Abgerissene Schraube > Abgerissener Ausdreher...

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Flohv
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Abgerissene Schraube > Abgerissener Ausdreher...

Beitrag von Flohv » Fr 19. Jun 2020, 20:25

Hallo,

Stehe mit einem Bekannten vor dem Problem, dass die Schraube für die Riemenscheibe abgerissen ist. Nach dem aufbohren und dem Ausdreher ist ein noch Stück rausgekommen. Beim zweiten ansetzen ist natürlich der Ausdreher abgerissen. :-(
Der Stummel sitzt ca. 30mm tief in der Kurbelwelle und ist noch ca. 20mm lang.
Hat jemand einen Tip wie man das noch retten kann?

Komisch daran ist, dass die Passfedernut der Riehmenscheibe viel zu groß ist, so das fast ein Zahn überspringen kann. Denke das die Schraube deshalb so angeknallt war und die Riemenscheibe die falsche ist.

Gruß Flo

Ausdreher war so einer:
080.jpg
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Rödoc
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Re: Abgerissene Schraube > Abgerissener Ausdreher...

Beitrag von Rödoc » Fr 19. Jun 2020, 20:56

Moin, ohne zu wissen um welchen Motor es sich handelt usw... bei 20 mm stummel würde Ich eine Mutter drüber schieben und ordentlich anschweißen und sofort raus drehen sobald es nicht mehr Glüht ( geht recht schnell) da die Kurbelwelle sonst leiden könnte was die Härte angeht. Auch wenn sich metall bei wärme ausdehnt lösen sich durch die hitze loctite, dreck und rost. bisher bekam Ich im schlimmsten fall so alles heraus. Natürlich sollte man nach möglichkeit vermeiden hitze einzubringen aber Ich denke mal dass ihrkeine ein Meter-Rohrzange da habt oder so ein stehbolzen ausdreh werkzeug.

Schöne Grüße, Rödoc

Micha321
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Re: Abgerissene Schraube > Abgerissener Ausdreher...

Beitrag von Micha321 » Fr 19. Jun 2020, 21:22

Ein Foto von der Situation wäre hilfreich.
Der beste Tipp wurde ja schon gegeben. :2up:

Flohv
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Re: Abgerissene Schraube > Abgerissener Ausdreher...

Beitrag von Flohv » Fr 19. Jun 2020, 22:03

Sorry hab mich wohl falsch ausgedrückt, der Rest sitzt in der Kurbelwelle, anschweißen geht daher nicht.
Ist ein Ford Mondeo oder Focus, Bilder konnte ich keine machen. Habe im Netz welche gefunden, an denen man es erkennt, passiert anscheinend öfter...

sr_neu.jpg
sr_neu.jpg (72.61 KiB) 1506 mal betrachtet
20200619_215108.jpg

Da drin Sitz der Stummel und der abgebrochene Ausdreher. Morgen kann ich Bilder davon machen.

Gruß Flo

Tom_Bo
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Re: Abgerissene Schraube > Abgerissener Ausdreher...

Beitrag von Tom_Bo » Fr 19. Jun 2020, 22:15

Ganz üble Sache.
Hatte das Gleiche mal bei einem VW Tdi Motor, habe dann die KW ausgebaut und zu einem Instandsetzer gegeben- der hat das rauserodiert.
War alles zusammen richtig aufwändig und teuer.
Gutes Gelingen!
Gruß, Tom

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Gelboliv
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Re: Abgerissene Schraube > Abgerissener Ausdreher...

Beitrag von Gelboliv » Fr 19. Jun 2020, 22:27

Moin,
wenn es mein eigener Motor wäre, würde ich wahrscheinlich versuchen die Bohrung auf höchstmöglicher Länge (bei dir im besten Fall 50mm) mit der Kernlochgröße des nächst größeren Gewindes zu bohren und dann ein neues Gewinde schneiden, diesmal auf der ganzen Länge. Je nach Härte der KW musst du dann aber wohl entweder VHM Werkzeuge nutzen oder öfter nachschleifen, was immer noch günstiger als ein Kurbelwellentausch wäre.
Gruß
Justus

Micha321
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Re: Abgerissene Schraube > Abgerissener Ausdreher...

Beitrag von Micha321 » Fr 19. Jun 2020, 22:37

Ach du Schei§e :-(
Seit wann reißen solche KW Schrauben ab ???

Und den abgebrochen Ausdreher wieder ausbohren ?
Evtl. eine Führungshülse für den Bohter drehen und auf die KW stecken.

Rödoc
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Re: Abgerissene Schraube > Abgerissener Ausdreher...

Beitrag von Rödoc » Sa 20. Jun 2020, 00:45

Junge Junge, da bin Ich froh dass Ich sowas noch nicht erleben musste in meiner Werkstatt. Es gibt Hartmetall bestückte Bohrer mit grösserem Schaft als so eine Art gleitführung. Wie die Heißen weis Ich leider nicht mehr... Ist bestimmt sieben Jahre her dass Ich sowas in der Hand hatte. Aber mit sowas könnte man das Harte Werkzeug ausbohren und anschließend mit einem Normalen bohrer die Schraube durchbohren. Dabei reicht es meist wenn man mit wesentlich kleinerem Durchmesser bohrt da das defizit an Material im Zentrum der Schrauben Achse dazu führt dass der druck vom Gewinde genommen wird. Ansonsten könnte man sich die Gleitführung selber drehen, so wie micha bereits vorschlug, und einen normalen VHM Bohrer dort hinein spannen. Was Ich auch aus der not heraus des öfteren bereits gemacht habe war, Steinbohrer umzuschleifen. Die haben in der Regel eine Keilform, die muss natürlich zu einer schneide umgeschliffen werden. Die verwinden sich zwar Stärker... aber im notfall... naja.. wenns funktioniert ;-)

Schöne Grüße, Rödoc

Tommel
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Re: Abgerissene Schraube > Abgerissener Ausdreher...

Beitrag von Tommel » Sa 20. Jun 2020, 11:54

Moin,

Das ist Fummelarbeit.
Sowas in der Art musste ich in meinem früheren Leben x-mal machen allerdings an LKW`s, Dieselgeneratoren, Baustellenkrams eben und hatte entsprechend viel Platz. Leider oft genug unter freiem Himmel.
Die drehen sich oft ein paar Millimeter und knallen dann plötzlich plan ab.

Ist der linksdreher noch drin oder nicht?
Falls ja, weiß ich auch nicht bzw keine Erfahrung da ich so einen Krams bei anderen Dingen nur 2x in meinem Leben genutzt habe und jedesmal grandios gescheitert bin und somit nullkommanull davon halte

Vorab: Bei mir war das immer Baustellengedöns, also keine Nähmaschinen. Aber speziell Pumpen, Kompressoren und Generatoren liefen danach für 1000e Stunden im 24/7 Betrieb anstandslos. Keine hohen Drehzahlen aber zB große Kompressoren sind alle gewuchtet

Benötigt wird:
-Länge der Originalschraube?
-Lange HSS Bohrer
-Führungshülse für den ersten Bohrer (oder Zentrierbohrer falls man rankommt)
-Gewindeschneider , eine Regelgewindegrösse kleiner als das Originalgewinde
-2kg Hammer
-Brenner
-WD-40
-Das allerwichtigste ist Platz zu haben

Die Vorgehensweise ist den Stummel fast komplett durchzubohren, aufzubohren und die verbleibende Gewindehülse zu erhitzen um dann einen Gewindebohrer anzusetzen und diesen aber nur max 3 Umdrehungen einzuschneiden

Ich hatte mir jedesmal eine Orginalersatzschraube besorgt, oder in Erfahrung gebracht. um zu wissen gebracht wie lang dieser Bastard eigentlich ist.
Wenn möglich eine Führungshülse nutzen und fast komplett durchbohren. HSS geht schon aber immer wieder raus und säubern, mit WD-40/Caramba zB kühlen.
VHM-Bohrer hatte damals kein Mensch.

Falls der Stummel abgeschert ist (was ich nicht glaube aber auch schon erlebt hatte) geht es IMHO nur mit Hülse oder einem Fräser in die Bohrmachine und plan fräsen, Bohrer mit Führungshülse ansetzen und wenn möglich der Schraubenlänge entsprechend fast komplett durchzubohren.
Nicht komplett durchbohren

Dann im Durchmesser aufbohren.
Keine Ahnung was für ein Grösse das jetzt ist aber soweit aufbohren bis man quasi eine Gewindegrösse kleiner als das Originalgewinde, in dem Stummel schneiden kann.
Doch vorher muss man den verbleibenden Schraubenstummel (diese aufgebohrte Gewindehülse) heiß machen. Ich habe dazu immer einen Brenner verwendet. Heutzutage wird überall Loctite benutzt und das Loctite muss man "zerstören" und das geht nur mit Hitze. Die von Loctite angegeben Temperatur (zB 200 Grad) reicht zwar aus um die Klebekraft aufzuheben aber das Loctite muss in Puder zerfallen. Je heißer desto feinkörniger. Und das geht nur mit einem kleinen Brenner. Glühen sollte es nicht.

Nach dem erhitzen zügig einen Gewindebohrer ansetzen und in dem Stummel 1 Umdrehung ansetzen, ein satter Schlag auf den Gewindebohrer,1-2 Umdrehungen weiter einschneiden. Nicht zurückdrehen wie man es gewohnt ist beim gewindeschneiden !
In der Zwischenzeit hat sich die Hülse abgekühlt und der Gewindebohrer ist richtig fest. Jetzt zurückdrehen. Nicht hin und her. Nicht ruckweise. Gleichmässig rausdrehen
In 7 von 10 Fällen hat sich der Stummel/Hülse mit dem Gewindebohrer mitgedreht.
Manchmal auch nicht.
Dann nochmal erhitzen , Gewindebohrer eindrehen,satter Schlag, nochmal 1 Umdrehung tiefer einschneiden.
In 100% der Fälle hat sich beim spätestens 3. Versuch die Hülse mitgedreht.
Manchmal, nicht oft, hat sich der Gewindebohrer herausgedreht ohne die Hülse mit herauszudrehen aber die Hülse war dann schon immer lose!
Meist habe ich einen großen Schraubenzieher (mit Schlüssel 6-Kant) genommen und in das geschnittene Gewinde eingeschlagen und damit herausgedreht
Der Schraubenzieher nicht zu groß damit du die Hülse nicht spreizt.

Was nicht funktioniert hat:
Gewinde einschneiden, entsprechende Grösse an Schraube eindrehen, auf Schraube schlagen um dann die Schraube mit dem Stummel herauszudrehen
Verbleibende Gewindehülse nur anwärmen

Wenn der Linksdreher noch drin ist wird VHM von Vorteil sein und ohne Führungshülse würde ich persönlich erst nicht anfangen.

Viel Glück
Tommel
Zuletzt geändert von Tommel am Sa 20. Jun 2020, 11:57, insgesamt 1-mal geändert.

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Rainer4x4
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Re: Abgerissene Schraube > Abgerissener Ausdreher...

Beitrag von Rainer4x4 » Sa 20. Jun 2020, 11:56

Flohv hat geschrieben:
Fr 19. Jun 2020, 20:25
Komisch daran ist, dass die Passfedernut der Riehmenscheibe viel zu groß ist, so das fast ein Zahn überspringen kann. Denke das die Schraube deshalb so angeknallt war und die Riemenscheibe die falsche ist.
Die Passfeder heisst Passfeder weil sie eben nur den Winkel der Riemenscheibe zur Kurbelwelle definiert. Drehmomente kann sie nicht übernehmen. Das Drehmoment wird über die Stirnflächenpressung KW/Riemenscheibe übertragen. Deswegen MÜSSEN die KW Schrauben mit einem derart hohen Drehmoment angezogen werden!
Wird nicht das vom Hersteller vorgegebene Drehmoment erreicht, so passiert mit der Passfeder folgendes: [ externes Bild ]
Der Schaden an der Kurbelwelle ist erheblich!
Gruß Rainer
Dreh-/Fräsmaschine: Damatomacchine Master 520 3L, baugleich Smithy MIDAS 1220 LTD oder Bolton Tools Combo AT520
Bandsäge: Scheppach MBS1100
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