Meine "Werkstattgeschichten"

Hier könnt Ihr eure Werkstatt vorstellen.
elmech
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Re: Meine "Werkstattgeschichten"

Beitrag von elmech » Mi 16. Mai 2018, 18:14

Hallo Manni, tolle Arbeit und tolles Resultat! Danke, dass Du Dir bei dem Stress, auch noch die Zeit, für eine Reportage genommen hast! Wünsche viel Erfolg und hoffe, es hat sich auch für Euch, rentiert! Freundliche Grüsse Andi

banana_joe
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Re: Meine "Werkstattgeschichten"

Beitrag von banana_joe » Mi 16. Mai 2018, 21:15

Hallo,
edison hat geschrieben:Wie sieht denn dann eine Restauration bei Euch aus? :pfeif: :-D
Da hätte man noch wesentlich tiefer gehen können, Rost wurde z.B nur oberflächlich behandelt, außerdem ist der Einzug komplett verbogen, die Wellen darin haben Fluchtungsfehler von 2-3mm.
Durch die Pendelkugellager wird er aber auch so laufen.

motor64.1 hat geschrieben:Kannst du mir bitte die Adresse vom Schildermaler zukommen lassen? :thx:
Bitte sehr:
5611.JPG

HansD hat geschrieben:Hast du den Schraubenkopf des Linksgewindes markiert oder ist das eh klar?

Hans
Stimmt, das wäre kein Fehler gewesen, wenn die nächste Wartung ansteht muss die Schutzabdeckung runter, dann kann ich das mitmachen.

elmech hat geschrieben:Hallo Manni, tolle Arbeit und tolles Resultat! Danke, dass Du Dir bei dem Stress, auch noch die Zeit, für eine Reportage genommen hast! Wünsche viel Erfolg und hoffe, es hat sich auch für Euch, rentiert! Freundliche Grüsse Andi

Danke dir, ja das mit dem rentieren ist so eine Sache... :pfeif: Auch wenn der Hacker nur das Produkt eines "ausgeuferten Schlossereibetriebes" ist, ist er dennoch ein Stück österreichische Geschichte.

Grüße

manni

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Gotti
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Re: Meine "Werkstattgeschichten"

Beitrag von Gotti » Do 17. Mai 2018, 19:57

Auch meinereiner findet es :super: .
:thx: fürs zeigen und mitfiebern lassen.

banana_joe
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Re: Meine "Werkstattgeschichten"

Beitrag von banana_joe » So 20. Mai 2018, 21:58

Hallo,
banana_joe hat geschrieben:Es gibt da ein anderes Projekt das noch länger geht (und bis zum heutigen Tage nicht abgeschlossen ist): einen großen Doppelschleifbock.
Und los gehts: so sah er bei der Anlieferung in der Garage aus:
001.JPG
Wie schon gesagt, wurde die Kiste im Übermut und ohne Plan zerlegt, so lagen die Sachen bis zum Ausräumen in der Garage undefiniert herum, der Sockel verschwand erfolgreich in der Versenkung.
Ich bin mir nicht mehr sicher aber irgendwie haben es die Teile dann doch in die Werkstatt geschafft.
Nur um hier wieder zu verschwinden.

Irgendwann 2014 stolpere ich über die Sachen, nach nochmaliger Durchsicht gibt es eine finale Entscheidung: Der Bock wird wieder aufgerichtet.
Hauptgrund: es gibt praktisch keine Maschinen mehr aus dieser Zeit die noch den Originalen Walzenschalter haben. (der hier noch vorhanden ist, zumindest in Teilen)
In 98% der Fälle wurde der Schalter nach dem Ausfall nicht repariert sondern ersetzt, meinst als Provisorium das dann zu Dauerlösung wird.
Es wäre also möglich den Bock originalgetreu zu Restaurieren, naja bis auf den fehlenden Sockel, wobei der mit Sicherheit nicht so vom Hersteller kam.

Ich habe zwar absolut keine Ahnung wie das was werden soll, aber fangen wir mal an mit einer Bestandsaufnahme an.

Das sieht nicht gut aus, viele Kaputte Teile, ich beginne mit etwas scheinbar einfachen: einer abgerissenen Schlitzschraube vom Lagerdeckel. Etwas blauäugig damit zum Schraubenhändler im Ort, Schlitzschrauben sind praktisch aus, nur noch ein paar Restbestände.
Eine änliche mitgenommen, aber man sieht gleich das stimmt nicht zusammen.

Zeit sich mit Schraubennormen zu beschäftigen!

Ein paar Wochen und einige Normblätter später kommt die Erkenntnis: Din 87 Form B, Norm schon lange zurückgezogen.
Auf ein Ersatzteil brauche ich nicht mehr hoffen, aber hier in der Werkstatt gibt es eine Drehmaschine.

Die ersten Versuche haben außer Schrott nichts gebracht, aber zum Schluss entstand sogar eine benutzbare Schraube.
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068.JPG
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Links das Original, rechts das Replikat.
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Ein erster Schritt war getan aber auch nicht mehr, andere Projekte waren wieder dran.

2016: ich habe Urlaub, jetzt aber wirklich, die großen Gussteile zum reinigen herausgekramt, der Stator:
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Der ist so groß wie von einer 5kW Maschine, leistet aber nur 2kW, ohne Lüfter und mit gekapselten Gehäuse auch kein Wunder.

Die orange Zahl weist auf die Nennspannung (380V) der Wicklung hin, damit es nicht zu Verwechslungen mit der Aufrührung für die Industrie (500V) kommt.

Die Wicklung ist bereits mit einem Harz isoliert, extrem alt dürfte er nicht sein, die Anschlüsse sind aber noch G-Drähte, das PVC zeitalter war noch nicht angebrochen.
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Typenschild, zumindest der Rest davon.
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Kerbnägel angekörnert und ausgebohrt.
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Abschleifen der Farbe:
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Das wird so nichts es sind 4-5 Farbschichten vorhanden und eine davon schmiert wie verrückt.

Schweres Gerät muss ran.
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Das bewährt sich, also auch die anderen Gussteile gemacht wie der Fuß und die Lagergehäuse.
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Durch rumprobieren wurde herausgefunden welche Schraube wohin gehört, die Schrauben in der Maschine sind nicht gelackt, das hilft beim selektieren auch weiter.
Sie werden gebürstet und Dellen geglättet/leicht gefeilt.
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Kann es sein das die Schraubenfabrik Bauer & Schaurte hier ihre Hände im Spiel hatte?

Fuß an den Stator geschraubt.
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Die Anschlussdrähte sind trotz des Alters noch nicht bröselig, aber es gibt eine "komische Stelle", vorsichtshalber wurde ein Schutzschlauch drübergezogen.
184.JPG
Als Schutz gegen Scheuern wurden Gummitüllen aufgesteckt.
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Ein Arbeitskollege hat mir die Wicklung gemessen, Traumwerte waren es nicht aber man muss sich beim unter Spannung setzten nicht fürchten.
So langsam kommen die Teile wieder zusammen, was hier leicht aussieht ist mit viel Probiererei verbunden.
Keine Frage, ich bin selbst Schuld, :popoklatsch: aber die große :scheisse: kommt in Form einiger durch Ungeduld/Dummheit zerstörten Teile noch.


grüße

manni

banana_joe
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Re: Meine "Werkstattgeschichten"

Beitrag von banana_joe » Sa 2. Jun 2018, 12:27

Hallo!

Der Motor steht soweit mal wieder, nun zu einem weiteren Sorgenkind.

Lagerdeckel:
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078.JPG (79.53 KiB) 584 mal betrachtet
Dieser wurde beim Versuch das Lagerschild runterzukriegen gesprengt.

Mittlerweile wurde ein kompletter Autogenschweißsatz organisiert, so werde ich versuchen den Deckel hartlöten.
Die Stücke werden angefast und mit der bearbeiteten Seite, auf den Lagerschild geschraubt, das soll den Verzug gering halten.
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194.JPG (95.35 KiB) 584 mal betrachtet
Nicht schön aber scheint zu halten. Kugellager wurden neu beschafft, der Montage steht nichts mehr im Wege.
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200.JPG (52.14 KiB) 584 mal betrachtet
Lagergehäuse:
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204.JPG (94.68 KiB) 584 mal betrachtet
Mit den Schlitzschrauben wird der Lagerdeckel innen und die Labyrinthscheibe außen zusammengeschraubt.
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207.JPG (69.9 KiB) 584 mal betrachtet
Zusammenbau: Der Rotor hat an einer Seite Rechtsgängiges und auf der anderen Linksgängiges Gewinde, beim Einbau muss die Richtung beachtet werden sonst können sich die Schleifscheiben im Betrieb lösen.
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208.JPG (107.15 KiB) 584 mal betrachtet
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211.JPG (101.23 KiB) 584 mal betrachtet
Und auch die andere Seite:
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212.JPG (89.65 KiB) 584 mal betrachtet
Die Labyrinthscheibe dieser Seite muss noch aufgearbeitet werden, das aber erst später.

Der Klemmstein:
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219.JPG (105.61 KiB) 584 mal betrachtet
Zur Abwechslung mal nichts kaputt, reinigen und wieder montieren.
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220.JPG (107.66 KiB) 584 mal betrachtet
Die Muttern sind noch SW 11 das fällt sofort auf. Die Schrauben vom Isolierträger sind zwar gleich lang, aber einmal "Form A" und einmal "Form B".
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221.JPG (88.91 KiB) 584 mal betrachtet
So kann sich das sehen lassen.

grüße

manni

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Re: Meine "Werkstattgeschichten"

Beitrag von banana_joe » So 10. Jun 2018, 11:27

Hallo,

die dazu passenden Schrauben (DIN 88) rausgesucht und geschliffen.

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222.JPG (119.64 KiB) 489 mal betrachtet
Wenn nur alles so leicht gehen könnte.

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225.JPG (99.37 KiB) 489 mal betrachtet
Für die nächste Baustelle den Bock nach hinten gekippt.

Auch im Leben dieses Bauteils gab es mal jemanden der noch nicht wusste das nach fest ab kommt...
Die Beilagscheibe passt genau dazwischen als Abstandhalter.

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227.JPG (75.46 KiB) 489 mal betrachtet
Das ist später an der Unterseite daher: Viel hilft Viel

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228.JPG (93.22 KiB) 489 mal betrachtet
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232.JPG (83.8 KiB) 489 mal betrachtet
Die Schraube muss nicht sehr fest angezogen werden damit es ordentlich klemmt, ausprobiert > die Lötstelle hält.

Nun zur Labyrinthscheibe, der Schaden geht auf mein Konto.

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235.JPG (85.35 KiB) 489 mal betrachtet
Den Filzring herausgeholt.

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236.JPG (98.3 KiB) 489 mal betrachtet
Der sitzt in einer V-förmigen Nut, mein Plan beinhaltet mal wieder Messing Hartlot und die Drehe.

Ausbohren:

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238.JPG (99.12 KiB) 489 mal betrachtet
Einen passenden Ring gemacht mit der Hälfte der weggebrochenen Nut, Ring eingelötet und plangedreht.

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239.JPG (78.27 KiB) 489 mal betrachtet
Bei diesem Projekt ist viel zu drehen, die Halter die noch rumliegen habens hinter sich, ich habe mir drei Wendeplattenhalter gekauft, ich finde die Handhabung sehr schwierig, die Inserts gehen bei mir Grobmotoriker schnell kaputt und sind teuer.

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244.JPG (74.38 KiB) 489 mal betrachtet
Den Filz einfädeln, ist besser geworden als gedacht.

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246.JPG (80.66 KiB) 489 mal betrachtet
Montage:

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247.JPG (58.91 KiB) 489 mal betrachtet

grüße

manni

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DerRestaurator
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Re: Meine "Werkstattgeschichten"

Beitrag von DerRestaurator » So 10. Jun 2018, 11:46

Respekt :respekt:

Ich finde Du gehst da höchst proffessionell ran!
Gut, ich hätte die Teile vllt erst dünn grundiert und dann gefügt, die Lackierung im Ganzen entspricht aber wieder dem Original.

Mach bitte weiter so und berichte bitte weiter!

:hi: Philipp
Das Gefährlichste ist das Leben als solches - und immer mit Todesfolge!

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Re: Meine "Werkstattgeschichten"

Beitrag von Dr. No » So 10. Jun 2018, 23:45

Die Lötarbeiten gefallen mir sehr. Muß ich auch mal probieren.
ich habe mir drei Wendeplattenhalter gekauft, ich finde die Handhabung sehr schwierig, die Inserts gehen bei mir Grobmotoriker schnell kaputt und sind teuer.
Kenn ich :-)

Und die Klemmschrauben sind auch sowas von klein...
Eine hat meine Frau wiedergefunden, nachdem ich ihr den kompletten Inhalt der Spänewanne auf den gläsernen Wohnzimmertisch gekippt hatte. Wundert mich heute noch, daß ich das durfte :-)

Grüße

Peter

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Re: Meine "Werkstattgeschichten"

Beitrag von banana_joe » So 17. Jun 2018, 19:19

Hallo,
DerRestaurator hat geschrieben:
So 10. Jun 2018, 11:46
Respekt :respekt:

Ich finde Du gehst da höchst professionell ran!
So professionell wie es vielleicht aussieht ist das nicht, ich verwende irgend ein Messinglot dass teilweise nicht so toll zu verarbeiten ist. Wenns aufgebraucht ist werde ich mir mal was definiertes kaufen.

Nächste Runde: Der "Gegenring" zum Labyrinthring hat sich scheinbar mal auf der Welle gedreht, es gäbe eine Passfeder, das wurde aber bei diesem Modell nicht ausgeführt.

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248.JPG (87.24 KiB) 313 mal betrachtet
Da es kein Guss ist wird geschweißt.

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249.JPG (70.98 KiB) 313 mal betrachtet
Nähte wegdrehen mache ich mit einem alten gelöteten HM Meißel,(da ist es egal wenn ein Stück ausbricht) die Scheidplatten (jedenfalls die ich habe) mögen den unterbrochen Schnitt von dem harten Zeugs nicht.

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252.JPG (65.03 KiB) 313 mal betrachtet
Anprobe:

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254.JPG (97.8 KiB) 313 mal betrachtet
Das passt schon mal.

Auf der Gegenseite gab es eine komplett andere Konstruktion, hier konnte keine Schleifscheibe gespannt werden sondern nur ein Ring, vermutlich hat hier einer der Vorbesitzer was gebastelt.
Mit sowas kann ich nichts anfangen ich werde den Gegenring zum Labyrinthring neu anfertigen um Standard Schleifscheiben spannen zu können.
Material ist bestellt, in der zwischenzeit werden die Schutzhauben entrostet. Entlackt waren sie schon.

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272.JPG (90.22 KiB) 313 mal betrachtet
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273.JPG (85.5 KiB) 313 mal betrachtet
Schauben dazu gesucht und gerichtet.

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276.JPG (82.59 KiB) 313 mal betrachtet
Die Teile werden probehalber zusammengesteckt.

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277.JPG (86.1 KiB) 313 mal betrachtet
Sieht schon langsam wieder nach Schleifbock aus.

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278.JPG (98.04 KiB) 313 mal betrachtet
Die Mutter der rechten Seite: Für was hier ein Stück abgeschnitten wurde wissen auch nur die Götter...

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258.JPG (112.76 KiB) 313 mal betrachtet
90mm Standard Baustahl ist genug auf Lager also neumachen.

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260.JPG (104.61 KiB) 313 mal betrachtet
Die einzige Herausforderung ist das beim Hülsenteil sehr viel Material weg muss, (von 90 auf 30) was lange gedauerd hat.
Das Feingewinde ist (soweit ich mich noch erinnern kann) das gleiche wie auf der Ölablasschraube vom Traktor, so kann ich die Schraube als Lehre benutzen.
Mein neuer gebrauchter Innengewindemeißel hat sich als Glücksgriff herausgestellt, das gewinden ging sehr zügig und sieht optisch gut aus.

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301.JPG (70.52 KiB) 313 mal betrachtet
Den Flansch habe ich vorher noch entrostet, passen gut zusammen, die Löcher für den Stirnlochschlüssel muss ich noch bohren.


grüße

manni

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Re: Meine "Werkstattgeschichten"

Beitrag von astoba » So 17. Jun 2018, 20:07

Servus

tolle Berichte und gut gemacht, freut mich immer sowas zu sehen.

Gruß Mike

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