Tuschierlineal - Wann ist es fertig geschabt?

zahnfee
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Tuschierlineal - Wann ist es fertig geschabt?

Beitrag von zahnfee » Do 27. Sep 2018, 12:27

Moin,

irgendwann möchte ich meine Drehe und Fräse einschaben. Für die Schwalbenschwänze brauche ich natürlich ein Tuschierlineal.
Ich habe kurzerhand ein Stück Grauguß 700x40x40 bestellt und es auf der Bandsäge diagonal durchgesägt.
Da meine Tuschierplatte nicht groß genug für 700mm ist, hab ich die Länge auf 500mm reduziert.

Da ich kaum Erfahrung im Schaben habe, sollte das auch als Übung dienen.
Ursprünglich sah es mal so aus:
DSCF2003.JPG
Inzwischen bin ich hier gelandet:
DSCF2020.JPG
Ich habe nun folgende Fragen:

1)
Ist es normal, daß der Schaber so schnell stumpf wird?

Ich schärfe inzwischen nach ca. 5 Schabedurchgängen.
Dazu habe ich mir ein kleines Werkzeug gebastelt, mit dem ich die Klinge in definiertem Radius an der Diamantscheibe entlang drehen kann.
Der Vorgang geht also recht fix.
Der Unterschied in den Schabekräften und der Schabemarken ist nach dem Schärfen jedesmal erstaunlich, aber daß HM so schnell stumpf wird, hätte ich nicht gedacht.

2)
Ich habe bei kleinen Tuschiermarken große Probleme, die Marke immer zu treffen.
Ein zweiter Hartmetallschaber, den aus einem alten Fräserplättchen auf 5mm Klingenbreite zurechtgeschliffen habe (Radius vorn ist aber immer noch 65mm), macht es zwar einfacher, die Marke zu treffen, aber die Gefahr durch tiefe Kratzer bei nur leichtem Verkanten ist extrem hoch.
Alternativ habe ich die breite Schabeklinge wie einen Spachtel benutzt und schiebe sie jetzt in extrem flachem Winkel über die blauen Hügel.
Ich merke jedesmal einen Widerstand und anschließend ist der Hügel mit ein paar Spänen verschwunden.
Zwangsläufig gleitet der Schaber aber auch durch die Schabetäler und nimmt dort vermutlich auch Material ab. Da ich dort aber kaum Druck ausübe, sollte die Abnahme minimal sein.

Ist das eine Methode, die man verwenden kann?


3)
Ich habe das Meßstativ auf die geschabte Fläche gestellt und die Schabemarken mit der 2µ Uhr abgefahren. Alle blauen Hügel sind auf 2µ gleich hoch.
Die Täler dazwischen, sind ca. 6-8µ tiefer; es gibt allerdings auch einige Stellen, die bis zu 15µ tiefer sind.

Was ist ein sinnvoller Wert für ein Tuschierlineal? Wie sollte das Tuschierbild aussehen (Punkte im 1 Zoll Quadrat).
Ich vermute, daß hier mehr als die üblichen 20 Punkte nötig sind.

Wo höre ich also auf?

Viele Grüße,

Uwe

K-Mehl-Treiber
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Re: Tuschierlineal - Wann ist es fertig geschabt?

Beitrag von K-Mehl-Treiber » Do 27. Sep 2018, 13:07

:-D

Die Frage stellt sich jeder mal, wo hört man auf?

Kannst du einen Größenvergleich angeben, ich kann das Foto mit den großen tragenden Stellen jetzt nicht wirklich einordnen :nixweiss:
Es kommt mir so vor, wie wenn du gerade bei 5 Punkten pro Quadratzoll angekommen bist (kann mich natürlich täuschen)
Was willst du mit dem Lineal tuschieren?
Etwas genauer als die zu tuschierende Fläche sollte das Lineal schon sein, sprich, es sollte mehr Tragepunkte haben als das was dann damit tuschiert werden soll.
Weil: du könntest dein zukünftiges Werkstück ja auch so genau auf dein Lineal einschaben, dass das Werkstück dann genau das Negativ deines Lineals ist, sprich, alles was am Lineal ein Tal ist, ist auf deinem Werkstück ein Tragpunkt / Berg.
Natürlich hinkt der Vergleich, weil man das Lineal ja etwas hin und her schiebt.
Trotzdem, ich würde als Hausnummer mal 20-25 Tragpunkte pro Quadratzoll hinzaubern. Noch wichtiger ist es, dass die Tragpunkte gleichmäßig sind. Es darf keine verräterischen Gruppierungen von Punkten geben.
Bei dem Stranggussmaterial wie du es verwendet hast, kommt es leider immer wieder vor, dass es härtere und weichere Stellen gibt. Gerne gruppieren sich dann die Tragpunkte an den harten Stellen und sehen wie angedeutete Pfeilmarkierungen in eine Richtung des Lineals aus, oder es sind zumindest schräge Linien zur Längsachse des Lineals.
(woher ich das wohl weiß :hae: )

Auch ganz wichtig ist, dass die Tragpunkte selber so gut wie möglich auf einer Höhe liegen (aber das zeigt dir eigentlich deine Messplatte).

Wie breit ist denn deine Schaberklinge?
Meine hat 25mm oder 20mm. Die breitere habe ich so geschliffen, dass die Ecken einen kleineren Radius haben als die Mitte (hat sich so entwickelt und ist ganz praktisch finde ich)
Die schmalere Klinge verwende ich nur beim kurzen Schaber, da treffe ich dann genauer.

Wegen dem Stumpf werden: Klinge beim Zurückziehen abheben! Dann hält die länger. Aber 5 Schabedurchgänge auf einen halben Meter bei ~50mm breite ist doch eh nicht soo schlecht. Da würd ich mich nicht drüber ärgern. Mit Werkzeugstahlklinge kannst beim halben Lineal schon wieder nachschärfen.

Bloß nicht entmutigen lassen, da muss man durch :2up:

LG
Markus
(Edit: Rechtschreibfehler)

zahnfee
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Re: Tuschierlineal - Wann ist es fertig geschabt?

Beitrag von zahnfee » Do 27. Sep 2018, 14:05

Danke für die Ermunterung! Nach ca. 40 Stunden schaben erscheint das langsam wie eine Strafe - ist gottlob nur eine Nebenbaustelle, wo ich ab und an mal 2-3 Stunden dran gehe.
K-Mehl-Treiber hat geschrieben:
Do 27. Sep 2018, 13:07
...
Es kommt mir so vor, wie wenn du gerade bei 5 Punkten pro Quadratzoll angekommen bist (kann mich natürlich täuschen)
Was willst du mit dem Lineal tuschieren?
...
Ich bin noch von den 20-25 Punkten entfernt - 10-15 könnten es sein. Es hängt auch stark von der Menge Tuschierpaste ab.
Momentan nehme ich keine neue Tuschierpaste, sondern rolle ein paar Mal mit der Gummirolle drüber, bis die alten Spuren verschwunden sind.
Dann poliere ich die Tuschierplatte mit einem trocknen Tuch, sodaß man beim Drauffassen keine blauen Finger mehr kriegt und auch nichts mehr klebt.
Der Tuschierlinealkandidat schwebt dann ein paar Sekunden wie auf einem Luftpolster, läßt sich aber später nur schwer verschieben - wie in Honig gelagert.
Das gibt teilweise extrem kleine Punkte mit großen Abständen dazwischen

Tuschieren will ich damit die Schwalbenschwanzführungen und die Teile, die man nicht auf die Tuschierplatte legen kann, weil sie z.B. versetzt liegen.
Speziell Planschlitten, Oberschlitten der Drehe, x,y,z der Fräse. Bei der Fräse (MB4) werden 50cm Tuschierlineallänge schon knapp,muß die letzten 10cm irgendwie stückeln...
K-Mehl-Treiber hat geschrieben:
Do 27. Sep 2018, 13:07
...
Trotzdem, ich würde als Hausnummer mal 20-25 Tragpunkte pro Quadratzoll hinzaubern. Noch wichtiger ist es, dass die Tragpunkte gleichmäßig sind. Es darf keine verräterischen Gruppierungen von Punkten geben.
Da wo die Punkte sind, sind sie auch recht gleichmäßig. Es gibt aber ein paar kleine Stellen, die leider etwas tiefer liegen und dort fehlen Punkte. Die Frage ist, ob das später die Tuschierpaste wettmachen kann. Letzlich soll ja nur die Tuschierpaste gleichmäßig auf das Werkstück aufgebracht werden.
K-Mehl-Treiber hat geschrieben:
Do 27. Sep 2018, 13:07
Bei dem Stranggussmaterial wie du es verwendet hast, kommt es leider immer wieder vor, dass es härtere und weichere Stellen gibt. Gerne gruppieren sich dann die Tragpunkte an den harten Stellen und sehen wie angedeutete Pfeilmarkierungen in eine Richtung des Lineals aus, oder es sind zumindest schräge Linien zur Längsachse des Lineals.
Definitiv. An den Außenseiten sieht man das deutlich. Innen habe ich das nicht festgestellt.
Es waren übrigens beide Hälften nach dem Sägen konkav, was die anfängliche Schaberei deutlich erleichtert hat.
K-Mehl-Treiber hat geschrieben:
Do 27. Sep 2018, 13:07
Wie breit ist denn deine Schaberklinge?
... Die breitere habe ich so geschliffen, dass die Ecken einen kleineren Radius haben als die Mitte (hat sich so entwickelt und ist ganz praktisch finde ich)
Die Klinge ist 20mm breit. Ich hab die Ecken auch abgerundet, um Kratzer zu vermeiden, aber ich komme mit meiner Radiuseinrichtung nicht so nah an die Scheibe, um z.B. definierte 10mm Radien zu schleifen. Ich kann zwischen 30mm und 90mm einstellen.
Händisch ist das ein Risiko, denn es gibt immer Absätze, oder man schleift sich die geschärfte Fläche wieder kaputt.

Viele Grüße,

Uwe

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Re: Tuschierlineal - Wann ist es fertig geschabt?

Beitrag von Alpini » Do 27. Sep 2018, 17:59

Hast du das 40x40 mm Material der Länge nach diagonal zersägt? Falls ja, bei 500 mm Länge halte ich das für bedenklich dünn. Schau dir mal richtige Tuschierlineale an, wie dick und verrippt diese sind. Ich denke selbst 40x40 mm würdest du, wenn du damit beim Tuschieren etwas aufdrückst bei 500 mm Länge noch merklich verformen. Das kannst du mit einer Messuhr und zwei untergelegten Flachmaterialstückchen ja mal testen.

Dein 2. Bild ist unglücklich fotografiert, vom Schabemuster ist kaum etwas zu sehen, die Tragpunkte sind für ein Lineal aber noch viel zu wenig.

Was die Anzahl der Punkte betrifft (meine Meinung), können es bei einem Tuschierlineal garnicht genug Punkte sein und die Qualität der Schabung überhaupt sollte bestmöglich sein. Schließlich soll das Lineal ja später einmal Farbe auf die zu bearbeitende Fläche übertragen. Das ist in etwa wie bei Messmitteln, sind diese schon schlecht, kann man sich damit beim Messen so viel Mühe wie möglich geben, genau wird die Messung damit trotzdem nicht. :-D Suche am besten auch mal nach Bildern von professionell geschabten Grauguss-Messplatten oder Tuschierlinealen und vergleiche das Schabemuster. Oder noch besser, falls du die Möglichkeit hast - irgendwo mal anschauen gehen, dann bekommt man ein gutes Gefühl wie es auszusehen hat.

V.G. Stefan
Drehen: Weiler LZG 280 N
Fräsen: Blohm VTF
Gravieren: Sempuco G3-400

zahnfee
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Re: Tuschierlineal - Wann ist es fertig geschabt?

Beitrag von zahnfee » Do 27. Sep 2018, 19:21

Ja, ich hatte ebenfalls Bedenken, daß das Lineal ziemlich biegsam sein könnte. Ich hoffe, einen Teil davon durch entsprechende Handhabung zu kompensieren - also die Schwerkraft so ausnutzen, daß keine Verbiegung in relevanter Richtung stattfindet und den Pressdruck gering zu halten.

Was die Schabemarken angeht, so sind die inzwischen verschwunden. Ich hatte anfangs kreuzgeschabt und man konnte auch ein entsprechendes Tuschiermuster erkennen. Nachdem ich dazu übergegangen bin nur noch hohe Punkte zu entfernen und speziell mit der "Spachtelmethode" wird die Oberfläche allmählich spiegelblank. Ich vermute es erfolgt an der Schneidkante teilweise eine Kaltverformung, die die Rattermarken nach und nach glattpoliert. Zwar werden die Punkte dabei auch mehr und mehr. Da aber bislang immer noch Lücken (kleine Bereiche ohne Punkte) vorhanden sind, habe ich diesen Prozess mehrfach wiederholt, die ganze Fläche erneut (selektiv) kreuzgeschabt und dann wieder spiegelblank fein geschabt.

Ich bin mir nicht sicher was besser ist: regelmäßige Schabmarken durch Kreuzschabung oder eine spiegelglatte Oberfläche mit zufällig angeordneten Hügelmarken.
Eigentlich sollte gelten je glatter desto besser, die Tuschierplatte ist ja ebenfalls geschliffen.
Wenn ich zwischen Berg und Tal nur noch wenige µm messe, komme ich eh an die Grenze meiner Möglichkeiten. Ich muß den Punkt finden, wo keine sinnvolle Verbesserung mehr möglich ist.
Sonst schabe ich noch bis zum jüngsten Tag.

Soll ich das allein an der Zahl der Tragpunkte festmachen? Ein wenig mehr Tuschierpaste und die Fläche wird fast durchgehend blau. Anschließend "trocken" tuschiert und ich habe einen Haufen winziger blanker Punkte (<1mm Durchmesser). Ich habe einmal all diese Punkte einzeln abgeschabt und es wurden anschließend tatsächlich mehr. Die Verbesserung erforderte allerdings einen erheblichen Aufwand. Muß ich da durch?
Welche Rolle spielt der Abziehstein nach dem Schaben? Man kann ja bereits die ersten blanken Tragpunkte erkennen, bevor man überhaupt tuschiert hat.
Reicht ein kurzes 'Drüberziehen, oder sollte ich länger schleifen? Der Abziehstein ist nicht präzisionsgeschliffen, also fehlerträchtig.

Viele Grüße,

Uwe

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Re: Tuschierlineal - Wann ist es fertig geschabt?

Beitrag von Spartaner117 » Do 27. Sep 2018, 19:42

zahnfee hat geschrieben:
Do 27. Sep 2018, 19:21
Ja, ich hatte ebenfalls Bedenken, daß das Lineal ziemlich biegsam sein könnte. Ich hoffe, einen Teil davon durch entsprechende Handhabung zu kompensieren - also die Schwerkraft so ausnutzen, daß keine Verbiegung in relevanter Richtung stattfindet und den Pressdruck gering zu halten.
Kannst doch ganz einfach jetzt schon herausfinden:
Tuschier dein Lineal ab, mach ein Foto vom Tuschierbild.
Dann saubermachen und das selbe Spiel nochmal, so oft du möchtest.

Die Bilder dann vergleichen. Wenn du identische Tuschierbilder bekommst, bekommst du später bei gleicher Handhabung auch verlässliche Tuschierergebnisse und kannst damit arbeiten.
Wenn nicht, kannst das gleich zu den Akten legen und ein stabileres bauen, bevor du noch unzählige Stunden in die Feinarbeit steckst.
Viele Grüße,

Marc

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Re: Tuschierlineal - Wann ist es fertig geschabt?

Beitrag von whiskas54 » Fr 28. Sep 2018, 02:50

Man kann auf deinem Bild überhaupt nicht erkennen, dass die Fläche geschabt ist, dieses Glatte spiegelnde erweckt eher den Eindruck als wär deine Klinge extremst stumpf. Wie schleifst du deine Klingen und welche Geometrie verwendest du? Wie hältst du deinen Schaber?
Ich selbst würde bevor ich mich an eine Maschine rantrau bei Richard King anmelden.

Hast du dir die Videos von Stefan Gotteswinter angesehen? Da erklärt er ganz grundsätzliches.
Teil 1: https://www.youtube.com/watch?v=QJXqHpSh3SE&t=1655s
Teil 2: https://www.youtube.com/watch?v=S9N3Q8Qww2A&t=12s

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Re: Tuschierlineal - Wann ist es fertig geschabt?

Beitrag von Schulli » Fr 28. Sep 2018, 09:03

whiskas54 hat geschrieben:
Fr 28. Sep 2018, 02:50
Hast du dir die Videos von Stefan Gotteswinter angesehen? Da erklärt er ganz grundsätzliches.
Nur schade das es auf englisch ist, würde gern die Erklärungen auch verstehen.

Gruß
Lothar
Drehmaschine EDM 300 ds mit fu und 0,37kw Drehstrommotor
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Re: Tuschierlineal - Wann ist es fertig geschabt?

Beitrag von opa12 » Fr 28. Sep 2018, 10:54

zahnfee hat geschrieben:
Do 27. Sep 2018, 19:21
Was die Schabemarken angeht, so sind die inzwischen verschwunden. Ich hatte anfangs kreuzgeschabt und man konnte auch ein entsprechendes Tuschiermuster erkennen. Nachdem ich dazu übergegangen bin nur noch hohe Punkte zu entfernen und speziell mit der "Spachtelmethode" wird die Oberfläche allmählich spiegelblank.

Ich bin mir nicht sicher was besser ist: regelmäßige Schabmarken durch Kreuzschabung oder eine spiegelglatte Oberfläche mit zufällig angeordneten Hügelmarken.
Eigentlich sollte gelten je glatter desto besser, die Tuschierplatte ist ja ebenfalls geschliffen.
Sorry, aber mal hart formuliert, das was du da herumkratzt ist föllig falsch und hat mit schaben nicht viel zu tun.
Es ist vollkommen sinnlos ein Lineal schaben zu wollen, wenn du nicht mal einen Tragpunkt sicher triffst.

Wie kommst du auf die Idee das eine gaschabte Fläche "Spiegelglatt" sein soll?? So wirst du niemals ein auch nur ansatzweise vernünftiges Tragbild schaffen.
Auf dem Foto ist ja nicht wircklich viel zu erkennen, aber ich vermute mal du schabst mit zu langem Hub, zu flachem Winkel und wirrer Richtung.
Für eine fein geschabte Fläche mit >20ppi brauchst du ca: 5mm Hub und möglichst nahe am 90° kreuzweisen Muster.

Erste Übung für jeden der mit schaben beginnt ist die sicher Führung des Schabers ohne zu verkannten und dann erst mal Punkte treffen üben.
Dazu brauchts es nur ein Stück GGG und einen Edding.
Wenn das sicher von der Hand geht, erst dann macht es Sinn ans erste Wekstück zu gehen.
zahnfee hat geschrieben:
Do 27. Sep 2018, 19:21
Welche Rolle spielt der Abziehstein nach dem Schaben? Man kann ja bereits die ersten blanken Tragpunkte erkennen, bevor man überhaupt tuschiert hat.
Reicht ein kurzes 'Drüberziehen, oder sollte ich länger schleifen? Der Abziehstein ist nicht präzisionsgeschliffen, also fehlerträchtig.
Mit dem Abziehstein wird nur der leichte Grat entfernt. Drüberziehen ohne viel Druck reicht völlig.

Bg Franz

zahnfee
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Re: Tuschierlineal - Wann ist es fertig geschabt?

Beitrag von zahnfee » Fr 28. Sep 2018, 11:32

Guten Morgen,

ich sagte schon, daß die Schabmarken durch mein spachtelartiges Abtragen der Berge verschwunden sind.

Der Schaber ist sehr scharf. Ich habe auch die Ober- und Unterseite an der Diamantscheibe spiegelnd gemacht.
Die Schnittkante selbst spiegelt ebenfalls wie poliert.
Nach einiger Benutzung kann man immer noch ohne Druck Späne vom Daumennagel abheben ==> scharf.
Frisch geschärft bleibt der Schaber auf dem Daumennagel stehen und man muß drücken um Späne abzuheben ==> sehr scharf.
Was mir aufgefallen ist, als ich die 93° angeschliffen habe: Ich sehe keinen großen Unterschied, wenn ich mit der Oberseite (also mit 87°) schabe.
Der Schaber dürfte bei unvorsichtiger Handhabung tiefer eindringen und auch schneller abnutzen. Ich habe also lieber mit 93° weiter geschabt.

Selbstverständlich kenne ich die Videos von Stefan. Bei nochmaligen Ansehen ist mir aber etwas aufgefallen.
Stefan schabt auch zu Anfang sehr kleine Breiche (20mm lang) ich habe grundsätzlich den kompletten Bereich (ca. 60mm) in einem Schabstrich abgetragen.

Esrt diagonal in die eine Richtung, dann diagonal in die andere Richtung. Hier zu erkennen:
DSCF1979.JPG
Teilweise habe ich anschließend auch noch in Längsrichtung und Querrichtung geschabt (also im 45° Winkel zu den Diagonalen) um ordentlich Abtrag zu erreichen.

Was mir auch beim erneuten Ansehen des Videos aufgefallen ist, Stefan trifft die Punkte auch nicht 100%.
Ich habe teilweise akribisch in Millimeterarbeit die blauen Stellen entfernt - das scheint aber nicht unbedingt nötig zu sein, wenn man diese Technik mit den kurzen Schabhüben verwendet und nur den größten Teil der Hügel entfernt.

Die Tuschierung war anfangs sehr deutlich sichtbar und Schaben mit Druck war entsprechend einfach, Inzwischen verblaßt sie immer mehr und der Abtrag muß entsprechend kleiner werden. Schaben mit Druck würde alles wieder kaputt machen. Ich komme rechnerisch auf ca. 25µ Schabtiefe bei einem Radius von 65mm, einer Schabmarke von 4mm und einem Schabwinkel von 45°. Das wäre viel zu viel.
Anfangs:
DSCF2012.JPG
Zuletzt:
DSCF2027.JPG
Dieses letzte Bild ist entstanden, nachdem ich das blanke Werkstück zunächst mit roter Tuschierfarbe versehen und auspoliert habe.
Anschließend habe ich mit etwas mehr blauer Farbe auf der Platte abtuschiert.
Dann die Platte gereinigt und einen "Trockendurchgang" ohne Farbe gemacht. Ergebnis: die Flecken verblassen deutlich; ein Zeichen, daß die gleichen Stellen wieder die Platte berühren.
Zuletzt habe ich noch einmal mit sehr wenig Farbe tuschiert. Die Marken sind breit und haben deutliche blaue Ränder.
Es gibt aber immer noch einige 5-10mm breite Bereiche, die ohne Markierungen sind. Ich habe die mit einem Edding sichtbar gemacht.
DSCF2028.JPG
Einen weiteren Test habe ich ebenfalls durchgeführt. Das Lineal lagert ganz außen auf 1x2x4 Blöcken, mit der bearbeiteten Seite nach unten.
Die 2µ Meßuhr tastet von unten an. Das Reststück Gußeisen wiegt 2.5kg und verbiegt das Lineal um weniger als 2µ. Aufgelegt mit einem V-Block und da das Bild der Meßuhr etwas unscharf ist, müßt ihr mir das glauben:
DSCF2023.JPG
DSCF2024.JPG
Bei der Gelegenheit hab ich einen großen Bereich des Werkstücks von unten abgefahren und festgestellt, daß die Meßuhr um nur 2µm schwankt.
Das würde auch die breiten Tuschiermarken erklären und in dem Fall bin ich mir nicht mehr sicher, ob die Zahl der Punkte eine Rolle spielt.
Ein präzisionsgeschliffenes Werkstück z.B. hat überhaupt keine Hügel, sondern ist schwach und mehr oder weniger gleichmäßig blau.
Da werde ich natürlich nie hinkommen, aber große blaue Hügel mit Tälern, die nur 2µm tiefer liegen scheinen mir für ein Tuschierlineal durchaus brauchbar.
Jetzt stehe ich vor der Frage:

- Nehme ich die Schabtiefe als Kriterium
- Nehme ich die Zahl der Punkte als Kriterium

Letzteres kann ich mit meiner Schabmethode nur schwer erreichen. Da müßte ich zu der Technik mit kurzen Schabhüben übergehen.
Das macht für tragende Flächen sicher Sinn, aber für ein Tuschierlineal sollte es doch besser möglichst eben sein.
Ein weiterer Punkt: Wenn man keine Meßuhr hat bleibt natürlich der einfach Weg über die Zahl der Tuschierpunkte.
Mit Meßuhr kann man aber auch andere Kriterien anwenden. Immer vorausgesetzt, man hat breite, gleichmäßig verteilte Tuschierpunkte.
DSCF2031.JPG
Viele Grüße,

Uwe

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