meine "neue" Torsa Drehmaschine

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Harald F.
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Re: meine "neue" Torsa Drehmaschine

Beitrag von Harald F. » Sa 2. Nov 2019, 13:49

Hallo

@spansau: danke für den Hinweis auf die Konstruktion mit den vier gegeneinander versetzten Schlitzen. Ich werde es erst mal ohne Schlitze versuchen. Wenn das nicht klappt, ist das sicher eine gute Lösung.

Und nun zum Stand der Dinge - ich war nicht faul.
torsa-latha-chuck-backplate-DSC09878.JPG
Wie man sieht, ist die Guß-Buchse drin :freu:

Ich habe mir sehr viel Zeit genommen und den Flansch "ausgewohlhauptert".
Nach einigen Experimenten mit Anstellwinkel und Schliff des HSS-Stahl habe ich eine sehr saubere Oberfläche hinbekommen. Anfangs gab es leichten "chatter", und ich hatte ein zwar optisch ansprechendes aber technisch suboptimales "Moiree-Muster".
macro-DSC01314.JPG
Messen mit der Mikrometerschraube ging irgendwann nicht mehr, weil ausgerechnet die für den nötigen Messereich erforderliche Verlängerung in dem Meßsatz fehlt. (Wieder ein Projekt.)
Mir blieb also nicht anderes übrig, als den Tisch in x zu verfahren, bis ich von oben messen konnte und der Wohlhaupter aus dem Weg war.
Das erwies sich aber als völlig unproblematisch. Aus dem gleichmäßigen Geräusch beim Ausbohren der aufeinanderfolgenden Durchgänge konnte ich schließen, daß die Zentrierung perfekt passte.
Die Messungen erfolgten jeweils mit Mitutoyo Teleskop-Tastern und digitaler Mikrometerschraube sowie parallel dazu mit einem "Subito", besser gesagt mit einem der Mahr Intramess, die ich hier letztens erstanden hatte. Ich habe jeweils die auf Grund der Zustellung erwartete Durchmesseränderung mit den Messungen verglichen und festgestellt, daß die Messungen mit dem Intramess bei weitem konsistenter waren. Das lag aber sicher auch an meiner mangelnden Übung bei der Anwendung der Teleskop-Taster. Natürlich habe ich die Messungen jeweils mehrfach wiederholt und in verschiedenen Positionen gemessen.

Der Außendurchmesser des Guß-Ringes lag, je nach Messposition zwischen 69.98 mm und 70.00 mm. Für die Presspassung strebte ich 69.96 mm an, die ich auch im Rahmen der Messgenauigkeit getroffen habe. (So plus minus 5 µm würde ich sagen.)
Das letzte Zehntel habe ich übrigens in 1/100 mm Schritten bei einem Vorschub von 0.06 mm pro Umdrehung "auspoliert".

Zum Einpressen habe ich den Flansch mit dem Propanbrenner auf ca 180 °C erwärmt. Den Ring konnte ich so manuell einige Millimeter weit einschieben und habe dann den Rest mit der im Bild gezeigten "high-tech" Einpressvorrichtung erledigt.

Viele Grüße

Harald

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gerhard_56
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Re: meine "neue" Torsa Drehmaschine

Beitrag von gerhard_56 » Sa 2. Nov 2019, 15:09

Hallo Harald,
klappt ja wie geschmiert :2up:

Wenn Du den Innendurchmesser auf Maß bringst (Wohlhaupter oder Drehbank) solltest Du in einer Aufspannung den Anlageflansch mitmachen. Danach dann den Flansch auf die Spindel montieren und ggf. vorhandenen Schlag auf der Vorderseite abdrehen.
Viele Grüße, Gerhard

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Harald F.
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Re: meine "neue" Torsa Drehmaschine

Beitrag von Harald F. » Sa 2. Nov 2019, 19:29

Guten Abend
gerhard_56 hat geschrieben:
Sa 2. Nov 2019, 15:09
klappt ja wie geschmiert :2up:
ja, aber mit 220er Bettbahnöl - also gaaanz langsam ;-) Aber, ja, bisher bin ich mit dem Zwischenergebnis sehr zufrieden. Insbesondere bin ich sehr erleichtert, daß das Aufpressen so wunderbar funktioniert hatte. Ich war zuvor ein wenig nervös.
gerhard_56 hat geschrieben:
Sa 2. Nov 2019, 15:09

Wenn Du den Innendurchmesser auf Maß bringst (Wohlhaupter oder Drehbank) solltest Du in einer Aufspannung den Anlageflansch mitmachen. Danach dann den Flansch auf die Spindel montieren und ggf. vorhandenen Schlag auf der Vorderseite abdrehen.
ja, genau so hatte ich das gedacht. Ich werde auch in der selben Aufspannung den Außendurchmesser des Flansches "bereinigen", damit dort später der noch zu fertigende Spannring sauber aufliegt.

Ich bin schon sehr gespannt, wie groß der Schlag des montierten Flansches dann sein wird.

Viele Grüße und einen schönen Sonntag
Harald

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Harald F.
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Re: meine "neue" Torsa Drehmaschine

Beitrag von Harald F. » Di 5. Nov 2019, 19:48

Guten Abend,

gestern habe ich den Flansch mit der eingepressten Buchse wieder auf dem "Aufspannfutter" montiert, nachdem ich dieses sorgfältigst zentriert hatte.
Um mir die Trennung von Futter und Flansch zu erleichtern, habe ich zuvor am Rand des Flansches ein M10 Gewinde angebracht. In dieses konnte ich dann eine Schraube eindrehen, mit der sich die beiden Teile auseinander drücken liessen. Eine zwischengelegte Messing-Mutter verhinderte dabei Beschädigungen des Futters durch die Schraube.

Wie beim Ausbohren des Sitzes für die Buchse wurde nun die Buchse selbst mit dem Wohlhaupter in kleinen Schritten und unter Zuhilfenahme diverser Messmittel (Innenmikrometerschraube, Intramess und Teleskoptaster) bis auf das gewünschte Endmaß von 61.65 mm ausgebohrt.
Auch diesmal erwies sich die zur Messung erforderliche Verschiebung des Tisches in x als völlig unproblematisch. Die zentrierte Position wurde in allen Fällen wieder sehr genau reproduzierbar getroffen. Bei den letzten Durchgängen habe ich jeweils nur 1/100 mm (Durchmesser) zugestellt und das Schnittbild beobachtet, das über den gesamten Umfang sehr gleichmässig war, also ein sicheres Zeichen für eine einwandfreie Zentrierung.
Beim Messen des Durchmessers fiel mir auf, daß die Bohrung minimal unrund war. Besonders bei Verwendung des "Subito" (Intramess) ergab sich abhängig von der Messrichtung eine Abweichung von bis zu 1/2 Hundertstel. Ich frage mich, ob das Spiel der Vertikalspindel hier als Ursache in Frage kommt.

Wie geplant habe ich in dieser Aufspannung die Stirnseite des Flansches geplant - eine wahre Freude mit dem Wohlhaupter (klick, klick, klick ...) - und schließlich auch den äußeren Umfang exakt zylindrisch und konzentrisch "gewohlhauptert". Die Kanten habe ich noch leicht angefast.

Zeit für die Anprobe.
Beim Vermessen der Spindel hatte ich bereits festgestellt, daß der Sitz minimal konisch ist, etwa 61.96 mm am Ende und 61.98 mm zum Sitz hin.
Daher konnte ich den Flansch nur wenige Millimeter weit aufschrauben.
Mit feinem Schmirgel habe ich die Konizität des Spindelsitzes vorsichtig reduziert und konnte den Flansch schließlich mit etwas Kraft bis zur Schulter aufschrauben.

Da sitzt er nun:
torsa-lathe-chuck-backplate-DSC09881.JPG
Der Schlag der Planseite lag am äußeren Rand bei 0.04 mm, der radiale Schlag bei 0.02 mm.
In Anbetracht der Sorgfalt, mit der ich die Buchse ausgebohrt hatte, war das zwar ein wenig enttäuschend, aber diese Flächen werden sowieso noch bei montiertem Flansch abgedreht - kein Problem also. Zuvor werde ich den Flansch allerdings noch einige Male demontieren, wieder montieren und vermessen, um zu prüfen, ob die Montage reproduzierbar ist.

Erst mal wieder Zwangspause bis zum Wochenende...

Viele Grüße
Harald

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spansau
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Re: meine "neue" Torsa Drehmaschine

Beitrag von spansau » Di 5. Nov 2019, 20:09

Alles wird gut, Harald!
Harald F. hat geschrieben:
Di 5. Nov 2019, 19:48
Zuvor werde ich den Flansch allerdings noch einige Male demontieren, wieder montieren und vermessen, um zu prüfen, ob die Montage reproduzierbar ist.
War meIn erster Gedanke. der Sitz muß quasi auch auch "einlaufen". Rauhtiefe und sonstige Unebenheiten im μ-Bereich.
.
.
:ironie: Die Abdrückbohrung hast Du hoffentlich doppelt gegenüberliegend eingebracht, -- wegen der Unwucht.
Gruß
Max

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Harald F.
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Re: meine "neue" Torsa Drehmaschine

Beitrag von Harald F. » Fr 8. Nov 2019, 12:34

Hallo,

heute morgen habe ich den Schlag des Flansches mehrfach vermessen und den Flansch zwischendurch mehrfach abgenommen und wieder neu montiert.
Die Messungen waren im Rahmen der durch die Rauhigkeit des Flansches zu erwartenden Messgenauigkeit gut reproduzierbar.
Das bedeutet für mich, daß der Flansch an sich vernünftig und spielfrei auf der Spindel sitzt.

Dann habe ich das Futter gründlich gereinigt, gefettet, wieder zusammengebaut und montiert.
Ein Probedreh mit dem selben Probestück und Schneidplatte ergab unverändertes Verhalten: die Maschine rattert, sobald ich versuche, mehr als ca 2 mm Spanbreite abzunehmen. :scheisse:

Was mich wundert: wenn ich mit der Messuhr den Umfang des Futters antaste und unmittelbar am Futter kräftig an einem eingespannten Rundstahl ziehe, bewegt sich das Fuitter immerhin um 0.1 mm . Das kommt mir irgendwie "schlabberig" vor. Die Verformung ist elastisch, d.h. die Nadel der Messuhr geht immer wieder in die Ausgangsstellung zurück - bis auf 1/100 mm vielleicht.

Nun bin ich, ehrlich gesagt, ziemlich ratlos :nixweiss:

Ich werde mal schauen, ob sich das Futter von meinem Teilkopf montieren lässt und damit versuchen ...

Viele Grüße

Harald

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Harald F.
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Re: meine "neue" Torsa Drehmaschine

Beitrag von Harald F. » Fr 8. Nov 2019, 13:12

Hallo

hier als Ergänzung noch die Ergebnisse meiner Messungen des axialen Schlags des Futterflansches.
Die verschiedenen Farben entsprechen jeweils einer Montage. Für "Montage2" und "Montage3" habe ich jeweils zwei Messungen "A" und "B" durchgeführt.
Die Messungen entstanden vor dem Abdrehen des Sitzes.

axial_error.jpg
axial_error.jpg (48.1 KiB) 273 mal betrachtet
(Angaben in µm.)


Man erkennt (hoffentlich), daß der Schlag reproduzierbar immer im selben Bereich liegt - also ein Zeichen dafür, daß der Flansch reproduzierbar montierbar ist.

Viele Grüße
Harald

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Re: meine "neue" Torsa Drehmaschine

Beitrag von gerhard_56 » Fr 8. Nov 2019, 15:31

Hallo Harald,
eine solche Aufbereitung gefällt mir :thx:

Hast Du den Flansch nach dem überdrehen auch noch einmal vermessen?
Viele Grüße, Gerhard

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Re: meine "neue" Torsa Drehmaschine

Beitrag von Stahlfussel » Fr 8. Nov 2019, 15:54

Hallo Harald,
ich möchte Dir noch einen Test vorschlagen:
bringe die Messuhr am Futterkörper an und messe radial gegen den eingespannten Rundstahl ob und wie weit er sich bewegt, wenn Du daran kräftig ziehst.

Gruß,
Jochen

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Re: meine "neue" Torsa Drehmaschine

Beitrag von gerhard_56 » Fr 8. Nov 2019, 16:04

Stahlfussel hat geschrieben:
Fr 8. Nov 2019, 15:54
Hallo Harald,
ich möchte Dir noch einen Test vorschlagen:
bringe die Messuhr am Futterkörper an und messe radial gegen den eingespannten Rundstahl ob und wie weit er sich bewegt, wenn Du daran kräftig ziehst.

Gruß,
Jochen
Hallo Jochen,
das hatte Harald schon auf S. 51 beschrieben. Bei einer Auslenkung von 2-3/10 mm und einer Hysterese von 3/100 mm bei 300 mm Länge des Rundstahls war seine Folgerung, dass das Futter i.O. sein müsste. Ich habe daraus eher geschlossen, dass das Futter einen Hau weg hat.

Nachtrag
auf S. 52 ganz unten ist das noch einmal genau beschrieben
Viele Grüße, Gerhard

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