Elektrik: restaurieren oder neu machen?

j.o.e
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Elektrik: restaurieren oder neu machen?

Beitrag von j.o.e » Mo 2. Dez 2019, 23:51

Ich stelle die Frage mal hier rein, obwohl sie im Prinzip auf alle alten Maschinen passen würde.

Habe heute mal den Deckel vom Schaltkasten meiner Neuerwerbung (Boley-4-Drehe) entfernt. Eigentlich wollte ich nur das Anschlusskabel neu machen. Nachdem ich aber das Elend unter dem Deckel gesehen habe, bin ich mir sicher, dass ich da tiefer rein muss.
IMG_0601n.JPG
Auf den ersten Blick fällt auf:

a) die Zugentlastung (roter Pfeil)
b) der SL-Anschluss (roter Kringel)

Da wusste wohl wer nicht, wohin mit dem Grün-Gelben und hat den Fluchs in einer weiße Lüsterklemme enden lassen - womit natürlich schlagartig mein Vertrauen in die gesammte Installation auf unterirdische Werte gesunken ist.

Rest sieht so aus:
IMG_0596n.JPG
Rot eingefärbt sind die Teile, die ich schon auf den ersten Blick als stillgelegt identifizieren konnte.

Meine Frage nun: wie würdet ihr da verfahren? Den ganzen Müll raus und neu machen - oder erhalten so gut es geht?

Bitte nicht steinigen, aber ich tendiere zu "neu machen" - oder zählt das bei Altmaschinen-Besitzern als Todsünde? Bei KFZ-Oldtimer-Bastlern ist das ja so ...

Hat jemand die Verdrahtung seiner Boley schon mal neu gemacht (inklusive Unbau auf Sicherungsautomaten) und würde mir ein Foto zur Verfügung stellen?

Grüße
- joe

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schwarzfuss
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Re: Elektrik: restaurieren oder neu machen?

Beitrag von schwarzfuss » Di 3. Dez 2019, 00:01

Da die ganze Verschaltung nicht sehr kompliziert ist, würde ICH ALLES neu aufbauen.
2 Hutschienen und Klemmsteine, Automaten etc. und feddich ist.
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thomas56
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Re: Elektrik: restaurieren oder neu machen?

Beitrag von thomas56 » Di 3. Dez 2019, 00:43

j.o.e hat geschrieben:
Mo 2. Dez 2019, 23:51
Bitte nicht steinigen, aber ich tendiere zu "neu machen" - oder zählt das bei Altmaschinen-Besitzern als Todsünde?
Bei der Boley wird ja nicht viel mehr dran sein als ein Motor und eine Lampe.
Da würde ich das auch neu machen.
Bei meiner Boley habe ich damals einen kpl. neuen Schaltkasten mit Schützsteuerung (Dahlanderschaltung) und Motorschutzschalter neu angebaut.
Ursprünglich gab es da nur ein Ein/Ausschalter ohne Wiederanlaufsicherung.
j.o.e hat geschrieben:
Mo 2. Dez 2019, 23:51
oder zählt das bei Altmaschinen-Besitzern als Todsünde? Bei KFZ-Oldtimer-Bastlern ist das ja so ...
Habe mir letztes Jahr einen Oldtimer (Ford Pickup von 1936) zugelegt und da wird die Elektrik jetzt auch kpl. neu gemacht.
Muß sein, erstens müssen Blinker und Warnblinklicht nachgerüstet werden und zweitens gibt es bei dem Auto nur eine einzige Sicherung.
Da werde ich die Stromkreise für Beleuchtung, Anlasser, Hupe, Scheibenwischer etc. auf jeden Fall einzeln absichern.
Außerdem sehen die über 80 Jahre alten Kabel auch nicht mehr sehr vertrauenswürdig aus.
Habe ich bei meinen zwei Oldtimertraktoren von 1954 und 1955 auch so gemacht.
Da ist mir die Sicherheit doch lieber als die Originalität.
Wer seine Schwerter zu Pflugscharen schmiedet, wird für jene pflügen, die ihre Schwerter behalten haben.

metallfunk
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Re: Elektrik: restaurieren oder neu machen?

Beitrag von metallfunk » Do 5. Dez 2019, 20:22

Natürlich kannst du alles neu machen, muss aber nicht zwingend sein.

Messen (Multimeter) hilft.
Bei meiner alten Voest werkelt noch die fast originale Elektrik und besteht jede Elektroprüfung.
(Die ist auch etwas gemein, die Drähte verschwinden in Porzellanbuchsen und kommen halt irgendwo wieder raus,
Schaltplan gibt es nicht).

Grüße Bernd
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schwarzfuss
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Re: Elektrik: restaurieren oder neu machen?

Beitrag von schwarzfuss » Do 5. Dez 2019, 20:44

metallfunk hat geschrieben:
Do 5. Dez 2019, 20:22
Bei meiner alten Voest werkelt noch die fast originale Elektrik und besteht jede Elektroprüfung.
Bist du dir sicher ? Denn mach mal einen MOhm Test mit 500V Prüfspannung! (in Betrieben regelmäßig vorgeschrieben) und nicht mit Multimeter.
Auf das Ergebnis bin ich gespannt. Bei uns wurden schon diverse Maschinen entsorgt (der Schrotti freut sich noch heute) weil der Test nicht
bestanden wurde und die Leitung der Meinung war, dass eine Instandsetzung zu teuer.
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Re: Elektrik: restaurieren oder neu machen?

Beitrag von metallfunk » Do 5. Dez 2019, 20:48

Die Elektroprüfung mach ein externer Elektriker mit modernstem Fluke Equipment.
Da gehe ich mal von aus, dass das auch stimmt.

(Ich habe ja auch einen Betrieb, da wird sogar das Handyladegerät der Mitarbeiter geprüft, sonst
dürfen die das nicht benutzen).
Kopfschüttel.

Grüße Bernd
Zuletzt geändert von metallfunk am Do 5. Dez 2019, 20:52, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Elektrik: restaurieren oder neu machen?

Beitrag von elmech » Do 5. Dez 2019, 20:51

Diese gerade gezeigte Installation ist relativ neuwertig, da mit sehr langlebigem Sprecher und Schuh Material ausgeführt. Da ist ein Neubau nicht viel besser! Aber an der Vorlage, alles Raus und ins Alteisenfass. ohne Porzellan natürlich! Dann neu , mit Litze und Reihenklemmen die auch gute Erdungen, zulassen! Kupfer massiv bricht mit der Zeit gerne am Anschluss! ( Kerben vom Abisolieren, oder Materialverdichtungen durch die Klemmen!) Litzen mit Adernhülsen sind da eine viel sicherere Verbindung und mit modernen guten Reihenklemmen, noch viel sicherer! Nostalgie, bei Starkstrom oder Verkehr, nur im Museum und nie im Gebrauch! Freundliche Grüsse Andi

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Re: Elektrik: restaurieren oder neu machen?

Beitrag von metallfunk » Do 5. Dez 2019, 21:03

elmech hat geschrieben:
Do 5. Dez 2019, 20:51
Diese gerade gezeigte Installation ist relativ neuwertig, da mit sehr langlebigem Sprecher und Schuh Material ausgeführt. Da ist ein Neubau nicht viel besser! Aber an der Vorlage, alles Raus und ins Alteisenfass. ohne Porzellan natürlich! Dann neu , mit Litze und Reihenklemmen die auch gute Erdungen, zulassen! Kupfer massiv bricht mit der Zeit gerne am Anschluss! ( Kerben vom Abisolieren, oder Materialverdichtungen durch die Klemmen!) Litzen mit Adernhülsen sind da eine viel sicherere Verbindung und mit modernen guten Reihenklemmen, noch viel sicherer! Nostalgie, bei Starkstrom oder Verkehr, nur im Museum und nie im Gebrauch! Freundliche Grüsse Andi
Neuwertig ist gut :pfeif:
Baujahr 1974.
Aber du hast natürlich recht, das Material von Sprecher und Schuh (Schweiz) ist erstklassig.
Nur der Timer, der zwischen Stern -Dreieck schaltet, hat aufgegeben.

Grüße Bernd

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Re: Elektrik: restaurieren oder neu machen?

Beitrag von metallfunk » Do 5. Dez 2019, 21:11

Ich habe da mal eine sehr interessante Erfahrung gemacht:

Hausinstallationen werden bei uns mit starren Drähten ausgeführt.
In Spanien (Mallorca) ist das nicht erlaubt. Hier muss es flexibel mit Endhülsen sein.
Das habe ich nicht verstanden.

Ich will jetzt nicht den Beitrag von Joe kapern, seine Installation ist recht modern,einige Kabel
austauschen sollte reichen. Wenn er will, komplett erneuern, kann auch kein Fehler sein.
Bröslige Isolierungen kann ich nicht erkennen.

Grüße Bernd

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schwarzfuss
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Re: Elektrik: restaurieren oder neu machen?

Beitrag von schwarzfuss » Do 5. Dez 2019, 21:21

Die oben gezeigte Anlage würde in jedem Betrieb sofort außer Betrieb genommen, da allein schon der
Berührungsschutz nicht gegeben ist - woher ich das weiß ?
Diverse Schaltschränke mussten komplett neu aufgebaut werden weil dieser nicht gegeben war.
Ein Hinweis das nur eingewiesenes Fachpersonal die Schränke öffnen darf, langte nicht.
Auch ein extra Schloss erfüllt nicht die Vorschriften !
Es könnte ja ein Dödel trotzdem den Schrank öffnen und mit seinen losen Fingern drin rummachen !
So - jetzt ist von meiner Seite aus Schluss mit der :klugscheiss:
Was wir privat machen ist unser Ding - nur den darf man auch nicht schreiben das meine Anlage allen Prüfungen entspricht und einhält. :trink2:
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