Kugel drehen ohne Apparat für Anfänger

Limbachnet
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Kugel drehen ohne Apparat für Anfänger

Beitrag von Limbachnet » Do 25. Jun 2015, 23:10

Hallo zusammen,
ich möchte mich erst mal kurz vorstellen: Ich bin der Matthias (oder Matze) aus Berlin, habe seit Kurzem eine Rotwerk EDM 350 Tischdrehe und bin hier als Heimwerker bisher nur passiv unterwegs.

Nun ist mir aber aufgefallen, dass nicht nur ich, sondern auch der Eine oder Andere gelegentlich mal eine Teilkugel zu drehen hat, wofür sich aber die Anschaffung eines Radiendrehapparates nicht lohnt. Und einen Radienformstahl hat man auch nicht 'rumzuliegen - und so eine Tisch-Chinesin wie die meine wäre mit dem wohl auch dezent überfordert. Und um eine Kugel frei aus der Hand anzudrehen, dafür braucht man Übung und Erfahrung - hab' ich nicht aber nicht, und damit bin ich ja nicht alleine. Für solche Kandidaten gibt's dann häufig den Tipp: "Dreh' doch die Kontur grob vor", manchmal auch mit Angabe der zu drehenden Stufen. Gute Idee, finde ich. Da wollte ich mal eine einfache "Quick and Dirty"-Excel-Tabelle basteln und das Ergebnis ausprobieren. Gut, hab' ich gemacht:

Der Rohling:
IMG_1137_ji.jpg
Der Rohling für die Kugel
Erste Hälfte mit 0,3mm-Stufen:
IMG_1139_ji.jpg
Erste Hälfte
Freihand die Stufen etwas verrundet - gut, das ist nicht mein größtes Talent...
IMG_1140_ji.jpg
Freihand verrundet
Mit Schleifleinen geglättet (400er und 800er):
IMG_1141_ji.jpg
mit Schleifleinen geglättet
Zweite Hälfte mit Stufen:
IMG_1142_ji.jpg
Zweite Hälfte
Und fertig, mit Schleifleinen geglättet:
IMG_1144_ji.jpg
Fertig
Also, ich bin zufrieden. Nur die ersten drei Stufen sind mir etwas arg zu grob, die müssten IMHO noch feiner gestuft sein. Das lässt sich ja einfach einbauen:
Kugeldrehen.xlsx
(44.33 KiB) 857-mal heruntergeladen
Falls es mal wer brauchen kann... Kommentare sind natürlich willkommen!

Schöne Grüße,
Matthias
Schöne Grüße,
Matthias

Heliflieger
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Re: Kugel drehen ohne Apparat für Anfänger

Beitrag von Heliflieger » Do 25. Jun 2015, 23:28

Wenn man Unendlich viel Zeit und Geduld hat kann man so Spielereien ja machen.
Ich hätte mir einfach einen HSS Stahl mit passendem Radius am Schleifbock geschliffen.

Gruß Torsten
Fräse: Wabeco F1210
CNC Fräse: Sorotec AL-Line 0605
Drehmaschine: Optimum TU 2004 V
Bohrmaschine: Cordia HS-30 V + Flott TB 15
Schleifbock: Loch D200
Bandsäge: RC125GBS
Schweißgerät: Lorch Export 2000 + Lorch CL 4P-F Spezial

stefang
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Re: Kugel drehen ohne Apparat für Anfänger

Beitrag von stefang » Do 25. Jun 2015, 23:30

Kommentare sind natürlich willkommen!
Hab ich mal bei Knebelgriffen gemacht- hat super funktioniert, ich find die Methode schön. Funktioniert auch mit Freiformkurven wenn man sie sich größer aufzeichnet (oder im Cad) und die Zustellungen stufenweise rausmisst.

Vorallem funktionierts auch bei sehr großen Radien die man mit einem Formdrehstahl ums verrecken nicht mehr hinkriegt weil einem sonst die Maschine entgegenspringt.

gruß
Stefan

maxmartnl
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Re: Kugel drehen ohne Apparat für Anfänger

Beitrag von maxmartnl » Do 25. Jun 2015, 23:35

Hallo,
Anfaenger...? Ekstrapolieren geht dir erstaunlich gut ab.
Mit freundlichen Grüßen,
Max
P.S.: meine Übersetzungen auf Deutsch könnten (etwas) mangelhaft aussehen...

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JollyRoger
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Re: Kugel drehen ohne Apparat für Anfänger

Beitrag von JollyRoger » Fr 26. Jun 2015, 00:05

Sauber gemacht, da kann man nicht meckern! Und eine sehr gute Hand-Augen-Übung noch dazu...
Heliflieger hat geschrieben:Ich hätte mir einfach einen HSS Stahl mit passendem Radius am Schleifbock geschliffen.
Der liegt aber schnell mal mit 5mm oder breiter im Eingriff, da muss man schon ordentlich aufpassen dass nichts rattert. Bei manchen Werkstücken geht das einfach nicht weil sie zu instabil sind.

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Re: Kugel drehen ohne Apparat für Anfänger

Beitrag von Limbachnet » Fr 26. Jun 2015, 00:12

Heliflieger hat geschrieben:Wenn man Unendlich viel Zeit und Geduld hat kann man so Spielereien ja machen.
Ich hätte mir einfach einen HSS Stahl mit passendem Radius am Schleifbock geschliffen.
Gruß Torsten
Ach, die Zeit - die ganze Dreherei hat eine knappe Stunde gedauert. Das geht, finde ich - ein selbst geschliffener Radius-Drehstahl fällt ja auch nicht vom Himmel. Und den zu schleifen ist auch nix für einen Anfänger. Und ich wollte meine kleine Tischdrehe nicht gleich zu Beginn im Rodeo-Einsatz reiten. Oder gibt's einen Trick, wie man Kleindrehmaschinen und Radien-Drehstähle vernünftig zusammen einsetzen kann? Die gezeigte Kugel hat einen Durchmesser von 17,5 mm.
Schöne Grüße,
Matthias

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Re: Kugel drehen ohne Apparat für Anfänger

Beitrag von JollyRoger » Fr 26. Jun 2015, 00:16

Das hieße 8,75mm Stechbreite (oder sogar mehr) bei geschätzten 7mm Schaftdurchmesser des Werkstücks. Das beginnt zu rattern, garantiert.

Ich drehe Kugeln mittlerweile fast ausschließlich freihand, bzw. versuche ich es. Mein Interkrennchen kotzt bei einem solchen HSS-Stahl im Quadrat.

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Re: Kugel drehen ohne Apparat für Anfänger

Beitrag von Trutenpugel » Fr 26. Jun 2015, 00:21

So machte ich es auch, wenn ich viel Zeit hatte. Allerdings ohne Exel- Tabelle. Die ist eine Innovation.
Erst gestern hatten wir hier das Thema Radius so drehen und eine entsprechende Skizze am Wickel.

Im Fall einer freien oder größeren Kontur mache ich das mit einer 1:1- Zeichnung, die ich auf meine Prismen- Auflage zwecke und die Kontur mit einem am Längssupport befestigten, angespitzten Schweißdraht abfahre. In größter Zeitnot mit dem geringen Grad von Genauigkeit an einer Kugel geht auch das. ;-)
Zeichnungsaufnahme.jpg
Ms- Fuß Detail.jpg
Grüße von Mario. :hi:
Unendlich steigt des Schlossers Kraft, wenn er sich seine Hebel schafft.

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Re: Kugel drehen ohne Apparat für Anfänger

Beitrag von Limbachnet » Fr 26. Jun 2015, 00:53

Ups, ich seh' gerade, dass ich nur die Urform der Excel-Tabelle gepostet habe. Die im Ursprungsposting ist zum groben Vordrehen mit etwas "Luft" zum Endmaß und dann zum Glätten auf Endmaß frei aus der Hand, aber mit berechneten Zielwerten.

Das funktioniert, ich habe die erste Kugelhälfte auch damit gemacht. Aber schneller geht es, wenn man auf das Glätten mit dem Drehstahl verzichtet, dafür lieber die ersten drei Stufen feiner auflöst und dann gleich zum Schleifleinen greift.

Dafür gibt's auch eine Tabelle:
Kugeldrehen.xlsx
(40.48 KiB) 573-mal heruntergeladen
Schöne Grüße,
Matthias
Schöne Grüße,
Matthias

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Re: Kugel drehen ohne Apparat für Anfänger

Beitrag von Heliflieger » Fr 26. Jun 2015, 01:51

Wenn man mit einem Radiusstahl arbeitet.
Stellt man immer abwechselnd Quer und Längs zu, damit nix anfängt zu vibireren.
Den vollen Durchmesser stellt man ganz zum Schluss zu. Je nach Material bei maximaler Drehzahl oder bei kleinster Drehzahl.

Wenn man eine Spanleitstufe einschleift schneiden die auch weich.
Man kann sie auch leicht nach hinten schleifen, aber dann verzehrt man streng genommen die Kontur und der Stahl steht nicht mehr überall auf Mitte. Aber besser unter der Mitte als über Drehmitte.
Das Ziel ist eine positive Schneidengeometrie und das haben die Rohlinge ab Werk nunmal nicht.

Gruß Torsten
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