Schrauben ersetzen, welche Güte

servuskaiser
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Schrauben ersetzen, welche Güte

Beitrag von servuskaiser » So 17. Mai 2020, 09:52

Servus in die Runde,

ich zerlege gerade meine 43 Jahre alte Industriefräsmaschine und werde alle Schrauben austauschen. Es sind viele Senkkopfschrauben mit Schlitz (das geht sowieso gar nicht) und viele Zylinderschrauben mit Innensechskant. Da, wo mehr Wartung stattgefunden hat, sind die Schrauben schon ziemlich abgenudelt (zb. im Bereich des Vorschubgetriebes). Hauptsächlich werden die Schrauben in Gussteile verschraubt, manche, vor allem die kleineren Durchmesser in Stahlteile.

An 2-3 Stellen waren Schrauben mit kleinem Gewinde (M4) sehr angeknallt und mit hat es gewundert, daß sie beim Aufschrauben nicht abgerissen sind. Das war definitiv besseres Material, aber was, weiss ich nicht.

Die Frage ist, welche Festigkeitsklasse soll man da nehmen: 8.8 oder 10.9 (oder gar 12.9)? Gibt es einen Nachteil von 10.9, abgesehen von etwas höheren Preis?

Welche Festigkeiten haben Schrauben in solchen Maschinen original?

Mit freundlichen Grüßen
Markus

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Stormlord
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Re: Schrauben ersetzen, welche Güte

Beitrag von Stormlord » So 17. Mai 2020, 10:16

Klassischer Maschinenbau hat 8.8, die reichen völlig aus.Sind auch normalerweise im allgemeinen Maschinenbau überall verbaut.
Ich mein 8.8 -> 800N/mm² Zugfestigkeit ist doch ausreichend für die ganz normale Anwendung.

10.9 da biste schon bei 1000N/mm² also ca. 100KG/mm² Fläche sozusagen.
Wenn du eine Schraube M8 mit Kerndurchmesser 6.5mm hast, dann reisst die erst bei d ² *pi / 4 => (6.5mm) ² x 3.14 / 4 => 33.18 x 100 Kg = 3318 Kg Zug ab!
Hallo!!! Wenn du da 2 von hast, kannste einen LKW dranhängen mit 6,5 Tonnen...

STORMLORD

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Re: Schrauben ersetzen, welche Güte

Beitrag von 1.2510 » So 17. Mai 2020, 10:20

servuskaiser hat geschrieben:
So 17. Mai 2020, 09:52
Die Frage ist, welche Festigkeitsklasse soll man da nehmen: 8.8 oder 10.9 (oder gar 12.9)? Gibt es einen Nachteil von 10.9, abgesehen von etwas höheren Preis?
In der Firma verwenden wir seit vielen Jahren diese, weil bei hochfesten Schrauben bleiben die Innensechskante einfach länger schön.

https://www.brw.ch/de/zylinderschrauben ... ant-860510

https://www.brw.ch/de/senkschrauben-mit ... ant-860610 oder wenn es glänzen muss https://www.brw.ch/de/senkschrauben-mit ... ant-860620

Bei kleinen Senkschrauben kommt es mit Pozidriv statt Innensechskant auch gut!
Es gibt zweierlei Menschen … "Yes-butter" und "Why-notter"
.
Grüsse
Rob

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Re: Schrauben ersetzen, welche Güte

Beitrag von servuskaiser » So 17. Mai 2020, 19:30

Dank Euch für die Antworten.

Eine Anschlussfrage stellt sich auch, soll man verzinkt oder phosphatiert verwenden oder lieber nicht? Manche Schraubengrößen in 8.8 sind verzinkt billiger als unbehandelt/schwarz (zumindest bei Wegertseder).

Mit freundlichen Grüßen
Markus

DeckelMensch
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Re: Schrauben ersetzen, welche Güte

Beitrag von DeckelMensch » So 17. Mai 2020, 19:52

Schlitzschrauben haben den Vorteil, dass man mit dem richtigen Schraubenziehr wesentlich mehr Drehmoment rüberbringt als bei so winzigen Innensechskanten wie bei den Senkkopfschrauben üblich. Ausserdem vernudelt es so einen Schlitz viel weniger schnell. Würde an deiner Stelle bei 10.9 Schlitzschrauben bleiben.
Aktuell funktionsfähiges Equipment:
Maho 700P/TNC135, Deckel FP4-NC/Dia11, FP2-NC/Dia4; VonRoll SH-400 Schnellhobler; schrottige Chinadrehe; Aciera 6TF1; 2TF1; diverses Elektronik-Messgerät, AC/DC WIG: 4x Lorch IT 252/320/420GW

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Re: Schrauben ersetzen, welche Güte

Beitrag von 1.2510 » So 17. Mai 2020, 19:54

Hier noch ein verwandtes Thema: viewtopic.php?f=84&t=32215&p=386479
Es gibt zweierlei Menschen … "Yes-butter" und "Why-notter"
.
Grüsse
Rob

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Re: Schrauben ersetzen, welche Güte

Beitrag von FP91 » So 17. Mai 2020, 20:13

Ich würde möglichst viele der ursprünglichen Schrauben wieder benutzen. Einerseits sind die, wie du bereits erkannt hast, von sehr guter Qualität. Andererseits sind bei Werkzeugmaschinen häufig Sonderkopfformen verbaut (sieht man nicht immer gleich!) und die Schlitzschrauben sammeln wenig Knies und können hohe Drehmomente aufnehmen.
Ersetzen würde ich nur die vergnaddelten. Und auch da nur schwarz. Verzinkte passen visuell nicht und ziehen wegen der weichen Schicht und oft unsauberen Form häufig "matschiger" an.

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Re: Schrauben ersetzen, welche Güte

Beitrag von thomas56 » So 17. Mai 2020, 21:53

FP91 hat geschrieben:
So 17. Mai 2020, 20:13
Schlitzschrauben sammeln wenig Knies
:gruebel: https://www.duden.de/rechtschreibung/Knies

servuskaiser
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Re: Schrauben ersetzen, welche Güte

Beitrag von servuskaiser » So 17. Mai 2020, 22:19

Danke für die weiteren Antworten.

Zum Thema Schlitzschrauben habe ich meine eigene Aussenseitermeinung, die mag ich gar nicht. Ich habe noch keine verbaute Schlitzschraube gesehen, die schon vor meiner Bekanntschaft einmal heraus geschraubt wurde, die keinen abgenudelten Kopf hat. Nicht bei dieser Maschine, nicht bei anderen, älteren "Objekten", die noch solche Schrauben haben. Und so eine vernudelte Schraube wieder herausbringen ist manchmal recht trickreich (auch wenn man einen Körner hat).

Die Schrauben, die ein hohes Drehmoment brauchen, sind ohnehin Maschinenschrauben, die Senkkopfschrauben brauchen bei meiner Maschine keine großen Anzugskräfte, sind für Abdeckungen, Bleche, usw. aber dafür in großer Zahl, fast alle M4.

Bin schon etwas erstaunt, das Schlitzschrauben immer noch "Fans" haben. Das einzige Pro-Argument für mich ist, das man den Dreck aus dem Schlitz schneller heraus hat, als aus anderen Kopfformen.
FP91 hat geschrieben:
So 17. Mai 2020, 20:13
Ich würde möglichst viele der ursprünglichen Schrauben wieder benutzen. Einerseits sind die, wie du bereits erkannt hast, von sehr guter Qualität. Andererseits sind bei Werkzeugmaschinen häufig Sonderkopfformen verbaut (sieht man nicht immer gleich!) und die Schlitzschrauben sammeln wenig Knies und können hohe Drehmomente aufnehmen.
Ersetzen würde ich nur die vergnaddelten. Und auch da nur schwarz. Verzinkte passen visuell nicht und ziehen wegen der weichen Schicht und oft unsauberen Form häufig "matschiger" an.
Danke für den Hinweis mit der Beschichtung!

Ich habe heute alle Schrauben katalogisiert, es sind bisher 500 in 60 verschiedenen Varianten. Sie sind ausnahmslos entweder am Kopf (alle Schlitzschrauben) oder am Gewinde in irgendeiner Form angeschlagen oder abgenudelt. Eine Wiederverwendung fällt flach zumal ich keine Waschanlage habe, die alle Schrauben dringend nötig hätten (ich habe jede einzelne schon beim Ausbau von gröbsten Unrat befreit).

Sehr wenige Maschinenschrauben haben spezielle Köpfe, die schmäler geschliffen wurden, damit sie irgendwo hinein passen. Nicht mehr als 10, das kann man replizieren. Bei den Senkkopfschlitzschrauben ist der Kopf etwas kleiner, als bei Senkkopf mit ISK, die ich hier habe. Es gibt aber nicht viele Stellen, wo das ein Problem sein könnte und dort habe ich überprüft, ob die geplante Alternative noch hineinpasst.

Danke nocheinmal!

Mit freundlichen Grüßen
Markus

PS:
thomas56 hat geschrieben:
So 17. Mai 2020, 21:53
FP91 hat geschrieben:
So 17. Mai 2020, 20:13
Schlitzschrauben sammeln wenig Knies
:gruebel: https://www.duden.de/rechtschreibung/Knies
Das kanns nicht sein, ich habe Schrauben noch nicht streiten gesehen, auch nicht welche mit ISK.

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Gelboliv
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Re: Schrauben ersetzen, welche Güte

Beitrag von Gelboliv » Mo 18. Mai 2020, 08:27

Moin,
ich verwende auch immer so viele Schrauben wie möglich wieder und wenn ich welche ersetzen muss, dann in gleicher Form und Beschichtung wie Original.
servuskaiser hat geschrieben:
So 17. Mai 2020, 22:19
Bin schon etwas erstaunt, das Schlitzschrauben immer noch "Fans" haben. Das einzige Pro-Argument für mich ist, das man den Dreck aus dem Schlitz schneller heraus hat, als aus anderen Kopfformen.
Ich finde, dass Innensechskant oder gar Kreuzschlitzschrauben an den meisten alten Maschinen einfach falsch aussehen. Außerdem kann man Schlitzschrauben einfach aufarbeiten, indem man den Schlitz mit einer kleinen Schlüsselfeile nacharbeitet. Mit einem passenden (!) Schraubenzieher kann man sie meiner Meinung nach auch problemlos mehrfach lösen und fetsziehen, ohne etwas zu zerkratzen.
Gruß
Justus

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