Reitstock stark verschlissen

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Edelherb
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Reitstock stark verschlissen

Beitrag von Edelherb » Di 12. Mai 2020, 22:06

Hallo!

Ich brauche wieder mal einen Rat von den Fachleuten:

Bei der kürzlich gekauften Magdeburg D 30 ist der MK 3 im Reitstock verschlissen, aber sowas von versaut, da denkt man bald, es wollte jemand ein Gewinde reinschneiden... ganz schlimm.
Ich hab das schon gesehen, hab mir da aber ehr weniger Sorgen gemacht.

Heute vom Freund eine Reibahle MK3 besorgt, und wollte das nachreiben.
Erst mit der Hand gedrückt und gedreht, nimmt keinen Span ab.

Dann hab ich den Anpressdruck etwas erhöht, also die Reibahle gegen eine Spitze gedrückt, und mit einem 15er Maulschlüssel gedreht, da passiert garnichts.

Ev. gehärtetes Material.
Oder hab ich da was falsch gemacht?

Also so 0,3 mm müssen da schon insgesamt bestimmt raus, damit das ordentlich wird,
ich will das auch ordentlich haben, weil ich relativ viel bohre.

Und dann, (ev. muss ich fragen, ob mir das jemand schleift),
wäre noch eine Frage:

Bohrer und diese Kegeladapter haben ja hinten so ein flaches Teil, damit sich das nicht im Reitstock mitdrehen kann.
Da ist aber in dem Teil vom Reitstock gar nichts drin??? Also das Gegenstück zur Fläche.
Das ist bis hinten alles rund.

Ist das normal, war das früher so?

Der Reitstock, also das Grundteil, denke ich, gehört zur Maschine, aber da wurde eben auch schon einiges umgebaut und repariert.

Oder gab es noch andere Methoden, den Bohrer zu arretieren?

Es gibt da ja eine Öffnung, also durchgehend, das Langloch, womit man die Bohrer mit dem Keil austreibt.
Das ist in dem Teil drin, wird aber eigentlich nicht benötigt,
weil der Bohrer oder Kegel durch die Spindel ausgetrieben wird.

Für mich passt das irgendwie nicht so recht zusammen.
Oder gibt es da wie Einlegestücke, die man durch die "Schlitze" in die Spindel legt, die den Bohrer arretieren?
Das wäre für mich zumindest denkbar, weil das so etwa von der Position passen könnte.

Ich ahne schon, dass ich morgen mal paar Foto´s machen muss,
kein Problem, mache ich gern.

Viele Grüße,
Steffen!

huehnerfreund
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Re: Reitstock stark verschlissen

Beitrag von huehnerfreund » Di 12. Mai 2020, 22:19

Entweder du hängst mit der reibahle auf der spindel drauf oder das Ding ist gehärtet
Der austreiblappen dient glaube ich auch nicht als verdrehsicherung.
Ggf musst du deinem Kumpel eine neue reibahle
Besorgen...
Spindelpresse
Fischer Drehe
STW 550 Hobel
Gotha WZ Schleifmaschine
Stanko 6T80sch
Berlett Bügelsäge
Feilmaschine
Härteofen
Flachschleife FSW 200x600
BT12

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gerhard_56
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Re: Reitstock stark verschlissen

Beitrag von gerhard_56 » Di 12. Mai 2020, 22:38

Bei meinem Reitstock passen auch MK-Bohrer mit Austreiblappen, allerdings kann ich den Reitstock nicht mehr zurück fahren, da die Bohrer dann hinten anstossen und ausgeworfen werden. Bei Werkzeugen ohne den Lappen kann ich auf der Skala bis 0 zurück drehen, drehe ich weiter, werden die auch ausgedrückt.

Gehalten werden die Werkzeuge nur vom Konus, der sollte aber Öl und Fettfrei sein. Die Werkzeuge setze ich mit leichtem Schwung und einer Drehung ein, sollte eInmal eins durchrutschen, mache mit Tafelkreide ein paar gerade Striche auf den z.B. Bohrerkonus, dann dreht sich der Bohrer nicht mehr mit.

Prüfe den Innenkonus doch einmal mit einer Feile (versaut ist er ja schon), wenn die nicht packt ist der gehärtet und dann wird das mit einer Reibahle nichts.
Viele Grüße, Gerhard


Weiler LZ330

Niklas02
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Re: Reitstock stark verschlissen

Beitrag von Niklas02 » Di 12. Mai 2020, 22:49

Das mit dem bis hinten durchgängigen Kegel ist bei mir auch so, ist aber wie schon geschrieben auch kein Problem, wenn man das Bohrfutter mit ein bisschen Schwung rein schiebt. Bei größeren Bohrern oder wenn sie sich mit drehen lege ich ein Stück Holz davor und dann ein bis zwei Hammerschläge und das Ding ist auch fest, oder man drückt den Bohrer im Stillstand mal gegen das Material/ Futter. Beides ist natürlich nur bei größeren Bohrern oder mit sehr viel Feingefühl zu empfehlen, aber ich denke mal, dass es unter 10mm auch keine Probleme geben sollte, wenn der Konus halbwegs in Ordnung ist. :pfeif:
Ausgeworfen werden die Bohrer bei mir übrigens auch ausschließlich über die Spindel, bei mir ist da gar kein Loch für einen Austreiblappen ;-)
Ich bin kein gelernter Maschinenbauer, ich plane und baue so, wie es mir passt und ICH es für richtig halte...

elmech
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Re: Reitstock stark verschlissen

Beitrag von elmech » Di 12. Mai 2020, 22:54

Hallo. da schaut man doch zuerst, mit einem HSS Schaber oder einer Feile, ob die Spindel weich ist und erst danach knallt man die Reibahle rein! Das sowieso nicht einfach im Reitstock von Hand, sondern Im Dreibackenfutter eingespannt und den Rundlauf mit der Uhr gerichtet! Danach den Kegel auch und etwas Einkürtzen müsste man dann auch noch! 4 /10 mm reibt man aber nicht, ohne zusätzliche Bearbeitung! Da muss man konisch ( Leitlineal oder mit genaue schräg gestelltem Oberschlitten !) vordrehen, oder gleich mit Schleifen arbeiten! Ist die Pinole gehärtet , hast Du eine defekte Reibahle auf dem Tisch! Deshalb leihe ich solche Werkzeuge nie mehr aus !!! Der Lappen ist nur zum Auswerfen vorgesehen und verhindert bei sauberem, ölfreien, einsetzen, ein durchdrehen unfreiwillig! Die Lappen werden schnell mal abgeschert! Freundliche Grüsse Andi

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Radladringa
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Re: Reitstock stark verschlissen

Beitrag von Radladringa » Mi 13. Mai 2020, 08:30

Der Thread kommt mir ganz recht da ich demnächst meinen Reitstock mit einer Reibahle überarbeiten wollte.

Du könntest auch mal mit Tuschierpaste testen wieviel vom Konus des Reitstocks noch greift, du sagst zwar er ist zerrupft aber auch mit ein zwei furchen sollten der Morsekegel noch gut greifen können.


So eine Magdeburg D30 hatte ich damals auch im Visier, wurde aber dann vom hydraulischen Vorschub abgeschreckt :pfeif:
Die Drehe soll ja absolut leise laufen, wie siehts denn da aus mit Gewindeschneiden?
Kann ich da trotzdem eine genaue Steigung einstellen?

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teralu
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Re: Reitstock stark verschlissen

Beitrag von teralu » Mi 13. Mai 2020, 09:07

elmech hat geschrieben:
Di 12. Mai 2020, 22:54
Hallo. da schaut man doch zuerst, mit einem HSS Schaber oder einer Feile, ob die Spindel weich ist und erst danach knallt man die Reibahle rein! Das sowieso nicht einfach im Reitstock von Hand, sondern Im Dreibackenfutter eingespannt und den Rundlauf mit der Uhr gerichtet! Danach den Kegel auch und etwas Einkürtzen müsste man dann auch noch! 4 /10 mm reibt man aber nicht, ohne zusätzliche Bearbeitung! Da muss man konisch ( Leitlineal oder mit genaue schräg gestelltem Oberschlitten !) vordrehen, oder gleich mit Schleifen arbeiten! Ist die Pinole gehärtet , hast Du eine defekte Reibahle auf dem Tisch! Deshalb leihe ich solche Werkzeuge nie mehr aus !!! Der Lappen ist nur zum Auswerfen vorgesehen und verhindert bei sauberem, ölfreien, einsetzen, ein durchdrehen unfreiwillig! Die Lappen werden schnell mal abgeschert! Freundliche Grüsse Andi
Viele Danke Andi
du hast es wieder mal auf den Punkt gebracht. Ich lese deine Kommentare wirklich gerne.
Beste Grüsse Thomas
Drehbank:..............Schaublin 102-VM W25, Schaublin 102 W20, Habegger JH70 W12
Fräsmaschine:......Aciera F3 / F2 W20, Rawyler TF2 W12, Hauser W10
Schleifmaschine:..Strama 75 III, Mafac K100,
Bohrmaschine:......Cincinatti PTM MK2, Aciera 22 VR

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Re: Reitstock stark verschlissen

Beitrag von capstan » Mi 13. Mai 2020, 10:17

Thomas,

bei meiner alten Drehbank war der Reitstock dermaßen verschlissen das ich eine komplett neue Pinole machen mußte.
Zuerst habe ich die Reitstockbohrung auf der eigenen Maschine frich ausgebohrt und anschließend entsprechend eine neue Pinole gedreht.
Um in Zukunft ein Verdrehen der Werkzeuge zu verhindern, habe ich im Bereich des Austreiberlappens zwei 8mm Passstifte senkrecht in die Pinole eingepresst, was sich bis heute einwandfrei bewährt hat. Seit sich die Werkzeuge im Konus nicht mehr durchdrehen sieht der Kegel auch immernoch einwandfrei aus.

Bernd

elias
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Re: Reitstock stark verschlissen

Beitrag von elias » Mi 13. Mai 2020, 10:25

Der Austreiblappen heißt so, weil er wie bereits erwähnt zum Austreiben gedacht ist.
Das Drehmoment muss vom Konus aufgenommen werden. Der Lappen Tordiert sehr schnell, dann sitzen die Werkzeuge oftmals nicht mehr richtig im Konus... hatte ich auch neulich bei der Arbeit, dass der letzte den Austreiblappen dermaßen verformt hat, dass das Werkzeug nicht mehr richtig hielt.

Die neueren Industriedrehmaschinen haben ja meist eine Verdrehsicherung im Reitstock. Das ist nervig beim Einsetzen und wenn man es mal hat, das der Bohrer nur noch davon gehalten wird, verliert der bohrer seine Führung und mit etwas Pech sieht man es nicht sofort...

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Re: Reitstock stark verschlissen

Beitrag von spansau » Mi 13. Mai 2020, 15:30

Es ist auch möglich, daß der Konus so gerieben hat und es zu einer Reib-Verschweißung gekommen ist, aber ohne feste Verbindung der Flächen.
Aufgeworfenes Material der Pinole und auch des Werkzeugkegels haben sich in der Oberfläche festgesetzt und eine Gefüge-Veränderung erfahren, welche einer Härtung gleichkommen.
Und diese Partikel versauen dann jede Reibahle, wenn auch die Pinole nicht gehärtet wäre.

Ich würde erst einmal hineinschauen, ob nicht einige solcher Punkte mit einer Diamant-Löffelfeile zu überarbeiten gehen, bevor das große Besteck dran muß.
Gruß
Max

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