Chipmaster von Colchester

Markus_
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Chipmaster von Colchester

Beitrag von Markus_ » Fr 4. Jan 2019, 22:34

Hallo zusammen,

mein Name ist Markus.

Ich habe mir im letzten Jahr eine Colchester 5x20 Chipmaster gekauft.
Maschinennummer ist: G2188, also müsste sie Baujahr 1962 sein.
Ich besitze eine deutsche Gebrauchsanweisung und die Kopien die man im Internet aufrufen kann.

Die Maschine hat leider ein, na ich sags mal so, eher unschönes Leben hinter sich.

Kein Motor mehr
Kein Variogetriebe mehr
Der Hebel zum ein- und auskuppeln fehlt.
Inklusive der Teile im Spindelstock die dazu gehören.
Bremse kaputt.
Kupplung unbrauchbar gemacht.
Wellendichtringe kaputt.
Gewindeuhr kaputt.
Elektrik – reden wir gar nicht erst von.

Gut, sie war günstig, nicht weit weg und ich hab eh was zum basteln für den Winter gesucht.
Provisorisch habe ich mal einen 2KW Motor mit Frequenzumrichter eingebaut. Bis auf den Ölverlust an den Wellen läuft eigentlich alles ganz gut und schön rund.
Später bekommt das Schätzchen dann einen 4KW Antrieb.

Ich habe jetzt damit begonnen die Chipmaster zu zerlegen und wieder frisch zu machen.
Bilder dazu hänge ich unten an.

Vielleicht kann mir jemand hier aus dem Forum helfen, indem er eine Liste der Wellendichtringe und O-Ringe mit Bemaßung in mm hat. Aus den Betriebsanleitungen werde ich nicht richtig schlau.
Das würde mir echt weiterhelfen.
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Schöne Grüße
Markus

elmech
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Re: Chipmater von Colchester

Beitrag von elmech » Fr 4. Jan 2019, 23:01

Hallo, da staune ich schon mal wieder und sehe, was ich mit Kopfschütteln abtun wollte, verwandeln Andere wieder in sehr schön restaurierte Maschinen! Bitte, bitte, nimm die Teile von dem Tablarchen runter und lagere sie gut ein! Ich sehe so Ablagen mit schaudern und mögen sie auch stabiler sein, als sie den Eindruck erwecken. Aber diese Drehmaschine mit dem Keilförmigen Ständer und der gleich, angepassten Maschine, ist echt ein Unikat und zeigt, dass da mal auch an Festigkeit und Präzision durch den Sockel, gedacht wurde! Ich hoffe, Deine Revision gelingt und Du hast damit den gewünschten, Erfolg! Danke für den Beitrag! Freundliche Grüsse Andi

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Technikfreak L
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Re: Chipmater von Colchester

Beitrag von Technikfreak L » Sa 5. Jan 2019, 00:12

Hallo,

In dieser englisch Anleitung hatte jemand mal die Maße zu allen, (oder zumindest den meisten) Dichtringen dazu geschrieben. Natürlich in Zoll.
https://onedrive.live.com/view.aspx?cid ... pp=WordPdf

Die Angaben in den Klammern der Ersatzteileliste sind nur die Teilenummern von Colchester, ganz am Ende der Anleitung sind die Normteile aber noch einmal extra mit Abmessungen aufgelistet.

Zöllige Radialwellendichtringe bekommt man z.B. bei SKF. Ich weiss aber nicht wie viel die dort kosten.
Drehbank: Emco Compact 8
Bohrmaschine: Interkrenn TB13 Klon

mein Gebastel in bewegten Bildern

Gullideggl
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Re: Chipmater von Colchester

Beitrag von Gullideggl » Sa 5. Jan 2019, 00:39

Hallo Markus,

wie du vielleicht schon hier beim Stöbern gelesen hast, habe ich auch eine Chipmaster 5x20. Ich habe die komplett metrische Variante mit Joystick. Die Bremse und Kupplung waren schon stillgelegt, der Motor + Variator fehlten.
Mein Umbau auf 4kw-Motor + Frequenzumrichter + Bremswiderstand lässt im Grunde keine Wünsche offen und daher kriegt sie derzeit eine Digitalanzeige.

Wenn du Fragen hast zum FU-Umbau, da kann ich dir gern ein paar Ratschläge geben. Ansonsten schraube ich bisher recht wenig an der Maschine, die läuft zuverlässig und gut, ist halbwegs dicht und ein echtes Arbeitstier.

Grüßle Jo

Gullideggl
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Re: Chipmater von Colchester

Beitrag von Gullideggl » Sa 5. Jan 2019, 09:42

ich nochmal...

Weil es ja mittlerweile extrem wenig Chipmaster zu geben scheint und auch die Informationen dünn gesät, wäre es super, das ein klein wenig zu bündeln. Ich könnte nochmal zusammenfassend den FU-Umbau berichten, zeigen, wie ich die Digitalanzeige nachgerüstet habe, vielleicht hat meine was was andre nicht haben usw.

Insgesamt ist der Zustand meiner Maschine zwar stark gebraucht aber doch noch sehr in Ordnung. Öl verliert sie nur im Rückwärtslauf viel so dass es sifft, ansonsten bildet sich hald ein Ölnebel aber sie tropft nur ganz wenig. Und seit ich sie habe, hat sich das nicht geändert.
Trotzdem werde ich irgendwann auch da ranmüssen. Ich habe nicht vor, die Maschine wegzugeben aber wenn ich doch mal eine größere brauche, gebe ich sie in besser Hände, statt sie zu missbrauchen.

Karl hier aus dem Forum (morus) hat mir schon extrem viel geholfen, ich glaube er hat seine Maschine auch schon weitgehend komplett abgedichtet und dürfte die Maße der wichtigsten Ringe haben.

Jedenfalls wünsch ich dir viel Freude mit der Maschine! Wenn sie gut läuft, wirst du sie mögen.

Grüßle Jo

Markus_
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Re: Chipmater von Colchester

Beitrag von Markus_ » Mo 7. Jan 2019, 22:13

Hallo,
also ich hab mir einen 4KW China FU zugelegt.
Die ganze Elektrik soll dann in den Werkzeugschrank im Untergestell.
Oben an die Maschine kommt ein Poti und an die Hauptspindel ein Tachometer.

Die O-Ringe und Wellendichtringe hab ich bestellt, die sollten diese Woche kommen.
Wenn die Sachen da sind kann ich den Spindelstock zusammenbauen.

Grüße Markus
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morus
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Re: Chipmater von Colchester

Beitrag von morus » Di 8. Jan 2019, 09:57

Hallo Markus,

ein herzliches Willkommen im Kreis der Chipmaster-Besitzer.

Die von Dir aufgeführten Schäden hören sich schlimmer an, als sind sind. Für den privaten Gebrauch lohnt es sich immer, eine Chipmaster zu reparieren.
Spröde Wellendichtringe sind bei dem Alter üblich und relativ leicht ersetzbar.
Schade um das kaputte Zahnrad der Gewindeuhr, aber da sie praktisch nie gebraucht wird, würde ich die Gewindeuhrwelle dauerhaft ausgebaut lassen.
Der Umbau auf Frequenzumrichter beinhaltet den Rest der zu behebenden Schäden.

Haben die Vorgänger nach dem Entfernen des Kupplungsgestänges die dazugehörige Bohrung im Schlosskasten verschlossen?

Ist im Schlosskasten die rückseitige Bohrung für die Welle zum Einstellen der Vorschubart (Längs- oder Planvorschub) irgendwann einmal ausgebuchst worden?
Das Ausgangszahnrad des Schlosskastens sieht recht mitgenommen aus. Versuche die Zahnstange tiefer auszurichten.
Danach wird immer noch viel Spiel im Handrad für die Längsbewegung sein, was an den Achsabständen im Schlosskasten liegt. Für einen anderen Chipmasterbesitzer habe ich etliche Bohrungen im Schlosskasten neu positioniert aufgebohrt und ausgebuchst (nach dem Läppen der Wellen).

Prüfe vor dem Einbau der neuen Wellendichtringe, ob der Verschleiß der Wellen innerhalb des Bereichs liegt, den die jeweiligen Wellendichtringe erfordern. Bei der Ausgangswelle aus dem Spindelstock meiner Chipmaster konnte der neue Wellendichtring nicht mehr dichten, weil die Welle an der Stelle minimal zu viel verschlissen war.

Vor dem Zusammenbau empfehle ich das Spiel aller Wellen und dazugehörigen Bohrungen in Spindelstock und Vorschubgetriebe zu dokumentieren - und wo nötig auszubuchsen.
Die Ausgangsbuchsen des Nortongetriebes (für Leit- und Zugspindel) sind meist so sehr verschlissen, dass dort Öl ausläuft.

Der Werkzeugschrank ist ausbaubar, damit man zu Wartungszwecken von dort aus an den Motor kommt. Nachdem die Elektrik im Werkzeugschrank untergebracht ist, wird der Werkzeugschrank dann noch ausbaubar sein?

Kannst Du Fotos von der Einstellmechanik für den Spindelstock aufnehmen (Spindelstock von unten und die Exzenterschraube im Bett)?

Auch wäre interessant zu verstehen, wo und wie genau die Einstellung der Spindellager vorgenommen werden soll.

Hast Du die originale deutschsprachige Betriebsanleitung in Papierform?

Mit netten Grüßen
Karl

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Re: Chipmater von Colchester

Beitrag von Markus_ » Di 8. Jan 2019, 20:46

Hallo,

Mal sehen ob ich die Fragen alle beantworten kann.

Bohrung im Schlosskasten.
Die Schaltstange war noch im Spindelstock festgeschraubt und der Schalthebel wurde abgeflext.
Das lass ich auch so.

die rückseitige Bohrung für die Welle zum Einstellen der Vorschubart
Nein die ist nicht ausgebuchst worden. Hat aber auch kaum Spiel.

Das Ausgangszahnrad des Schlosskastens sieht recht mitgenommen aus. Versuche die Zahnstange tiefer auszurichten.
Guter Tip werd ich machen.

Die Ausgangsbuchsen des Nortongetriebes
An der Stelle ist das Norton Getriebe nur ganz leicht feucht. Damit kann ich leben.

Der Werkzeugschrank.
Der bleibt dann fest drin. Das Ausbauen war wohl eher dazu um an den Zahnriemen zwischen Motor und Variator zu kommen das fällt bei mir ja eh weg. Dafür ist das ein Schöner Platz um die Elektrik zu verstecken und man kommt nachher schön dran.

Einstellmechanik für den Spindelstock
Mechanik gibt es da keine. Der Spindelstock ist über einen Passstift zentriert.
Zum einstellen des Spindelstocks werden die Befestigungsschrauben gelöst und der Spindelstock wird nachjustiert.

Zum einstellen der Lagerspiele kann ich nicht so viel sagen. Beim auseinanderbauen war die Hakenmutter der Spindel (Futterseite) handfest angezogen und mit einer Scheibe gesichert, dass werde ich auch so wieder machen. Eben grade so, dass kein merkliches Spiel in der Spindel ist. Kann auch sein das das falsch ist.
Das entsprechende konische Lager auf der Gegenseite ist in Längsrichtung frei und wird durch Federn in Position gehalten.

Lagerspiele kann ich leider nicht dokumentieren. Da fehlt es mir an den nötigten Messmitteln.

Mit freundlichen Grüßen


Markus
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Den Sitz des Passstiftes hab ich mal rot markiert:
InkedIMG_20190108_193315_LIs.jpg
Die Spindel mit der Hakenmutter. Sonst kann man da, glaube ich, nichts weiter einstellen.
IMG_20190108_193300.jpg
Der Lagersitz auf der Spindelrückseite.
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Markus_
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Re: Chipmater von Colchester

Beitrag von Markus_ » Sa 26. Jan 2019, 16:57

So, der Spindelstock ist fertig:
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IMG_20190126_163443.jpg
IMG_20190126_163453.jpg
Und das Norton Getriebe schon mal aufgemacht.
Ganz schön viel Schmodder am Boden:
IMG_20190126_164724.jpg
IMG_20190126_164750.jpg
IMG_20190126_164735.jpg
mfg
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bobber
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Re: Chipmater von Colchester

Beitrag von bobber » Sa 26. Jan 2019, 19:13

Hallo Markus,

ganz schön gewaltig, die Neuerung :respekt:
Echt klasse was du zeigst :thx:
Gruß Florian
- Woran erkennt man einen Dreher? - An den Stahllocken in den Haaren -
Fräsmaschine: Kunzmann UF 6N
Drehbank: Voest DA 250
Bohrmaschinen: Gillardon GB40V und Flott TB16

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