Spindellager (Gleitlager) am Beispiel "ARISTON" einstellen

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spansau
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Re: Spindellager (Gleitlager) am Beispiel "ARISTON" einstell

Beitrag von spansau » Di 4. Mär 2014, 17:54

42crmo hat geschrieben:Dazu kommt das die Lagerspannmuttern eine Steigung besitzen die samt Hakenschlüssel
keine besonders feinfühlige Einstellung zulassen.
*** Wenn Du die zu lösende Mutter lockern willst, dann klopfe mit einem Schonhammer so auf den Schlüssel, damit sie sich zwar in die gewünschte Richtung bewegt aber nicht soweit löst, daß sie frei von Hand drehbar ist. Das Gleiche machst Du mit der Gegenmutter, nur daß Du diese soweit fester nachziehst (-klopfst). Man muß sie ja nicht mit aller Gewalt anknallen. Die Muttern bleiben also immer etwas unter Spannung. So kann man geringste Verstellungen feinfühlig erreichen.
42crmo hat geschrieben:Viel Geduld sollte man beim Gleitlager einstellen auch haben.
Das unterstreiche ich.
42crmo hat geschrieben:Dazu kommt noch das einige so wie ich etwas grobmotorisch veranlagt sind.
Deshalb wäre ein Startmaß schon brauchbar.
Ich weiß nicht, ob es hierzu allgemeingültige Tabellen gibt. Vieleicht eher herstellerspezifische Angaben, eben individuelle Erfahrungswerte. Und da wird man bei alten Maschinen wohl nicht viel finden.
42crmo hat geschrieben:Jedenfalls bekommt man durch die Reibung erst dann Hitzeklemmer wenn das Spiel eh schon
deutlich zu klein ist.
Deshalb, wenn die Maschine ja soweit mit zu großem Spiel läuft, erst auf Betriebstemperatur bringen, dann nach obiger Beschreibung *** vortasten.
Gruß
Max

42crmo
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Re: Spindellager (Gleitlager) am Beispiel "ARISTON" einstell

Beitrag von 42crmo » Di 4. Mär 2014, 20:39

Es gab seinerzeit mal Herstellerangaben zur Einstellung des Lagerspiels.
Leider ist im Lauf der Geschichte vieles untergegangen.
Gut das es hier wesentlich um eine Ariston geht.
Bei meiner Kärger wärst du mit 140mm !! Lagerschalen konfrontiert die es auch mit Hakenschlüssel einzustellen gilt. Mit dem Schonhammer löst sich da eine geklemmte Spindel überhaupt nicht mehr.
Letztendlich habe ich einen Spindelstock einer Weiler CNC Maschine angebaut.
Vom Endergebnis hat sich das extrem gelohnt.
Nur die Optik ist gruselig aber komplett ohne Beschädigung der Originalsubstanz rückbaubar.
Tatsächlich darf man bei solchen Gleitlagern Abstriche in jeder Beziehung machen.

Jedenfalls finde ich es sehr gut das du die Anleitung gemacht hast.
Das hilft Einsteigern in der Materie gut weiter.Die Feinheiten sind halt Lernen durch Schmerz.
Wenn alles immer 100% funktioniert, wäre unser Hobby nicht so Interessant.

Michael

diggi
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Re: Spindellager (Gleitlager) am Beispiel "ARISTON" einstell

Beitrag von diggi » Di 18. Mär 2014, 22:58

Hi,

ich würde mich hier gern mit einem konkreten Beispiel dranhängen! Die Wotanette kennt ihr ja schon!?

Mich hats gepackt und ich hab die hintere Spindellagerhülse mal aufgemacht. Irgendwie sieht die Lagerung jedoch anders aus als bei der Ariston Drehmaschine von Max. Erstmal Bestandsfotos:
IMAG1915 (Medium).jpg
IMAG1921 (Medium).jpg
IMAG1920 (Medium).jpg
IMAG1917 (Medium).jpg
Die werkzeugseitige Lagerung muss ein Konuslager sein, das geht wohl nicht anders. Die Rückseite hatte ich mir wie bei der Ariston vorgestellt: Die Lagerhülse oder Lagerträger wird mit der jeweils einer Mutter (aussern ist es dieser dosenartige) im Spindelstock fixiert. Dann nur noch mit einem Mutternpaar die Spindel gegen das Axiallager - spielfrei - ziehen, kontern und fertig. Nun sind bei der Wotan Fräse aber "innen" zwei Muttern und in der Dose ist auch noch eine Art verstellbare Anlaufscheibe, also den hinteren Dekcl kann man auch noch auseinanderschrauben. Könnt ihr euch da einen Reim drauf machen?

Kann es sein, dass das Radialspiel am hinteren Lager auch einstellbar ist? Möglicherweise ist das lager selbst aussen konisch und lässt sich durch eine von den inneren Muttern enger holen? Dennoch erschließt sich mir der Sinn der hinteren Deckelmutter nicht...

Ob ich das Ganze mal weiter zerlegen soll? Noch ist ja nix verstellt...
Gruß
Dirk

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Re: Spindellager (Gleitlager) am Beispiel "ARISTON" einstell

Beitrag von 42crmo » Sa 22. Mär 2014, 11:23

Als kurze Ergänzung um welche Grössenordnungen es sich bei der Lagerspieleinstellung handelt
und weil ich gerade eine Betriebsanweisung für eine Kärger Gleitlagerdrehe bekommen habe(vielen Dank nochmal) hier ein aufschlussreicher Satz aus besagter Anleitung:
Bei richtiger Einstellung darf
die Arbeitsspindel, bei seitlicher Druckgabe, nur 0,005 bis höchstens 0,01 mm abweichen.
Ein zu strammes Einstellen hat Heißlaufen oder Fressen zur Folge.
Wobei leider nicht die Kraft und Ort der seitlichen Druckbelastung angegeben wurde.
In diesem Bereich dürften wohl alle Gleitlagerdrehen mit Ölschmierung liegen.

Michael

diggi
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Re: Spindellager (Gleitlager) am Beispiel "ARISTON" einstell

Beitrag von diggi » Sa 22. Mär 2014, 20:16

Hi Michael,

danke für die Info. Da schein wirklich eine Menge Probieren ein ordentlich Feingefühl nötig zu sein... :o

Meine obige Frage habe ich mE mir heute beantwortet!
Da es imho zum Thema passt und falls es von Interesse ist: Im Spindelstock sitzt die Lagerhülse (LH), darin ein aussen konisches, geteiltes Gleitlager, dass mit der äußeren (IM Spindelstock) der beiden Überwürfmuttern in die Hülse, also weg von der Werkzeugaufnahme gedrückt wird. Dadurch lässt sich das das Radialspiel einstellen. Die innere Überwurfmutter klemmt nur - zusammen mit der "Dose" aussen - die Lagerhülse im Spindelstock.

An die Spindel selbst ist die Axiallagerscheibe angeschraubt und gekontert. Durch Verschieben der Lagerhülse (LH) mittels Überwurfmutter/Dose lässt sich das Axialspiel weg von der Werkzeuseite einstellen. Meinen Denkfehler hatte ich bei dem Deckel der Dose! Das Axialspiel in Richtung Werkzeugseite muss ja, z.B. zum Bohren auf aufgefangen werden. Das wird dann über den Dosendeckel justiert und mit der großen Mutter festgesetzt.

Ich war der Meinung, dass der Axialdruck beim Bohren nur vom "vorderen" Konus aufgfangen wird, aber so wie ich das sehe, kann das Konuslager nur Radialkräste aufnehmen, oder?

Sorry für die seltsamen Begrifflichkeiten - ist irgendwie schwer zu beschreiben...

Das war jetzt die Theorie, mal sehen wie es dann tatsächlich mit der Einstellung klappt :o Das beschreibe ich dann aber im WOTAN-Thread.
Gruß
Dirk

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spansau
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Re: Spindellager (Gleitlager) am Beispiel "ARISTON" einstell

Beitrag von spansau » Sa 22. Mär 2014, 20:35

Hallo Dirk,
axiale Kräfte müssen vom Axiallager aufgefangen werden. Bei konischen Wellen würden die Kräfte die Lagerluft zudrücken und das Lager würde durch die enorme Keilwirkung ohne Luft und Schmierung laufen, die Folgen wären auf die Dauer fatal.
Gruß
Max

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Re: Spindellager (Gleitlager) am Beispiel "ARISTON" einstell

Beitrag von diggi » Sa 22. Mär 2014, 20:49

Hallo Max,
spansau hat geschrieben: axiale Kräfte müssen vom Axiallager aufgefangen werden


Und das in beide Richtungen also Druck und Zug, oder!?
spansau hat geschrieben: Bei konischen Wellen würden die Kräfte die Lagerluft zudrücken und das Lager würde durch die enorme Keilwirkung ohne Luft und Schmierung laufen, die Folgen wären auf die Dauer fatal.
Danke für die Bestätigung meiner These! Manchmal lohnt sich intensives Grübeln scheinbar sogar ;-) :-D
Gruß
Dirk

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Oliver M
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Re: Spindellager (Gleitlager) am Beispiel "ARISTON" einstell

Beitrag von Oliver M » Di 25. Mär 2014, 00:05

Hallo Michael
Mein letztes ölgeschmiertes Gleitlager (Kärger) klemmte, bevor es eine Betriebstemperatur erreichen konnte.
Welches öl hattest du denn im Spindelstock ?

Boley gibt bei der DW4, einer Sondermaschine für die Feinstbearbeitung eine Lagerluft von etwa 2/100mm an.
Das Schmieröl ist fast wie Dieselöl und der Spindelstock ist wassergekühlt.

Die Lagerluft richtet sich eigentlich immer nach Drehzahl Lagerdurchmesser und Viskosität des Schmierstoffs.

Gruß Oliver
Früher war alles:
A: besser B: aus Holz C: mit Schlitzschrauben

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Re: Spindellager (Gleitlager) am Beispiel "ARISTON" einstell

Beitrag von 42crmo » Di 25. Mär 2014, 06:24

Kärger gibt in der BA ein dünnes Spindelöl an.Diese BA habe ich aber erst seit neuesten.
Benutzt habe ich ATF3.
Aus der Kärger Angabe Lese ich eine Lagerluft von 1-2/100mm raus.
Liegt wohl im Bereich deiner Boley. Der Drehzahlbereich ist bis 3000U/min angegeben.

Wäre eigentlich soweit in Ordnung gewesen wenn ich nicht versucht hätte eine Verbesserung der Oberflächenqualität über das Lagerspiel zu erreichen.Somit bin ich unter 1/100mm gegangen.
Das konnte nicht gut gehen.
Ebenso habe ich erheblich zuviel Öl eingefüllt.
Wegen der Originalität muss ich den Spindelstock eh überholen obwohl ich den nicht benutzen werde.

Michael

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Re: Spindellager (Gleitlager) am Beispiel "ARISTON" einstell

Beitrag von motor64.1 » Di 25. Mär 2014, 06:41

Hestika gibt in der Betriebsanleitung für das nur vorne gleitgelagerte Spindellager der Revolverdrehbank eine zulässige Betriebstemperatur von 75°C an. :o

Dafür hat das Lager auch einen sehr großen eigenen Ölbehälter und ein Ölpumprad. :-)

Grüße
Franz
Grüße
Franz

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