Mittelpunkt von gedreht eingespanntem Werkstück

HansiGlaser
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Mittelpunkt von gedreht eingespanntem Werkstück

Beitrag von HansiGlaser » So 2. Feb 2020, 16:31

Hi!

Hättet ihr bitte einen Tipp, wie man effizient den Mittelpunkt eines quadratischen/rechteckigen Werkstücks findet, wenn es um z.B. 35° gedreht eingespannt ist?

Es geht nicht ums Drehen auf einer Drehbank, sondern um eine Drehung um einen Winkel. :-)

Ich habe für meine Fräse einen Schraubstock mit Drehteller, so dass er um die Z-Achse gedreht werden kann. Da der Werkstückmittelpunkt weit außerhalb der Drehachse liegt, verändert sich natürlich der Mittelpunkt des Werkstücks (in der XY-Ebene), wenn ich den Schraubstock drehe. Welche praktische Methode gibt es, den neuen Mittelpunkt zu finden?

Konkret geht es darum, dass ich ein sechseckiges Profil auf der Oberseite eines sonst quadratischen Werkstücks brauche (1/4" wie Akkuschrauber Bits). Zuerst fräse ich entlang der X-Achse einen Quader mit der "Tiefe" (in Y) der entsprechenden Schlüsselweite (sind 2 von 6 Seiten). Danach drehe ich den Schraubstock um +30° und fräse entlang der Y-Achse die selbe Schlüsselweite (60° drehen geht sich platzmäßig nicht aus). Für diesen Schritt brauche ich aber wieder den Mittelpunkt des Werkstücks, zumindest entlang der X-Achse, damit ich links und rechts davon die Schlüsselweite fräsen kann. Und dann das selbe nochmal bei -30°.

Meine Idee dafür ist leider sehr sehr umständlich: Zuerst habe ich mit ein bisschen Mathematik zwei längliche Formeln aufgestellt. Um den Mittelpunkt zu finden, muss ich mit dem Kantentaster auf jeder Seite des gedrehten Werkstücks je einen Punkt ermitteln (X und Y Koordinate). Dann diese Punkte und den genauen Winkel in den Computer eingeben und die länglichen Formeln berechnen (könnte man mit LibreCalc/Excel abkürzen). Das Ergebnis sind dann die X und Y Koordinaten des Mittelpunkts. Das ist aber sehr fehleranfällig, man brauch einen Computer, muss hin- und her, ...

Hättet ihr bitte einen Tipp, wie man das geschickter macht?

Disclaimer: Praktischer wäre natürlich ein Teilapparat, ein Rundtisch, oder für fixe Winkel wie 60° ein sechseckiger Block mit Spannzange. Sowas hab ich aber leider noch nicht.

Danke
Hansi
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Spitzbube
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Re: Mittelpunkt von gedreht eingespanntem Werkstück

Beitrag von Spitzbube » So 2. Feb 2020, 16:38

moin hansi
mache mal eine skizze, und stelle diese hier ins forum, bilder sagen mehr als worte... :-D
mfg
der spitzbube

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thomas56
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Re: Mittelpunkt von gedreht eingespanntem Werkstück

Beitrag von thomas56 » So 2. Feb 2020, 16:39

Kommt darauf an, wie genau das Ganze werden soll.
Am einfachsten wäre es, dem Mittelpunkt anzukörnen und ihn dann jeweils mit einer Körnerspitze in der Pinole anzufahren.

Gruß
Thomas

HansiGlaser
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Re: Mittelpunkt von gedreht eingespanntem Werkstück

Beitrag von HansiGlaser » So 2. Feb 2020, 16:43

Hi!
Spitzbube hat geschrieben:
So 2. Feb 2020, 16:38
mache mal eine skizze, und stelle diese hier ins forum, bilder sagen mehr als worte... :-D
Sorry, ja, ich dachte mir schon, dass man sich das ned vorstellen kann. Siehe https://www.instagram.com/p/B8CDt-bJzm4/ ab dem fünften Bild ist das fertige Werkstück mit meiner umständlichen Methode und der um -30° gedrehte Schraubstock.

Danke
Hansi
Fräse: Bernardo KF25 Pro

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1.2510
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Re: Mittelpunkt von gedreht eingespanntem Werkstück

Beitrag von 1.2510 » So 2. Feb 2020, 16:43

Selber würde ich zwischen dem Vierkant und dem zu fertigenden Sechskant einen Zylinder stehen lassen.
Diesen dann zum Rundrichten zur Spindel mittels Fühlhebelmessuhr verwenden.

Aber eigentlich geht es mit der Fühlhebelmessuhr auch über die Ecken des Quadrats :schlaumeier:
Mehr Präzision bitte!
Rob

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Re: Mittelpunkt von gedreht eingespanntem Werkstück

Beitrag von Booze » So 2. Feb 2020, 16:49

HansiGlaser hat geschrieben:
So 2. Feb 2020, 16:31


Hättet ihr bitte einen Tipp, wie man das geschickter macht?

Disclaimer: Praktischer wäre natürlich ein Teilapparat, ein Rundtisch, oder für fixe Winkel wie 60° ein sechseckiger Block mit Spannzange. Sowas hab ich aber leider noch nicht.

Danke
Hansi
Halt genau mit solchen Sachen, deswegen gibt es die auch dafür. ;-)
Du kannst es auch mit deinem drehbaren Schraubstock machen, musst ihn aber genau auf Drehmittelpunkt einstellen, das geht zB. mit meinem, ist der fix montiert auf dem Drehteller, geht das natürlich nicht.
Gruß Viktor




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Re: Mittelpunkt von gedreht eingespanntem Werkstück

Beitrag von Albego » So 2. Feb 2020, 23:07

Hallo Hansi,

also, wenn ich dich richtig verstehe, dann planst Du folgendes, in Kurzform.
- Qudrat
- 6-Eck da raus Fräsen
Und dabei kommt dir folgendes in die Quere.
Da der Werkstückmittelpunkt weit außerhalb der Drehachse liegt, verändert sich natürlich der Mittelpunkt des Werkstücks (in der XY-Ebene), wenn ich den Schraubstock drehe.
[...]
(60° drehen geht sich platzmäßig nicht aus)
Da lese ich raus, das Du das Werkstück direkt an der Festen Backe anliegen hast. Dadurch sind die Mitten des Werkstück und der des Schraubstock versetzt, steht ja auch da. Aber warum versuchst Du nicht erstmal beide Mitten deckungsgleich hinzubekommen?

Das bedeutet natürlich, das Werkstück muss im Schraubstock weiter Richtung Drehpunkt des Schraubstock verschoben werden. Dann muss der "Freie Raum" zwischen Fester Backe und Werkstück natürlich durch ein passend breites Material aufgefüllt werden. Theoretisch, und mit sehr viel Glück, müsstest Du es dann nicht nur schaffen das der Drehpunkt des Schraubstock unter der Werkzeugspindel ist, sondern der Schraubstock sich dann auch ohne an die Säule der Fräse zu stoßen im Kreise drehen lässt.

Da wir ja nicht wissen was für einen Schraubstock mit Drehteller Du hast und wie groß der ist, kann ich zumindest nur weiter theoretisieren.

Also, Schraubstock runter vom Drehteller. Wenn der Drehteller einen festen Runden Zapfen hat, wo der Schraubstock draufgesteckt wird, ist dieser Zapfen die Drehmitte. Den drehteller nicht festgespannt auf den Tisch legen, und ohne irgendetwas in der Werkzeugspindel langsam und vorsichtig damit auf den Zapfen drauf fahren. Damit wäre schon mal die erste grobe Ausrichtung erledigt. Den Drehteller leicht spannen. Nun in die Werkzeugspindel eine Uhr oder ähnliches einspannen um den Drehteller jetzt richtig ausrichten und dann fest spannen. Anschließend den Schraubstock drauf setzen.

Jetzt spannst Du ein Stück Rundmaterial in das Bohrfutter, oder ähnliches, welches der Schlüsselweite deines Quadrats entspricht. Mit diesem Stück Rund fährst Du nun zwischen die ganz geöffneten Backen des Schraubstock. Jetzt misst Du den Abstand vom Rundstück zur Festen Backe aus. Das wäre also die Breite des "Lückenfüller-Material".

Aber wie schon gesagt, theoretisch, da weitere Infos fehlen.



Es grüßt
Bernhard

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Re: Mittelpunkt von gedreht eingespanntem Werkstück

Beitrag von Schmelzpunkt » Mo 3. Feb 2020, 00:10

Du hast doch auch ein Dreibackenfutter habe ich gesehen.
An deinem Werkstück hast du gegenüber des Sechskants doch eh einen Zylinder angedreht. Dann spann diesen doch im Dreibackenfutter, dann kannst du vorbei Fräsen, dann das Werkstück weiter drehen um den entsprechenden Winkel, 60 Grad bei Sechskant und wieder spannen. Dafür bräuchtest du halt einen Winkelmesser oder Geodreieck etc... ;)
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Re: Mittelpunkt von gedreht eingespanntem Werkstück

Beitrag von groovingandi » Mo 3. Feb 2020, 08:59

Auch bei einem um 30° verdrehten Quadrat kann man in x-Richtung antasten und die Mitte finden, solange man in y auf gleicher Höhe bleibt. Der Kantentaster funktioniert natürlich schlechter/ungenauer je weiter man sich vom rechtwinkligen Antasten entfernt, aber gehen tut das. Wenn das dann zu ungenau wird, muss man halt andere Vorkehrungen treffen, wie z.B. eine Hilfsbohrung, Körnerschlag oder eine andere Markierung, die für die Bearbeitung hilft und dann am Ende entfernt wird.

Andreas

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Re: Mittelpunkt von gedreht eingespanntem Werkstück

Beitrag von HansiGlaser » Mo 3. Feb 2020, 23:53

Hi!

Danke euch allen für die vielen interessanten Antworten!
thomas56 hat geschrieben:
So 2. Feb 2020, 16:39
Kommt darauf an, wie genau das Ganze werden soll.
Am einfachsten wäre es, dem Mittelpunkt anzukörnen und ihn dann jeweils mit einer Körnerspitze in der Pinole anzufahren.
Das habe ich beim letzten Mal (alte Version des Power Feed aus Alu) probiert, das Sechseck war dann aber sichtlich schief. :-(
1.2510 hat geschrieben:
So 2. Feb 2020, 16:43
Selber würde ich zwischen dem Vierkant und dem zu fertigenden Sechskant einen Zylinder stehen lassen.
Diesen dann zum Rundrichten zur Spindel mittels Fühlhebelmessuhr verwenden.

Aber eigentlich geht es mit der Fühlhebelmessuhr auch über die Ecken des Quadrats :schlaumeier:
Super Idee, danke! Das werde ich das nächste Mal schon beim Konstruieren berücksichtigen.

An die Ecken habe ich auch nicht gedacht, dabei hab ich mir neulich extra einen Halter zum Einspannen der Messuhr in der Spindel gemacht.
Booze hat geschrieben:
So 2. Feb 2020, 16:49
HansiGlaser hat geschrieben:
So 2. Feb 2020, 16:31
[...]
Disclaimer: Praktischer wäre natürlich ein Teilapparat, ein Rundtisch, oder für fixe Winkel wie 60° ein sechseckiger Block mit Spannzange. Sowas hab ich aber leider noch nicht.
Halt genau mit solchen Sachen, deswegen gibt es die auch dafür. ;-)
Du kannst es auch mit deinem drehbaren Schraubstock machen, musst ihn aber genau auf Drehmittelpunkt einstellen, das geht zB. mit meinem, ist der fix montiert auf dem Drehteller, geht das natürlich nicht.
Du hast Recht, meine Bastelwerkstatt braucht noch viel mehr Ausrüstung. Muss ich endlich meinem Finanzminister klar machen. :-)
Albego hat geschrieben:
So 2. Feb 2020, 23:07
[...] Aber warum versuchst Du nicht erstmal beide Mitten deckungsgleich hinzubekommen?

Das bedeutet natürlich, das Werkstück muss im Schraubstock weiter Richtung Drehpunkt des Schraubstock verschoben werden. Dann muss der "Freie Raum" zwischen Fester Backe und Werkstück natürlich durch ein passend breites Material aufgefüllt werden. Theoretisch, und mit sehr viel Glück, müsstest Du es dann nicht nur schaffen das der Drehpunkt des Schraubstock unter der Werkzeugspindel ist, sondern der Schraubstock sich dann auch ohne an die Säule der Fräse zu stoßen im Kreise drehen lässt.

Da wir ja nicht wissen was für einen Schraubstock mit Drehteller Du hast und wie groß der ist, kann ich zumindest nur weiter theoretisieren.

Also, Schraubstock runter vom Drehteller. Wenn der Drehteller einen festen Runden Zapfen hat, wo der Schraubstock draufgesteckt wird, ist dieser Zapfen die Drehmitte. Den drehteller nicht festgespannt auf den Tisch legen, und ohne irgendetwas in der Werkzeugspindel langsam und vorsichtig damit auf den Zapfen drauf fahren. Damit wäre schon mal die erste grobe Ausrichtung erledigt. Den Drehteller leicht spannen. Nun in die Werkzeugspindel eine Uhr oder ähnliches einspannen um den Drehteller jetzt richtig ausrichten und dann fest spannen. Anschließend den Schraubstock drauf setzen.

Jetzt spannst Du ein Stück Rundmaterial in das Bohrfutter, oder ähnliches, welches der Schlüsselweite deines Quadrats entspricht. Mit diesem Stück Rund fährst Du nun zwischen die ganz geöffneten Backen des Schraubstock. Jetzt misst Du den Abstand vom Rundstück zur Festen Backe aus. Das wäre also die Breite des "Lückenfüller-Material".
Ich hab einen Weitspann-Maschinenschraubstock FJ 100 wo, wie du richtig vermutest, der Drehpunkt fix ist. Danke für die Erklärung zum Finden des Lückenfüller-Materials. Das löst schon mal die eine Dimension in der Bewegungsrichtung der beweglichen Backe. Allerdings müsste ich dann noch etwas austüfteln, um quer dazu (also parallel zu den Backen) den richtigen Punkt zu finden. Der ist in der Mitte, aber leider ist der Schraubstock nicht so genau gefertigt, dass es genau die Mitte wäre. Und der Drehzapfen ist leider auch nicht geschliffen und die Passung ist eher lose.
Schmelzpunkt hat geschrieben:
Mo 3. Feb 2020, 00:10
Du hast doch auch ein Dreibackenfutter habe ich gesehen.
An deinem Werkstück hast du gegenüber des Sechskants doch eh einen Zylinder angedreht. Dann spann diesen doch im Dreibackenfutter, dann kannst du vorbei Fräsen, dann das Werkstück weiter drehen um den entsprechenden Winkel, 60 Grad bei Sechskant und wieder spannen. Dafür bräuchtest du halt einen Winkelmesser oder Geodreieck etc... ;)
Ach, im Drehfutter ausspannen und weiterdrehen, da bin ich noch nicht drauf gekommen. Danke!

Oder ich mache ein Projekt und bastel eine einfach Drehvorrichtung fürs Drehfutter, gleich mit Index-Positionen alle z.B. 15°. :-)
groovingandi hat geschrieben:
Mo 3. Feb 2020, 08:59
Auch bei einem um 30° verdrehten Quadrat kann man in x-Richtung antasten und die Mitte finden, solange man in y auf gleicher Höhe bleibt. Der Kantentaster funktioniert natürlich schlechter/ungenauer je weiter man sich vom rechtwinkligen Antasten entfernt, aber gehen tut das. Wenn das dann zu ungenau wird, muss man halt andere Vorkehrungen treffen, wie z.B. eine Hilfsbohrung, Körnerschlag oder eine andere Markierung, die für die Bearbeitung hilft und dann am Ende entfernt wird.
Das war auch mein erster Gedanke, hat aber leider nicht geklappt. Der Grund ist, dass die Mittellinie (die die Mitte von zwei gegenüberliegenden Seiten verbindet) natürlich auch mitgedreht und schräg ist, und somit abhängig von der Y-Position zu weit links oder rechts ist.

Danke nochmal für eure guten Ideen und Anregungen!

Bye
Hansi
Fräse: Bernardo KF25 Pro

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