"sechsfüßige" Drehbank ausrichten - wie?

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Harald F.
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"sechsfüßige" Drehbank ausrichten - wie?

Beitrag von Harald F. » So 23. Dez 2018, 13:56

Hallo,

gibt es eigentlich einen "lehrbuchmässig korrekten" Weg, um eine Drehbank mit mehr als vier, also in vielen Fällen sechs, Füßen korrekt auszurichten?
Bei "Vierfüßern" ist die Vorgehensweise ja recht einfach: man kontrolliert und minimiert die Verwindung des Maschinenbetts mit Hilfe einer quer über das Bett gelegten Maschinenwasserwaage.
Viele Maschinen haben aber sechs Füße, beispielsweise vier Füße unter dem Getriebekasten/Spindelstock sowie zwei weitere am Reitstockende.
Bei sehr langen Maschinen können weitere Füße in der Bettmitte hinzukommen.
Theoretisch (und wahrscheinlich auch praktisch) hat man dann das Problem, daß das Maschinenbett bei falscher Einstellung nicht nur in sich verwunden sondern zusätzlich verbogen wird.

"Naiv" könnte ich mir folgende Vorgehensweisen zur Justierung vorstellen:

A) man könnte die Spindelstockseite der Drehbank provisorisch im Schwerpunkt (bezogen auf die Längsrichtung) unterstützen und die Drehbank dann wie bei einer "vierfüßigen" Maschine ausrichten. Die Unterstützung im Schwerpunkt verhindert eine Durchbiegung des Maschinenbetts. An der so ausgerichteten Maschine könnte man dann die vier "richtigen" Maschinenfüße so einstellen, daß alle möglichst identische Kräfte aufnehmen. (Bei per Gewinde einstellbaren Füßen könnte man das per Drehmomentschlüssel näherungsweise einstellen.)

B) man könnte die Durchbiegung des Maschinenbetts mit Hilfe einer Maschinenwasserwaage kontrollieren und dann durch geduldiges Einstellen der Füße minimieren. Dieses "iterative Lösen eines Gleichungssystems mit sechs Unbekannten" stelle ich mir allerdings langwierig vor. Vermutlich würde es genügen, zunächst die Durchbiegung zu minimieren, die man durch Messung der Längsneigung des Maschinenbetts mit Hilfe der Wasserwaage kontrollieren kann. Danach könnte man dann die übliche Korrektur der Verwindung vornehmen, am besten an der Reitstockseite, wobei man immer die Justierschrauben beider Füße gegenläufig verstellt, um die Justage der Durchbiegung nicht zu beeinflussen.

C) A gefolgt von B ;-)

Liege ich damit völlig falsch? :nixweiss:

Viele Grüße

Harald

Heliflieger
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Re: "sechsfüßige" Drehbank ausrichten - wie?

Beitrag von Heliflieger » So 23. Dez 2018, 14:28

Egal wie viele Füße die Maschine hat.
Man muss sie am Anfang des Ausrichtens immer auf 3 Füße stellen, sonst wird man nicht mehr fertig mit Einstellen.

Am Ende werden die restlichen Füße so angezogen das sie ungefähr das selbe Anzugsmoment haben.
Wobei man hier ein wenig Verständnis für die Lastverteilung an der Maschine haben sollte.

Klar gibt es Ausnahmen, aber ich gehe jetzt mal nicht davon aus das deine Drehe 3m Spitzenweite hat.

Gruß Torsten
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astoba
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Re: "sechsfüßige" Drehbank ausrichten - wie?

Beitrag von astoba » So 23. Dez 2018, 16:27

Moin

viewtopic.php?t=19229&start=40#p221356 irgendwo hatte wer geschreiben das er Wochen braucht finde ich gerade nicht

viewtopic.php?t=6004&start=10#p53846 Vorschlag

Oder man könnte noch ein Drahtmikroskop anbringen um den Durchhang zu im Auge zu haben (man hat das auch mit Wasser gemacht hinte und vorne mit Lehm abgedichtet) viewtopic.php?t=27057&start=10#p318789 den Rest mit Wasserwaage oder Kingway.

Gruß Mike

elmech
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Re: "sechsfüßige" Drehbank ausrichten - wie?

Beitrag von elmech » So 23. Dez 2018, 18:40

Hallo . Sechs Füsse sind nur bei schweren, grossen Maschinen! Oder meinst Du sechs Nivellierpunkte? Überall eigentlich das Gleiche, Aufstellen Wasserwaagen auf den Querschlitten (in quer und längs) und dann damit dann die Geometrie abfahren bei genug Eigengewicht, lässt sich auch mal etwas Abnützung, dann noch ausgleichen. Viele ältere Maschinen wurden aber, mit eingegossenen Ankern gerichtet und danach dann, noch untergossen! Also sind sie für die Heutige Schwingungsdämpfer Nivellierung, gar nicht geeignet! Alte Maschinen mit kleinen , leichten Füssen, ohne viel Gewicht im Ständer, brauchen einen stabilen Sockel aus Beton samt Fundament! Bitte haltet Euch, an die Herstellervorschriften! Freundliche Grüsse, Andi

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tommydsa
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Re: "sechsfüßige" Drehbank ausrichten - wie?

Beitrag von tommydsa » So 23. Dez 2018, 18:43

Elmech
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So genau wie nötig und so einfach wie möglich....

Tommy

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Re: "sechsfüßige" Drehbank ausrichten - wie?

Beitrag von drehprofi » So 23. Dez 2018, 19:22

Hallo,

Bei meiner Stanko gibts auch 6 Löcher zum befestigen. Sie steht auf selbst anfertigten Stellfüßen mit Unterlage aus Hartgummi. Gewicht 2 Tonnen
Ausgerichtet mit den äußeren 4 Füssen, danach werden die innneren werden nur soweit zugestellt bis die Maschinen-Wasserwaage anfängt sich zu bewegen. Somit kommt man ganz schnell zum Ziel das die 4 Füsse am Spindelstock gleichmäßig tragen. Das geht aber nur bei kürzeren Bettlängen.

Gruß

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Harald F.
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Re: "sechsfüßige" Drehbank ausrichten - wie?

Beitrag von Harald F. » So 23. Dez 2018, 19:55

Guten Abend,

danke sehr für Eure Einschätzungen. Die Frage interessierte mich auch ganz allgemein.

Konkret geht es mir momentan um meine Torsa, also eine noch recht kleine Drehbank mit ca 1 m Spitzenweite und kein 3 m "Monster",
die übrigens nur fünf Auflagepunkte hat, drei unter dem Spindelstock und zwei auf der Reitstockseite.
Mit "Füßen" meinte ich "Stützpunkte" egal welcher Art, also "Nivellierpunkte".

Eingiessen oder Befestigung auf Betonsockel ist bei mir nur mit unverhältnismässig hohem Aufwand möglich. Die Ständer, also die Guss-Sockel unter Spindel- und Reitstock sind recht schwer und massiv ausgeführt. Daher denke ich, daß das für eine stabile Aufstellung reicht. Den Fuß unter dem Reitstock könnte ich noch mit Sand füllen. Der Vorbesitzer hat die Maschine übrigens einfach durch untergelegte Siebdruckplatten "nivelliert".)

Nochmals :thx:

Viele Grüße

Harald

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Re: "sechsfüßige" Drehbank ausrichten - wie?

Beitrag von drehprofi » Mo 24. Dez 2018, 13:45

So sieht das bei mir aus. Der Boden ist sehr mürbe deshalb noch grössere Platten darunter.
DSCN0025.JPG
DSCN0024.JPG

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Re: "sechsfüßige" Drehbank ausrichten - wie?

Beitrag von opa12 » Sa 29. Dez 2018, 00:42

Beginne mit den 4 "inneren" Stellschrauben, dazu die äußeren (linkes Spindelende) einige Umdrehungen zurückdrehen.
Dann die Wasserwage auf den Planschlitten und an der Spindelstockseite in X Richtung grob vorrichten.
Dann zum Reitstock dort zuerst in Z Richtung und dann in X ausrichten.
Das dann so oft wiederholen bis in X Richtung Spindelstockseite und Reitstockseite gleich ausgerichtet sind.
Dabei ist es eigentlich wurscht ob das Bett im Wasser steht oder nicht, wichtig ist nur so wenig wie möglich Verwindung in X Richtung.

Wenn die Verwindung auf diesen 4 Punkten passt dann den Bettschlitten zum Spindelstock (Wasserwaage am Planschlitten in X Richtung)
und die äußeren Stellschrauben anstellen. Den ersten z.B.: bis die Waage einen Teilstrich ausschlägt mit dem zweiten dann wieder auf "0".
Jetzt kannst du die Ebenheit des Bettes in z Richtung prüfen (Wasserwaage, Stahllineal, Tuschierlineal,..).
Ist es dabei in der Mitte ballig, dann kannst du mit den äußeren Spindelstock Schrauben event. korrigieren.
Hängt es durch, kannst du ohne Verankern am Boden eigentlich nichts machen.

Am wichtigsten beim Ausrichten des Bettes ist aber die Verwindung in X Richtung, wenn die über die ganze Länge passt spielt es keine große Rolle wenn das Bett ein paar Hunderstel durchhängt.
Harald F. hat geschrieben:
So 23. Dez 2018, 19:55
Der Vorbesitzer hat die Maschine übrigens einfach durch untergelegte Siebdruckplatten "nivelliert".)
Das und die lange undefinierte Lagerung bei dir haben hoffentlich keine bleibende Verwindung ins Bett gebracht. Dann wirds nämlich mit richten OHNE verankern nichts.
Du kannst schon vorarbeiten indem du das Bett auf 3 Punkte legst.
Dazu am einfachsten einen Balken quer mittig unter der Spindelstockseite und einen längs mittig auf der Reitstockseite.
Mit genügend Zeit entspannt sich das Bett wieder.

Bg Franz

PS: am Boden verankert lässt sich eine Drehmaschine immer noch am besten richten und stabiler und ruhiger läuft sie auch.

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Re: "sechsfüßige" Drehbank ausrichten - wie?

Beitrag von Limbo » Sa 29. Dez 2018, 10:30

opa12 hat geschrieben:
Sa 29. Dez 2018, 00:42
Dazu am einfachsten einen Balken quer mittig unter der Spindelstockseite und einen längs mittig auf der Reitstockseite.
Bg Franz
Warum nehmt Ihr immer Balken/Kanthölzer eine runde Welle oder noch besser 2 kurze Rundstähle auf einer Achse ausgerichtet nivellieren viel feiner.

Hans
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