Fließbohren auf der Fräsmaschine

Ikosaeder
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Fließbohren auf der Fräsmaschine

Beitrag von Ikosaeder » Do 31. Jan 2019, 11:47

Hallo Kollegen,

Ich stehe mitunter vor dem Problem, haltbare Gewinde in relativ dünnwandigen Konstruktionen aus Edelstahl herstellen zu wollen, was je nach Wandstärke und Durchmesser mit konventionellen Methoden kaum Möglich ist. Beispielsweise reichen 3mm Materialstärke kaum aus, um ein tragfähiges M8-Gewinde mit >3 Gewindegängen zu schneiden und auch für M6 sind die meisten dekorativen Halbzeuge und Bleche zu schwach dimensioniert. Vom Verfahren des Fließbohrens habe ich schon vor einigen Jahren gehört und habe seine praktischen Einsatzmöglichkeiten, vom Niro-Geländer bis zum UP-Spülkasten, bislang häufig beobachtet. Natürlich würde auch ich gerne von den Vorzügen dieser Technik profitieren, allein, mir fehlt eine geeignete Ständerbohrmaschine mit genügend Leistung um einen Fließbohrer sicher einzusetzen. Nun bin ich auf die Idee gekommen, meine Fräsmaschine zu hierfür zweckzuentfremden und rein was die von Flowdrill angegebenen Schnittwerte betrifft, sollte ich mit 4kW Spindelleistung und 2270U/min alle Voraussetzungen erfüllen. Da auch die kommerziellen Lösungen auf eine Spannzangenaufnahme setzen, frage ich mich, ob nicht meine existierenden ER40 anstatt einer teuren Neuanschaffung zum Einsatz kommen könnten. Hat jemand von Euch Erfahrung mit der thermischen Belastung durch das Fließbohren und weiß, ob man sich den Kühlkörper sparen kann? Gibt es sonstige Einwände gegen mein Vorhaben, insbesondere hinsichtlich der axialen Belastung der Frässpindel und der Pinole, die ja doch deutlich höher sein dürfte als im normalen Fräsbetrieb? Möglicherweise kann jemand Auskunft über die Größenordnung der auftretenden Kräfte beim Fließbohren geben. Danke im Voraus für Euren Input.

MfG,
Philipp

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Geronimo69
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Re: Fließbohren auf der Fräsmaschine

Beitrag von Geronimo69 » Do 31. Jan 2019, 12:10

Hallo Philipp,

ich stand vor einem ähnlichen Problem und musste mehrere M8 Gewinde in ein Vierkantrohr einbringen, an dem später die Stützen angeschraubt werden. Einzieh / Nietmuttern ear nicht machbar weil die Auflage der Stützen plan sein musste. Also habe ich mir einen Flowdrill bestellt und die weiße Trennpaste dazu. Das Verfahren ist genial einfach und funktioniert sehr gut. Ich habe das auch auf meiner Bohrfräse mit einer Spannzange ER40 gemacht. Das ganze ohne Kühlkörper . Denke dran es gibt 2 verschiedene Varianten, mit Kragen und ohne Kragen.

Gruß
Stefan
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blondy
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Re: Fließbohren auf der Fräsmaschine

Beitrag von blondy » Do 31. Jan 2019, 12:15

Hallo Geronimo69,

was für eine Bohrfräse hast Du denn?
Welche Leistung hat die?

@Ikosaeder:
4kW für eine Fräse klingt jedenfalls schon sehr männlich. ;)
Gruß
blondy

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Geronimo69
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Re: Fließbohren auf der Fräsmaschine

Beitrag von Geronimo69 » Do 31. Jan 2019, 12:18

Ist eine Kami FKM 350 PD Super mit 1.7/2.2 kw

Gruß
Stefan
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Re: Fließbohren auf der Fräsmaschine

Beitrag von blondy » Do 31. Jan 2019, 12:38

Hallo Geronimo69,

ah ja, danke.
Hatte die da sehr zu schnaufen oder nahm sie das eher locker?
Fließbohrdings steht nähmlich mittlerweile recht weit oben auf der Einkaufsliste. Ich grübel halt nur ob die ZX-45 das schafft.
Gruß
blondy

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Geronimo69
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Re: Fließbohren auf der Fräsmaschine

Beitrag von Geronimo69 » Do 31. Jan 2019, 12:40

Das geht ganz locker und geschmeidig
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mydani
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Re: Fließbohren auf der Fräsmaschine

Beitrag von mydani » Do 31. Jan 2019, 13:31

Wie lange hält denn so ein Fließbohrer?

mikromeister
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Re: Fließbohren auf der Fräsmaschine

Beitrag von mikromeister » Do 31. Jan 2019, 13:36

Es kommt natürlich auf die Anzahl und die Taktfrequenz der Bohrungen an, ob man kühlen muss.
Im Prinzip funktioniert das Verfahren problemlos, vor allem wenn man mit dem frontseitig aufgedrückten Bund leben kann.
Meine persönliche Erfahrung beschränkt sich auf Kupfer. VA sollte aber wegen der geringen Wärmeleitfähigkeit sogar besser gehen.
Das Gewinde sollte hinterher spanlos geformt werden. Es kann zu oberflächlichen Aufhärtungsprozessen kommen.
Es gibt eine Verfärbung im Bohrbereich durch die Hitze.

Der Aufwand ist ja nicht immens einen Bohrer zu kaufen und das auszuprobieren.
Ich sehe aber keine Probleme dass es jede Fräsmaschine schaffen sollte.
Der Bohrer ist aus VHM und hat fast das ewige Leben wenn man mit der Paste Aufschweissungen verhindern kann.

DeckelMensch
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Re: Fließbohren auf der Fräsmaschine

Beitrag von DeckelMensch » Do 31. Jan 2019, 13:54

Der AvE hat das auch schon auf einer klapprigen Bridgeport gemacht.
Wenn's da geht, dann geht es wahrscheinlich auch auf jeder anderen grösseren Fräse:
https://www.youtube.com/watch?v=FIgg6sey0C8
Aktuell funktionsfähiges Equipment:
Maho 700P/TNC-135; Deckel FP4-NC/Dialog11; VonRoll SH-400 Schnellhobler; schrottige Chinadrehe; Aciera 6TF1; 2TF1; alte Durch-Ständerbohrmaschine; diverses Messgerät (Elektronik)

Johannes D.
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Re: Fließbohren auf der Fräsmaschine

Beitrag von Johannes D. » Do 31. Jan 2019, 15:53

Servus,

noch eine Anmerkung zu den Nietmuttern, die gibt es auch mit Senkkopf, dh es sollte auch möglich sein die nahezu eben einzubauen.

lg

Johannes D.

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