Instandsetzung Fräsmaschine ähnlich Beling & Lübke

Benutzeravatar
PerKele
Beiträge: 25
Registriert: Mo 7. Aug 2017, 15:22
Wohnort: Nordrhein-Westfalen
Norway

Instandsetzung Fräsmaschine ähnlich Beling & Lübke

Beitrag von PerKele » Di 24. Jul 2018, 01:45

Erstmal einen guten Hallo allerseits,
mein Name ist Per, ich bin 22 Jahre alt, relativ neu hier im Forum und nicht sonderlich gut darin mich vorzustellen, also fangen wir doch einfach mal an.

Hintergrund:

Ich habe mit der Zerspanung eigentlich schon länger zu tun, mein Vater besitzt eine kleine EBK-Drehe, mit der ich im Zuge mehrerer, mal länger, mal kürzer anhaltender Hobbies diverse Kleinteile und Basteleien erspant habe, wobei mir die Einsatzmöglichkeiten und Möglichen Verfahren nicht mehr ausreichten, weswegen ich mir im Januar 2017 eine Opti BF16 zulegte, welche ihren Dienst mehr schlecht als recht erledigte.
Das Ding war in Aluminium aufgrund der dilettantischen Säulenkonstruktion schon derart labberig, dass ich mir in Stahl keine fräserschonenden Zustellungen erlauben konnte, weshalb ich schon wenige Wochen nach der Akquisition nach einer neuen Metallverkleinerungseinrichtung Ausschau hielt, wobei sich meine Traummaschine in der, bei eXact-Modellbau vorgestellten, Beling & Lübke Universalfräsmaschine manifestierte, einer Maschine, welche sich sowohl aus Kosten-, als auch aus Raritätsgründen (Jetzt mal im Ernst, die eine die in der Bucht angeboten wird sieht etwas misshandelt aus und der Verkäufer möchte trotzdem noch 2,3 Mille, was ich auch bezahlen würde, so ich das Geld denn hätte.) außerhalb meiner Reichweite befand.
Befand. Aufmerksamen Schatzjägern auf der Kleinanzeigen-Dependance der Bucht wird eine kleine Universalfräse in der Nähe der Polnischen Grenze aufgefallen sein, welche jüngst unverkäuflich auf der Frontseite ihr erbärmliches dasein fristete, welche immer wieder Objekt einer langsamen, aber stetigen Preissenkung war, welche mit billiger Acrylfarbe, Staub, Rost und Spänen geziert, in Etwa so attraktiv war wie Blaue Waffeln (Googlet das mal lieber nicht.), welche sich dann aber mit einer heftigen Senkung in einen Bereich bewegte, bei dem ich Restaurations- und Speditionskosten rechtfertigen konnte.
Der Verkäufer wurde kontaktiert, es wurden per PN Details erfragt, welche eigentlich in die Beschreibung der Anzeige selber gehören, es wurde eine Reservierung getätigt, und ich machte mich flugs daran, meinen kleinen, enttäuschenden Chinakracher des Scheiterns weiterzugeben, wobei dies mithilfe einer vernünftigen Anzeige auch in akzeptabler Zeit gelang, ich hatte innerhalb weniger Tage schon zwei Interessenten, von denen mir der Zweite versicherte, dass er bei Absprung des ersten Interessenten sofort verfügbar sei.
Montag zur vereinbarten Zeit war dann der Erste gar nicht mehr verfügbar, ich kontaktierte dann nach einer halben Stunde den nächsten, er kam vorbei, und nach einer kurzen Funktionsüberprüfung wechselte die übermäßig selbstsichere Bohrmaschine mit Kreuztisch den Besitzer, woraufhin ich mich dann eines Kaufes meinerseits bemühte.
Es wurden Verzurrungsideen ausgetauscht, eine Spedition wurde gebucht, Fotos, Korrekturen und Planen wurden geschossen, besprochen und appliziert, und schließlich stand sie beim Verkäufer auf der Straße.
Ich erhielt letzen Montag einen Anruf von der Spedition, sie würden gen zwölf Uhr da sein. Nu war sie bei mir.

Kapitel 1: Was hab ich mir da nur eingebrockt.
IMG_3411.jpg
So sah die Maschine aus, als sie noch beim Verkäufer stand, in all der Aufregung über ein neues Spielzeug habe ich es allerdings versäumt, bei der Ankunft ordentliche Fotos zu schießen, das ist also die einzige Totale, welche ich im Moment bieten kann.
IMG_3455.jpg
Ich fing mit der Demontage des Fräskopfes/der Pinole an, wobei ich mir der schwere des Missbrauchs erst Stück für Stück bewusst wurde, das Gerät wurde wirklich nach allen Regeln der Kunst vergewaltigt, und da ich die Maschine defekt gekauft habe, kann es nicht der letzte Eigner gewesen sein, es schaut ganz so aus, als hätte sie in einem Künstlerbetrieb oder ähnlichem gestanden, das würde zumindest den Grauenvollen anstrich erklären, welcher bei einem Wehrdienstunfähigem wie mir Kriegserinnerungen ausgelöst hat.
IMG_3452.jpg
IMG_3453.jpg
IMG_3454.jpg
Was dem Fass nun wirklich den Boden aufsetzt, und bei mir zu einem Lachanfall geführt hat ist eine ganz besondere Reparatur: Bei der Kardanwelle des Vorschubs scheint der Stift verloren gegangen zu sein, das Bild... na, schaut es euch einfach selber an... :muahaha:
IMG_3456.jpg
Wenn es dämlich aussieht, aber funktioniert...
Naja, ich holte mir dann schließlich vom Nachbar Hilfe, und gemeinsam wurde die Maschine zerlegt und die Baugruppen im Garten abgelegt. Bei der trockenen Hitze konnte sowieso nichts mehr schlimmer werden.
IMG_3457.jpg
So, das wars fürs erste, es ist etwas spät und müde schreibts sich nicht so gut, demnächst gibt es auch tatsächliche Restauration zu sehen, Feedback und Verbesserungsvorschläge wären toll, das ist soweit mein erster richtiger Beitrag (Ich hoffe der ist auch im richtigen Unterforum, ich war mir nicht sicher ob der hierhin oder in die Maschinengalerie gehört).
Euch allen einen schönen Abend noch.
"Die Physik interessiert sich nicht für den Preis eines Werkzeugs." -Stefan Gotteswinter, 2015
"Welcome to Amimimica." David Diebels, 2018

In einen Text gehört nur ein Punkt, und der kommt ans Ende.

Thomas#
Beiträge: 987
Registriert: Fr 2. Okt 2015, 22:29
Wohnort: Kiel
Germany

Re: Instandsetzung Fräsmaschine ähnlich Beling & Lübke

Beitrag von Thomas# » Di 24. Jul 2018, 02:50

Hi,

ich würde mal sagen:

- zu viel Text
- zu viel Drama
- zu viel Trauma, welches edel erlitten wurde.

Grüße von
Thomas

Benutzeravatar
Ruhla Fanboy
Beiträge: 235
Registriert: Mi 1. Nov 2017, 17:08
Germany

Re: Instandsetzung Fräsmaschine ähnlich Beling & Lübke

Beitrag von Ruhla Fanboy » Di 24. Jul 2018, 07:53

Aha, sind mal wieder die S3-Sandalen im Einsatz... :pfeif:
Fräsmaschine: Ruhla VRB 2243
Drehmaschine: Paulimot PM 2700

kberg10
Beiträge: 30
Registriert: Di 19. Dez 2017, 03:37
Wohnort: 6361 Hopfgarten
Austria

Re: Instandsetzung Fräsmaschine ähnlich Beling & Lübke

Beitrag von kberg10 » Di 24. Jul 2018, 08:35

Hallo Per, ganz toller Bericht, freue mich über jeden der sich noch bewusst die Hände schmutzig machen will. Denke daß sich das Maschinchen nach einiger Zeit wieder beschaulich präsentiert. Die Farbe müsste sowieso runter und hat hier sicher zu einem angenehmen Preis/Leistung Verhältnis beigetragen. Würde mich freuen wieder was zu sehen.

mfg Matthias Thomas

Benutzeravatar
merlin
Beiträge: 937
Registriert: Do 1. Nov 2012, 08:31
Wohnort: Neuruppin
Kontaktdaten:
Germany

Re: Instandsetzung Fräsmaschine ähnlich Beling & Lübke

Beitrag von merlin » Di 24. Jul 2018, 08:58

:welcome: Willkommen im Forum und Danke für den Bericht. :thx:
Unbedingt weiter berichten! Bin sehr gespannt.

Benutzeravatar
eXact Modellbau
Beiträge: 6794
Registriert: Mi 17. Aug 2011, 08:04
Wohnort: Bad Doberan (Mecklenburg)
Kontaktdaten:
Germany

Re: Instandsetzung Fräsmaschine ähnlich Beling & Lübke

Beitrag von eXact Modellbau » Di 24. Jul 2018, 09:18

Guten Morgen
Vielen Dank für den schönen Bericht!

Ist das da ein Riss, kurz über der Führung der Konsole?
Gruß
Larry

Nehmen und geben! Es ist nicht der Sinn eines Forums, Informationen per PN auszutauschen!

www.die-minilok.de

Benutzeravatar
Flamberger
Beiträge: 56
Registriert: So 22. Okt 2017, 08:34
Wohnort: Zürich
Switzerland

Re: Instandsetzung Fräsmaschine ähnlich Beling & Lübke

Beitrag von Flamberger » Di 24. Jul 2018, 09:30

Ich setze mich mal dazu und warte auf weitere Berichte. :super:
Selber würde ich mich ja nie an so was heranwagen.
__________________________________
Bohr-/Fräsmaschine: Aciera 22 Tischmodell mit Allen Kreuztisch
Bohrmaschine: Irgend ein altes Tischmodell aus Italien
Schleifmaschine: KMG-Clone 50x2000mm und Tellerschleifer Eigenbau 305mm

Benutzeravatar
wefalck
Beiträge: 540
Registriert: Mo 25. Apr 2016, 13:46
Wohnort: Saint-Cloud (Paris)
Kontaktdaten:

Re: Instandsetzung Fräsmaschine ähnlich Beling & Lübke

Beitrag von wefalck » Di 24. Jul 2018, 11:03

eXact Modellbau hat geschrieben:
Di 24. Jul 2018, 09:18
.... Ist das da ein Riss, kurz über der Führung der Konsole?
... das habe ich mich auch gefragt und hoffe, daß dem nicht so ist. Schön mal wieder eine Maschine eines heute eher nicht mehr so häufig zu findenden Herstellers zu sehen.

Ernest
Beiträge: 154
Registriert: Sa 3. Jun 2017, 21:11
Wohnort: Raum Bremen
Germany

Re: Instandsetzung Fräsmaschine ähnlich Beling & Lübke

Beitrag von Ernest » Di 24. Jul 2018, 13:07

Viel Erfolg! Die Farbe ist nur äusserlich, interssant wird es, wenn es an die Führungen und Lagerungen geht ...
BF30V

Benutzeravatar
Mauzi
Beiträge: 1495
Registriert: Mi 20. Mär 2013, 18:29
Wohnort: Falkensee
Germany

Re: Instandsetzung Fräsmaschine ähnlich Beling & Lübke

Beitrag von Mauzi » Di 24. Jul 2018, 13:19

Riss...? Ich glaubs fast nicht. Eher eine Schramme, so auf den ersten Blick auf dem Bild.

Gruß

Jürgen
Achtung aufpassen!! Die meisten Unfälle ereignen sich im häuslichen Bereich!

Antworten