Thema unterschätzt - erste Drehmaschine, welches Zubehör?

xeenon
Beiträge: 13
Registriert: Mi 5. Jun 2019, 08:43
Germany

Thema unterschätzt - erste Drehmaschine, welches Zubehör?

Beitrag von xeenon » Mi 5. Jun 2019, 09:42

Einen wunderschönen Mittwoch wünsche ich,

Mein Name ist Daniel, komme aus dem schönen Oberbayern und habe mir gestern einen langersehnten Traum erfüllt.

Ich wollte schon immer eine kleine Drehbank haben. Nachdem ich gefühlte 100 gebrauchte Bänke angesehen und 5000km Autofahrt hinter mir habe, habe ich mich entschlossen eine neue Holzmann ed 400fd zu kaufen. Ich habe vorher viel über die Drehbank gelesen (99 Prozent hier im Forum) und bin über die Schwächen und eventuell erforderlichen Umbauten informiert. Die Holzmann ist es geworden, da ich schon ein Gerät von der Marke habe und der Support mich überzeugt hat.

Jedenfalls habe ich mir die Drehbank jetzt bestellt, wollte entsprechendes Zubehör bestellen und bin schier erschlagen worden. Ich muss ehrlich zugeben das ich überfordert bin. Und da das Zubehör auch einiges an Geld kostet möchte ich euch um Hilfe und Vorschläge bitte.

Es fängt schon bei dem Drehstahl an.

Was ich weiß:
sets sind nicht empfehlenswert, da man nur die wenigsten braucht.
Ich brauche Eisen für wenig außergewöhnliche Sachen. Außen abdrehen, innen abdrehen, Plan drehen, anfasen, Links/rechts Gewinde
Ich möchte einfachem Stahl (nicht oder niedrig legiert), Alu, Messing drehen.

Außerdem hätte ich gerne ein Bohrfutter für den Reitstock

Jetzt kommen wir zu dem was ich nicht weiß.
Welche "Art" ist die passende? Von Wendeplatten habe ich fast nichts gutes gelesen. Dann gibt's noch Hart Metall oder HSS, wobei sich kein Favorit rauskristalisiert hat. HSS kann man wohl öfter und um-schleifen.
Außerdem scheint das bei jeder Art starke qualitative Schwankungen zu geben, ich habe aber bis jetzt keinen Shop gefunden der empfohlen wird und gleichzeitig eine zeitnahe Lieferung (1-3 Tagen) hat.
Wie oben erwähnt möchte ich auch ein Bohrfutter. Allerdings möchte ich nicht gleich ein Profi Teil für über hundert Euro, sondern ein einfaches Einsteiger Teil. Das Budget ist gerade etwas knapp und nachkaufen kann ich immer. Aber es soll kein klump sein welches schon bei der ersten Benutzung Ärger macht.

Ich weiß das solche Threads zu hauf gibt. Ich habe sich schon einige gelesen, die sind aber meistens Jahre alt. Oft sind Shops nicht mehr verfügbar oder die Qualität hat sich verändert.

Vielleicht möchte sich jemand (zähneknirschend) die Zeit nehmen und mir helfen.

Vielen dank und einen schönen Tag
Daniel

Benutzeravatar
FP91
Beiträge: 1659
Registriert: Di 17. Feb 2015, 21:57

Re: Thema unterschätzt - erste Drehmaschine, welches Zubehör?

Beitrag von FP91 » Mi 5. Jun 2019, 09:54

Hi Daniel,

briefly: Unterscheide zwischen Maschinenspezifischem Zubehör (Lünetten, Futterflansche etc.) und unspezifischen Zubehör (Drehmeißel, Bohrer ...)

Von ersterem überlege dir was du brauchst und bestell es gleich mit. Bei zweiterem helfen Flohmärkte. Von Wendeplatten muss nicht generell abgeraten werden, aber stumpfe Geometrien für viel Schneiddruck gehen halt auf so kleinen Maschinen nicht. Versuche außerdem dich beim Schneidstoff (Platte selbst, HSS) außerhalb von China zu bedienen. Das gibt nur Frust.

Ein paar Fehlkäufe wirst du haben, das ist normal. Lesen und schauen hilft aber.

Grüße

Flo

Helix
Beiträge: 1037
Registriert: Mi 12. Mär 2014, 10:19
Germany

Re: Thema unterschätzt - erste Drehmaschine, welches Zubehör?

Beitrag von Helix » Mi 5. Jun 2019, 10:08

Von Wendeplatten habe ich fast nichts gutes gelesen. Dann gibt's noch Hart Metall oder HSS, wobei sich kein Favorit rauskristalisiert hat. HSS kann man wohl öfter und um-schleifen.
Dann mach ich mich mal unbeliebt und sage: Für den Anwendungszweck + als Einsteiger sind scharfe WPs(die übrigens aus Hartmetall sind) deutlich besser als HSS. Warum?
Zum einen können sie wesentlich mehr Schnittgeschwindigkeit ab. Das mag sich jetzt für einen Anfänger nicht wichtig anhören, aber gerade wenn du mal große und kleine Durchmesser mit der gleichen Drehzahl bearbeitest, zu doll zustellst oder doch mal einen härteren Werkstoff wie 10.9er Schrauben zwischen hast, ist das deutlich angenehmer.
HSS schafft grob gesagt 1/3 von dem, was eine Wendeplatte unter gleichen Bedindungen schaffen kann an Schnittgeschwindigkeit und damit auch Vorschub.

Kühlung: HSS musst du schon bei Baustahl mächtig kühlen damit er nicht anläuft. HSS kannst du in weiten Teilen trocken drehen. Gerade für kleine Räume nicht unwichtig, ob man noch atmen kann oder in Rauchschwaden untergeht.

Schleifen: Bis du HSS schleifen kannst, sodass die Klingen scharf und haltbar sind, braucht es Erfahrung und Zeit. Und was hat man als Anfänger? Nichts davon. Bei Wendeplatten brauchst du nur eine Schraube bedienen können, dann geht es sofort nahtlos weiter.

Schau einfach welche Größe an Stahlhaltern du haben willst/wirst (denke mal 12mm?) und kauf dann die passenden DCMT Platten. Am besten die für Alu, die sind schön spitz und brauchen weniger Schneiddruck.


Bohrfutter: Kauf dir ein Röhm Schnellspannfutter und den passenden B16-MK2 Bohrfutterdorn. Die Röhmfutter kosten um die 50€. Ja, beim Chinamann gibt es auch ein ganzes Futter samt Dorn für 20€. Aber so ein Futter hält bei ein wenig Pflege ein Leben lang, und dann haste was gescheites.

Benutzeravatar
HansD
Beiträge: 18031
Registriert: Sa 6. Nov 2010, 18:19
Wohnort: 86641

Re: Thema unterschätzt - erste Drehmaschine, welches Zubehör?

Beitrag von HansD » Mi 5. Jun 2019, 10:14

Als ich mit drehen anfing habe ich auch die "üblichen Anfängerfehler" begangen.
Also ein graues HM-Set gekauft das selten zum Einsatz kommt. Und ein Zahnkranzbohrfutter das ständig dran kommt.

Es ehrt dich (übrigens willkommen im Club!) dass du sie vermeiden willst. Allein, es wird dir nicht gelingen!
Man kann sie allenfalls minimieren. Dabei hilft wenn man am Anfang nicht allzuviel Werkzeug mitkauft sondern einfach mal anfängt denn mit der Zeit weiss man dann eher was benötigt wird.

Auf Messen habe ich mir ein paar kleine (8x8) Drehstähle mit einem Päckchen scharfe WSP gekauft die heute noch nicht aufgebraucht sind obwohl sie öfter drankommen.
Den ersten "echten" Drehstahl habe ich bei einer Profifirma gekauft nach deren Beratung. Das wurde dann ein rechter 12x12 mit C-Platte weil man die zum Längs-und Plandrehen nutzen kann.
Zum Abstechen nehme ich meist ein 26 hohes Schwert mit 2er Platte.
Tja, das Innenausdrehen, da hab eich alles mögliche ausprobiert, meist nutze ich nun ein chinesisches Set mit kleinen C-Platten.

Hans

Mitlaufende Spitze nicht vergessen und einen Zentrierbohrer.
Bauberichte Thread #12691

Life is short - eat dessert first!
Kuchen macht nicht dick – er zieht nur die Falten glatt!

Benutzeravatar
Arnster83
Beiträge: 536
Registriert: Sa 10. Dez 2016, 20:21
Germany

Re: Thema unterschätzt - erste Drehmaschine, welches Zubehör?

Beitrag von Arnster83 » Mi 5. Jun 2019, 10:27

Muss mich auch einreihen in die Meinung das Wendeplatten eigentlich besser sind für die meisten Bearbeitungen. Es gibt ja mehrere Gründe dafür,das im professionellen Bereich alle damit arbeiten...nur muss man mit ihnen umgehen können. Natürlich gibt es Ausnahmen.
Daher aber ist es empfehlenswert als Beginner mit selber geschliffenen, billigen HSS Werkzeugen zu starten um nicht arm zu werden...
Liebe Grüße Arne

xeenon
Beiträge: 13
Registriert: Mi 5. Jun 2019, 08:43
Germany

Re: Thema unterschätzt - erste Drehmaschine, welches Zubehör?

Beitrag von xeenon » Mi 5. Jun 2019, 11:58

Vielen Dank für eure Hinweise. Dann werde ich wohl beides probieren. Wendeplatten und HSS.

Gibt es einen Shop den ihr empfehlen könnt wo ich alles in guter Qualität finde und nicht 1-2 Wochen warten muss? Möchte auch Porto sparen, obwohl das wohl der kleinste Posten ist.

Christian89
Beiträge: 148
Registriert: Mi 24. Apr 2019, 20:09
Wohnort: Nähe Magdeburg
Germany

Re: Thema unterschätzt - erste Drehmaschine, welches Zubehör?

Beitrag von Christian89 » Mi 5. Jun 2019, 12:06

Hallo,

Ich habe mit hss Drehlingen angefangen, die habe ich bei eBay für 2-4 Euro das Stück gekauft. Dann habe ich mich etwas mit Winkeln und Schneidengeometrie beschäftigt! Man merkt ziemlich schnell was gut ist, und was nicht. Es ging viel zu Bruch schneiden knackten der ganze Meißel brach, weil zu knapp eingespannt und und und. Bei wsp tut das finanziell vermutlich mehr weh als bei 3,- hss dreh meißeln.
Gruß Christian

Drehe: Gosmeta D250/1000
Fräse: Wmw 4102
Bohre: komunaras 2M112
Hobel:lange und geilen
Schleifer:Elbtalwerk slw st40, Gisag se 315
Säge: Kläger
Hebebühne: Stertil Koni 3,5t
Schweißen: mag,mma,autogen
Usw.

Limbachnet
Beiträge: 249
Registriert: Fr 12. Jun 2015, 21:51
Germany

Re: Thema unterschätzt - erste Drehmaschine, welches Zubehör?

Beitrag von Limbachnet » Mi 5. Jun 2019, 12:08

Ich hab' ja selbst vor gar nicht sooooo langer Zeit als Anfänger vor ähnlichen Fragen gestanden...

HM-Wendeplatten finde ich auch prima - bei den kleinen Maschinen taugen am ehesten die scharfen Platten, die mit "für Aluminium" bezeichnet werden. Die können auch Baustahl abnehmen...
HSS wiederum ist recht gutmütig, wenn man es misshandelt, wie z.B. bei unterbrochenem Schnitt. Es geht also beides. Mit angelöteten HM-Plättchen bestückte Drehmeißel sind gnadenlos billig zu bekommen, müssen aber vor der Benutzung erst mal benutzbar angeschliffen werden, die sind daher für den Anfang unpraktisch.

Das Anschleifen von Meißeln ist IMHO gar nicht sooo kritisch. Man muss halt im Hinterkopf haben, dass die Schneidkante drei Winkel angeschliffen bekommen muss - ob die Winkel nun aber genau nach Lehrbuch passen, ist bei Baustahl und Alu nicht gar so kritisch und Messing ist eh etwas speziell. HM-bestückte Meißel kann man notfalls auch mit der Kaindl-Diamantscheibe im Bohrmaschinen-Halter anschleifen. :pfeif:

Welches Maschinenzubehör - das hängt natürlich von der angedachten Nutzung ab. Ich wollte recht schnell eine feste Lünette für länger herausstehende Werkstüche haben (die hab' ich auch schon benutzt) und eine Planscheibe für größere Stücke - letztere ist aber noch gar nicht zum Einsatz gekommen... Ein Vierbacken-Futter kann man IMHO auch gut brauchen. Ein Bohrfutter für den Reitstock ist IMHO unverzichtbar. Bei den kleinen Maschinen IMHO unbedingt Zahnkranz-Futter, weil die Schnellspanner zu lang sind. Einen Schnellwechsel-Stahlhalter braucht man zwar nicht unbedingt, aber er ist schon SEHR hilfreich.
Schöne Grüße,
Matthias

Bob
Beiträge: 1239
Registriert: So 6. Feb 2011, 21:24
Germany

Re: Thema unterschätzt - erste Drehmaschine, welches Zubehör?

Beitrag von Bob » Mi 5. Jun 2019, 12:46

Hallo Daniel,

hier noch ein paar Anmerklungen von mir:

- Deine Maschine hat wenig Spitzenweite, da ist ein kurz bauendes Futter von Vorteil, also z.B. nicht ein Schnellspannfutter von der Tischbohrmaschine, sondern eher ein Futter von einem Akkuschrauber oder ein kleines Zahnkranzfutter
- HSS kann man gut mit der Flex in Form bringen, das macht dem Stahl nach meiner Erfahrung nichts aus
- Ich persönlich würde auf einer Maschine wie Deiner Maschine zu 50% Wendeplatten verwenden, Rest HSS
- Bei den Wendeplatten kommt es darauf an, dass sie zu der kleinen Maschine passen:
-0,2er Spitzenradius
- positive Geometrie (aggressiv geformte Schneide)
- eher unbeschichtet, Beschichtung bringt immer einen Verlust an Schärfe mit sich
-Man kann die Wendeplatten mit einem Diamantstein oder Diamantschleifscheine auch etwas an den Zweck anpassen

Die Lünetten würde ich mir gut ansehen, da wird zum Teil Wackelkram für relativ viel Geld verkauft, in diesem Fall lieber selbst bauen.

Lass Dich nicht von den vielen und teilweise widersprüchlichen Aussagen im Internet verwirren und in die Handlungsunfähigkeit treiben. Da wird viel mit dem Brustton der Überzeugung geschrieben, was gar nicht alternativlos ist oder auf Deine Situation nicht passt.

Viel Spaß mit der Maschine!

Viele Grüße,

Bob

flexiblebird
Beiträge: 574
Registriert: Fr 3. Aug 2012, 16:25

Re: Thema unterschätzt - erste Drehmaschine, welches Zubehör?

Beitrag von flexiblebird » Mi 5. Jun 2019, 13:15

xeenon hat geschrieben:
Mi 5. Jun 2019, 09:42
Von Wendeplatten habe ich fast nichts gutes gelesen.
Wendeplatten sind vorgeschliffen, man muss also ni´cht erst das Anschleifen lernen
wie bei HSS und Hartmetallbestückten Drehmeisseln.
Daher für Anfänger sehr zu empfehlen.
Man braucht aber welche für Alu-und-Nichteisenmetalle-und-Plastik und andere für Stahl.
Und Abstechmeissel nicht über 2mm Breite bei deiner kleinen Maschine, besser 1.6mm
https://www.ebay.de/itm/Abstechschwert- ... 3824506529
auch die Inserts jeweils für Alu und Stahl.
xeenon hat geschrieben:
Mi 5. Jun 2019, 09:42
Wie oben erwähnt möchte ich auch ein Bohrfutter. Aber es soll kein klump sein welches schon bei der ersten Benutzung Ärger macht.
Egal welches, nimm kein langes bei deiner kurzen Maschine.
Nimm ruhig ein Schnellspannbohrfutter aus Plastik wie für Akkuschrauber verwendet.
Wabeco F1200, RC6123BX500, Emco BS2, Woodstar PB06, Proxxon FKS/E

Antworten