meine "neue" Torsa Drehmaschine

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FP91
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Re: meine "neue" Torsa Drehmaschine

Beitrag von FP91 » Di 8. Nov 2016, 19:01

Die funktionsweise des Vorgeleges ist normal. Ist bei den meisten Maschinen vor 45 so gelöst. Der Zustand scheint wirklich schön zu sein :-)

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Harald F.
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Re: meine "neue" Torsa Drehmaschine

Beitrag von Harald F. » Di 15. Nov 2016, 19:15

Guten Abend,

wiederum ein kurzes update zur Demontage meiner Torsa.

Das Futter ging mit einem Hebel zwischen den Backen erstaunlich leicht herunter.
(Das könnte allerdings bei Linkslauf der Maschine zum Problem werden.)

Dann den Oberschlitten 'runter, das Lager von Zug- und Leitspindel rechtsseitig
demontiert und den Schlitten nach rechts abgezogen. Kinderspiel! Den Schlitten
kann ich noch ganz gut heben - also auch kein Problem.
Auch das Norton-Getreibe mit den Spindeln war recht einfach zu demontieren.

Die erste Schwierigkeit trat dann bei dem Versuch auf, das Maschinenbett
auf der Spindelstockseite vom Fuß zu trennen. Ich hatte beide Verbindungs-
schrauben weitgehend gelöst und die Maschine mit dem Motorheber unter
dem Spindelstock angehoben. Der Fuß schwebte!
Es halfen weder Hammerschläge auf den Fuß noch die Versuche, mit einem
Meißel den Spalt zwischen Fuß und Bett zu vergrößern.
Also die Muskeln wieder aus- und das Gehirn ein-geschaltet ... und nach
kurzer Suche eine dritte Schraube unter dem Spänehaufen im Maschinenbett
entdeckt. :wall:
Beide Füße sind nun lose. :2up:

Insgesamt sieht die Maschine wirklich gut und recht gepflegt aus. Keinerlei Rost
und (naja fast) überall Öl, wo welches hingehört. Kein spürbares Spindelspiel.
(Ich habe aber noch keine Messuhr daran gehalten.)
Ein kleines Manko habe ich allerdings entdeckt: das auf der Spindel sitzende Ritzel,
mit dem das Vorgelege für den "Kriechgang" angetrieben wird, leidet unter
Karies, d.h. es fehlt ein Zahn. Merkwürdigerweise ist das Ritzel des weniger stark
belasteten Zahnradpaares beschägt, was gegen einen Bruch durch Überlastung
spricht. Nun ja, das könnte ein interessantes Fräs-Projekt werden :andiearbeit:

Da ich heute nur wenig Zeit hatte, kann ich leider keine Fotos anbieten.

Ich wünsche Euch noch einen schönen Feierabend

Harald

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Mauzi
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Re: meine "neue" Torsa Drehmaschine

Beitrag von Mauzi » Di 15. Nov 2016, 19:52

Oh....Harald,
tolles Maschinchen...Das "Karieszahnrad" läßt sich sicherlich wieder neu anfertigen. Vielleicht die Zähne härten lassen...

Althergebrachtes Material C45 hätte ich wahrscheinlich noch da. Kommt auf die Größe an.

Wenn das Zahnrad eine gewisse Größe übersteigt, dann lässt sich dieses nicht gut auf der EMCO 8 bearbeiten.
Ich meine nur, vielleicht nicht zu viel von der "neuen" Maschine zerlegen. Die wird ja u.U. für die Eigenrestauration noch gebraucht.
Der fehlende Zahn könnte man dafür vernachlässigen.

Ist das Bett gehärtet?

Gruß

Jürgen
Achtung aufpassen!! Die meisten Unfälle ereignen sich im häuslichen Bereich!

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Harald F.
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Re: meine "neue" Torsa Drehmaschine

Beitrag von Harald F. » Di 15. Nov 2016, 20:26

Guten Abend
Mauzi hat geschrieben:Oh....Harald,
tolles Maschinchen...Das "Karieszahnrad" läßt sich sicherlich wieder neu anfertigen. Vielleicht die Zähne härten lassen...

Althergebrachtes Material C45 hätte ich wahrscheinlich noch da. Kommt auf die Größe an.

Wenn das Zahnrad eine gewisse Größe übersteigt, dann lässt sich dieses nicht gut auf der EMCO 8 bearbeiten.
Die EMCO müsste noch reichen. Ich hab nicht nachgemessen, schätze aber den Durchmesser des Rades auf
60 mm - 70 mm. Material (C45) habe ich auch noch da.
Mir fehlen lediglich die Profilfräser, aber die sind ja bezahlbar. (Ja, da würde ich notfalls auf Chinaware
zurückgreifen.) Ich hätte jedenfalls mal Spaß daran, ein solches Zahnrad zufräsen.

Mir fallen vier Lösungsmöglichkeiten ein

* kaufen - ich hab mal nach ähnlichen Rädern gesehen - sollte für nen Hunderter zu haben sein
* komplett aus dem Vollen (C45 oder Grauguss?) drehen und fräsen (macht am meisten Spaß)
* den ausgefallenen Zahn mit Bronze hartlöten und dann ausfräsen (Keith Fenner hat das mal gezeigt)
* den fehlenden Zahn durch eingesetzte Stahlstifte ersetzen

Übrigens kämmen scheinbar so viele Zähne, daß man beim Drehen der Räder auch in dem
schadhaften Bereich keinerlei "Ruckeln" spürt. Eventuell ist die Drehbank also bei geringer
Belastung sogar mit dem defekten Ritzel nutzbar. (Würde ich vermeiden wollen,
um Folgeschäden zu vermeiden.)



Ich meine nur, vielleicht nicht zu viel von der "neuen" Maschine zerlegen. Die wird ja u.U. für die Eigenrestauration noch gebraucht.
Der fehlende Zahn könnte man dafür vernachlässigen.
Das stimmt. Auf jeden Fall ist es ein guter Gedanke, die Maschine zunächst betriebsfähig zu erhalten.
Ist das Bett gehärtet?
ich weiss es, ehrlich gesagt, nicht. Die Führungen des Schlittens sehen optisch halbwegs okay aus. Seltsamerweise sind unter dem Reitstock heftige Kratzer zu sehen. Ich hab aber noch nichts ausgemessen.

Viele Grüße

Harald

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uumpower
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Re: meine "neue" Torsa Drehmaschine

Beitrag von uumpower » Di 15. Nov 2016, 21:33

Fesches Maschinchen , da bin ich ja mal auf deine Restaurierung gespannt.
Vllt komm ich dann wieder auf den Geschmack und zerlege auch wieder mal was ;-)
Grüße

Florian

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Bolle
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Re: meine "neue" Torsa Drehmaschine

Beitrag von Bolle » Mi 16. Nov 2016, 01:14

Harald F. hat geschrieben:
Sie läuft wie ein Nähmaschinchen
Glückwunsch zu dem Schnuckelchen !
Ich frag dieser Tagel unter "wer bastelt mir was", ob Du meiner Jacke nicht mal einen Reissverschluss einnähen könntest :-)
Bolle grüsst

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Stahlfussel
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Re: meine "neue" Torsa Drehmaschine

Beitrag von Stahlfussel » Mi 16. Nov 2016, 09:33

Hallo Harald,
Harald F. hat geschrieben:Ein kleines Manko habe ich allerdings entdeckt: das auf der Spindel sitzende Ritzel, mit dem das Vorgelege für den "Kriechgang" angetrieben wird, leidet unter Karies, d.h. es fehlt ein Zahn. Merkwürdigerweise ist das Ritzel des weniger stark belasteten Zahnradpaares beschägt, was gegen einen Bruch durch Überlastung spricht.
Dann hat da sehr wahrscheinlich einer der Vorbesitzer das Vorgelege in Eingriff gebracht, um die Spindel zu sperren und so den Futterflansch lösen zu können. Obwohl die Versuchung groß ist, soll man das nicht machen. Wie schon geschrieben, Rückwärtsgang und Holzklotz.
Harald F. hat geschrieben:die Funktionsweise des Vorgeleges für den "Schneckengang".
... ist bei meiner Oskar Ehrlich ganz genauso. Hier der Knopf zum Entkoppeln von Riemenscheibe und Spindel.
Bild4Harald.jpg

Torsa klingt für mich irgendwie romanisch. "Tor" für Drehbank Torno (sp.), Tour (fr.) und "SA" für die Unternehmensform Sociedad anónima (sp.), Societé anonyme (fr.). Italien scheidet m. E. aus, da die Maschine nach dem Schema dann eher Torspa heißen müsste.

Das wird bestimmt wieder ein schönes Projekt.

Gruß,
Jochen

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spansau
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Re: meine "neue" Torsa Drehmaschine

Beitrag von spansau » Mi 16. Nov 2016, 10:38

Morgen Harald,
Du hast anscheinend etwas weniger Probleme mit Deiner als wir mit unserer.
Das erste Zahnrad die letzten 5 Bilder auf dieser Seite: > viewtopic.php?f=47&t=5628&start=0

Das zweite Zahnrad vom Getriebe die letzten 7 Bilder auf dieser Seite:> viewtopic.php?f=47&t=5628&start=20
Spindelstock mit Vorgelege (nicht defekt) etwa in der Mitte der Seite. Der Aufbau dürfte mit Deiner identisch sein.
Gruß
Max

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Harald F.
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Re: meine "neue" Torsa Drehmaschine

Beitrag von Harald F. » Mi 16. Nov 2016, 19:35

Guten Abend
spansau hat geschrieben:Morgen Harald,
Du hast anscheinend etwas weniger Probleme mit Deiner als wir mit unserer.
oh je, das sah bei Dir ja schlimm aus. Dagegen ist meine Maschine geradezu neuwertig.
(Soweit ich das bisher beurteilen kann - nicht zu früh frohlocken.)

Das Konstruktionsprinzip mit dem "Schneckengang" scheint tatsächlich
Standard gewesen zu sein. "tubalcain" zeigt genau das gleiche Prinzip
an einer amerikanischen "Southbend". Übrigens scheint daher der Ausdruck
"backgear" für den Langsamgang zu stammen.

https://www.youtube.com/watch?v=KjmnFHMiDr4

Viele Grüße

Harald

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Harald F.
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Re: meine "neue" Torsa Drehmaschine

Beitrag von Harald F. » Sa 3. Dez 2016, 16:26

Guten Tag,

heute war es endlich soweit: meine "neue" Torsa fand den Weg vom "Tuchwerk" in meine heimische Garage. Auch dank der tatkräftigen Unterstützung von scippy (Chris) ist das alles glatt gelaufen.
Ich habe die Maschine in ihre Baugruppen zerlegt, und so konnte ich sie in drei Bulli-Fuhren transportieren.
Am schwersten ist das Bett, das ich noch so gerade an einem Ende anheben kann. Der Kran hat sich wieder als nützlicher Helfer erwiesen.

Hier einige Umzugs-Impressionen:
torsa-DSC01945.jpg
torsa-DSC01958.jpg

Ich werde mir nun eine Komponente nach der anderen vornehmen und restaurieren.

Interessant fand ich übrigens die Konstruktion, mit der der Winkel des Spindelstocks eingestellt wird. Ähnlich wie bei manchen Reitstöcken drücken zwei Stellschrauben seitlich vom Spindelstock gegen das Maschinenbett und erlauben so eine Feinjustierung.

Die Maschine war im Original offenbar hellgrau. Ich kämpfe noch mit meinem Gewissen, ob ich die Torsa mit der von der Thiel-Restaurierung übrig gebliebenen Lindgrün-Mipa-Farbe oder authentischer mit Lichtgrau-Mipa lackiere.

Viele Grüße

Harald

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