Vorstellung und Drehmaschinen-Eigenbau

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Sepp9550
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Re: Vorstellung und Drehmaschinen-Eigenbau

Beitrag von Sepp9550 » Mo 16. Jan 2017, 14:17

Wenn man die Möglichkeit hat, dann klar vorher Spannungsarmglühen, das kann nicht schaden.
Ich könnte mir aber sogar vorstellen dass es notfalls auch ohne geht.

Ich würde das aber nicht auf einmal fräsen, sondern nur Schruppen, die Aufspannung lösen(vielleicht sogar herunterheben und ein paar tage liegen lassen) und erst dann schlichten, dann können sich die Spannungen abbauen. Sonst kann es passieren dass das Bett krumm ist sobald es vom Tisch herunten ist.

Die Montagefläche müssen denke ich nicht geschliffen werden, gut gefräst sollte reichen, die Oberflächenrauheit ist ja nicht so wichtig wie bei Gleitführungen. Herstellervorgaben sind mir dazu auf die schnelle nicht bekannt.


PS. Falls du es noch nicht kennst, hier z.B. findet man Möglichkeiten zur Montage und viele nützliche Infos
http://medias.schaeffler.de/medias/de!h ... 1752627595
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C-Bär
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Re: Vorstellung und Drehmaschinen-Eigenbau

Beitrag von C-Bär » Mo 16. Jan 2017, 17:07

Schweisskonstruktionen sind Standard im Werkzeugmaschinenbau. Schweiss das Bett nach deinen Vorstellungen, bring die Loecher fuer die Linearfuehrungen an, und dann stell das soweit fertige Bett idealerweise ein paar Wochen ins Freie. Das sorgt fuer einen Alterungsprozess und Abbau der Spannungen des Schweissprozesses. Dann montierst du die Linearfuehrungen und richtest sie mit Unterlagblechen sauber aus. Nichts anderes machen viele Werkzeugmaschinenfabriken.

Falls das wieder einige hier im Forum anzweifeln : Das wird im Maschinenbau seit Jahrzehnten gemacht. Man macht das auch mit Graugussmaschinenbetten. Warum das mit dem Altern funktioniert, weiss keiner so ganz genau, aber die Praxis hat es bewiesen.
Linearführungen bei Werkzeugmaschinen werden u.a. aus Kostengründen verwendet. Daher findet man sie auch bei "Hobbymaschinen".
Ansonsten bieten sie sich vor allem dort an, wo solche Führungen mit Wälzkörpern vorgespannt werden können bzw. wo durch ausreichend große Last (Supportgewicht, Werkstückgewicht) garantiert ist, dass die Wälzkörper abrollen. Das ist deshalb notwendig, da sonst die Wälzkörper u.U. anstatt abzurollen über die Lauffläche rutschen. Der Schmierstoff wird dann nicht transportiert, sondern vor dem Wälzkörper hergeschoben, der Wälzkörper verschleißt die Laufbahn. Zudem muß die "Lagerluft" durch Last eliminiert werden.
Flächenschleifmaschinen sind daher z.B. damit ausgerüstet. Hier wirken Schleifdruck und Gewicht von Werkstück und Tisch in eine Richtung, die Wäzkörper werden daher stetig belastet.

Altern in ein paar Wochen...
Klappt meines Wissens nur bei der Tageszeitung. Die ist am Folgetag schon uralt.

Unterlegen von Blechen...
Spaziert man auf einen Holzbalken, der auf zwei Ziegelsteinen gelagert ist, biegt sich dieser unter Last durch. Liegt der Balken auf ganzer Länge auf eine Mauer auf, biegt sich da auch nichts mehr. Linearführungen stellenweise mit Blechen unterlegen...aua.

Wollte ich mir selber eine Drehmaschine bauen, würde ich mir diese in einer Größe bauen, die auch Bauteile in einer Größe bearbeiten kann, die im Haushalt bzw. in der Garage auftauchen. Teile für Navihalter, Distanzen für die Kassette des Rennrads, die Möbel der Kinder höherlegen, wenn sie gewachsen sind... Dann möchte ich auch Chrom-Nickel-Stahl haben. Rost am Chopper oder Cruiser macht Augenbluten.
Wenn ich mir z.B. ansehe, wieviele Emco Unimat 3 Minimaschinen fast unbenutzt in der Bucht angeboten werden - was macht man mit solchen Maschinchen, wenn man nicht gerade Modellbauer ist?

Bob
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Re: Vorstellung und Drehmaschinen-Eigenbau

Beitrag von Bob » Mo 16. Jan 2017, 18:54

C-Bär hat geschrieben:
Wollte ich mir selber eine Drehmaschine bauen, würde ich mir diese in einer Größe bauen, die auch Bauteile in einer Größe bearbeiten kann, die im Haushalt bzw. in der Garage auftauchen. Teile für Navihalter, Distanzen für die Kassette des Rennrads, die Möbel der Kinder höherlegen, wenn sie gewachsen sind... Dann möchte ich auch Chrom-Nickel-Stahl haben. Rost am Chopper oder Cruiser macht Augenbluten.
Wenn ich mir z.B. ansehe, wieviele Emco Unimat 3 Minimaschinen fast unbenutzt in der Bucht angeboten werden - was macht man mit solchen Maschinchen, wenn man nicht gerade Modellbauer ist?
Das ist aus meiner Sicht wirklich ein wichtiger Punkt. Keine Drehmaschine kann von der Armbanduhr bis zur Baumaschine alles abdecken, aber es gibt schon eine deutliche Häufung bei Teilen von 50 - 250mm Länge.

Hier wurde schon mehrfach von einer Wunderpampe names "Moglice" geschrieben. Normal zum Abformen von Gleitführungen verwendet, eignet es sich bestimmt auch zum Unterfüttern von Kugelführungen.

Die Spannungen in einer Schweißkonstruktion müssten doch eigentlich auch abnehmen, wenn man sie mit dem Hammer ordentlich durchwalkt - was meint Ihr?

Zu überlegen wäre auch, ein nochmal stabileres Profil drunterzulegen, und das geschweißte Bett über z.B. 8 Schrauben darauf auszurichten. So hat man immer 8 Stellen, wo man die Ausrichtung korrigieren kann, wenn es nachträglich zum Verzug kommt.


Viele Grüße,

Bob

maethor
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Re: Vorstellung und Drehmaschinen-Eigenbau

Beitrag von maethor » Mo 16. Jan 2017, 19:14

Nein - Kaltverformung erzeugt auch Spannungen die hinterher weggeglüht werden müssten. Das ist wohl eher kontraproduktiv. Ich werde versuchen eine Möglichkeit zu finden das Gestell vor dem Schruppfräsen spannungsarm zu glühen. Kannst vielleicht jemand hier eine Adresse in bzw. um Berlin, wo ich das für nen schmalen Taler machen könnte?

Der Schweißprofi in der Uni meinte heute, wenn ich vernünftig arbeite schaffe ich es wahrscheinlich den Verzug sehr gering zu halten. Das ist ja schon mal eine Ansage, vielleicht kann ich mir das glühen komplett sparen. Nun gilt es erstmal, das Material zusammen zu sammeln.

Noch eine Idee fürs schwerer machen: Stahlschrott in die Rechteckrohre schütten, Rest mit Beton ausgießen, zuschweißen, fertig? Müsste im Endeffekt schwerer sein als reiner Beton. Gewicht beim Umzug ist erstmal zweitrangig. Ich bin recht kräftig und habe auch kräftige Freunde.

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florian_ferien
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Re: Vorstellung und Drehmaschinen-Eigenbau

Beitrag von florian_ferien » Mo 16. Jan 2017, 20:27

Bob hat geschrieben:
C-Bär hat geschrieben:

Die Spannungen in einer Schweißkonstruktion müssten doch eigentlich auch abnehmen, wenn man sie mit dem Hammer ordentlich durchwalkt - was meint Ihr?
Hallo,

Ganz so verkehrt ist dieser Ansatz gar nicht.
Wir haben in der Firma oft riesige Schweißbaugruppen, für die keiner zu einem vernünftigen Preis einen Glühofen hat.
Daher werden die Teile "spannungsarmgerüttelt". Die Teile werden in ein Sandbett oder auf Dämpfungskissen gelegt, Rüttler dranngeklemmt ond ab geht Schmitt's Katze. ;-)

Wie genau die Schwingungen im Material wirken weiß ich leider nicht, dazu kenne ich damit zu wenig aus.
Ob das qualitativ den selben Effekt hat wie glühen kann ich auch nicht sagen, für unsere Konstruktionen (Stahlwerksanlagen) ist es gut genug :pfeif: .

Grüße
Florian
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HansD
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Re: Vorstellung und Drehmaschinen-Eigenbau

Beitrag von HansD » Mo 16. Jan 2017, 21:11

Ich denke dass sich nicht das Material ändert sondern die Schweissnähte. Wenn man die Konstruktion als Fachwerk betrachtet bilden die Schweissnähte die Knoten. In der Fachwerktheorie sind die Knoten reibungsfreie Gelenke. Durch das Rütteln "rütteln sich die Gelenke zurecht", entspannen also die Gelenke.

Hans

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Re: Vorstellung und Drehmaschinen-Eigenbau

Beitrag von Khan » Mo 16. Jan 2017, 21:28

florian_ferien hat geschrieben: Daher werden die Teile "spannungsarmgerüttelt". Die Teile werden in ein Sandbett oder auf Dämpfungskissen gelegt, Rüttler dranngeklemmt ond ab geht Schmitt's Katze. ;-)

Wie genau die Schwingungen im Material wirken weiß ich leider nicht, dazu kenne ich damit zu wenig aus.
Ob das qualitativ den selben Effekt hat wie glühen kann ich auch nicht sagen, für unsere Konstruktionen (Stahlwerksanlagen) ist es gut genug :pfeif: .
Soweit ich weiß ist das allgemein als 'Resonanzfrequenz Vibrationsmethode' bekannt. Auf dieser Seite stellt sehr viel informatives zu diesem Verfahren:
http://www.metoconsult.com/de/spannungsarm-zittern.html
HansD hat geschrieben:Ich denke dass sich nicht das Material ändert sondern die Schweissnähte.
Sowohl als auch...aber da in den Schweissnähten die größten Eigenspannungen auftreten, werden diese dort am stärksten gelöst.
Das Spannungsarmrütteln kann auch bei nicht geschweißten Konstruktionen angewendet werden.

Btw, beim Schaben von Tuschierlinealen (Grauguss) habe ich festgestellt, dass diese wieder krumm werden, wenn man sie zB. aus geringer(!) Höhe auf den Tisch fallen lässt. Scheinbar lösen sich auch durch diese "Aufprall-Schwingungen" Spannungen. Seit dem bearbeite ich vor dem Schaben langer, dünner Teile diese erstmal ein paar Minuten mit dem Gummihammer (und simuliere so das Runterfallen ^^). Keine Ahnung ob das tatsächlich etwas bringt - schaden wird's wohl nicht.

Gruß,
Martin
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Sepp9550
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Re: Vorstellung und Drehmaschinen-Eigenbau

Beitrag von Sepp9550 » Di 17. Jan 2017, 09:03

Das mit dem Rütteln hab ich auch schon gehört, macht man denke ich im Großmaschinenbau öfter.
Große Ofen zum Spannungsarmglühen sind etwas selten.



Ich kenne da auch eine Geschichte aus dem Messraum:
Teil auf der Messmaschine vermessen, beim herunterheben aus den Schlaufen vom Kran gerutscht und auf den Boden gefallen.
Also nochmal vermessen, und siehe da, da Teil hat besser gepasst als beim erstem mal :-D

Die Methode lässt sich aber leider nicht auf alle Teile übertragen :-D
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maethor
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Re: Vorstellung und Drehmaschinen-Eigenbau

Beitrag von maethor » Mi 18. Jan 2017, 23:05

So, damit das hier nicht einschläft oder jemand noch denkt, ich hätte geschmissen, hier ein kleines Update.

Das Bett musste ich etwas breiter planen, Abmessungen sind jetzt 770x180mm.

Ich habe quasi alles an Material zusammen für's Bett, abgesehen von den langen Rechteckrohren, da braucht meine Materialbeschaffung noch ein bisschen ;-)

Anfang nächster Woche ist das da, aber ich komme dann bis zum 3. Februar nicht zu mehr - ich bin ja immerhin Student und habe bis dahin noch 6 Klausuren zu schreiben. Ich will bis dahin alles winklig und auf Maß gefräst haben, um dann in KW6 loslegen zu können mit dem Schweißen. Wie lange es dann dauert, kann ich jetzt kaum sagen - schweißen kann ich ja noch gar nicht, muss also erstmal lernen und üben.

Spannungsarm machen: Einen Ofen haben wir nicht, in den das reinpasst. Ich werde mal bei Hanomag Härtol anfragen, ob die das evtl freundlicherweise mit reinwerfen könnten. Falls von euch einer weiß wer in und um Berlin einen Ofen in der Größe hat, bitte kurz schreien. Soll auch nicht für umsonst sein.

Über die Spindel habe ich mir schon einige Gedanken gemacht. Da ich ein 125mm Futter (taugt das von Paulimot etwas?) und Spannzange verwenden können will, wird die ganze Chose etwas aufwendiger. Zum Glück kann ich in der Uni Rundschleifen. Schrägkugellager in der entsprechenden Größe werden teuer, aber lieber einmal richtig als dann ärgern...

Vielen Dank für das Feedback bis hierher.
Dateianhänge
Skizze.png

Khan
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Re: Vorstellung und Drehmaschinen-Eigenbau

Beitrag von Khan » Do 19. Jan 2017, 02:44

maethor hat geschrieben:So, damit das hier nicht einschläft oder jemand noch denkt, ich hätte geschmissen, hier ein kleines Update.
ein Ratschlag bzw Bitte: Bevor du ans Material bestellen denkst, solltest du erst die Maschine fertig konstruieren, und zwar bis zur letzten Schraube (wie werden die Laufwagen abgeschmiert, wo kommt der Motor hin , wo die Verkabelung und Endschalter, und und und). Bisher ist deine Zeichnung vom Bett nicht mehr als eine fixe Idee. Einen groben Plan im Kopf zu haben, reicht nicht.
Ich möchte dir deine Idee wirklich nicht ausreden. Mit Begeisterung, Gewissenhaftigkeit und vor allem Geduld ist dein Vorhaben schon machbar.
Aber baust du einfach ins Blaue hinein, kann leicht so etwas dabei rauskommen:
https://www.youtube.com/watch?v=_Gy_qnDpaL8

Gruß,
Martin
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