Materialfrage Seitenwagenanschlüsse ?

Benutzeravatar
Karsten
Beiträge: 176
Registriert: Do 22. Feb 2018, 08:00
Wohnort: Lübeck
Germany

Materialfrage Seitenwagenanschlüsse ?

Beitrag von Karsten » Sa 5. Mai 2018, 07:31

Moin Ihr,
ich hatte großes Glück!
Ich suche schon seit ca. 20 Jahren nach einem Seitenwagen für meine
AJS model D von 1919.
ajs1.jpg
Jetzt habe ich doch tatsächlich einen gefunden und zwar genau den,
der an meine Maschine gehört (de Luxe von 1922) :-)
DSCF89721.JPG
DSCF897411.JPG
DSCF89671.JPG
Nun fehlen mir die Anschlüsse am Motorrad. Die werde ich wohl auch nicht finden,
darum will ich sie nachbauen.
SW-Anschlüsse.jpg
DSCF9057.JPG
Mit dem Oberen möchte ich beginnen (Für den unteren habe ich hier vll. noch was ...).
Original sind das ja gesenkgeschmiedete Teile,
ich habe aber nur ne Drehbank und ne kleine Fräse ....
Welches Material würdet Ihr dafür verwenden ?
(Bergab wird sie knapp 100 Km/h schaffen ....)

Danke und Grüße
Karsten
Friedrich See EP1, Rotwerk EFM200DS, Georg Huhnholz UF12, Rexon RDM100A, Boley 8mm,
Patent Elastic, ......

Benutzeravatar
uumpower
Beiträge: 736
Registriert: So 24. Feb 2013, 09:24

Re: Materialfrage Seitenwagenanschlüsse ?

Beitrag von uumpower » Sa 5. Mai 2018, 08:24

Ich würde auf jeden Fall keinen Wald und Wiesen Stahl nehmen.

Einsatzstahl , 42CrMO4 oder dergleichen .
Grüße

Florian

Werkstatt

spiro
Beiträge: 10
Registriert: Di 27. Mär 2018, 22:38

Re: Materialfrage Seitenwagenanschlüsse ?

Beitrag von spiro » Sa 5. Mai 2018, 08:28

Hi,

cooles Teil. Meine Empfehlung lautet 42CrMo4, ein Vergütungsstahl der häufig verwendet wird und deswegen "günstig" und gut zu bekommen ist (Ebay). Du solltest nicht unter 900 N/mm^2 Zugfestigkeit gehen, da das Teil recht hoch dynamisch beansprucht wird. Wenn du keine Bauraumprobleme bekommst würde ich großzügiger dimensionieren, einfach zur Sicherheit. Vergütungstahl ist zwar schmiedbar aber verliert dadurch seine Festigkeit, da er ja Wärmebahandlet wurde. Zerspanung ist demnach hier der wirtschaftliche Weg. Viel Spaß!

Hobbyschmied
Beiträge: 143
Registriert: Fr 4. Mär 2011, 19:57
Wohnort: Der schöne Randharz

Re: Materialfrage Seitenwagenanschlüsse ?

Beitrag von Hobbyschmied » Sa 5. Mai 2018, 08:31

Das Teil K2017 würde ich aus 42CRMO4 machen.
Aus diesem Stahl werden schrauben der Güte 12.9 gemacht.
Was auch ginge 32CRB2 oder war es B3?
Müsste ich auf der Arbeit noch Mal nachgucken was es genau war.
Auch dieses Material ist für 12.9 schrauben.
Bolzen aus 32... Habe ich insgesamt noch einen Meter falls du was brauchst.
Ist schon vergütet.

Und die Lasche würde ich aus 45 hoch vergütet machen. Also anlassen wie ein Spaten.
So rund 400 Grad.

Bei ungehärteten Material denk ich das es sich zu schnell einarbeitet.
Denn wenn ich nicht ganz blöde bin läuft doch ein Bolzen in K2014 oder?
2 Dinge sind unendlich und zwar die dummheit der Menschen und das Universum.
Bei dem Universum bin ich mir aber noch nicht sicher.
Zitat: Alber Einstein und noch wer :).

Benutzeravatar
Karsten
Beiträge: 176
Registriert: Do 22. Feb 2018, 08:00
Wohnort: Lübeck
Germany

Re: Materialfrage Seitenwagenanschlüsse ?

Beitrag von Karsten » Sa 5. Mai 2018, 09:14

Vielen Dank schon mal für Eure Antworten!
Vorweg möchte ich sagen: Ich restauriere zwar schon über 35 Jahre Oldtimer,
bin aber kein gelernter Maschinenbauer ......, sondern Kaufmann.
Verzeiht mir also, wenn ich mal blöd frage oder antworte.
Wald u. Wiesenstahl wollte ich natürlich auch nicht nehmen, darum meine Frage hier.
42CrMO4 kam hier ja wie aus der Pistole geschossen, prima .... :-)
An etwas großzügiger dimensionieren dachte ich auch schon.

Der untere Anschluss (K2013/14) umschließt das vordere Rahmenrohr unterm Tank.
Da hätte ich hier vll. noch eine Kreuzmuffe, die ich umarbeiten kann (aufsägen ......)
DSCF9061.JPG
Der obere Anschluss (K2026, K2034/35) sitzt ja im hinteren Rahmendreieck.
Wobei ich K2034/35 zusammenfassen würde.
Mit dem Teil möchte ich beginnen, da es quasi fix ist und die Position des SW, der
anderen Anschlüsse bestimmt.
Dafür bräuchte ich ja möglichst passendes Flachmaterial, damit ich auf meinen
Hobbymaschinen nicht so viel zerspanen muss ...
Bekomme ich da was in 42CrMO4 ?
Das Teil wird ca. 180mm lang sein.

Danke und Gruß
Karsten
Friedrich See EP1, Rotwerk EFM200DS, Georg Huhnholz UF12, Rexon RDM100A, Boley 8mm,
Patent Elastic, ......

motor64.1
Beiträge: 1953
Registriert: Fr 17. Feb 2012, 22:28
Wohnort: Ö-Ost + Versandadresse in D
Austria

Re: Materialfrage Seitenwagenanschlüsse ?

Beitrag von motor64.1 » Sa 5. Mai 2018, 09:36

Hallo Karsten!

Meiner Meinung nach waren die Beiwagenanschlüsse aus dieser Zeit simple Gußteile, Flacheisen und Rohre bzw. zusammengelötete Teile. :-)

Gesenkgeschmiedet wäre viel zu aufwändig gewesen, es musste ja nur billig sein. :pfeif:
Ich lerne ggf. aber gerne dazu. :schlaumeier:


Über Festigkeit braucht man sich keine allzugroße Gedanken machen - das schwächste Teil, das als erstes bricht, ist sowieso der Rahmen der AJS. :o


Die Beiwagenanschlüsse, die ich aus den frühen 20er-Jahren habe, sind auf alle Fälle Gußteile. ;-)
Grüße
Franz

Benutzeravatar
Oldie-Mike
Beiträge: 112
Registriert: Mo 17. Aug 2015, 14:58
Germany

Re: Materialfrage Seitenwagenanschlüsse ?

Beitrag von Oldie-Mike » Sa 5. Mai 2018, 10:12

Hallo Karsten,

erstmal Glückwunsch zu der schönen AJS und dem Seitenwagenfund. Das gibt zusammen ein stilvolles Gespann. Bitte nach der Fertigstellung hier zeigen.

Zu den Anschlüssen will ich Franz Recht geben, die Klemmteile der Seitenwagenanschlüsse sind sicher nicht vergütet gewesen. Hier würde ich keinen vergüteten 42CrMo4 nehmen, sondern einen guten Stahl mittlerer Festigkeit, der sich gut fräsen lässt. Ich mache so was gern aus 16MnCr5, der hat im Lieferzustand ca. 600 N/mm² und lässt sich gut zerspanen.
Die Bolzen (z.B. K2017) würde ich auch aus 42CrMo4+Qt (+Qt=vorvergütet) machen. Noch besser wäre 42CrMoS4+Qt, lässt sich durch den geringen Schwefelanteil besser zerspanen, hat aber die selben Festigkeitswerte. Ganz wichtig ist hier, dass Du keine scharfen Absätze drehst, sondern Radien oder Freistiche. Hier kommen immer Biegemonete drauf, die bei scharfen Absätzen zum Bruch führen können.
Bei der Dimensionierung würde ich mich am Original orientieren wenn nicht spezifische Schwachstellen bekannt sind.
Ich würde auf alle Fälle davon abraten, eine derart verrostete alte Schelle umzuarbeiten. Die scheint durch die Korrosion schon sehr geschwächt zu sein.

Viel Spaß beim Restaurieren

Michael

Benutzeravatar
Karsten
Beiträge: 176
Registriert: Do 22. Feb 2018, 08:00
Wohnort: Lübeck
Germany

Re: Materialfrage Seitenwagenanschlüsse ?

Beitrag von Karsten » Sa 5. Mai 2018, 11:32

Am Seitenwagen sind ja ein paar Muffen dran.
Die oben unterm Tank habe ich gerade mal angefeilt und ich meine weiterhin,
die sind gesenkgeschmiedet.
DSCF9064.JPG
Dann hab ich hier noch eine Steib-Vorkriegsradachse mit Muffe.
Die Muffe hat mal jemand größer gemacht und wieder großflächig
zusammengeschweißt.
Habe ich auch ne Feilprobe gemacht, kein Guss .....
DSCF9067.JPG
Gruß Karsten
Friedrich See EP1, Rotwerk EFM200DS, Georg Huhnholz UF12, Rexon RDM100A, Boley 8mm,
Patent Elastic, ......

spiro
Beiträge: 10
Registriert: Di 27. Mär 2018, 22:38

Re: Materialfrage Seitenwagenanschlüsse ?

Beitrag von spiro » Sa 5. Mai 2018, 11:42

kaufen z.b. hier:
https://www.ebay.de/sch/i.html?_from=R4 ... 4&_sacat=0

und net am material geizen, ist ja ein tragendes teil :-)

Benutzeravatar
DerRestaurator
Beiträge: 2613
Registriert: Sa 16. Mär 2013, 23:41
Wohnort: LK Lüneburg, Grenze zum LK Uelzen
Germany

Re: Materialfrage Seitenwagenanschlüsse ?

Beitrag von DerRestaurator » Sa 5. Mai 2018, 12:19

Karsten hat geschrieben: Habe ich auch ne Feilprobe gemacht, kein Guss .....
Gut, kein Grauguss und kein Temperguss. Wie sieht es mit Stahlguss aus? Da wurden auch gern mal Fahrwerksteile draus gemacht.

:hi: Philipp
Das Gefährlichste ist das Leben als solches - und immer mit Todesfolge!

Antworten