Das leidige Feilen von Hand-Wie gehe ich es an?

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Derhobbist
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Das leidige Feilen von Hand-Wie gehe ich es an?

Beitrag von Derhobbist » So 25. Nov 2018, 03:57

Da ich das eine oder andere Teil daheim mit der Feile bearbeiten will und mich demnächst
2019 die Grundausbildung Metall erwartet, wo man ja schön auf Metall rumkratzen darf, wollte
ich doch mal wissen, wie man das denn nun richtig macht, um zum einen genau und möglichst
schnell ans Ziel zu kommen.

Mir geht es vor allem um Alu und normalen Stahl.
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michiel
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Re: Das leidige Feilen von Hand-Wie gehe ich es an?

Beitrag von michiel » So 25. Nov 2018, 08:38

Üben,üben,üben
Gruß
Michiel

depitter
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Re: Das leidige Feilen von Hand-Wie gehe ich es an?

Beitrag von depitter » So 25. Nov 2018, 08:46

alles was mit Feilen zu tun hat ist ein sehr umfangreiches Thema das bei weitem den Rahmen einen Forums sprengt.
Alleine wieviele Arten von Feilen es gibt!
Es gibt Feilen zum Schruppen, Schlichten, Feinschlichten und dann noch etliche Hiebarten und Formen, Feilen für verschiedene Metalle und spezielle Drehbankfeilen.
Am besten schaust Du dir das einmal bei den einschlägigen Herstellen z.Bsp. Pferd oder Dick an.

Das Feilen selbst wird meist mit beiden Händen ausgeführt, Feilen arbeiten auf Schub und so wird mit der einen Hand am Heft der grösste Teil der Bewegungsenergie aufgebracht, während die andere Hand oben auf der Feile liegt und diese führt.
Ist schwer so trocken zu erklären und nützt Dir auch nicht viel, richtig feilen bedeutet üben üben üben und wenn Du dabei fleißig bist schaffst Du es dann auch irgendwann eine gerade und rechtwinklige Fläche zu feilen.

Wenn Du damals in meiner Lehre auch nur den Eindruck erweckt hast nichts zu tun zu haben, hat Dir der Meister dein Metallstück und eine Feile in die Hand gedrückt und du durftest ein zwei Stündchen feilen.
Ich habe gefühlte acht Wochen gefeilt und es gehasst.

Aber mal ehrlich, wer macht den heute noch sowas?
Gruß
Dieter

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raidy
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Re: Das leidige Feilen von Hand-Wie gehe ich es an?

Beitrag von raidy » So 25. Nov 2018, 08:49

Ich glaube man kann dies kaum in Worten beschreiben, aber "üben, üben,,üben" stimmt schon. Ein paar Grundlagen siehst du hier: https://www.youtube.com/watch?v=lOR2UwZRBws

Wichtig:
1) Vor jedem feilen prüfen, ob der Griff fest sitzt. Das erspart dir üble Verletzungen.
2) Feile immer und immer reinigen, nie mit einer verschmutzen Feile arbeiten.
3) Ich halte nichts von billigen Baumarkt-Feilen. Eine ordentliche kostet auf Dauer weniger.
4) Langsam feilen dann wirds besser als wenn du "fitschelst".
5) Immer darauf achten dass die Feile auch eben geführt wird, sonst wird die Oberfläche rund.
Zuletzt geändert von raidy am So 25. Nov 2018, 09:01, insgesamt 1-mal geändert.
Der Backenschlüssel heißt Backenschlüssel, weil er in deinem Backen steckt, wenn man ihn nicht vom Backen steckt.

ohjaa
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Re: Das leidige Feilen von Hand-Wie gehe ich es an?

Beitrag von ohjaa » So 25. Nov 2018, 09:00

moin moin
warscheinlich jeder der nicht den 5 achs cnc automaten in der ecke stehen hat

die richtige höhe vom werkstück erleichtert es ungemein.
feile wie erwähnt mit 2 händen geführt.
wenn möglich die volle länge der feile nutzen.
dabei weder rechts, links verkanten oder dabei vorne oder hinten abzukippen beim durchziehen.
das ist wohl die kunst dabei wenn du versuchst den stahlklumpen in einen gleichmässigen quader zu verwandeln.
das meinen sie wohl mit üben ;)
wenn du also schon mal üben willst, stück alu und versuch mal 2 paralelle flächen zueinander herzustellen. meßmittel vorrausgesetzt

viel spass und ja irgendwann brauch man solche fertigkeiten

mfg

Bob
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Re: Das leidige Feilen von Hand-Wie gehe ich es an?

Beitrag von Bob » So 25. Nov 2018, 09:04

Was nicht unerwähnt bleiben sollte: Die Feile ist kein nutzloses altes Relikt, sondern auch heute noch sehr praktisch. Es lohnt sich also, sich da einzuarbeiten, denn kann man es, wird man es oft machen. Ich habe sicher über 100 Feilen, es dauert dabei lange, bis ich mal einen Kubikzentimeter abgetragenes Material zusammenbekomme, aber ganz viele Werkstücke sind an irgend einer Stelle mit der Feile bearbeitet worden.

Ein grundlegender Hinweis: Eine ebene Fläche kann man nur mit einer balligen Feile herstellen.

Und wie immer bei solchen Arbeiten: Es geht viel besser, wenn man sich positiv dazu einstellt und es eher als eine meditative Übung annimmt, statt sich dagegen zu wehren.

Bob

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Albego
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Re: Das leidige Feilen von Hand-Wie gehe ich es an?

Beitrag von Albego » So 25. Nov 2018, 09:38

Moin moin Derhobbist :hi:
um zum einen genau und möglichst
schnell ans Ziel zu kommen.
Darum geht es primär gar nicht, denn dann kann man ja sofort eine Fräse nehmen. Vielmehr soll man ein Gefühl für den zu bearbeitenden Werkstoff bekommen. Ferner soll man sich auch dabei auf das Feilen konzentrieren. Hände und Augen koordinieren damit die gefeile Fläche den Anforderungen entspricht, wie z.B. Fläche eben, Rechtwinklig und Parallel so wie nur bis zu einer bestimmten Stelle feilen die z.B. mit einer Anrisslinie vorgesehen ist.

Das man nur mit unterschiedlichen Feilen das Ziel ereicht, z.B. Schrupp- und Schlichtfeile. Und wie man mittels Kreide und Schlichtfeile die Oberfläche verbessern kann. Ja! Richtig gelesen. Mit Kreide. Einfacher weißer Tafelkreide.

Feilen ist eine sehr hohe Kunst der manuellen Zerspanung. An dem berühmt berüchtigten U-Profil, das ist keine hohle Aussage sondern ein Fakt, haben schon so manche zu Anfangs verzweifelt. Da gehen selbst schon mal gestandene Männer in die Knie. :heul: Nein! Ich spreche nicht von mir.

Mit Worten in einem Forum kann man da nicht wirklich sehr viel helfen. Denn dafür sind die Ausbilder vor Ort wirklich besser geeignet. Sie zeigen einem welche die Optimale Arbeitshöhe beim feilen an der Werkbank ist, wie man sich selber beim feilen am besten hinstellt, und erklären noch andere Dinge die man am besten nur von Angesicht zu Angesicht erklären kann. Einen Außenradius 10 mm in Stahl zu feilen, ist schon recht anspruchsvoll, besonders dann, wenn man so etwas noch nie gemacht hat. Und das kann ein Ausbilder vor Ort besser erklären und vor allem Zeigen, als Worte in einem Forum.



Es grüßt
Bernhard

Heliflieger
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Re: Das leidige Feilen von Hand-Wie gehe ich es an?

Beitrag von Heliflieger » So 25. Nov 2018, 09:57

Du brauchst Geduld und Konzentration auf der menthalen Seite.
Auf der anderen Seite geht nix über eine gute Feile, Kreide, Feilenbürste und Haarwinkel.

Einfach drauf los sieht am Ende auch genau so aus.
Man hat schneller einen Buckel rein gefeilt, als man ihn wieder raus gefeilt bekommt. Das ist das wo du am Ende feststellen wirst.

Ich finde es aber gut wenn das heute noch Gelehrt wird.
Man muss doch immer mal wieder im Leben etwas Feilen, wenn auch nicht so Ausgiebig wie in der Ausbildung, aber am Ende ist man froh das man es gelernt hat.
Ein Geselle der nicht weiß wie man mit Bügelsäge und Feile umgeht wird vor dem Meister immer als Depp darstehen, wenn es soweit kommt.

Ähnlich ist es beim Ankörnen. Körnen ist noch lange nicht Körnen...

Gruß Torsten
Fräse: Wabeco F1210
CNC Fräse: Sorotec AL-Line 0605
Drehmaschine: Optimum TU 2004 V
Bohrmaschine: Cordia HS-30 V + Flott TB 15
Schleifbock: Loch D200
Bandsäge: RC125GBS
Schweißgerät: Lorch Export 2000 + Lorch CL 4P-F Spezial

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Albego
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Re: Das leidige Feilen von Hand-Wie gehe ich es an?

Beitrag von Albego » So 25. Nov 2018, 10:21

Habe doch noch ein Video gefunden, welches das Feilen eines Außenradius zeigt. Da wird wohl Holz bearbeitet, aber das Verfahren ist das gleiche als wenn man Metall feilt. Einen Unterschied gibts aber dennoch. In Holz ist das ratz-fatz erledigt, während in Metall das schon etwas länger dauert. Bosonders dann, wenn man einen Außenradius nach Radienlehre feilen will/muss.

https://www.youtube.com/watch?v=22rJLWCps3E

Viel Spaß beim üben daheim :-D



Es grüßt
Bernhard
Zuletzt geändert von Albego am So 25. Nov 2018, 10:24, insgesamt 1-mal geändert.

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Harald F.
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Re: Das leidige Feilen von Hand-Wie gehe ich es an?

Beitrag von Harald F. » So 25. Nov 2018, 10:24

Hallo

zu den vielen klugen Bemerkungen, die hier breits kamen, möchte ich noch ein paar Kleinigkeiten hinzufügen.

Zwei Videos:

Historisch aber immer noch wahr:
https://www.youtube.com/watch?v=C3Glnnby0d0

Vom "master of filing" (Clickspring):
https://www.youtube.com/watch?v=h4KaiG7CpSQ

Ich selbst "musste" im Rahmen eines Industriepraktikums feilen und habe das sehr gern gemacht.
Man feilt am Anfang gern "ballig".
Um ebene Flächen zu erzielen, feilt man mit der leicht gewölbten Seite
der Feile und macht mental eine Bogenbewegung, d.h. man führt die Feile mit beiden Händen so,
daß sie immer auf der gesamten Länge des Werkstücks Kontakt hat. Im Idealfall überträgt sich
dabei die konkave Form der Feile auf das dann konvexe Werkstück, d.h. das Werkstück wird
leicht "hohl" - natürlich nur minimal. Beim Schlichten trägt man dann vornehmlich die leicht
erhabenen äusseren Bereiche ab und bekommt auf diese Weise eine "perfekte" Ebene.

Viel Erfolg

Harald

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