Leinen LZ 43 Grundüberholung

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leowuli
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Re: Leinen LZ 43 Grundüberholung

Beitrag von leowuli » Sa 16. Mär 2019, 20:50

Habe zwischendurch auch mal das Bett vermessen. Nach langem Hantieren mit Haarlineal, Fühlerlehre und Messuhr wurde ich leider nicht sehr positiv überrascht. Das Prisma für den Schlitten ist an der schlimmsten Stelle um 2 Zehntel abgenutzt. Die Reitstockführung ist ähnlich. Der Reitstock extrem ballig und ca 4 zehntel fehlen; am Schlitten fehlt auch so einiges. Der Schlitten leidet unter Slip-Stick in der Bettmitte. Unter den Schlitten kann man 0,04mm Fühlerlehre schieben. Verdrehen konnte man den Schlitten auch ein bisschen, und die Niederhaltung funkioniert auch nicht mehr. Arbeiten mit einer Bohrstange mit großer Ausladung ist so unmöglich. :-(
So langsam freunde ich mich mit dem Gedanken an, das Ding nachzuschaben. :pfeif:
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Nun wird erstmal weiter zusammengebaut. Ich will unbedingt mal einen Span abheben.
Also Spindelstock mit neuem Riemen drauf und laufen lassen. Geschwindigkeiten langsam gesteigert. Vorgelege läuft ruhig, Untersetzungsgetriebe macht ganz schön krach. Nach 15 mit auf 1500 ist das hintere Lager lauwarm, die Vordere warm und das Getriebe sehr warm. Daraus schließe ich dass das vordere Lager nicht perfekt trägt und bei Gelegenheit nachgearbeitet werden sollte. Ein bisschen Öl hat das vordere Lager auch verteilt. Das Getriebe macht mir bisschen Sorgen, ist ja jetzt auch die richtige Menge Öl drin. Wie warm wird das bei euch?
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Weiter geht es mit dem Zusammenbau des Schlittens. Hier sind die Bilder ein wenig dürftig.
Ich habe aber ein Foto vom Planschlitten mit Seriennummer. Kann jmd. bestätigen dass es sich um die 44 darunter um das Baujahr handelt?
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Die Spindeln der Schlitten wollten auch ums verrecken nicht raus gehen. Den Kegelstift und die Kurbel ging ja noch ab aber dann war Schluss. Mit roher Gewalt (dabei immer gut auf das Gewinde aufpassen) hab ich's auseinandergeklopft. Dabei habe ich beide Spindeln vorne stark verdrückt.
Kein Problem, kann man ja abdrehen. Bei genauerem Hinsehen musste ich feststellen, dass diese vorne keglig sind. Kegeldrehen ist auf der Chinadrehe nicht vorgesehen. :-( Aber Moment; habe ich nicht noch einen alten Oberschlitten rumliegen? Er passt von der Höhe gerade noch unter das Werkstück.
Also Eingemessen, Drehstahl drauf und los gehts. Die Kurbel selbst auch nochmal nachgerieben.
Wo man schon mal 1/50 eingemessen hat, kann man auch gleich noch diverse Kegelstifte drehen, für alle Verbindungen wo nach nachreiben Übermaß von Nöten war.
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Ist übrigens eine Wemas AT280
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Und jetzt mal ehrlich. Wer hat gemerkt dass der Lederriemen schon sau alt ist?
Um einen versifften Lederriemen wieder hübsch zu kriegen, werfe man ihn sich übers Knie und bearbeite ihn nicht zu zaghaft mit einer Stahlbürste... Es steigt ein interessanter Geruch in die Nase
Der Stahlverbinder ist natürlich immer noch drin. Bleibt er auch bis die Kiste fertig ist. Danach werde ich ein Stück Leder einsetzen. Der Riemen hat auch schon (Kuhaut begrenzt lang) einige Klebstellen. Bis dahin habe ich die Stelle mit Isolierband abgedeckt, damit es etwas weicher läuft.
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Eisenwut
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Re: Leinen LZ 43 Grundüberholung

Beitrag von Eisenwut » Sa 16. Mär 2019, 21:04

Sehr warm oder heiß?
Kannst Du die Hand bequem drauf legen ohne Schmerzen?
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leowuli
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Re: Leinen LZ 43 Grundüberholung

Beitrag von leowuli » Sa 16. Mär 2019, 22:36

Auf das Spindellager kann man bequem die Hand auflegen, bei dem Getriebe geht es gerade noch dauerhaft die Hand drauf zu lassen. Ob das nach 30 min auch noch so ist weiss ich nicht. Kann mir aber auch nicht erklären, was da so eine Wärme produzieren würde. Kann mir eig nur die Kupplungsscheiben selber vorstellen.

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Re: Leinen LZ 43 Grundüberholung

Beitrag von GT-Karl » Sa 16. Mär 2019, 23:47

Das mit dem Baujahr 1944 sollte schon hinkommen! Eine Maschine mit der Seriennr. 17743 ist im August 1946 ausgeliefert worden. Da in jener Zeit aus nachvollziehbaren Gründen nicht allzuviele Maschinen gebaut worden sein dürften, ist das Baujahr 1944 plausibel !

Es gab die LZ43/40 mit automatischem Planzug, als Model LZ43P

Der Verschleiß der Schlittenführung ist natürlich nicht schön, da gibt es dann aber eine Menge zu schaben ;-)! Spass beiseite, ob sich das Schleifen des Maschinenbettes lohnt?

Gruß

Karl Hübben

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Re: Leinen LZ 43 Grundüberholung

Beitrag von Eisenwut » So 17. Mär 2019, 19:01

leowuli hat geschrieben:
Sa 16. Mär 2019, 22:36
Kann mir eig nur die Kupplungsscheiben selber vorstellen.
Hm..
Die Spindel-Lager-Temperatur klingt okay, aber das Getriebe...
Kannst Du mal beide Riemen entspannen und dann das Getriebe durchdrehen?
Wie deutest Du den Widerstand?
Leichtgängig, zäh, schwer?

Der Gedanke mit den Kupplungsscheiben ist eine Überprüfung wert.
Wird das Getriebe in beiden Stufen gleich schnell warm?
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leowuli
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Re: Leinen LZ 43 Grundüberholung

Beitrag von leowuli » So 17. Mär 2019, 20:18

Dass die Drehe noch unterm Krieg gebaut wurde, wirft natürlich ein anderes Bild auf manche Sachen. Erstaunlich wie akkurat trotzdem gearbeitet wurde.

Zum Schaben:
Schleifen habe ich mir auch überlegt. Wenn die Reitstockführung noch gut wär würd ich einen Schleifer an den Reitstock anbauen. Leider ist der auch deutlich abgenützt. Da ich keine Flachschleifmaschine habe bleibt nur schaben. Wie lange das dauert? Keine Ahnung es wird das erste Mal sein. So einige hundert Stunden stecken eh schon in der Drehkiste :pfeif: Habe inzwischen mal die Oberseite des Oberschlittens plan geschabt um mit der Technik vertraut zu werden. Hat soweit gut funktioniert. Bin gerade dabei das Equipment aufzurüsten. Ich suche noch ein Stück Gusseisen (mind 1m lang) um mir ein ordentliches Tuschierlineal zu basteln...


Ich habe selbstverständlich mein Getriebe so einige Male duchgedreht. Habe einen Teil des Wiederstandes auf meinen O-Ring-RWDR geschoben. Die Kupplungsscheiben machen natürlich auch Wiederstand ohne dass gekuppelt ist (So slip-stick mäßig). Habe das für gut befunden. Nun da endlich mal die Passfeder für die Kupplungsstange gekommen ist, kann ich ggf die Kupplung nochmal auf mehr Leerlauf einstellen. Bzw ich warte bis ich den Oberschlitten beisammen habe und mal eine Runde Drehen kann. Ob Untersetzung oder Direktantrieb einen Unterschied macht, muss ich noch prüfen.

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Re: Leinen LZ 43 Grundüberholung

Beitrag von q-michael » Mi 20. Mär 2019, 21:20

Hallo,

auf meiner steht 19686, aber ohne Baujahr.
In der PDF-Anleitung, die ich zur LZ43 habe steht Maschine Nr 19152 mit Auslieferungsdatum 03/1951.

VG Michael

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Re: Leinen LZ 43 Grundüberholung

Beitrag von GT-Karl » Mi 20. Mär 2019, 21:55

Mit dem Schleifen meinte ich natürlich das Nachschleifen des gesamten Maschinenbetts incl. Spindelstockführung , danach käme dann noch das Einschaben der gesamten Flächen, aber die grobe "Unebenheit" wäre beseitigt und das Schaben ginge deutlich schneller. Meistens lohnt das nicht für so alte Maschinen, es sei denn man hat einen Betrieb der die Schleifarbeiten günstig und trotzdem mit bester Qualität ausführt!

Zwei Zehntel Millimeter über diese Länge schaben braucht eine Menge Zeit, eine richtige Menge!! Dazu noch entsprechende Messwerkzeuge und eine gehörige Portion Gefühl für den Job. Ich habe vor vielen Jahren große Flächen (Wellenlager) geschabt und würde mir das heute wohl nicht mehr zutrauen :-( !

Kommt halt drauf an was du mit der Maschine machen möchtest, welche Präzision dir vorschwebt! Eine Menge Arbeit hast du ja schon reingesteckt! Und wer hätte es nicht gerne ganz genau ;-) !

Ich bin mal gespannt wie es weitergeht, und hoffe mal , dass du weiter darüber berichtest !

Gruß und gutes Gelingen

Karl

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Re: Leinen LZ 43 Grundüberholung

Beitrag von leowuli » Mo 25. Mär 2019, 12:05

Dass Schleifen nur die nötige Schaberei reduzieren soll ist schon klar. Im Moment denke ich auch noch über hobeln nach. Aber alles zu seiner Zeit. Zuerst brauch ich mal ein ordentliches Tuschierlineal und dafür ein Stück Gusseisen. Mein Granitsteinchen aus China ist jedenfalls schon eingetroffen... :-D
Die Schaberei habe ich am Oberschlitten mal ausprobiert. Den Bolzen habe ich erstmal dringelassen, wär ja sonst zu einfach.
Irgendwann musste er doch weichen. Die Unterseite sieht schrecklich aus.
Jedenfalls ist der Support wieder beisammen, wenn ich auch manche Sachen auf später verschoben habe. Jetzt noch schnell die Spindelstockabdeckung drauf und mal ein paar Späne produzieren :runningdog:
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Bild nach ein paar Durchgängen.
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:cry:
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Re: Leinen LZ 43 Grundüberholung

Beitrag von drehwurm » Do 28. Mär 2019, 12:55

Hallo,
sehr schöner und wertvoller Bericht bis jetzt, vielen Dank.
Ich habe eine "LZ 43 P" die ich im Moment auch überhole und daher teilzerlegt habe.
Bei Interesse mache ich mal ein paar Bilder der mechanischen Verbindung zum Planzug.
Vielleicht kannst du das nachbauen.

Gruß Danny

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