Oberschlitteneinheit neu gebaut

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morus
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Oberschlitteneinheit neu gebaut

Beitrag von morus » Mo 12. Sep 2016, 14:05

Hallo,

zwar keinen Baubericht, aber mein Anteil an einem fast fertigen Projekt möchte ich hier vorstellen.

Für einen anderen Chipmaster-Besitzer habe ich die Oberschlitten-Einheit neu gebaut. Nicht durchführen brauchte ich die Gradskala und das Schaben.

Die Schrauben sind aus 42CrMo4, der Bolzen aus Automatenstahl und die übrigen Teile aus bereitgestelltem GGG-40.

Gefertigt wurden die Teile auf einer Drehmaschine (Colchester Chipmaster), einer Waagerechtstoßmaschine (WMW StW315) und einer Koordinatenbohrmaschine (Hauser 2BA - leider keine Fräsmaschine).

Alle Führungsflächen an Unter- und Oberteil wurden jeweils in einer Aufspannung gestoßen. Zur Fertigung der 50°-Schwalbenschwanzführungsflächen geschah die Winkeleinstellung des Stoßmaschinensupportschlittens mithilfe eines Sinuslineals.

Auf den Fotos sehen manche Oberflächen erstaunlich übel aus, vielleicht auch, weil sie noch nicht mit Öl benetzt sind.
DSCF6265.JPG
neu gebauter Chipmaster-Support
DSCF6266.JPG
neu gebauter Chipmaster-Support
DSCF6262.JPG
neu gebauter Chipmaster-Support
DSCF6258.JPG
neu gebauter Chipmaster-Support
DSCF6261.JPG
neu gebauter Chipmaster-Support
Mit netten Grüßen
Karl

reloader
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Re: Oberschlitteneinheit neu gebaut

Beitrag von reloader » Mo 12. Sep 2016, 15:35

Hallo Karl,

schönes Projekt, nur beim Schlitten blick ich nicht durch, das sieht aus wie eine einseitige Schwalbenschwanzführung.
So eine Konstruktion habe ich bisher noch nie gesehen!

viele Grüße

Edgar

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petermue
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Re: Oberschlitteneinheit neu gebaut

Beitrag von petermue » Mo 12. Sep 2016, 15:43

Schöne Umsetzung :2up:

Ich Versuch mal die Erklärung:
Die zweite Führung wird von unten eingeschraubt und kann dann seitlich - wie bei einer Einstelleiste - justiert werden.
Dadurch erspart man sich die Einstell- oder Keilleiste.
Weitere Gründe?

Viele Grüße
Peter
Viele Grüße, Peter
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reloader
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Re: Oberschlitteneinheit neu gebaut

Beitrag von reloader » Mo 12. Sep 2016, 16:08

Hallo,

hat das einen Vorteil?

Der Aufwand für die Leiste ist ja auch nicht ohne.


viele Grüße

Edgar

emcoalex
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Re: Oberschlitteneinheit neu gebaut

Beitrag von emcoalex » Mo 12. Sep 2016, 17:33

Hallo!

Der Vorteil ist, dass sich die Leiste nicht durch die Einstellschrauben verbiegt.

Wir schaben ja wie die Wilden rum und dann wird die Leiste sowieso wieder von
den Einstellschrauben verbogen - so wie oben ist das viel besser.

Griazi,

Alexander

Doc Alex
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Re: Oberschlitteneinheit neu gebaut

Beitrag von Doc Alex » Mo 12. Sep 2016, 18:04

Toll gemacht!

Rein aus Interesse: warum hast Du GG und keinen Stahl genommen?

Viele Grüße

Alexander
Wer Kunststoff kennt nimmt Stahl!

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morus
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Re: Oberschlitteneinheit neu gebaut

Beitrag von morus » Mo 12. Sep 2016, 18:46

Hallo,
reloader hat geschrieben:hat das einen Vorteil?
Der Aufwand für die Leiste ist ja auch nicht ohne.
Spontan fallen mir 5 verschiedene Varianten von Schwalbenschwanzführungen ein, sodass mir unklar ist, auf welches Detail sich die Frage bezieht.
Die Konstruktion entspricht dem originalen Oberschlitten von Colchester-Drehmaschinen.
Bei dieser Konstruktion ist die Nachstellleiste zugleich eine der Führungsflächen.
Von unten angeschraubte Nachstellleisten werden durch die Senkbohrungen für die Schraubenköpfe mehr geschwächt als von oben angeschraubte Nachstellleisten, die nur die Gewindebohrungen brauchen. Dafür gelangt bei von unten angeschraubten Nachstellleisten beim Nachstellen kein Schmutz (feinste Späne) auf die Anschraubflächen.

Die beiden Skizzen sind vielleicht anschaulicher:
ChipmasterSupportSpare.png
Chipmaster-Support: Explosionsskizze
ChipmasterSupport.png
Chipmaster-Support: 3D-Skizze vom Vorentwurf
In dem Thema stehen ein paar Bilder vom originalen Chipmaster-Oberschlitten:
http://forum.zerspanungsbude.net/viewto ... =9&t=16589

Doc Alex hat geschrieben:warum hast Du GG und keinen Stahl genommen?
Solche Maschinenteile sind meistens aus Grauguss, weil Grauguss ein wenig von Stahl abweichende Eigenschaften aufweist.
So soll Grauguss besser schwingungsdämpfend sein, bessere Notlaufeigenschaften ("selbstschmierend") haben, einen besseren Kraftfluss im Material aufweisen, und ...
Genau kenne ich mich mit den Materialeigenschaften nicht aus. Auch weiß ich nicht, ob GG-25 hierfür besser geeignet wäre als GGG-40. Das (oder der?) GGG-40 wurde bereitgestellt, also habe ich es daraus gefertigt.
Meine Maschinen wollen nach diesem Projekt gründlich gereinigt werden ...

Mit netten Grüßen
Karl

Jonny311
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Re: Oberschlitteneinheit neu gebaut

Beitrag von Jonny311 » Mo 12. Sep 2016, 20:05

Hi Karl,
Sehr cooles Projekt mal wieder!!

Zur Erklärung der Gussarten:

GG25 oder nach heutiger Bezeichnung GJL250 ist Grauguss mit Lamellengraphit.

GGG40 bzw. GJS ist Grauguss mit Kugelgraphit. Der Graphit ist also als kleine Klumpen im Material verteilt. GJS erreicht deutlich höhere Festigkeiten, jedoch ist die Selbstschmierwirkung sicherlich etwas schlechter als beim GJL. Der Preis ist auch höher.

Man könnte eigentlich mal einen Vergleich starten, was sich besser schaben lässt :andiearbeit:

Gruß Jonny

bot
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Re: Oberschlitteneinheit neu gebaut

Beitrag von bot » Di 13. Sep 2016, 00:51

emcoalex hat geschrieben:...
Der Vorteil ist, dass sich die Leiste nicht durch die Einstellschrauben verbiegt.
...
Wie groß ist denn der Einstellbereich (es sind ja keine Langlöcher) ?

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morus
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Re: Oberschlitteneinheit neu gebaut

Beitrag von morus » Di 13. Sep 2016, 10:54

Hallo bot,
bot hat geschrieben:
emcoalex hat geschrieben:...
Der Vorteil ist, dass sich die Leiste nicht durch die Einstellschrauben verbiegt.
...
Wie groß ist denn der Einstellbereich (es sind ja keine Langlöcher) ?
Bei der originalen waren die Bohrlöcher für die Schrauben ca. 0,5 mm größer als der Schraubendurchmesser, d. h. dort war knapp 0,5 mm Einstellbereich.

Diese selbstgefertigte Leiste hat Langlöcher mit 1 mm Einstellbereich, was für die 0,1 bis 0,2 mm Luft (in horizontaler Richtung) locker ausreicht.

Die genaue Vorgehensweise beim Montieren/Nachstellen habe ich nie erfahren:
- Dürfen die Befestigungsschrauben von unten nur locker angezogen bleiben?

Zu Fragen, die per PN gestellt wurden:

Die runde T-Nut auf der Unterseite wurde auf der Drehmaschine hergestellt. Werkzeuge aus HSS:
- ein selbstgeschliffener Stirnseiteneinstechdrehstahl
- zwei eigens für die T-Nut geschliffene Hakendrehstähle (einen für den inneren und einen für den äußeren Teil der T-Nut).

Zur Fertigung der großen Tasche auf der Bohrmaschine wurden Löcher (um ca. eine halbe Fräserbreite nebeneinander versetzt) vertikal hineingefräst (das schafft die Maschine mit MK1-Werkzeugaufnahme schneller als horizontales "Schruppfräsen"). Der verbleibende Rest bis zum Fertigmaß war dann Schlichtfräsen auf der Koordinatenbohrmaschine.

Mit netten Grüßen
Karl

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