Maschinenproblem oder Bedienerproblem?

servuskaiser
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Maschinenproblem oder Bedienerproblem?

Beitrag von servuskaiser » Sa 2. Mär 2019, 19:25

Hallo,

bei meinen ersten Gehversuchen mit meiner neuen Fräsmaschine (HBM 45 Profi ohne DRO) hab ich natürlich keine Ahnung, was ich da mache.

Gleich als zweiten Versuch habe ich versucht einen (scheinbar gehärteten) T-Nutenstein mit dem 18 mm Schrupper zu verkürzen. Das ist ziemlich gescheitert (viel zu hohe Drehzahl, ganz kurzes Glühen der Fräserspitzen). Ich hab das dann sofort abgebrochen und bin zu meinem ersten richtigen Werkstück aus ALU übergegangen, in der Hoffnung, das das nicht auch gleich so desaströs scheitert.

Der Schrupper hat weiter funktioniert, wenn auch mit einem seltsamen schüsselförmigen Schnittbild (Lichtspalt wo der Fräser in der Mitte schneidet, Erhöhung in der Randzone). Ich habe das auf die von mir fachmännisch abgetragenen Spitzen zurückgeführt. Dann hab ich mein erstes Werkstück versaut (nicht auf der Maschine), und neu angefangen.

Soviel zur Vorgeschichte.

Beim moderaten Schruppen hat der Fräser heute bei weitem schlechter gearbeitet als beim ersten Mal (viel lauter, stellenweise vibrierte die ganze Maschine). Vor allem ist mir aufgefallen, daß die Schnittfläche in der X-Vorschubrichtung nach Links viel besser aussieht als umgekehrt.
20190302_164509_s.jpg
Unterschiedliches Schnittmuster abhängig von Vorschubrichtung
Im obigen Bild ist die Zustellung 1mm identisch und Eingriffsbreite ca. 1/3 Fräserdurchmesser in beiden "Schnitten" (nennt man das so) in etwa gleich (oberer Schnitt Fräser von rechts links, unterer Fräser von links nach rechts).

Woran kann das liegen? Hat meine Maschine etwas?

Deshalb poste ich das auch hier. Der Fräser ist hin, das ist schon klar, aber sollte das nicht trotzdem in beiden Richtungen gleich aussehen? Die Geräusche und Vibrationen der Maschine waren auch im unteren Schnitt (also Fräser link->rechts) unruhiger. Ich kann's nicht besser beschreiben. Ich erwarte natürlich keine hellseherischen Fähigkeiten, aber vielleicht ist das für den Fachmann ein klares Indiz für eine bestimmtes Problem und man muss es nur wissen.

Ich hab bei der Maschine nach der Anlieferung die Kopfneigung nach der Skala auf 0 gestellt, laut Skala war die ganz leicht geneigt. Könnte aber auch die Skala sein, keine Ahnung wie ich das nachmessen könnte. Sonst hab ich keine Schrauben angezogen oder Einstellungen gemacht. Ich wüste gar nicht wo anfangen und habe gehofft, "daß das schon passt".

Etwas ratlos. Was soll/muss man bei diesen Maschinen machen, bevor man damit arbeiten kann?

Mit freundlichen Grüßen
Markus

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Re: Maschinenproblem oder Bedienerproblem?

Beitrag von 1.2510 » Sa 2. Mär 2019, 20:10

Kopf ausrichten: Falls nötig mache ich es so, aber mit nur einer Uhr (weiss nicht, wozu man zwei Uhren braucht): https://www.youtube.com/watch?v=qGdptphPWGs
Schnittgeschwindigkeiten bzw. Spindel-Drehzahlen: https://www.europa-lehrmittel.de/t-1/ta ... tall-3185/
Schruppfräser: Diese sind sehr oft falsch eingesetzt. Guckst du u.a. hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Fr%C3%A4s ... r%C3%A4ser
oder hier: https://www.hoffmann-group.com/CH/de/sf ... gshandbuch
Grüsse, Rob

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huehnerfreund
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Re: Maschinenproblem oder Bedienerproblem?

Beitrag von huehnerfreund » Sa 2. Mär 2019, 20:16

Hallo,
ich würde das Teil hinlegen und in y drübergehen. Schon mal gut, dass es nicht aus dem Schraubstock geflogen ist.
mfg.
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Re: Maschinenproblem oder Bedienerproblem?

Beitrag von Thomas# » Sa 2. Mär 2019, 21:21

Zu dem Bild auch zu erwähnen, das Fräsen im sog. Gleichlauf versus im sog. Gegenlauf.

In der einen Richtung drückt der Fräser dabei so, dass zwischen Trapezgewinde-Spindel und ihrer Mutter, deren axiales Spiel zueinander, stets aufgehoben ist.

In der anderen Richtung drückt der Fräser so, dass sich die Trapez-Mutter (im Spiel zur Trapez-Spindel) bewegen kann: der Tisch macht ruckelnde Bewegungen > tötet schnell den Fräser.

Grüße von
Thomas#

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Re: Maschinenproblem oder Bedienerproblem?

Beitrag von 1.2510 » Sa 2. Mär 2019, 21:33

Thomas# hat geschrieben:
Sa 2. Mär 2019, 21:21
Zu dem Bild auch zu erwähnen, das Fräsen im sog. Gleichlauf versus im sog. Gegenlauf.

In der einen Richtung drückt der Fräser dabei so, dass zwischen Trapezgewinde-Spindel und ihrer Mutter, deren axiales Spiel zueinander, stets aufgehoben ist.

In der anderen Richtung drückt der Fräser so, dass sich die Trapez-Mutter (im Spiel zur Trapez-Spindel) bewegen kann: der Tisch macht ruckelnde Bewegungen > tötet schnell den Fräser.
Vielleicht verstehe ich morgen was du meinst ;-)
Grüsse, Rob

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Khan
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Re: Maschinenproblem oder Bedienerproblem?

Beitrag von Khan » Sa 2. Mär 2019, 21:52

Hallo Markus,
servuskaiser hat geschrieben:
Sa 2. Mär 2019, 19:25
mir aufgefallen, daß die Schnittfläche in der X-Vorschubrichtung nach Links viel besser aussieht als umgekehrt.
[...]
Woran kann das liegen?
Dein Kopf ist nicht ganz perfekt senkrecht ausgerichtet. Da die Fräsmaschine nicht unendlich steif ist, drückt es den Fräskopf/Säule/Pinole/Fräser durch den Schnittdruck mal weniger und mal mehr weg (vor allem wenn der Fräser aufgrund verglühter Schneiden stärker als normal drückt). Dadurch ändert sich der Winkel des Fräsers zur X-/Y-Ebene. In dem einen Fall steht er senkrechter (er schneidet stärker nach - vorderer Schnitt), im anderen Fall steht er noch schiefer (er schneidet überhaupt nicht nach - hinterer Schnitt).

Dieses Verhalten kann man bei jeder Maschine provozieren. Deshalb immer Pinole und Fräskopf sauber klemmen und Fräser kurz einspannen.

Btw, wenn du "blutiger Anfänger" bist, dann würde sich eine entsprechende Literatur oder Kurse anbieten. Alles auf die harte Tour lernen zu wollen, geht nicht ohne deutliche Spuren an Werkzeug, Werkstück und deinem Körper.

Gruß,
Martin
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Khan
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Re: Maschinenproblem oder Bedienerproblem?

Beitrag von Khan » Sa 2. Mär 2019, 22:13

Hallo Thomas,
Thomas# hat geschrieben:
Sa 2. Mär 2019, 21:21
Zu dem Bild auch zu erwähnen, das Fräsen im sog. Gleichlauf versus im sog. Gegenlauf.
Laut dem Foto wurde beide Male im Gegenlauf gefräst.

Gruß,
Martin
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yagadub
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Re: Maschinenproblem oder Bedienerproblem?

Beitrag von yagadub » Sa 2. Mär 2019, 22:17

Khan hat geschrieben:
Sa 2. Mär 2019, 21:52
Alles auf die harte Tour lernen zu wollen, geht nicht ohne deutliche Spuren an Werkzeug, Werkstück und deinem Körper.
Common, richtig lernen geht doch nur mit eben diesen Spuren!

Wenn du bereit bist, etwas Zeit zu investieren, genau zu beobachten, den einen oder anderen Fräser zu opfern, wird das ganz bestimmt gut kommen!

Mir scheint (das kann ev. auch am Foto liegen) dein Werkstück kragt sehr weit aus dem Schraubstock. Versuchs mal mit einem kurz gespanntem Werkstück.
So wie ich das sehe, fräst du bereits im Gegenlauf. Das ist gut so, die Belastung für die Maschine ist kleiner. Zum Schlichten dan eventuel im Gleichlauf, gibt schönere Oberfläche.
edit:Martin war schneller
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Re: Maschinenproblem oder Bedienerproblem?

Beitrag von Thomas# » Sa 2. Mär 2019, 22:34

Vielleicht verstehe ich morgen was du meinst ;-)
Hi 1.2510,

ich meinte diese Sache:

https://www.industryarena.com/cnc-praxi ... hlauf.html

Zitat daraus:
Früher war es aufgrund des Spiels, welches die Werkzeugmaschinen- tische hatten, oft gar nicht möglich im Gleichlauf zu fräsen,
da dabei stehts mit dem Spiel gefahren wurde und dadurch die Gefahr des Fräserbruches bestand.
Folglich:

bei so einer konventionellen Fräse mit natürlichem Spiel im Trapez-Spindel Vortrieb, immer nur im Gegenlauf fräsen.
Ok: bei Fräsen von Alu oder Kunststoff und mit wenig Zustellung, ist das sicher nicht soooo relevant.

Aber:

wenn damit Stahl im Gleichlauf gefräst wird, die hohen Rück-Kräfte an der Schneide, die können die Reibung eines Schwalbenschwanz geführten Tisches überwinden.
Und den Tisch ruckartig (im Rahmen des Spiels zwischen Trapezgewinde-Spindel und deren Mutter) um ein paar Zehntel aus der Position verreißen > Fräser schnell tot.

Im Gleichlauf- oder im Gegenlauf zu fräsen, hat davon ab noch andere Unterschiede.

Aber: mir ging es um den Zusammenhang damit, dass der Tisch-Vortrieb der konventionellen Fräse, halt Spiel hat.
Und man somit daran gebunden ist, damit besser nur im Gegenlauf zu fräsen.
(Feinstes Schlichten aber auch im Gleichlauf gehen kann).

Das alles davon unbenommen, dass der TE vielleicht falsche Drehzahlen genommen hat.
Oder zu viel auf einmal zugestellt haben könnte.
Oder, dass die Z-Achse schief stehen könnte.

EDIT: Kahn/Martin meint, es wurde beide Seiten schon im Gegenlauf gefräst.

Was dann auf eine andere der möglichen Problematiken hindeuten würde.

Grüße von
Thomas#
Zuletzt geändert von Thomas# am Sa 2. Mär 2019, 22:40, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Maschinenproblem oder Bedienerproblem?

Beitrag von pico-terraner » Sa 2. Mär 2019, 22:38

Hallo zusammen! :hi:
1.2510 hat geschrieben:
Sa 2. Mär 2019, 20:10
Kopf ausrichten: Falls nötig mache ich es so, aber mit nur einer Uhr (weiss nicht, wozu man zwei Uhren braucht)
Mit 2 Uhren geht es etwas schneller und ist für mich auch anschaulicher! :pfeif:


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Beste Grüße
Peter
... Schon vor dem Prüfen prüfen, ob das zu "Prüfende" schon geprüft!

:ironie:
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