Hobeln mit Hartmetall

huehnerfreund
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Re: Hobeln mit Hartmetall

Beitrag von huehnerfreund » Mo 14. Mai 2018, 21:32

naja, ich finde leider keine Bilder von einem Meißelheber an einer STW/Wotan und weiss auch nicht, welche HM-Sorte Jochen genommen hat....
Meine Maschine läuft über Zahnrad, Gack wohl über Reibrad? Wobei die Schwinge die Unruhen doch weitestgehend wegfiltern sollte.
Naja, Meißelheber bauen und nochmal versuchen. Falls Jemand paar Fotos hätte?

v.g. Thomas
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R2S5V0
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Re: Hobeln mit Hartmetall

Beitrag von R2S5V0 » Mo 14. Mai 2018, 21:40

Ich hab da noch mal geschaut. Kann bei Jochen kein hartmetall erkennen. Is auch wurscht. Hartmetall sollte beim rückwertshub nicht das Werkstück berühren. Es kann passieren das durch den Schläge von hinten die schneide ausbricht. Deshalb giebt es automatische meisselheber. Da wird mittels einer Mechanik die klapper angehoben das der Meißel frei läuft. Sobald der vorwärts hub einsetzt wird der Meißel mit der klapper angelegt.

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morus
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Re: Hobeln mit Hartmetall

Beitrag von morus » Mo 14. Mai 2018, 22:39

Hallo Thomas,

meine Stoßmaschine STW300 hat keinen Meißelheber, aber wenn ich mich richtig erinnere, dürfte Deine Stoßmaschine mit 500 mm Hub von anderer Bauart sein. Zur STW 400 ist eine Anleitung angehängt; sie gehört zur selben Baureihe wie die STW 500.

Auf meiner StW 300 setze ich manchmal Drehstähle mit alten Wendeschneidplatten zum Schlichten ein; gerne beim Fertigen der geneigten Flächen von Schwalbenschwanzführungen. Den Meißel bzw. die Klappe hebe ich bei jedem Rückhub von Hand an.

Zum Material der verwendeten Wendeschneidplatten habe ich nur herausfinden können, dass sie für unterbrochenen Schnitt von Gusswerkstoffen vorgesehen sind. Die Schneide der alten Wendeschneidplatte schleife ich dem jeweiligen Bedarf entsprechend zu.

Ja, selbst wenn die Werkstückoberfläche wie geschliffen aussieht und sich auch so anfühlt: Spätestens wenn sie mit einem präzisionsgeschliffenen Abziehstein abgezogen wird, kommen regelmäßige Muster zum Vorschein, die wahrscheinlich von Eingriff der Zähne des Antriebs übertragen wurden.

Mit netten Grüßen
Karl
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Re: Hobeln mit Hartmetall

Beitrag von tausendstel » Mo 14. Mai 2018, 23:29

Die Gründe dafür, warum Hartmetall zum Hobeln und Stossen nur eingeschränkt und unter bestimmten Bedingungen eingesetzt werden kann, wurden ja bereits erläutert.

Wer aber keine Meisselabhebung hat, kann sich eine eigene behelfsmässige bauen. Ich versuche das System hier kurz in Worten darzustellen:

Hinter das Werkzeug wird ein zweites rechteckiges Stück Stahl (ungefähr die Breite des Werkzeugs) gespannt. Am unteren Ende wird eine Bohrung waagerecht und quer zur Schnittrichtung eingebracht. Durch diese Bohrung kommt ein Stift oder Bolzen, mit dem eine Klappe aus Blech oder Plastik drehbar befestigt wird.

Das funktioniert dann so: Die Klappe hängt hinter dem Werkzeug frei nach unten. Der Hub beginnt, das Werkzeug beginnt seinen Schnitt und kurz darauf klappt die Klappe hoch und gleitet über das Werkstück. Nach dem Schnitt muss die Hublänge noch einen kurzen Auslauf aufweisen (hier ist die Schnittgeschwindigkeit sowieso geringer als im Mittelteil des Hubs). Innerhalb dieses Auslaufs, also nachdem das Werkzeug das Werkstück schon hinter sich gelassen hat, fällt die Klappe von der Kante des Werkstücks nach unten, in die Senkrechte. Wenn nun der Umkehrhub einsetzt, schlägt die Klappe gegen die Kante des Werkstücks und klappt den Werkzeugkopf nach oben, ohne dass das Werkzeug in Kontakt mit dem Werkstück kommt (da die Klappe minimal länger ist als das Werkzeug). Das ganze beginnt dann von vorne. Das Werkzeug wird so geschont, da es den Schlag gegen das Werkstück im Rücklauf nicht direkt erfährt.

Ich hoffe das ist so verständlich.

Nachtrag:

Ich wusste, dass ich irgendwo eine Zeichnung davon habe. Popular Mechanics, 37/3 1922. Hier am Beispiel eines Hobels, aber durchaus auf die Stoßmaschine übertragbar. Das hier gezeigte System zur Befestigung ist sicher flexibel, aber aufwändiger. Auch die Klappe selbst braucht nicht derart massiv, wie dargestellt, zu sein. Ein abgekanteter Streifen Blech oder ein Stück Plastik funktioniert gut, letzteres schont auch die Oberfläche.
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Gruß, Oskar

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Re: Hobeln mit Hartmetall

Beitrag von Bollwerk » Mo 14. Mai 2018, 23:51

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Re: Hobeln mit Hartmetall

Beitrag von styro » Di 15. Mai 2018, 18:27

Hallo
huehnerfreund hat geschrieben:naja, ich finde leider keine Bilder von einem Meißelheber an einer STW/Wotan und weiss auch nicht, welche HM-Sorte Jochen genommen hat....
Meine Maschine läuft über Zahnrad, Gack wohl über Reibrad? Wobei die Schwinge die Unruhen doch weitestgehend wegfiltern sollte.
Naja, Meißelheber bauen und nochmal versuchen. Falls Jemand paar Fotos hätte?
den Meißelabheber für meinen Gack hatte ich hier mal vorgestellt. Ist ganz simpel, und macht genau das was es soll. Geht vom Prinzip her sicherlich an jedem Hobel.

http://forum.zerspanungsbude.net/viewto ... leppstange

Gruß

Georg
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Re: Hobeln mit Hartmetall

Beitrag von huehnerfreund » Di 15. Mai 2018, 20:37

Erstmal vielen Dank für die Hinweise.
Ich werde mir fürs erste mal das Teil von Oskar nachbauen. Ist aber leider wenig praktikabel bei Senkrechtvorschub.
Da an der Ramme noch Teile einer Meisselabhebers vorhanden sind würde ich die gerne nutzen. Bei der Kugelgelenklösung sehe ich leider nicht, wo ich die an der Ramme befestigen kann.
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Re: Hobeln mit Hartmetall

Beitrag von Bob » Mi 16. Mai 2018, 09:18

Ob Stoßen mir HM-Meißel ohne Meißelanhebeung klappt oder nicht, kann von einem ganz einfachem Umstand abhängen: Der Schnittlänge. Wenn der Meißel beim Rückhub gegen das Werkstück stößt, ist das nur ein besserer Stupser. Kommt er aber runter, bevor er am Werkstück vorbei ist, stößt er recht hart von oben darauf. So gesehen klappt das bei ganz kurzer Schnittlänge eher, als bei längerer Schnittlänge.

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Re: Hobeln mit Hartmetall

Beitrag von motor64.1 » Mi 16. Mai 2018, 10:06

Bob hat geschrieben:Ob Stoßen mir HM-Meißel ohne Meißelanhebeung klappt oder nicht, kann von einem ganz einfachem Umstand abhängen: Der Schnittlänge. Wenn der Meißel beim Rückhub gegen das Werkstück stößt, ist das nur ein besserer Stupser. Kommt er aber runter, bevor er am Werkstück vorbei ist, stößt er recht hart von oben darauf. So gesehen klappt das bei ganz kurzer Schnittlänge eher, als bei längerer Schnittlänge.
Das verstehe ich jetzt nicht :|

Beim Rückhub wird ja auch der Vorschub betätigt, d. H. die Meißelspitze muß ohne Meißelabhebung irgendwann die volle Zustelltiefe am Material entlangrattern und kann nur durch den federbelasteten Klapparatismus ausweichen. :pfeif:

Und dagegen ist HM mehr oder weniger allergisch :loldev:
Grüße
Franz

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Re: Hobeln mit Hartmetall

Beitrag von tausendstel » Mi 16. Mai 2018, 11:20

In einem gewissen Bereich sollte die gezeigte Lösung auch mit Vertikalvorschub laufen. Eventuell ist es bei sehr tiefen Einstichen nötig die Klappe ab und an in der Höhe zu verstellen oder durch eine kürzere zu ersetzen. Wichtig ist ja nur, dass sie beim Hochklappen nach hinten, zum Stößel, ausreichend Platz findet. Ist die obere Werkstückkante höher als die Meisselspitze (wie im Falle des Vertikalvorschubs) ist es ausreichend, dass die Klappe nur etwas tiefer als die obere Werkstückkante reicht (hier kommt die Klappe als erstes in Kontakt und hebt auch die tiefer liegende Spitze des Meissels zuverlässig ab.
Gruß, Oskar

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