Was ist schief gelaufen???

Meistertruck
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Was ist schief gelaufen???

Beitrag von Meistertruck » Di 13. Feb 2018, 08:41

Hallo zusammen,

ich hatte mir eine Halterung als Fixierung für meine Schlagzahlen angefertigt und wollte nur noch im Finale die Seiten wegen der Optik ganz leicht schlichten.

Das Material ist 1.0715

Ich hatte mir von Kennametal einen Fräser gekauft und war wegen der feinen Kordelung davon ausgegangen das dieser zum schlichten geeignet ist.
P1030964.JPG
Aus diesem Grund wollte ich ihn mal testen. Durchmesser des Fräsers 10 mm und die Drehzahl 1200 U/min.

Das war die Aufspannung. Ich hatte vorher auch noch getestet ob ich das Werkstück an dem langen Hebel hochziehen kann, hatte aber keine Chance.
P1030957.JPG
Da sollte die Seitenfläche ganz leicht überfräst werden.
P1030958.JPG
Schon beim ankratzen kamen keine (wie erwartet) feinen Späne, sondern man konnte ein leises Quitschen vernehmen. Da hätten bei mir schon alle Alarmglocken angehen müssen (haben leider versagt) und so nahm das Ünglück seinen Lauf :wall: Also aus der zu bearbeitenden Fläche raus gekurbelt, 5/100 zugestellt und im Gegenlauf versucht einen Span zu nehmen.

Hier das Ergebnis
P1030960.JPG
P1030963.JPG
Das Werkstück hatte sich bereits nach ein paar Millimetern aus dem Schraubstock gezogen :steinigung: Da ich den gleichen Fehler ungern zwei mal mache, frage ich mich warum bei der offensichtlich so festen Einspannung der geringen Spanentnahme so große Kräfte auftreten konnten, das es das Werkstück trotzdem aus dem Schraubstock gezogen hat. Und warum hat der Fräser beim antasten gequitscht und keinen feinen Span erzeugt. War dieser dafür überhaupt nicht geeignet :nixweiss:

Dadurch wurde mir wieder bewusst, warum ich auf einen sündhaft teuren Kraftschraubstock spare.
LG. Andreas

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stefangtwr
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Re: Was ist schief gelaufen???

Beitrag von stefangtwr » Di 13. Feb 2018, 08:52

Gegenlauf, 45° Spirale am Fräser und aussermittige Spannung im Schraubstock - Da kommt eigentlich alles zusammen.

- Hier wäre Gleichlauf zum Schraubstock hin sicherer gewesen, aber bei der Aufspannung immer noch nichts für schwache Nerven ;)
- Der 45° Drall zieht axial deutlich stärker als ein Fräser mit steilerem Drall
- Die aussermittige Spannung im Schraubstock ist wirklich nicht ideal, spätestens wenn du weiter nach aussen gekommen wärst häts dir das gehoben

Der Fräser ist dafür geeignet, ja - Durch die große Zähnezahl will der aber relativ schnell gekurbelt werden - Oder du gehst mit der Drehzahl runter, geht beides.

gruß
Stefan

Meistertruck
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Re: Was ist schief gelaufen???

Beitrag von Meistertruck » Di 13. Feb 2018, 09:22

Hallo Stefan,

danke für die schnelle Antwort, aber warum hat der Fräser beim antasten schon gequitscht, meine anderen Fräser würden da schon einen dünnen Span abnehmen. Man sieht auch an der Stelle wo ich angekratzt habe keine kleine Mulde, sondern es ist nur etwas blank.
Benötigt der mehr Zustellung um ins Material einzudringen?
LG. Andreas

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Schulli
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Re: Was ist schief gelaufen???

Beitrag von Schulli » Di 13. Feb 2018, 09:33

Und warum so knapp eingespannt, ich hätte es tiefer gespannt.

Gruß
Lothar
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Fräse BT-MR 550 Zahnriemenantrieb, FU Drehstrommotor
Rexon Tischbohrmaschine
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Re: Was ist schief gelaufen???

Beitrag von Storch 01 » Di 13. Feb 2018, 10:31

Hallo,
schade um den neuen Fräser :cry:
- die außermittige Einspannung wurde ja schon genannt
- ich hätte zusätzlich den langen Hebel gegen den Aufspannbock niedergepratzt

VG, Jens

klausbg
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Re: Was ist schief gelaufen???

Beitrag von klausbg » Di 13. Feb 2018, 10:43

Hallo Stefan,

daß die außermittige Einspannung und die flache Spirale ungünstig sind leuchtet mir ein.

Aber warum wäre Gleichlauf besser gewesen, wären die auftretenden Kräfte nicht die gleichen?

Gruß,
Klaus

Macke
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Re: Was ist schief gelaufen???

Beitrag von Macke » Di 13. Feb 2018, 10:45

Ja, die Kräfte solltest du niemals unterschätzen. Das predige ich unseren Lehrlingen schon immer ;)

In diesem Fall war es teures Lehrgeld leider :-(

In deiner Situation würde es nur 2 halbwegs sichere/solide Aufspannmöglichkeiten geben:

erstere wurde bereits genannt (das lose ausragende Ende mit einer Sicherungspratze gegen verrutschen/anheben sichern)
zweite (und einfachste) wäre das Werkstück 90grad verdreht Spannen und die zu bearbeitende Fläche stirnseitig bearbeiten (auch wenn das heißen würde dass du 2 Aufspannungen statt einer hast)
Bei vorgehensweise #2 könntest du fast die Gesamte zu bearbeitende Fläche sicher im Schraubstock spannen und nur das klötchen würde ausragen
-> Den Umständen entsprechend die sicherste Variante (und sicher ist IMMER besser)

Ps.: Ich hoffe du vergewaltigst den 16-Zahn Fräser nicht bei so einer Aufspannung :-D :pfeif:

@klausbg Nein, die Kräfte sind nicht die selben. Gleich und Gegenlauf unterscheiden sich enorm im Schnittdruck und der Axialen Kraftverteilung.

flexiblebird
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Re: Was ist schief gelaufen???

Beitrag von flexiblebird » Di 13. Feb 2018, 10:57

Meistertruck hat geschrieben:Das war die Aufspannung.
Wenn du so spannst, bilden die Schraubstockbacken ein sich in Zugrichtung öffnendes V, selbst wenn das nur Bruchteile eines Millimeter sind, das Objekt wird sich gerne in diese Richtung rausziehen lassen. Hättest du so gearbeitet, daß der Fräser das Objekt in den Schraubstock schiebt, oder so eingespannt daß es auf der eher abgewandten Seite der Mitte spannt, dann würde es in die Richtung geschoben/zogen werden in der es sich ins V hinein bewegt, also mehr spannt.
Meistertruck hat geschrieben:Dadurch wurde mir wieder bewusst, warum ich auf einen sündhaft teuren Kraftschraubstock spare.
Gewalt ist auch keine Lösung, Intelligenz hilft. Klar sind die Kräfte beim Zerspanen hoch, versuche du mal per Hand mit dem Stechbeitel einen Span abzunehmen.
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marc11
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Re: Was ist schief gelaufen???

Beitrag von marc11 » Di 13. Feb 2018, 11:03

(geh davon aus dass...die stimmgabel nicht angeschweisst wurde...das frästeil aus einem stück ist
und keine verhärtung durch schweissen vorhanden ist)

-wär mal...garnicht.... passiert wenn
die gabel geklemmt gewesen wär anstatt......frei aufliegend (schwingend)
....soviel sollte zu 100% klar sein

-vhm fräser sind i.d.r. für harte werkstoffe.....grosser keilwinkel = grössere schnittkräfte
hss fräser für weichere..............................kleiner keilwinkel = kleinere schnittkräfte

-die eckspannung....übt noch in der mitte des schraubstocks die grösste kraft aus,
auf der gabelseite die kleinste
....wirkt also nur wien drehpunkt...statt ganzflächig

-hier und da bisschen spiel in der china fräse (sorry,weiss wie gemeint is)
sprich...schlitten (tisch).....filigran spindel

-dazu die lange ausspannlänge der kleinen 10er fräser
(mögliche biegung im unteren bereich/eckschneiden)

-tialn beschichtung
beschichtungen machen die schneiden "minimalst stumpf"....abrundung der schneidkante

-beim ansetzen der hauptschneiden
.....erhöhter drehzahl und oben angemerkter gründe.....wohl das fiepen des fräsers

.....jedoch spätestens als die die eck bzw. nebenschneide auf die gabel treffen,
(der fräser mit allen ecken und kanten arbeitet/am werkstück reisst)
werden die vibrationen und zerspankräfte grösser gewesen sein....
....als die spannkraft des schraubstocks am werkstück
und das teil im bruchteil einer sek. herausgezogen und gecrasht hat

so könnts gewesen sein.....

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Re: Was ist schief gelaufen???

Beitrag von Helix » Di 13. Feb 2018, 11:07

Wie schon genannt wurde: Das abstehende Ende hätte irgendwie niedergehalten/verschraubt sein muss. Der Bock darunter ist nett, aber wirkungslos weil er ja nur nach unten sichert. Der Fräser drückt gegen den Ausleger: es quietscht. Quietschen ist immer ein Zeichen von Vibrationen, zum einen durch den nicht ganz idealen Fräser aber hauptsächlich durch die Befestigung des Werkstücks als "Stimmgabel".
Nächstes Mal besser festmachen oder wen es geht gleich hinlegen und niederspannen, dann klappt das schon.

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