Richtiges Material Achsschenkelbolzen Unimog

Johannes D.
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Richtiges Material Achsschenkelbolzen Unimog

Beitrag von Johannes D. » Do 27. Dez 2018, 12:28

Hi,

bei meinem Unimog 421 (Bj 71, 4 to zulässige Gesamtmasse) sind die vorderen Achsschenkel ausgeschlagen, ich vermute, dass auch die
Achsschenkelbolzen nicht mehr die besten sind (das Fahrzeug ist in seinem Früheren Leben am Schneepflug gelaufen, das geht ziemlich
auf die VA).

Jetzt kann man diese Bolzen als Ersatzteil kaufen (kostet dann 50 EUR das Stück) oder selber anfertigen (ein Stück entsprechender Welle
dürfte deutlich günstiger sein).

Diese Bolzen haben 30 mm (ältere wohl nur 25 oder 28, aber das weis ich ja nach Zerlegung) und sind schätzungsweise 50 bis 70 mm lang.
An einem Ende sind sie ins Achsgehäuse eingepresst und zusätzlich verschweisst (letzteres wohl nur als Lagesicherung).
Diese Lagerstellen können mit Schmiernippeln abgeschmiert (nur so als Zusatzinfo).

An den Bolzen ist nichts besonderes also keine Nut, kein Gewinde oder sonst was, die sollte ich also entsprechend auf Länge bringen können
und planen.

Zu was für einem Werkstoff würdet Ihr in diesem Falle raten? Im Unimog-Forum hat einer zu einer Einsatzgehärteten Welle geraten, hat
auf Nachfrage aber keine genauere Beschreibung des Werkstoffen gegeben.

viele Grüße

Johannes D.

Limbo
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Re: Richtiges Material Achsschenkelbolzen Unimog

Beitrag von Limbo » Do 27. Dez 2018, 12:47

Schönes Nutzfahrzeug.
Geländefahrten gehen doppelt auf das Fahrwerk. Einmal durch die Stöße und Gewichtsverlagerung und zusätzlich durch den Schmutz.

Ich würde Werkzeugstahl C45 nehmen und nicht härten.
C45 lässt sich bearbeiten, ist trotzdem zäh und ungehärtet besteht kaum Bruchgefahr.

Hans
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tofro
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Re: Richtiges Material Achsschenkelbolzen Unimog

Beitrag von tofro » Do 27. Dez 2018, 12:48

Das wird wohl irgendein Vergütungsstahl sein, z.B. 42CrMo4. Der dürfte dann aber auch so vergütet sein, dass er innen zäh und außen hart ist. Mit nur "auf Länge bringen und planen" wird's da wohl nicht getan sein. Grob geschätzt kostet dich das Meterstück im Bereich des fertigen Ersatzteils. Weiß nicht, ob ich mir das antun würde.

Tobias
Jemandem schon mal aufgefallen, dass die Anzeigen "Sie nutzen nur 30% ihres Gedächtnispotentials" zeitgleich mit der Einführung der IBAN verschwunden sind?

mathiasg
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Re: Richtiges Material Achsschenkelbolzen Unimog

Beitrag von mathiasg » Do 27. Dez 2018, 13:03

Ich würde da nicht lange rumexperimentieren und die Mercedesteile für 50€/Stück kaufen. Der größte Aufwand ist ja das aus- und einbauen.
Das Material muss halt zusammenpassen, damit das Teil verschleißt, das man auswechseln kann..... äh ... Moment.

Wobei ich mich wundere.... sowohl beim 406 (den habe ich u.a.) als auch beim 421 sollten doch die Buchsen auswechselbar sein?

https://mogparts.de/de/unimog-ersatztei ... 4063320250
https://mogparts.de/de/unimog-ersatztei ... 4063320650

Das sollte ja irgend ein Buntmetall sein. Ist bei dir wiklich der Bolzen defekt?

LG, Mathias

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pipi
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Re: Richtiges Material Achsschenkelbolzen Unimog

Beitrag von pipi » Do 27. Dez 2018, 13:10

Die Lagerstellen in der Achse werden wohl auch etwas abbekommen haben...
Schweißen zur Lagesicherung kann ich mir auch nicht recht vorstellen. (fürn Mercedes...)
Bei den 200 Euro für die Bolzen, würde ich schon sehr nachdenken müssen, warum ich das selber mache.
Grad die Schweißung würd mich sehr nachdenklich stimmen, ob da nicht viel mehr verschlissen ist was duchs Schweißen versteckt wurde...
Ev. passen neue originale Bolzen gar nicht, weil die Buchsen/Wälzlager/ Bolzenaufnahmen, in den Achsschenkeln, völlig ausgearbeitet sind und man die Bolzen wenn auf Übermaß fertigen muss.


mfg Patrick
Vilh Pedersen VPU1; Klopp Schnellhobler 450; Csepel Säulenbohrmaschine; Oscar Ehrlich Drehe; Friedrich Ondricek Drehe; Frikla WS1; Prusa I3 3d Drucker;
Aber egal was du hast, das was du brauchst, fehlt immer ^^

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Re: Richtiges Material Achsschenkelbolzen Unimog

Beitrag von TheBlackOne » Do 27. Dez 2018, 13:14

Sollten die Lagerbuchsen ausgeschlagen sein, müssten die sowieso neu. 28 EUR für eine Lagerbuchse ist allerdings frech.
Weiler LZD 220
Aciera F3 (zerlegt)
Strands S68 (zerlegt)
Arboga EP 308
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Origo HP-20
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Re: Richtiges Material Achsschenkelbolzen Unimog

Beitrag von Sepp9550 » Do 27. Dez 2018, 14:19

Falls man Ersatzteile bekommt ziehe ich die grundsätzlich vor, nicht nur dass man dann weiß dass es passt und weniger Arbeit hat, sondern weil meist das notwendige Material nicht so leicht zu beschaffen ist und auch nicht günstig ist.
Das trifft sowohl auf eine welle 42CrMo4 als auch auf Lagerbronze (rate mal dass die Buchsen daraus sind) zu, bei letzteren trifft einen der Schlag wenn man 1m kaufen will.


Außerdem, wenn man 160 € ausgibt, aber dafür wieder 50 jahre ruhe hat ist das doch nicht schlimm ;-)

Bei so einen Fahrzeug würde ich mir bei Originalteilen die Rechnung aufbewahren, die Unimog scheinen ja im Wert zu steigen, da würde ich wert auf Originalzustand legen.


Hab aber leider keinen Unimog und kann nichts zur Materialwahl beitragen.
Mit freundlichen Grüßen, ein Stefan zu viel

...auf der suche nach dem verlegten Werkzeug

Drehmaschine: Quantum D310x910, Bohr(fräs)maschine: Optimum MB4, Deckel G1

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Re: Richtiges Material Achsschenkelbolzen Unimog

Beitrag von Bastelmike » Do 27. Dez 2018, 15:41

Hallo Johannes,

wenn Du anfängst mit 1m-Stücken die Materialkosten zu kalkulieren, dann wird Selbermachen sicher zu teuer. Aber es gibt ja genug Onine-Shops die verkaufen Dir auch 10cm Lagerbronze, und auch 30cm Vergütungsstahl. Einer wäre zB Wilmsmetall.
Natürlich musst Du Sägekosten bezahlen, aber bei den kleinen Querschnitten ist das wirklich nicht die Welt.

Bei der Materialwahl würde ich auch Vergütungsstahl vermuten, wenn da nicht diese Schweissung wäre. Weil so gut wie kein Vergütugsstahl (Ausnahme viell. 25CrMo4) sich prozesssicher schweissen lässt. Falls diese Schweissung original ist, könnte ich mir einen Einsatzstahl vorstellen. 16MnCr5 oder C15 tuen es sicher, grundsätzlich kann man auch einen St37-2 einsatzhärten. Bedingt durch den niedrigen C-Anteil sind diese Stähle auch unkritisch zu schweissen.
Bedenke aber dass Du fürs Einsatzhärten eine Härterei brauchst, Selbermachen würde ich da lassen.

Mike

Johannes D.
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Re: Richtiges Material Achsschenkelbolzen Unimog

Beitrag von Johannes D. » Do 27. Dez 2018, 18:24

Servus,

danke schon mal für die vielen Antworten!

@Limbo
Mit dem Mog auf der Straße fahren ist eher langweilig ;-). Im Normal-Fall sind die Achschenkellager jetzt nicht besonders
auffällig bei den Mogs. Ich nutze den Mog aber "nur" Hobby-Mäßig, ich denke die Reperatur wird mich dann wohl überleben.
Danke für die C45 Einschätzung.

@Tobias/tofro
Wenn ich so auf den Schnelle bei ebay gucke dürfte das Rohmaterial (so mann denn 42CrMo4 nimmt) um die 30 EUR liegen,
also günstiger als ein einziger Bolzen.
Was meinst Du es es mit nur auf Länge bringen und planen nicht getan sein wird? Ein und Ausbauen muss ich ein fertig gekauftes
Teil ja auch.

@Mathias
Die Buchsen sind freilich auswechselbar, der Verschleiss ist meines Erachtens nach schon sehr deutlich spürbar, und es ist nicht
unüblich, dass in so einem Falle auch die Bolzen nicht mehr maßhaltig sind. Wir sprechen hier von einem Nutzfahrzeug das
wirklich intensiv genutzt wird und oft nicht entsprechend gewartet. Bei meinem Eicher waren an der VA die Buchsen im Federpaket
schon durchgerieben.....

@alle
Ich hab schon mal wg. Material geguckt, es gibt ja auch Shops in denen man nur kleinere Mengen kaufen kann, dann bleibt
man Preislich deutlich unter 50 EUR (Bei Wilms kostet ein halber Meter knapp 20 EUR + Versand). Wenn man es gleich auf die
richtige Länge sägen lässt, dann ein paar EUR mehr.
Die Teile die man im Aftermarket kaufen kann sind ja evlt. auch keine Original MB Ersatzteile sondern auch "nur passend
gemachtes Rohmaterial".
Ein Öldrucksensor wird auch gleich 50% teurer wenn er für Unimog verkauft wird und nicht als Universaler Geber (obwohl es
das gleiche Produkt ist).
Bei MB direkt werden die Bolzen vermutlich noch mal ein paar EUR teurer sein.

Die Buchsen werde ich nicht selber machen, da habe ich Bedenken wegen der Genauigkeit und evlt. vorhandenen Schmiernuten.
Die Bolzen werden eingepresst, da kommt es sicher nicht auf 1/10 mm an.

Die Verschweissung ist so weit ich weis original, das kann ich aber noch über das Werkstatthandbuch verifizieren, in den Berichten
die ich gefunden habe ist es aber immer so beschrieben.

@Sepp
Ich bin kein Originalitäts-Fanatiker, mein Unimog ist eh etwas speziell, er kommt aus der Schweiz und hat daher keine
originale Pritsche/Pritschenunterbau. An der Druckluftanlage für Anhänger ist meine ich auch etwas anders (mangels
entsprechendem Anhänger nutzte ich die aber eh nicht).

Eine schöne Nachweihnachtszeit noch

Johannes D.

tofro
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Re: Richtiges Material Achsschenkelbolzen Unimog

Beitrag von tofro » Do 27. Dez 2018, 19:00

Johannes D. hat geschrieben:
Do 27. Dez 2018, 18:24
@Tobias/tofro
Wenn ich so auf den Schnelle bei ebay gucke dürfte das Rohmaterial (so mann denn 42CrMo4 nimmt) um die 30 EUR liegen,
also günstiger als ein einziger Bolzen.
Was meinst Du es es mit nur auf Länge bringen und planen nicht getan sein wird? Ein und Ausbauen muss ich ein fertig gekauftes
Teil ja auch.
Damit meine ich, dass wenn du Vergütungsstahl kaufst und den dann nicht vergütest (wärmebehandelst), du ziemlich viel Geld zum Fenster rausschmeisst. Dann kannst du gleich Wald- und Wiesenstahl nehmen.

Mit Wärmebehandlung und Längsbearbeitung bist du dann gleich beim Preis des Ersatzteils. Das dürfte (hoffentlich) wohl ordentlich oberflächengehärtet und ziemlich wahrscheinlich sogar geschliffen sein.

Ich würde, wenn ich Geld sparen wollte, die Bolzen kaufen und die Büchsen selber drehen (aber für 25€ wahrscheinlich auch nicht).

Tobias
Jemandem schon mal aufgefallen, dass die Anzeigen "Sie nutzen nur 30% ihres Gedächtnispotentials" zeitgleich mit der Einführung der IBAN verschwunden sind?

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