Ringe ausdrehen

femi
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Ringe ausdrehen

Beitrag von femi » Fr 31. Jan 2020, 18:50

Bohren, "Kegel" rausdrehen, doch wie bekommt man solche Rillen dann am besten heraus?

Ein Abstechmesser welches noch größenmäßig hinkommt habe ich an einen Versuchsobjekt beim ersten Versuch verbogen, beim zweiten mit zu großen Vorschub ins Jenseits befördert.
Außerdem rumpelt das Zeug, dass wenn ich an der Feinspindel drehe sich der grobe Vorschub in die andere Richtung dreht :-(

Einen 8 mm Fräser zur Hälfte abschleifen, da er ja an der Innenseite nicht schneidet wäre meine nächste Idee, eine bessere greife ich gerne auf.

Werkstoff Aluminium
kleinster Innendurchmesser 28 mm
größter Aussendurchmesser ~140 mm
Die verbleibenden Stege etwa 1mm mit 4 mm Vertiefungen.
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tommydsa
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Re: Ringe ausdrehen

Beitrag von tommydsa » Fr 31. Jan 2020, 19:43

Suchbegriff:

formstahl axialeinstechen

Da findet sich einiges dazu
So genau wie nötig und so einfach wie möglich....

Tommy

THIEL Duplex 58, Gack H185, Genko TB, Opti D280, Opti F20, Güde MBS115, USM3. Bj.1948 - 2014

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ah1st
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Re: Ringe ausdrehen

Beitrag von ah1st » Fr 31. Jan 2020, 19:50

Für ein Einzelteil:
Einen schlanken HSS Rohling (6*6) sehr scharf schleifen, dabei ausreichend entsprechend dem Mindestradius freischleifen und dann mit viel Geduld und wenig Spantiefe drehen. Und mit Petroleum als Kühlschmierstoff, gerade wenn es sehr weiches Alu ist.

Für eine Serienfertigung:
Wenn Du eine optische Profilschleifmaschine verfügbar hast, könntest Du einen Formdrehmeißel schleifen (lassen).


Wenn das nicht funzt
Vielleicht doch fräsen (lassen)? CNC oder aufm Rundtisch?
Gruß von mir ;-)

Selbermacher
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Re: Ringe ausdrehen

Beitrag von Selbermacher » Fr 31. Jan 2020, 20:04

Oder auf dem Rundtisch Fräsen. (Vorher vordrehen natürlich)
Edit sagt: "Da war jemand schneller."
Herzliche Grüße
Harald

Jens14
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Re: Ringe ausdrehen

Beitrag von Jens14 » Fr 31. Jan 2020, 20:09

Moin
Also wenn es rumpelt und sehr schwer geht ist das eigentlich immer ein Zeichen dafür das irgedwo der Drehstahl Kontakt zum Werkstück hat wo er es nicht haben soll. Oder stumpf ist
Es gibt auch Alu Sorten die sehr stark schmieren. Da hilft Spiritus zum kühlen oder Petroleum. Steht der Stahl passend auf Höhe?
Gruß Jens

femi
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Re: Ringe ausdrehen

Beitrag von femi » Fr 31. Jan 2020, 20:44

Jederlei Lohnarbeit kannst hier vor Ort vergessen, mal abgesehen vom Schweißen im Lagerhaus.

@ah1st:
Die 6 mm sind zuviel und das auf die Einstechtiefe wegschleifen :-(

Jens, ich hab's probiert mit mittiger Höhe und 2mm drüber (bei einer Klinge von ca 1,5 Breite und 4mm Höhe.
War nagelneu, also eher wo anstehend als stumpf.
Ich habe mir gerade einen 4mm rund Rohling bestellt, .. abwarten wie es damit weiter geht.
Vom Material her ist es gut spanbar (AlMgPbCu), meist sind die Bleche weniger legiert.
Spiritus gefällt mir besser, macht nich so viel Sauerei und die Spähne kleben nicht

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Stormlord
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Re: Ringe ausdrehen

Beitrag von Stormlord » Fr 31. Jan 2020, 20:47

Ich würde es mit einem Stück Rohr probieren wie bei einem Kanonenbohrer, kann man ja aus Silberstahl schnell machen.
Konisch abschleifen (Freiwinkel) und langsam reindrehen, sollte doch prima gehen und das ganze zentriert sich dabei schön von selbst.

STORMLORD

Jens14
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Re: Ringe ausdrehen

Beitrag von Jens14 » Fr 31. Jan 2020, 22:44

Moin
Okay eine Sache kannst auch nochmal probieren den Stahl überkopf einspannen. Dann fallen die Späne besser weg. Musste halt nur genau andersrum Schleifen oder hinter Drehmitte wenn geht.
Spiritus saut nicht so nehme ich auch immer nur die Frage vielleicht schmiert Petroleum noch ein wenig besser würde beides testen.

Gruß Jens

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Re: Ringe ausdrehen

Beitrag von Rainer60 » Sa 1. Feb 2020, 07:22

femi hat geschrieben:
Fr 31. Jan 2020, 18:50
Bohren, "Kegel" rausdrehen, doch wie bekommt man solche Rillen dann am besten heraus?

Ein Abstechmesser welches noch größenmäßig hinkommt habe ich an einen Versuchsobjekt beim ersten Versuch verbogen, beim zweiten mit zu großen Vorschub ins Jenseits befördert.
Außerdem rumpelt das Zeug, dass wenn ich an der Feinspindel drehe sich der grobe Vorschub in die andere Richtung dreht :-(

Einen 8 mm Fräser zur Hälfte abschleifen, da er ja an der Innenseite nicht schneidet wäre meine nächste Idee, eine bessere greife ich gerne auf.

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größter Aussendurchmesser ~140 mm
Die verbleibenden Stege etwa 1mm mit 4 mm Vertiefungen.
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Hoi femi
Da hast Dir ja ein tolles Teil angelacht :| Auch wenn es „nur“ Alu ist, bei 140mm entsteht doch ein gewisses Drehmoment. Bei dieser Art von Bearbeitung sind Stabilität und Spielfreiheit gewissermassen Grundvoraussetzungen um einigermassen schmerzfrei zum Erfolg zu gelangen. Es gibt Tricks (welche z.T. schon genannt wurden) um es trotzdem zu schaffen.

...wenn ich an der Feinspindel drehe sich der grobe Vorschub in die andere Richtung dreht“ damit meinst wohl dass wenn Du mittels Oberschlitten zustellst, sich der Bettschlitten in Richtung Reitstock bewegt. Wenn dem so ist und weder Werkzeug noch Halter irgendwo ansteht, würde ich auf 0° Freiwinkel tippen und kann nicht funktionieren.

Stabilität: Es nutzt die stabilste Maschine, Werkzeug, Werkstück- und Werkzeugaufnahme nichts, wenn das Werkstück die geforderten Kräfte nicht aufnehmen kann. Fräsen wurde als Variante genannt. Dabei sehe ich die Tiefe der Bearbeitung und Spanabfuhr etwas kritisch. Mit einem schlanken Schrumpffutter und IKZ mit Blasluft durch den Fräser kein Problem. Wenn allerdings ein überlanger 3.5er Fräser eingesetzt werden sollte, habe ich meine Bedenken.

Genug rumgemäkelt - Du suchst ja nach Hinweisen um zum Erfolg zu gelangen. Vibrationen sind bei dieser Art von Bearbeitung zu vermeiden. So würde ich erstmal das Spindelspiel überprüfen. Mit einem Holzstück die Spindel nach oben drücken und mittels Messuhr ermitteln. Sollte sich das Futter mehrere 1/100mm bewegen, dann überkopfdrehen. Bei allen Schlittenführungen das Spiel kontrollieren und ggf nachstellen. Ausreichend Öl in die Führungen geben, denn Öl hat auch eine dämpfende Wirkung. Sofern möglich während der Bearbeitung die Schlittenklemmung etwas anlegen. Sofern keine vorhanden, selbst etwas anbauen.

Nun zum Werkstück. Die Glocke lädt geradezu ein, um während der Bearbeitung ihr Klagelied zu singen. So würde ich die erste Stufe drehen und den grössten Einstich drehen, dann die zweite Stufe usw.

Werkzeug: Die klassischen Achsialstechwerkzeuge haben einen gewissen Bearbeitungsbereich bezgl. Ø und max. Einstechtiefe. Die Klingen zur WP-Aufnahme haben unterschiedliche Formen und sind ausgelegt um max. Zerspanungskräfte aufzunehmen. Ich habe welche im Einsatz und staune was mit diesen Werkzeugen möglich ist. Auf YT findest einiges dazu.
Solche Werkzeuge stehen wahrscheinlich ausser Diskussion, deshalb mein Vorschlag: Nimm eine möglichst grosse Welle und bohre stirnseitig ganz am Rand eine Werkzeugaufnahmebohrung. Quer durch das verbleibende dicke Teil eine Klemmbohrung. Nun kannst vorne ein kleines Werkzeug spannen, welches nur soweit vorschaut wie nötig.

Übersicht während der Bearbeitung: Wenn die Bearbeitung an der Rückseite vornimmst, dann siehst eher dazu als auf der Vorderseite. Die dicke Bohrstange kannst vorne etwas anschrägen (stabil genug ist sie), um besser zusehen zu können. Wenn jetzt das Werkzeug noch einigermassen geschliffen kriegst mit allen nötigen Freiwinkeln, sollte es klappen.

Dann bleibt nur noch das letzte wichtige Detail und zwar die Späne rauszukriegen! Entweder eine Bohrung durch die Bohrstange (vorne klein beim Austritt - hinten möglichst gross und tief rein) oder ein Rohrstück seitlich an Bohrstange ranspaxen. Es benötigt eine scharfen starken Luftstrahl, deshalb die Düsenöffnung möglichst kurz wählen. Den DüsenØ musst halt durch Versuche ermitteln.

Oops - etwas viel Text geworden...

Viel Erfolg!
Der Friede und die Zufriedenheit sei mit Euch... denn das Glück ist meist nur von kurzer Dauer.
Gruss Rainer
————————————————————————————
Es gibt immer eine Lösung - machmal auch eine Andere

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Albego
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Re: Ringe ausdrehen

Beitrag von Albego » Sa 1. Feb 2020, 10:13

Moinsen femi,

auch wenn es dir nicht hilft, so möcht ichs dennoch mal erwähnen.

Also das Teil erinnert mich sehr stark an eine Flugzeugtriebwerkskomponente, blos das das um den Faktor 10 größer war. Natürlich sah das schon etwas anders aus, zumal das auch Fertigungstechnisch anders hergestellt wurde, aber eine Grundähnlichkeit ist vorhanden.

Das besagte Teil wurde aus mehreren recht dünwandigen Ringsegmenten hergestellt, also übereinander gestapelt und die Übergänge verschweisst. Anschließend gings auf die Karusseldrehe. Da an dem Teil auf dem Karussell nur Innendurchmesser hergestellt wurden, war die Reihenfolge der Innendurchmesser sehr wichtig.

Du musst dir jetzt vorstellen, das das Teil gegenüber deiner Zeichnung mit dem größten Durchmesser nach oben zeigt. Also die Zeichnung gegen den Uhrzeigersinn um 90° auf 12 Uhr drehen.

Es war aber von Vorteil das unten ein Flansch war, wo das Teil in einer einfachen aber effektiven Spannvorrichtung gespannt wurde.

Jetzt kommt die Reihenfolge der Innendurchmesser, und warum die so wichtig war.
- Zu erst wurden bis zu einem bestimmten Durchmesser nur die untersten gedreht.
- Dann wurde ein Dämpfungsring auf einen bestimmten Durchmesser gelegt (die innenkontur war Stufig ausgelegt).
- Nun wurden die nächsten Innendurchmesser hergestellt.
- Ab einem bestimmten Durchmesser kam ein weiterer Dämpfungsring rein.
- Dann wurden die letzten oberen Durchmesser hergestellt.
Durch diese Reihenfolge war immer ausreichend Platz oberhalb des Dämpfungsring. Diese Ringe beeinträchtigten das Drehen nicht. Und ferner wurde dies relativ dünnwandige teil wieder stabilisiert, es wurden Schwingungen gedämpft/vermieden.

Für solche Aktionen war ein Karussell einfach unschlagbar. Denn die Erdanziehung zeigt ja immer nach unten und drückt dadurch schon mal das Teil auch nach unten. Und die Dämpfungsringe waren relativ weiche Kunststoffe die in einem Metalkragen eingelassen waren. Jedoch drückte nur die Kunststoffeinlage auf die fertig hergestellten Durchmesser. Diese Ringe mussten nicht mal irgendwie besonders befestigt werden, sondern einfach einlegen, und den Rest besorgt die Erdanziehung. Okay, die Ringe wogen natürlich auch ein paar Kilos (bei den Durchmessern wohl verständlich), aber wie gesagt, es wurde keine zusätzliche Befestigung benötigt.

Und NEIIIEN!
Ich habe diese Teile nicht gedreht, dafür war meine Planscheibe, und der Rest "meines" Karussell zu klein. Das damals neu aufgestellte Karussell war genau hinter mir. Aber mit solchen Dämpfungsringen, in einer kleineren Größe, hatte ich öfters gearbeitet auch wenn ich nur einen einlegen musste.


Hey Rainer!
Ich kann auch langen Text :-P :lol:
Und dabei bin ich noch nicht fertig.


Also, lieber femi, nebst den schon genannten Tipps und Ratschlägen von den anderen, denke auch über die Reihenfolge nach welche Einstiche zu erst dran kommen. Ich würde an deiner Stelle im groben so vorgehen wie ich es eben beschrieben habe.

Okay, okay!
Du hast kein Karussell, und die Erdanziehung arbeitet gegen dich, aber von meinem Bericht kannst Du dir eventuiell doch etwas abschauen.
Du hast einen kleinen Innendurchmesser von 28 mm. Und wenn Du von Außen mit dem Backenfutter, oder wie auch immer, spannst, dann würde ich durch den Spindeldurchlas eine Gewindestange stecken, auf der anderen Seite des Spindelstock die Gewindestange kontern, und im Werkstück etwas einspannen was auch eine grobe kegelige Kontur hat und beispielsweise IN den 2. Einstich reindrückt. Du machst also die ersten zwei inneren Einstiche, setzt die "Spannhilfe" ein, machst die nächsten zwei oder drei Einstiche, setzt eine weitere "Spannhilfe" in die erste "Spannhilfe" ein, Einstiche fertigen usw. ...

Die erste "Spannhilfe" hat ein Durchgangsgewinde, die zweite "Spannhilfe" hat ein Außengewinde welches in die erste "Spannhilfe" greift und ein Sacklochinnengewinde. Also quasi so wie Legosteine. das setzt natürlich voraus, das deine Drehe einen Spindeldurchlass hat.

Mein grob erklärtes System, die Einstiche von der Reihenfolge aus her von innen nach außen, hat den Vorteil, das die schon hergestellten Einstiche, die ja das gesamte Teil dort schwächen, durch die "Spannhilfe" das Teil wieder Stabilisieren. Und ferner steht bei der Herstellung der anderen Einstiche so gesehen nix im Wege.

Puuuuuhhhh!
Menge Text auf nüchternen Magen ;-)

Mein :blah: :blah: ist nur ein Vorschlag wie Du die anderen Tipps noch zusätzlich unterstützen könntest. Was Du daraus machst ist deine Angelegenheit.


Viel Glück. :2up:

Es grüßt
Bernhard

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