:
Sa 23. Mai 2020, 19:51
Hast Du den Lehrdorn nur nach der Drei-Draht-Methode gemacht, - nicht nach Anprobe?
Als der Flansch noch nicht passte (oder nur sehr knapp), habe ich mit der Dreidrahtmethode gemessen. Das Ergebnis passte gut zur Anprobe. Ich habe dann (durchmesserbezogen) etwa die Hälfte des ermittelten Übermasses zugestellt und dann angeprobt. Das passte dann nahezu spielfrei. Ich war damit zufrieden und habe nicht nochmals "dreigedrahtet".
spansau hat geschrieben:
Sa 23. Mai 2020, 19:51
Wieviele Gänge wolltest Du ins Holz drücken? Wahrscheinlich war wohl das Holz nicht weich genug? Vorfräsen wäre dann nicht schlecht.
Das waren so etwa vier Gänge in Fichtenholz. Eventuell könnte ich mir auch Dreikantfeilen aus Holz hobeln.

spansau hat geschrieben:
Sa 23. Mai 2020, 19:51
Jetzt hast Du auch die Gelegenheit, die Lehrdorne mit einem anständigen gerändelten Schaft, Griff, zu versehen.
ich habe zwar Rändelräder, aber die Anfertigung einer Rändelzange steht noch aus :pfeif:
spansau hat geschrieben:
Sa 23. Mai 2020, 19:51
Ich schreibe hier von Lehrdornen
also mindestens noch einer für den Zylinder. So hast Du ein IST-Maß, und vor Allem schleichen sich keine Meßfehler ein.
wenn ich nicht wieder so blöde Schusselfehler mache, bekomme ich solche Passungen "eigentlich" mit dem Intramess ("Subito") auf weniger als 1/100 mm hin.
Aber, ja, so ein zylindrischer Prüfdorn ist ja schnell gemacht. (Sage ich jetzt mal so leichtfertig. :pfeif: )
spansau hat geschrieben:
Sa 23. Mai 2020, 19:51
schneid das Gewinde überkopf
1. man sieht den Stahl bequem und gut in der Bohrung
2. die Späne bleiben nicht auf der Schneide liegen
3. man stellt zu wie beim Außengewinde.
4. der Schnitdruck geht nach oben wie beim Abstechen, es rattert weniger
5. Die Maschine läuft rückwärts und man kann auch mit langem Bremsweg stressfrei vom Futter weg arbieten


ja, guter Vorschlag :2up:

Ich denke auch darüber nach, diese abenteuerliche Aufspannung der Wohlhaupter-Bohrstange entweder durch eine vernünftige Klemmung zu ersetzen, oder gar eine eigene, stabilere Bohrstange zu fertigen.


Viele Grüße
Harald
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Re: meine "neue" Torsa Drehmaschine

Beitrag von spansau » Sa 23. Mai 2020, 22:17

Harald F. hat geschrieben:
Sa 23. Mai 2020, 21:14
5. Die Maschine läuft rückwärts und man kann auch mit langem Bremsweg stressfrei vom Futter weg arbieten
das verstehe ich jetzt nicht ganz,
beim Überkopf-Stahl läuft die Maschine ganz normal vorwärts, und die Schneide ist hinter der Mitte. Vom Futter weg gäbe immer in Linksgewinde, und das willst Du nicht.
Gruß
Max

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Re: meine "neue" Torsa Drehmaschine

Beitrag von Spartaner117 » Sa 23. Mai 2020, 22:26

spansau hat geschrieben:
Sa 23. Mai 2020, 22:17
Harald F. hat geschrieben:
Sa 23. Mai 2020, 21:14
5. Die Maschine läuft rückwärts und man kann auch mit langem Bremsweg stressfrei vom Futter weg arbieten
das verstehe ich jetzt nicht ganz,
beim Überkopf-Stahl läuft die Maschine ganz normal vorwärts, und die Schneide ist hinter der Mitte. Vom Futter weg gäbe immer in Linksgewinde, und das willst Du nicht.
Wenn der Stahl normal vor der Mitte aber überkopf steht und die Maschine linksrum/rückwärts läuft, der Stahl nach rechts fährt (vom Futter weg) gibts ein Rechtsgewinde
Viele Grüße,

Marc

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Re: meine "neue" Torsa Drehmaschine

Beitrag von Dr. No » So 24. Mai 2020, 01:27

Bin grad zu faul zum Selberdenken: Es gibt also die Möglichkeit (ohne Wendeherz) durch geschickte Kombination von Anordnungen (Stahl hinten, überkopf, ....) ein Linksgewinde zu drehen? :hoffnungsvoll

Peter

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Harald F.
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Re: meine "neue" Torsa Drehmaschine

Beitrag von Harald F. » So 24. Mai 2020, 07:38

spansau hat geschrieben:
Sa 23. Mai 2020, 22:17
Harald F. hat geschrieben:
Sa 23. Mai 2020, 21:14
5. Die Maschine läuft rückwärts und man kann auch mit langem Bremsweg stressfrei vom Futter weg arbieten
das verstehe ich jetzt nicht ganz,
beim Überkopf-Stahl läuft die Maschine ganz normal vorwärts, und die Schneide ist hinter der Mitte. Vom Futter weg gäbe immer in Linksgewinde, und das willst Du nicht.
jein: wenn der Stahl hinten steht aber nicht über Kopf, kann ich die Maschine rückwärts laufen lassen und vom Futter weg arbeiten. (Schlitten fährt von links nach rechts).
Ob man Links- oder Rechts-Gewinde schneidet hängt nur von der Übersetzung zwischen Spindel und Leitspindel ab.
Spartaner117 hat geschrieben:
Sa 23. Mai 2020, 22:26
Wenn der Stahl normal vor der Mitte aber überkopf steht und die Maschine linksrum/rückwärts läuft, der Stahl nach rechts fährt (vom Futter weg) gibts ein Rechtsgewinde
ja, stimmt genau
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