meine "neue" Torsa Drehmaschine

Keilwinkel
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Re: meine "neue" Torsa Drehmaschine

Beitrag von Keilwinkel » Di 9. Jan 2018, 14:17

Hallo,


Ich hatte früher einen Klotz mit Leder beklebt. Zum Tusche verteilen auf einer Messplatte funktioniert das eher mäßig - klebt ziemlich, und man muss sich anstrengen den Klotz zu verschieben. Ein festes Baumwollgewebe ist da schon angenehmer, und funktioniert auch sehr gut. Ich hab meinen Klotz mit Jeansstoff bespannt:
IMG_1673.JPG
Aber zum bestreichen der Führungsfläche, tut es ein Rauhleder genau so gut! Die Tusche immer quer zur Führungsrichtung verteilen.

Freistiche erweitere ich gerne mit einem Drehmeißel:
IMG_1670.JPG
Hat den Voteil, dass ich den Freistich durch verändern des Anstellwinkels beliebig verbreitern kann. Ein flacher, und runder Freistich erzeugt auch weniger Kerbwirkung, was gerade bei filigranen Teilen nicht schaden kann.
Den Drehmeißel drücke ich von Hand in die Ecke, und ziehe kräftig durch - mehrmals wiederholen, evlt. mit verschiedenen Anstellwinkeln.


Gruß
David

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Harald F.
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Re: meine "neue" Torsa Drehmaschine

Beitrag von Harald F. » Sa 3. Feb 2018, 12:42

Hallo

nach dem kleinen Ausflug in die Glaszerspanerei ging es heute weiter mit dem Oberschlitten.
Der Trick mit dem keilförmigen mit Baumwollstoff überzogenen Holzklätzchen funktioniert prima.
Danke!

Leider funktioniert mein "Trick" mit der "Dreiflächenmethode" eher schlecht als recht.
Die Parallelität der beiden Schwalbenschwänze ist zwar mittlerweile recht gut, unter 5 µ, wenn ich das mit der Methode messe, die Stefan hier gezeigt hat https://www.youtube.com/watch?v=-BYt3GHBuNk @ 36:49 , aber ich bekomme keine vernünftigen Tuschierbilder hin.

Ohne Tuschierlineal geht es nicht so richtig weiter. Ich habe zwar einen Guss-Klotz dafür hier liegen, kann aber momantan nicht fräsen. Somit steht das Projekt erst mal. Zumindest die geometrische Überholung muss ich zurückstellen.

Viele Grüße

Harald

rafael
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Re: meine "neue" Torsa Drehmaschine

Beitrag von rafael » Sa 3. Feb 2018, 13:35

Gibt es denn hier niemand, der den Klotz für dich grob in Form fräsen könnte?
Ich habe leider keine Fräse, aber ich würde ungern so lange auf die Fortsetzung warten. :pfeif:

Gruss Rafael

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merlin
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Re: meine "neue" Torsa Drehmaschine

Beitrag von merlin » Sa 3. Feb 2018, 13:48

Hallo Harald, wenn du Bedarf hast, würde ich dir das bis 400 mm ohne umspannen hobeln oder fräsen.

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Harald F.
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Re: meine "neue" Torsa Drehmaschine

Beitrag von Harald F. » Sa 3. Feb 2018, 14:00

Vielen Dank für das nette Angebot, Markus!

Der Klotz hat 500 mm - da könnte ich zur Not 100 mm absägen.
Für Ober- und Querschlitten würde das noch reichen.
Ich könnte auch mit einem kleinen durch Umspannen bedingten "Knick" leben,
wenn das den Arbeitsaufwand nicht zu sehr erhöht.
Das muss ja dann sowieso geschabt werden.

Viele Grüße

Harald

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merlin
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Re: meine "neue" Torsa Drehmaschine

Beitrag von merlin » Sa 3. Feb 2018, 14:04

ach das geht denke ich. Die Fräse mach etwa 500mm und der Hibel 450mm. Mach ne Skizze und dann wird das was.

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Re: meine "neue" Torsa Drehmaschine

Beitrag von R2S5V0 » Sa 3. Feb 2018, 16:32

Ich könnte 550mm hobeln anbieten. Mein Maschinchen geht auch recht genau auf die Länge

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Harald F.
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Re: meine "neue" Torsa Drehmaschine

Beitrag von Harald F. » Sa 3. Feb 2018, 17:28

Hallo

Ihr seid einfach klasse! :thx:
Hab mich jetzt mir merlin / Markus abgesprochen, daß er mir das macht.

Viele Grüße

Harald

der sich durch die netten Hilfsangebote ein wenig aus seinem Frust-Loch herausgezogen fühlt :2up:

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Harald F.
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Re: meine "neue" Torsa Drehmaschine

Beitrag von Harald F. » Mi 30. Mai 2018, 21:21

Guten Abend,

nach der ewigen Schaberei hatte ich mal wieder Lust auf "richtige Grobzerspanung".
Ziel der Attacke war die vollkommen vermurkste Bohrung, in der der Zapfen für den Stahlhalter sitzt. Wie nennt man den korrekt?
compound-rest-dovetail-A-marked-DSC09227.JPG
compound-rest-dovetail-A-marked-DSC09227.JPG (29.63 KiB) 338 mal betrachtet
Wie schon zuvor habe ich meine Drehbank als "Horizontalbohrwerk" verwendet. Die Spindel habe ich mit einem Zentrikator gegenüber dem oberen (engeren) Teil der Bohrung auf plus/minus 2/100 mm "genau" zentriert. Horizontal ging das sehr feinfühlig mit dem Querschlitten, vertikal wurde "hingeklopft" bis es passte.
Dann kam die (kürzlich hier erworbene) Bohrstange in's Vierbackenfutter. Durch Verstellen der Backen konnte ich damit so eine Art "Wohlhaupter für Arme" herstellen.

torsa-lathe-boring-compound-rest-DSC09562.JPG
torsa-lathe-boring-compound-rest-DSC09565.JPG
Sieht doch deutlich besser aus:
torsa-lathe-boring-compound-rest-DSC09566.JPG
Den Bolzen mache ich natürlich noch neu.

Und nun geht's weiter mit der Schaberei der Führungen ...

Viele Grüße

Harald

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Re: meine "neue" Torsa Drehmaschine

Beitrag von Harald F. » Sa 14. Jul 2018, 18:33

Guten Abend

heute habe ich die Lagerung der Spindel des Oberschlittens in Angriff genommen.
Dabei habe ich gnadenlos die m.E. geniale Konstruktion von Stefan geklaut und ein zweireihiges Schrägkugellager eingebaut, das sowohl radiale als auch axiale Kräfte aufnehmen kann.
Die Herausforderung bestand darin. die Bohrung für das Lager exakt fluchtend mit der Spindelmutter herzustellen.

Zunächst hatte ich den Plan, die Spindel in das Unterteil des Oberschlittens einzusetzten und die vorhandene Zentrierbohrung als Referenz zu nutzen. Diesen Plan habe ich aus zwei Gründen verworfen: erstens hätte die Spindel recht weit aus der Mutter heraus gestanden, und zweitens wies sie ein gewisses radiales Spiel auf. Beides hätte eher eine Schätzung als eine Messung ergeben.

Daher bin ich (nach einigen Umwegen) auf die Idee gekommen, einen Alu-Stopfen mit Zentrierbohrung in die Bohrung für die Spindelmutter einzusetzen. Um sicher zu gehen, daß Gewinde und Außendurchmesser der Spindelmutter zentrisch sind, habe ich diese zunächst vermessen. Dabei habe ich ein radiales Spiel von 0.3 mm bestimmt, und zwar in beliebigen Stellungen der Mutter.
nut_measuring_DSC00222.JPG
Somit war klar, daß die Bohrung für die Spindelmutter als Referenz geeignet war.


Im nächsten Schritt habe ich das Unterteil des Oberschlittens auf den Querschlitten der Drehbank gespannt und dabei die Höhe durch Zwischenlagen festgelegt.
compound_centering_DSC00231.JPG
Der Schlitten wurde dann mit Hilfe der Messuhr parallel zur Spindelache ausgerichtet.
compound_aligning_DSC00227.JPG

Auf das derart provisorisch fixierte Unterteil habe ich das Oberteil aufgeschoben und die Keilleiste relativ fest angezogen. Das Ganze wurde dann stabil geklemmt. (Im Nachhinein fiel mir auf, daß es seiten-stabiler gewesen wäre, wenn ich die Parallelunterlagen-Stapel nicht genau parallel zueinander ausgerichtet hätte.)
compound_boring_setup_DSC00228.JPG
Die Ausrichtung habe ich dann erneut mit dem Zentrikator kontrolliert (Das Foto zeigt eine Zwischenkontrolle noch ohne die komplette Aufspannung.).
compound_aligning_DSC00233.JPG
Gebohrt wurde dann, wie gehabt, mit dem "Vierbacken-Wohlhaupter", also einer in's Vierbackenfutter eingespannten Bohrstange. Den Bohrungsdurchmesser habe ich mit Hilfe der (einzeln verstellbaren) Backen des Futters eingestellt.
Ich würde mit dieser etwas rustikalen Methode keine Präzisionspassungen herstellen wollen, aber bei langsamen schrittweisem Herantasten funktioniert das ganz gut.

Hier die fertige Bohrung
compound_bore_DSC00237.JPG
und das Lager passt auch wie gewünscht mit leichtem Spiel
compound_with_bearing_DSC00238.JPG
Nun muss ich mir noch eine Hülse bauen, um die 17 mm Innendurchmesser des Lagers an die Spindel (16 mm) anzupassen.
Außerdem fehlt noch der "Deckel", mit dem der Außenring des Lagers in den Schlitten geklemmt wird.

Dem aufmerksamen Betrachter ist vielleicht aufgefallen, daß der zunächst noch sichtbare "Deckel" irgendwann verschwunden ist. Der Grund ist, daß dieses Stahl-Teil in das Gußteil eingepresst war und beim Ausbohren irgendwann herausfiel. Das war aber kein Problem, im Gegenteil: ich hatte sowieso geplant, diesen "Deckel" neu anzufertigen, um das Lager zu klemmen.


Viele Grüße

Harald

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