WMW-Eisenschweindrehmaschine - Prüfung & Aufarbeitung

diggi
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WMW-Eisenschweindrehmaschine - Prüfung & Aufarbeitung

Beitrag von diggi » So 30. Mär 2014, 21:40

Hi Leute,

nun nimmt der Wahnsinn seinen Lauf ... die WMW ist heute angekommen und steht auf dem Hof. :| Erst wollten wir sie per Ameisen unter den Paletten und Winde vom angekippten Trailer abseilen, aber das schien in Anbetracht der schieren Massen doch etwas sportlich. Zum Glück ist der Nachbau Bauer und wohnt auch noch nebenan ;-) und konnte schnell mit dem Telelader einspringen (leider wieder nur Schlaufonphotos, weil meine Frau die gute Knipse mit hatte)
IMAG1948 (Medium).jpg
Da chteht ter Purche
Draussen deshalb, weil wenn sie doch in den Schrottcontainer muss, will ich die Werkstatt nicht umsonst umgeräumt haben.

Vielleicht noch ein paar Eckdaten, die ich bis jetzt ermitteln konnte:
- kein Typenschild, garnix :scheisse:
- Es scheint eine Kopie einer Einheitsdrehbank von VDF (vereinigte Drehbank Fabriken) zu sein, wie sie vorrangig von Böhringer, Heidenreich & Harbeck u.a. gebaut wurde. In dem Falle wäre es E3 oder V3. Wenn jemand Infos dazu hat, wäre ich sehr dankbar. WMW habe ich angeschrieben, die haben keine Unterlagen dazu :-(
- sie wiegt knapp 2 Tonnen :o - ok, wenn ich die Spänewanne leerräume 100kg weniger (gut für den Schrottpreis)
- Drehzahlbereich 22 bis 1000 upm per Getriebe (die VDF´s dieser Epoche, die ich im WWW gefunden habe, gehen meist nur bis 600)
- Vor- und Rückwärtslauf + Neutral (der Motor läuft durch) vom Schlosskasten bzw. Nortonkasten aus schaltbar, per Lamellenkupplung
- eine Spindelbandbremse hat sie auch, da ist nur das Band abgerissen - reparabel
- alle möglichen Gewinde und -steigungen ohne Räderwechsel
- die Getriebeschmierung erfolgt so, dass die Zahnräder das Öl an Abdeckbleche (liegen im ersten Bild auf der Palette) oben im Kasten schleudern, von welchen es dann in eine Verteilrinne im Getriebekastenrand zu den Lagerstellen läuft. Das ist ganz klar anders zu den übrigen VDFs, die (alle) eine Zahnradpumpe und Druckleitungen haben.

Nun gehts ans Prüfen, dazu würde ich euch gern mit Fragen löchern, ok!? Vorweg noch: ich habe keine Erwartungen an Präzision, Qualität usw. - es ist ein Rettungsversuch und ich bin mir vollkommen im Klaren darüber, dass das Experiment auch in die Hose gehen kann!!! Das Ganze ist weder wirtschaftlich schönzurechnen noch werde ich damit keine Gewinne erzielen. Es ist reines Interesse und Hobby und vielleicht wird ja am Ende sogar alles gut ;-)

Mein Plan wäre:
1. Spindellager spielfei nachstellen
2. neues Klemmbrett + provisorische Stromversorgung
3. Futter auschleifen
4. Welle drehen und vermessen
5. Bett vermessen (so gut es mit meinen Mitteln geht)

Würdet ihr auch so tun?

zu 1.: Also, sämtliche Wellen haben dicke Rollen- oder Kugellager. Leider kann ich in das Hauptlager ohne Demontage nicht reinsehen. Hier sind Bilder:
IMAG1952 (Medium).jpg
IMAG1954 (Medium).jpg
Wie warscheinlich ist es, dass dort ein Gleitlager verbaut ist?

Die Spieleinstellung erfolgt wohl an der Motorseite:
IMAG1981 (Medium).jpg
IMAG1980 (Medium).jpg
IMAG1979 (Medium).jpg
Weiss jemand, wie der Aufbau der Lagerung ist und wie man da vorgeht? Meint ihr, ich sollte einfach nachstellen, oder lieber mal die Spindel ziehen und die Lagerung begutachten?

Auf jeden Fall ist die Verkabelung gut mit Gebrauchsspuren versehen - autsch. Gut, dass die nicht am Netz hing...
IMAG1966 (Medium).jpg
IMAG1973 (Medium).jpg
Aber das ist ja schnell getauscht, Klemmbretter gibts bei Elosal...
Der Motor ist übrigens von "Sachsenwerk". Mit Google landet man dann auf der aktuellen VEM-Seite. Ob sich darüber wenigsten halbwegs ein Alter abschätzen lässt?
IMAG1967 (Medium).jpg
Dann weiter zum Bett: Der Reitstock läuft ja auf einem eigenen Prisma/Führung, das theoretisch nicht besonders abgenutzt sein dürfte - zumindest sieht es so aus:
IMAG1968 (Medium).jpg
Ich würde also den Bettschlitten abnehmen, an den Reitstockfuß den Pupitaster anbauen und damit das Prisma und die Unterbahn vom Bettschlitten abfahren, um den Verschleiß zu messen. Meint ihr, dass das etwas bringt?
Sollte sich - in Kombination mit dem Testdrehergebnis - ein nicht tolerierbarer Verschleiss abzeichnen, stelle ich mir vor, vom Reitstockfuß aus mit einem Geradschleifer o.ä. das Schlittenprisma sowie ggf. die Unterbahn nachzuarbeiten. Ich hab das mal bei Youtube irgendwann so gesehen...was ist davon zu halten?

Hier nochmal das schöne Messing-"Nomogramm" für die Drehzahlen - leider mit den blöden Schrauben verhunzt. :scheisse:
IMAG1951 (Medium).jpg
Ich glaub, das reicht erstmal... Also ich bin ganz guter Dinge, dass die wieder hinzukriegen ist 8-) Die Größe und dazugehörige Haptik sind mal krass. Dass zb der Bettschlitten, der länger und schwerer ist, als mein Chinakracher insgesamt, sich so saugend verfahren lässt, ist echt beeindruckend. Wenn die ganze Kiste zu retten ist, werden wir beide bestimmt ne Menge Spass haben :2up:

Danke schonmal, dass ihr bis hier durchgehalten habt!
Gruß
Dirk

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Re: WMW-Eisenschweindrehmaschine - Prüfung & Aufarbeitung

Beitrag von uli12us » So 30. Mär 2014, 22:06

Das nachschleifen würde ich nur als absolut letzten Ausweg ansehen. Einfach weil sicher auch die Reitstockführung abgenutzt ist. Dann noch eher nen Dicken Gussriegel besorgen, den genau auf Ebenheit bearbeiten und da drauf 2 ordentliche Linearführungen draufbauen.

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Re: WMW-Eisenschweindrehmaschine - Prüfung & Aufarbeitung

Beitrag von Oliver M » So 30. Mär 2014, 22:42

Hallo Dirk

Der VDF-Verbund bestand ja mal aus 4 Firmen.
Böhringer, Heidenreich & Harbeck und Wohlenberg sowie Franz Braun Zerbst.
Nach dem Krieg war Braun im Osten und damit raus aus der VDF und wurde ins WMW-Kombinat eingegliedert.

Bilder der Spindelstockinnereien wären interssant.

Gruß Oliver
Früher war alles:
A: besser B: aus Holz C: mit Schlitzschrauben

diggi
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Re: WMW-Eisenschweindrehmaschine - Prüfung & Aufarbeitung

Beitrag von diggi » So 30. Mär 2014, 22:58

uli12us hat geschrieben:Das nachschleifen würde ich nur als absolut letzten Ausweg ansehen. Einfach weil sicher auch die Reitstockführung abgenutzt ist. Dann noch eher nen Dicken Gussriegel besorgen, den genau auf Ebenheit bearbeiten und da drauf 2 ordentliche Linearführungen draufbauen.
Stimmt, das ist ja noch nicht ausgeschlossen. Na, mal erstmal messen, dann sehen wir weiter...
Gruß
Dirk

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Re: WMW-Eisenschweindrehmaschine - Prüfung & Aufarbeitung

Beitrag von diggi » So 30. Mär 2014, 23:00

Oliver M hat geschrieben:Hallo Dirk

Bilder der Spindelstockinnereien wären interessant.

Gruß Oliver
nichts leichter als dies...
Dateianhänge
IMAG1959 (Medium).jpg
IMAG1962 (Medium).jpg
Gruß
Dirk

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Re: WMW-Eisenschweindrehmaschine - Prüfung & Aufarbeitung

Beitrag von DerRestaurator » So 30. Mär 2014, 23:03

diggi hat geschrieben:Wie warscheinlich ist es, dass dort ein Gleitlager verbaut ist?
Ca. 100% Wahrscheinlichkeit ;-)

Die kleinen Nutmutter gaaanz links sind für die Axialrillenkugellager, die Großen für die außenkegeligen Gleitlagerbuchsen, deren Einbau- /Spannrichtung es herauszufinden gilt :andiearbeit:

:hi: Philipp
Wissen schützt vor Dummheit nicht...

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Re: WMW-Eisenschweindrehmaschine - Prüfung & Aufarbeitung

Beitrag von diggi » So 30. Mär 2014, 23:16

Irgendwie kann ich keine Bilder mehr einfügen!?

@ Oliver: da keimt ein Funke Hoffnung, dass du Infos zu diesen WMW-Maschinen hast!? Das wäre super! Wie gesagt, der Bilderupload geht gerade nicht, ich versuchs morgen nochmal...

@ Philipp: Aha...das hätte ich nicht gedacht. Könnte es sein, dass die Präzision damals noch nicht mit Rollen/Kugellagern möglich war? Du bezeihst dich bei deiner Aussage auf die linke Seite, oder? Dann bedeutet dass, das lediglich die Axialkräfte durch 2 Axialkugellager aufgenommen werden? Und wie könnte es futterseitig aussehen? Sciher dann auch ein aussenkegliges Gleitlager, dass durch das "Zusammenspiel" der Muttern innen/aussen enger gestellt wird!?

Ich glaub, das Zerlegen der Spindel ist unumgänglich... ;-)
Gruß
Dirk

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Re: WMW-Eisenschweindrehmaschine - Prüfung & Aufarbeitung

Beitrag von drehbank24 » So 30. Mär 2014, 23:24

Hey Dirk!

Geiles Ding! Die Zahnräder sehen auf den Bildern alle noch sehr gut aus. Die Karre ist insgesamt natürlich etwas eingeschmaddert, aber das kriegt man ja leicht runter. Dein Plan klingt auch recht vernünftig.
Wenn ich überlege, wie Phillips Meuser aussah, als er sie aus der komischen Halle geholt hat, dann bin ich guter Dinge, dass deine Pseudo-WMW erstrecht gut laufen wird :)
Mach ruhig noch n paar Bilder, gerade auch vom Bettschlitten, vom Bett am Futter und weiter hinten, vom Spindelstockinnenleben (etwas direkter von oben) und dann sehen wir weiter!

:andiearbeit:

Viele Grüße

Maik
Drehbänke: Liebert & Gürtler 360x1000, 1,5kW
Pittler lathes 140x140, 0,4 kW
Standbohrmaschinen: C. F. Wischeropp 2,2 kW, 200mm Hub, MK-3
FLOTT SB 23 1,1kW, 150mm Hub, MK-3

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Re: WMW-Eisenschweindrehmaschine - Prüfung & Aufarbeitung

Beitrag von Oliver M » So 30. Mär 2014, 23:31

- die Getriebeschmierung erfolgt so, dass die Zahnräder das Öl an Abdeckbleche (liegen im ersten Bild auf der Palette) oben im Kasten schleudern, von welchen es dann in eine Verteilrinne im Getriebekastenrand zu den Lagerstellen läuft. Das ist ganz klar anders zu den übrigen VDFs, die (alle) eine Zahnradpumpe und Druckleitungen haben.
Ist bei Maschinen dieser Epoche durchaus üblich, die Pumpenschmierung kam bei VDF erst nach dem Krieg auf.
Ich bin auch relativ sicher das da Gleitlager verbaut sind.
Aber bevor du was zerlegst besorg dir die passenden Hakenschlüssel.

Unterlagen hab ich leider keine aber die bekommst du auch so wieder ans laufen.

Mach erst mal das Futter runter und meß den Rundlauf im Spindelkonus.
Dann kann man sagen ob du überhaupt was nachstellen mußt.

Die nachschleif (pfusch) aktion würde ich mir gut überlegen.
Damit alleine wär es, wenn es gut geht, nämlich noch nicht getan, dem Bettschlitten müsstest du dann auch einschaben und schlimmstenfalls passt die Position von Leit und Zugspindel nicht mehr.

Wichtig ist auch die Maschine vor irgendwelchen Messungen richtig aufzustellen und auszurichten.

Gruß Oliver
Früher war alles:
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DerRestaurator
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Re: WMW-Eisenschweindrehmaschine - Prüfung & Aufarbeitung

Beitrag von DerRestaurator » So 30. Mär 2014, 23:44

diggi hat geschrieben:
@ Philipp: Aha...das hätte ich nicht gedacht. Könnte es sein, dass die Präzision damals noch nicht mit Rollen/Kugellagern möglich war? Du bezeihst dich bei deiner Aussage auf die linke Seite, oder? Dann bedeutet dass, das lediglich die Axialkräfte durch 2 Axialkugellager aufgenommen werden? Und wie könnte es futterseitig aussehen? Sciher dann auch ein aussenkegliges Gleitlager, dass durch das "Zusammenspiel" der Muttern innen/aussen enger gestellt wird!?

Ich glaub, das Zerlegen der Spindel ist unumgänglich... ;-)
Vorsicht beim Zerlegen! Wenn du die Gleitlager aus dem Gehäuse nimmst, solltest du die Lager wieder einschaben!

Die Axialkräfte werden alle auf der linken Seite abgefangen - die Spindel leitet sie durch ;-) Das rechte Gleitlager ist 'etwas' stabiler gebaut als das linke, um die schweren Werkstücke, Planscheiben,... aufzufangen. Die Gleitlager sind rechts und links (abgesehen von der Größe) gleich - selten sind die Lager wohl von der Kegeligkeit gegenläufig montiert.


@drehbank24

Danke für die Blumen :handshake: :trink2:
Wissen schützt vor Dummheit nicht...

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