Umbau meiner Rotwerk EDM 300 auf ELS (Elektronische Leitspindel)

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WL190
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Umbau meiner Rotwerk EDM 300 auf ELS (Elektronische Leitspindel)

Beitrag von WL190 » So 10. Feb 2019, 18:07

Hallo!

Nun ist es in ein paar Tagen schon ein Jahr her, das ich mir den Satz zum Umbau meiner kleinen Drehbank Rotwerk EDM 300 auf Betrieb mit einer Elektronischen Leitspindel gekauft habe. Es wurden ja schon mehrfach Umbauten auf ELS hier im Forum beschrieben. Eine ausführliche Beschreibung vom Entwickler und Anbieter dieser tollen Sache ist im Forum unter diesem Link zu finden: viewtopic.php?p=325274#p325274

Inzwischen gibt es zwar eine neuere Version, bei der das Bedienpult überarbeitet wurde, aber ich bin mit meiner Version sehr zufrieden. Auch die Software wird ständig weiterentwickelt! Zu finden sind die Teile hier: https://www.rocketronics.de/els/

Mit den Vorbereitungen für den Einbau bin ich dann auch recht bald nach Erhalt der Teile angefangen. Zuerst habe ich mir die Räder und Zahnriemen in den für meine Maschine passenden Größen besorgt. Da mußte ich sorgfältig messen und rechnen, damit ich keine falschen Abmessungen bestellte!

2 Zahnriemenscheiben HTD 26-3M-06 Alu
2 Zahnriemenscheiben HTD 30-3M-09 Alu
1 Zahnriemen HTD 195-3M Breite 6 mm
1 Zahnriemen HTD 357-3M Breite 9 mm

Die Teile habe ich von www.agrolager.de, werden aber auch bei anderen Anbietern erhältlich sein! Bei nahezu allen anderen Materialien konnte ich auf meine Bestände zurückgreifen.

Zuerst habe ich mich mit der Motorhalterunger für die Z-Achse beschäftigt. Der Motor sollte schwenkbar rechts auf der Rückseite der Drehbank angebaut werden und über den 357 mm Zahnriemen und die beiden 30 mm Zahnscheiben die Leitspindel antreiben.

Für die Halterung mußte ich zuerst eine Aluplatte so ausdrehen, damit der Schrittmotor mit seinem Absatz an der Stirnseite darin zentriert werden konnte. Die weiteren Teile waren schnell gemacht und miteinander verschraubt.
001 Vordere Motorplatte ausdrehen.JPG
Damit beim Ausdrehen der Platte für die Motorhalterung nicht die Backen des Futters in Mitleidenschaft gezogen wurden, habe ich Platte ringsum mir 3 mm Alustreifen unterlegt. Dann war das Futter so weit geöffnet, daß keine Gefahr mehr für die Backen bestand. Natürlich hätte man auch eine dünne Opferplatte hinter das Teil legen können, aber so ging es bei mir am Einfachsten.
002 Alle Teile der Motorhalterung Z-Achse.JPG
Alle Teile sind für den Zusammenbau vorbereitet. Den Bügel für die Schwenkeinrichtung habe ich später noch durch eine gefräste Version ersetzt!
003 Bohren der Motorhalterungsteile.JPG
Zum rechtwinkligem Bohren und Verschrauben habe ich die Teile auf meinen Fräswinkel gespannt.
004 Motorhalterung fertig montiert.JPG
Hier ist der Schrittmotor in die Halterung montiert.

Als nächstes kam die Halterung für den Encoder dran, der später die Drehzahl des Drehbankfutters überwacht. Der ließ sich bei mir am Besten auf einen arretierbaren Schwenkarm anbringen. So läßt sich der Zahnriemen nach Anbau leicht spannen. Die richtige Stellung des Encoders auf dem Schwenkarm mußte ich dann durch probieren herausfinden. Der angebaute Encoder darf schließlich nirgends im für die Riemenspannung nötigen Schwenkbereich anecken, andererseits muß auch der Netzwerkstecker sich problemlos einstöpseln lassen.

In den Encoderhalter wurde ein Kugellager versenkt, in dem bei mir eine 5 mm Welle für den Mitnehmer des Encoders steckt. Auf das längere freie Ende wurde dann die 26 mm Zahnriemenscheibe mit einer Madenschraube befestigt. Die Encodermontage ist in den Unterlagen zur ELS ausführlich beschrieben und man sollte die Schritte genau einhalten. Dann funktioniert nachher auch alles wie gewünscht.
007 Montage des Mitnehmers.JPG
Zur Montage wird auf das kürzere Wellenende zuerst der farbige Adapter aufgesteckt. Da werden mehrere in verschiedenen Farben mitgeliefert für unterschiedliche Wellendurchmesser. Darauf steckt man dann den Mitnehmer. Um den richtigen Abstand zum Schwenkarm einzuhalten, wird der "Kunststoffmaulschlüssel" zwischengelegt.
008 Zentrieren des Kunststoffclips.JPG
Um die Halteplatte in exakter Position anzubringen, wird nun ein Zentrierstück auf den Mitnehmer aufgesteckt und darüber die Montageplatte gestülpt. So wie sie hier ausgerichtet ist, ließ sich das Teil nicht so an der Maschine anbauen wie geplant. Daher mußte ich die Halteplatte noch mal neu ausrichten und verschrauben.
011Fertig verschraubt vorm aufstecken des Encoders.JPG
So steht die Encoderhalterung bei mir richtig! Nun kann der Encoder aufgesteckt werden. Er rastet in die Halterung ein und läßt sich mit etwas Vorsicht auch wieder abnehmen falls nötig!
012 Anbaufertig montierter Encoder mit Netzwerkkabel.JPG
Hier ist alles einbaufertig montiert und verkabelt. Ein kompletter Kabelsatz gehört zum Lieferumfang dazu.
013 Zahnriemenrad mit Verlängerungshülse.JPG
Weil die Zahnriemenscheibe bei mir etwas breiter ist, als das überstehende Wellenende an der Maschine, habe ich noch eine kleine Distanzhülse gedreht. In die Zahnriemenscheibe habe ich eine Nut eingestochen, damit sie verdrehsicher auf der Welle sitzt. Die Schraube sichert hinterher das Ganze.
014 der größte Teil hiervon wird verschwinden.JPG
014 der größte Teil hiervon wird verschwinden.JPG (114.25 KiB) 1060 mal betrachtet
Noch ein letzter Blick auf das Getriebegeraffel, bevor alles, was mit der Schere zusammen hängt, verschwinden muß. Zahnräderwechsel ist mit Anbau der ELS Geschichte und nie wieder nötig! Gewindeschneiden, und Innen- oder Außenkegel drehen usw. wird nun eine komfortable Sache!
015 Nach dem Umbau.JPG
015 Nach dem Umbau.JPG (77.16 KiB) 1060 mal betrachtet
Nach der Demontage der Schere mit Wechselrädern folgt der Anbau des Encoders. In den Schwenkarm habe ich noch ein Gewinde geschnitten für eine spitze Madenschraube. Mit der läßt sich der Arm nach dem Spannen des Riemens gegen Verdrehung sichern. Damit beide Zahnriemenscheiben in einer Flucht liegen, habe ich noch eine Hülse zwischen Arm und Drehbankbett auf die Befestigungsschraube gesteckt.
016 Encoder an EDM 300.JPG
Hier kann man die Details der Befestigung genauer erkennen!
018 Kabelhalter bei montierter Abdeckung.JPG
Damit das Lan-Kabel nicht versehentlich aus der Buchse gezogen werden kann, habe ich noch eine Zugentlastung aus zwei PP-Klötzchen gebastelt und an der Motorabdeckung verschraubt. Die an der Getriebeabdeckung angebrachte Zeichnung für die verschiedenen Wechselradpositionen werden nie wieder gebraucht.

Damit war der Taktgeber für die Steuerung schon mal montiert! Als nächstes habe ich mich mit der Halterung für den Schrittmotor der X-Achse beschäftigt. Zuvor habe ich allerdings die Spindel samt Spindelmutter ausgetauscht. Denn weil ich meine Rotwerk vor Jahren ja mal mit Digitalanzeigen ausgerüstet hatte, war damit eine zöllige Spindel verbaut. Die habe ich gegen die Originale metrische getauscht. Zum Glück hatte ich die aufbewahrt! Zwar könnte man die ELS auch für zöllige Spindeln konfigurieren, aber so fand ich es besser!

Nun gab es diverse Teile zu produzieren und zu montieren. Aber das war nach sorgfältigem Messen eigendlich kein großes Problem. Da der Motor bei mir direkt an die Spindel des Oberschlittens gekuppelt werden sollte, habe ich zum Ausgleich von Fluchtungsfehlern eine handelsübliche flexible Wellenkupplung dazwischen gesetzt. Als Schutz vor Spänen habe ich für den Kupplungsbereich eine kleine Plexiglasabdeckung hergestellt, die sich einfach aufstecken läßt.

Für den Anschluß des Motors habe ich diesmal aus einem Stück 80 mm POM einen Anschlußkasten und Deckel mit ca. 55 mm Kantenlänge gefräst. Damit man den Schlitten auch mal manuell verstellen kann, kam auf das freie Wellenende des Motors ein griffiges Handrad (von Hornbach). Manuelles Verstellen benutze ich allerdings nur noch selten und das geht auch nur einfach bei stromlosem Motor!
019 Distanzstück und Befestigungsplatte.JPG
Die ersten Befestigungsteile für den X_Achsen Schrittmotor sind fertig.
022 Distanzstück und Halteplatte montiert.JPG
So sieht das dann montiert aus! Damit ist die Basis für den Anbau des Motors geschaffen.
024 Der Abstand der beiden Platten beträgt hier 25 mm.JPG
Der Abstand zwischen beiden Platte muß bei meinem Motor 25 mm betragen. Zwischen den beiden Wellenenden muß etwas Luft bleiben.
026 Dann mit Distanzröhrchen sie Motorplatte.JPG
Hier ist alles schon am Schlitten montiert.

027 Zuletzt der Motor mit angebauter Kupplung.JPG
Motor und Spindel werden mit einer flexiblen Kupplung verbunden, um Fluchtungsfehler auszugleichen.
028 Herstellung einer Plexiglas-Abdeckung.JPG
Zu Abdeckung gegen Späne und als Schutz vor Berührung habe ich aus einem Streifen Plexiglas mittels Warmluft eine aufsteckbare Haube hergestellt.
029 Aus 80er POM-Rund soll ein Anschlußgehäuse werden.JPG
Nun fehlt noch eine Anschlußbox. Die entstand diesmal samt Deckel aus einem 80 mm Stück POM an der Fräse.


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Re: Umbau meiner Rotwerk EDM 300 auf ELS (Elektronische Leitspindel)

Beitrag von WL190 » So 10. Feb 2019, 18:13

030 Der X-Achse Stepper ist verdrahtet.JPG
In der Box ließen sich die Ader gut mit dem Anschlußkabel zur Steuerung verbinden. Eine Zugentlastung für das Kabel darf nicht vergessen werden! Damit man die Spindel bei abgeschaltetem Motor auch mal von Hand betätigen kann, habe ich noch ein Handrad auf dem freien Wellenstummel befestigt.

031 Abdeckung und neue Handräder.JPG
Weil das alte Handrad für die Schnellverstellung am Schloßkasten mit der neuen Motorhalterung kollidierte, habe ich es durch ein selbst gedrehtes, etwas kleineres aus Alu ersetzt. Auf einen Kurbelgriff verzichtet man hier besser, denn der könnte imm Automatikbetrieb zu einer bösen Falle für die Finger werden!


Jetzt kam die Z-Achse dran! Dazu mußte zuerst einmal die 30 mm Zahnriemenscheibe auf des rechte Leitspindelende montiert werden. Zum Glück war meine Leitspindel schon verlängert, weil ich an dem Ende früher schon mal einen Kurbelantrieb dafür gebaut hatte. viewtopic.php?f=9&t=585
Der wurde nun bis auf die Wellenverlängerung entfernt und damit der Platz für die Zahnriemenscheibe frei. Mit Madenschrauben habe ich diese befestigt. Vorher wurden noch kleine Senkungen in das Verlängerungsstück eingebracht, in die die Madenschrauben sicheren Halt finden.

Die Halterung für den Z-Achsenmotor war ja schon fertig, aber es fehlte auch hier noch die Anschlußbox. Die hatte ich zwischenzeitlich schon aus Kunststoff gebastelt und verklebt in der gleichen Art, wie ich es schon bei meiner Rundtischsteuerung gemacht hatte. viewtopic.php?f=4&t=31456

Auch für die Verbindung zur Steuerung habe ich die gleichen Stecker wie damals verwendet. Die sind mit 5 A pro Ader belastbar und lassen sich in der zugehörigen Buchse verschrauben. So kann es nicht durch Zug zu Ausziehen der Steckverbindung im Betrieb kommen.

Nachdem also alle Vorbereitungen abgeschlossen waren, konnte der Z_Achsenmotor schwenkbar auf der Rückseite des Maschinenbettfußes angeschraubt werden. Nach Auflegen des Zahnriemens konnte er dann mittels zweier Madenschrauben an der Oberkante der Halterung gespannt werden.
032 Zahnriemenrad auf Leitwelle.JPG
Die Zahnriemenscheibe ist mittels Madenschrauben an Senkungen in der Leitspindelverlängerung befestigt. So rutscht auch bei eventueller Blockade nichts durch. Die Verlängerung ist mit der Leitspindel mittels eines Scherstiftes verbunden.

034 Verdrahtung im geklebtem Gehäuse.JPG
Auch hier wurde wieder eine Anschlußbox gebaut. Darin lassen sich die Motoranschlüsse sicher mit dem Anschlußkabel zur Steuerung verbinden.

036 Über diese Steckverbinder werden die Motoren bestromt.JPG
Die von mir verwendeten 4 poligen Stecker und Buchsen habe ich von Reichelt (Artikelnummer: LUM 0332-04 bzw. LUM 0308-04. Die sind nicht ganz billig, aber ich habe da bisher ganz gute Erfahrung mit gemacht. Darüber werden die Schrittmotoren von der Steuerung mit Strom versorgt!

037 Die Riemenspannung wird über 2 Schrauben eingestellt.JPG
So habe ich den Z-Achsenmotor montiert. Mit 2 Madenschrauben läßt sich der Zahnriemen spannen.


Nun kommt die Steuerung an die Reihe. Da ich kein fertiges Gehäuse fand, was meinen Vorstellungen entsprach, war mal wieder Selbstbau angesagt (mache ich sowie so am Liebsten)! Angefangen bin ich mit einer Art Rahmen, in dem ich montagefreundlich und gut zugänglich die beiden Steuereinheiten, das Schaltnetzteil und die Anschlüsse unterbringen konnte. Dazu reichten einige Stücke Aluleisten. Da zur Versorgung der Bedieneinheit ein kleines USB-Netzteil mitgeliefert wurde, habe ich es gleich mit integriert. So braucht man keine zusätzliche Steckdose und beim Ausschalten am Gehäuse wird alles gleichzeitig stromlos gemacht. Auf Grund seiner schlanken Bauweise ließ es sich auch leicht einbauen. Für das Gehäuse selbst habe ich mir Aluprofile besorgt, in die die Boden, Deckel und Seitewände nur eingeschoben werden. Nur die Frontplatten werden mittels je 4 Schrauben mit den Profilen verbunden. Die Profile habe ich hier gefunden: https://gie-tec.de/produkt/gehaeuseprofil-1/. Belüftungsschlitze und Löcher für Anschlüsse und Schalter habe ich auf der Fräse eingebracht.

Nachdem alles zusammengebaut, angeschlossen und die Steuerung eingestellt war, konnte erstmals alles in Betrieb genommen werden. Es funktionierte auf Anhieb wie gewünscht! Das war schon mal gut! Aber mit dem Umbau war ich noch nicht am Ende, denn ich wollte noch die Gleitlager der Leitspindel durch Kugellager ersetzen. Das finde ich sinnvoll, weil die Leitspindel ja nun ständig genutzt wird und nicht nur beim Gewindeschneiden oder wenn ich meine Handkurbelantrieb nutzte.
038 Nahezu einbaufertig.JPG
So habe ich Netzteil und Schrittmotorsteuereinheiten kompakt zusammen gefaßt. Links in einem U-förmigem Blech sind die Anschlüsse untergebracht. Nur der Netzschalter wird direkt in der Frontblende des Gehäuses untergebracht. So ist alles gut erreichbar und gut belüftet eingebaut.

039 Netzteil und Steppertreiber.JPG
Hier erkennt man den Aufbau noch besser. Die beiden schwarzen Kabel (unten links) führen zum Bedienteil. Zur Zugentlastung habe ich wieder aus PP-Klötzchen eine Klemmung hergestellt. Nach außen werden beide Kabel durch eine Gummitülle geführt als Knickschutz. Da ich die Leitungen samt Netzwerkstecker da nicht durchfädeln konnte, habe ich mit einem Klingenmesser die Tülle längs aufgeschnitten. Die Schnittstelle wurde nach Einlegen der Kabel dann mit Sekundenkleber verschlossen. Das hält bisher problemlos.

041 Meine Einstellungen.JPG
So habe ich meine Steuereinheiten konfiguriert: Schalter 1-3: on, off, on = 4,3 A Peak; Schalter 4: off = Stromabsenkung auf Hälfte bei Stillstand; Schalter 5-8: off, on, on, on = 400 Impulse pro Spindelumdrehung

043 Zugentlastung für die Patchkabel.JPG
Hier noch mal die Zugentlastung für die Kabel im Detail!

044 Das USB-Netzteil mit Halterung.JPG
Das kleine USB-Steckernetzteil für die Spannungsversorgung der Bedieneinheit ließ sich gut in das Gehäuse integrieren und wird so mit den anderen Teile zusammen ein- und ausgeschaltet.

045 Netzteil-Befestigung.JPG
Auf dem Gehäuse des großen Netzteil fand es seinen Platz.

042 Alle Steckbuchsen sind montiert.JPG
Blick auf die Anschlüsse für Kaltgerätestecker, Spannungsversorgung der Motoren und den USB-Anschluß!

046 Profilschienen auf Länge fräsen.JPG
Die Profile für das Gehäuse habe ich mit etwas Überlänge mit der Bandsäge zugeschnitten, einseitig plangefräst und anschließend mit einem Anschlag das andere Ende auf gleiche Länge gefräst.

047 Profile für das Gehäuse.JPG
Weil ich gerade keine passenden Schrauben zu Hand hatte, habe ich 5 mm Dübel eingesteckt und die Frontplatten dann mit Blechschrauben angebracht. Das hat sogar den Vorteil, daß man bei versehentlichem Überdrehen der Schrauben nur den Dübel austauschen muß. Direkt im Profil geschraubt, würde nur eine dickere oder längere Schraube das Problem lösen.

048 Alle Gehäuseteile sind vorbereitet.JPG
Aus 1 mm Alublech habe ich auf der Kreissäge die Gehäuseteile ausgesägt und anschließend die Luftschlitze gefräst. Links in der unteren Frontplatte sitzt schon ein 2-poliger, beleuchteter Netzschalter und an das Bodenteil (in der Mitte) habe ich noch ca. 6 mm hohe Gummifüße angeschraubt. So kann der Lüfter im Netzteil auch von unten Luft ansaugen. Da das Alu beim Fräsen der Schlitze ziemlich schmierte und einen häßlichen Grat an der Oberseite bildete, half nur Abschleifen. Weil das nachher die Gehäuseinnenseite war, habe ich das nicht fein geschliffen.

049 Nun kann das Gehäuse geschlossen werden.JPG
Nun muß nur noch der Deckel und das Seitenteil und die letzte Profilleiste eingesteckt und verschraubt werden!

050 Gehäuse-Front.JPG
Das fertige Gehäuse! Alles funktioniert, wie es soll! Es findet seinen Platz hinter der Drehbank.

051 Gehäuse-Rückseite.JPG
Das Ganze auch noch mal von der Rückseite mit den ganzen Anschlüssen. Unter den Schlitzen an der Oberseite hatte ich noch mit Silikondichtmasse ein engmaschiges Drahtgitter als Schutz vor Spänen eingeklebt.
052 Blende als Späneschutz.JPG
Und damit es noch sicherer wird, kam noch ein Abschirmblech über die Schlitze. Zusätzlich zeigt die offene Seite nachher zur Wand. Späne sollten so nur schwer in das Gehäuse gelangen!


Schon wieder ist die max. Bilderzahl erreicht, aber es geht noch weiter!

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Re: Umbau meiner Rotwerk EDM 300 auf ELS (Elektronische Leitspindel)

Beitrag von WL190 » So 10. Feb 2019, 18:35

Eigentlich könnte ja jetzt der Umbau abgeschlossen sein. Aber ich hatte mir ja vorgenommen, der Leitspindel an Stelle der serienmäßigen Gleitlager Kugellager zu gönnen.

2 Rillenkugellager 6001-2Z mit den Abmessungen 12x28x8 und ein Stück Automatenstahl für die neuen Lagerböcke hatte ich mir schon besorgt. Also zwei Stahlstücke zuerst mal daraus zurecht gesägt auf 60x40 mm. Nach Anreißen der künftigen Lagermitte mußten beide Klötze in Längsrichtung stufenweise bis auf 13 mm aufgebohrt werden. Danach wurde die Ausklinkung hergestellt, was nur nur teilweise auf der Bandsäge ging. Für den Rest mußte die Handsäge ran! Da dabei keine besonders schönen Flächen entstehen, wurde noch etwas mit der Feile nachgearbeitet. Die Anlageflächen brauchten zum Glück keine Nacharbeit.

Dann habe ich den Rohling auf der Drehbank im 4-Backenfutter (einzeln verstellbar) eingespannt und ausgerichtet. Um die Unwucht durch den einen langen Schenkel zu reduzieren,habe ich gegenüber ein Stück Eisen mit eingespannt. In die 13 er Bohrung komme ich so gerade mit meinem Drehmeisel rein zum Aufweiten zum Lagersitz. Das klappte schon mal ganz gut. Ein Test mit eingesetzten Lagern und einem durchgesteckem Dorn, zeigte, daß beide Lager in einer Flucht lagen. Nun konnte ich die Teile noch etwas aufhübschen durch Fräsen und Schleifen. Dann wurde es spannend, denn nun konnte ich die neuen Lager einbauen. Und siehe da, die Leitspindel lief schön leicht, wie geschmiert und bei geschlossener Schloßmutter ließ sich der Schlitten vom Motor problemlos ohne Klemmer auf ganzer Länge sauber verfahren.

Nun noch mal alles abbauen und weiter was für die Optik tun. Beide Lagerböcke wurden entfettet und farbig lackiert, links rot, rechts schwarz! Da habe ich mich aber nicht an der Politik orientiert, sondern weil das an der kleinen Rotwerk vorher auch so war! Nach dem Zusammenbau war dann alles wieder betriebsbereit!
053 Lagerböcke sägen.JPG
Das Ablängen der künftigen Lagerböcke auf 60x40 mm konnte die Bandsäge übernehmen...

054 Lagerböcke vorbereitet zum Ausdrehen.JPG
... das Ausklinken mußte teilweise in Handarbeit geschehen. Nacharbeit mittels Feile war auch nötig. Der Feinschliff kam erst später, als feststand, daß alles paßte. Hier sind die Teile schon gebohrt.

055 Aufspannung mit Gegengewicht.JPG
Der nächste Schritt war das Ausdrehen der Lagersitze von 13 auf 28 mm bei ca. 8 mm Tiefe. Zum Ausgleich der Unwucht habe ich ein Materialstück gegenüber mit gespannt. Durch die einzeln verstellbaren Backen des Futter war das Ausrichten kein Problem.

057 Ausgedrehter Lagersitz.JPG
Der erste Lagersitz ist fertig...

058 Lager eingepresst.JPG
...die Lager passen exakt hinein...

059 Auch die Flucht stimmt.JPG
...und alles fluchtet. Nun kann was für die Optik getan werden, ohne Gefahr zu laufen, daß man für die Tonne produziert hat!

060 Lagerböcke in Form gebracht.JPG
Hier die hübsch gemachten Lagerböcke. Das wurde mittels Fräse und Schleifscheibe erreicht. Ein Kugellager wurde mit einer Federscheibe unterlegt. So können kleine Längenänderungen ausgelichen werden. Noch fehlen die Befestigungsbohrungen!

061 Das linke Lager  .JPG
Hier ist das linke Lager an seinem Platz zu sehen...

062 Das rechte Lager.JPG
... und hier das rechte. Die Leitspindel dreht sich leichter als vorher und sie leigt genau in der richtigen Position.

063 Vorm endgültigem Einbau wurde noch etwas für die Optik getan.JPG
Damit es noch schöner aussieht, wurden beide Teile noch lackiert.


064 Die Welle dreht sich deutlich leichter als mit den alten Gleitlagern.JPG
So ist das rechte Lager nun endgültig verbaut!

065 Auf dieser Seite ist unter dem Lager die Federscheibe verbaut.JPG
Auch das linke Lager macht sich gut an seinem Platz.


Damit war auch diese Aktion erledigt. Aber noch immer fielen mir neue Optimierungen und Verbesserungen ein! Das Bedienteil immer auf dem Arbeitstisch ablegen konnte nicht der Weisheit letzter Schluß sein, für eine Schwenkarmbefestigung fehlte mit freier Platz an der Wand und auch der Schwenkarm selbst! Aber einen alten Lampenfuß hatte ich noch liegen. Da eine Stück Rundalu rein, da drauf eine Alu-Platte, die an der Pultunterseite verschraubt war und schon hatte ich die für mich perfekte Lösung gefunden. Dann fiel mir im Baumarkt noch Kabelspiralschlauch in die Hände, damit habe ich dann die Zuleitungen ordentlich gebündelt. Das ist hilfreich beim säubern des Tisches nach der Arbeit und sieht ordentlicher aus!

Dann fehlte ja auch noch eine Abdeckung des Zahnriemens an der Z-Achse. Da hatte ich schon im CAD ein passendes Teil gezeichnet, daß ich eigentlich auf meinem 3-D Drucker produzieren wollte. Aber momentan streikt der Drucker und ich bin noch nicht dazu gekommen, den Fehler zu beheben. Aber da es ja auch andere Lösungen gibt als Drucken und ich dafür das nötige Material liegen hatte, habe ich kurzerhand aus ein paar Kunststoffresten was zusammen gebastelt. Das gedruckte Teil sollte im Prinzip genau so aussehen. So ist dann auf die Schnelle eine sichere Abdeckung entstanden.
068 Ständer für Bedienteil.JPG
So habe ich den ehemaliegen Lampenfuß mit dem Bedienpult verbunden. Die Kombination ist standsicher und von der Höhe genau auf meine Bedürfnisse eingerichtet.

069 EDM mit ELS.JPG
Hier ist die komplette Anlage mit der Steuerung inclusive Netzteil und Bedieneinheit zu sehen. So läßt sich prima damit arbeiten.

071 Kabelschlauch.JPG
Weil ich zufällig im Baumarkt auf den Spiralschlauch zum Bündeln der Kabel stieß, habe ich damit mehr Ordnung geschaffen.

072 Biegen mit Warmluft.JPG
Hier entsteht mittels Holzschablone aus einem Kunststoffstreifen aus dem Baumarkt mit Hilfe von Warmluft ganz schnell ein Rahmen für die eigentlich als 3-D Druckobjekt geplante Zahnriemenabdeckung. Zum Verformen sollte man gleichmäßig mit nicht zu hoher Temperatur den Kunststoff erwärmen.

074 Stoß verkleben.JPG
Mit Kunststoffkleber, Gummiband und Schraubstock werden die Stoßnähte verklebt.

077 Unterteil und Haube.JPG
Mit dem fertigen Rahmen als Schablone lassen sich die Deckplatte und das Unterteil herstellen. Das aufgeklebte runde Stück dient als Abstandhalter und daran wird die fertige Haube verschraubt.

078 Montiertes Unterteil.JPG
Das Unterteil wird dann hinter den Zahnscheiben und Riemen an der Drehbank befestigt. Darauf paßt dann genau zentriert die Abdeckhaube. So ist sichergestellt, daß der Riemen nirgends streift.

079 Montierte Abdeckung.JPG
Na ja, Rotwerk-Rot ist das nicht geworden, aber trotzdem sieht es so besser aus als ohne Lackierung!



Das ist ja mal wieder ein Mammut-Beitrag geworden. Aber mit vielen Bildern (hoffentlich nicht zu viele) läßt sich so ein Umbau ja am Leichtesten dokumentieren!

Damit ist wahrscheinlich erst mal Schluß mit diesem Kapitel, wenn mir nicht irgendwann noch was einfällt! Ich bin jedenfalls froh, daß ich die Umrüstung vorgenommen habe. Die ELS gefällt mir bei jeder Benutzung besser!

Ach so, ein wichtiger Hinweis noch. Die Führungen an der Drehbank sollten für präzises Arbeiten natürlich so wenig Spiel haben, wie möglich. Das Umkehrspiel an den Spindeln ist dabei kein Problem, denn die Steuerung kompensiert dies mit den richtigen Einstellungen automatisch! Dann ist wirklich genaues Arbeiten damit möglich. Aber das gilt ja nicht nur für die ELS!

MfG

Wilhelm

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Re: Umbau meiner Rotwerk EDM 300 auf ELS (Elektronische Leitspindel)

Beitrag von Spanause » Mo 11. Feb 2019, 00:10

Sehr schön ausgeführt, DANKE für´s zeigen!!
Brustleier, Bohrer 1 – 22 mm nullfünf steigend. Steckschlüsselkasten 10 – 32 mm mit Verlängerung und Kreuzgelenk, Matra MDR 2 laut Zerspanungpur im schlechten Zustand dafür den Kopf voller Ideen und die Fähigkeit diese auch umzusetzen!

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Re: Umbau meiner Rotwerk EDM 300 auf ELS (Elektronische Leitspindel)

Beitrag von Old-Papa » Mo 11. Feb 2019, 05:44

Schöner Umbau!
Meine Chinadrehe hat seit letztem Sommer auch eine ELS. Wie konnte man früher ohne arbeiten? :-D
Bei Deinem Umbau irritiert mich allerdings ein Satz. Du schreibst, dass Du in den Encoderhalter ein Kugellager "versenkt" hast. Wenn das wirklich nur ein Lager ist, wird es irgendwann den Encoder zerreißen!

Old-Papa

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Re: Umbau meiner Rotwerk EDM 300 auf ELS (Elektronische Leitspindel)

Beitrag von ostwestfale » Mo 11. Feb 2019, 07:01

Moin Wilhelm,
Schön, mal wieder von dir zu hören :hi:
Da hast du deiner kleinen "Roten" aber was Nettes spendiert.
Schöner Bericht ... :respekt:
Ich glaube ich muss dich mal besuchen und mir die Steuerung live angucken, ist ja nur um die Ecke.

Gruß aus der Nachbarschaft
Hans

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Re: Umbau meiner Rotwerk EDM 300 auf ELS (Elektronische Leitspindel)

Beitrag von Limbachnet » Mo 11. Feb 2019, 14:14

Schön dokumentiert, vielen Dank dafür, Wilhelm!

Die Kugellager für die Leitspindel sind auch ohne ELS eine interessante Idee - zumindest bei meiner ED350 haben die Gleitlager ordentlich Luft...
Schöne Grüße,
Matthias

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Re: Umbau meiner Rotwerk EDM 300 auf ELS (Elektronische Leitspindel)

Beitrag von WL190 » Mo 11. Feb 2019, 21:33

ostwestfale hat geschrieben:
Mo 11. Feb 2019, 07:01
Moin Wilhelm,
Schön, mal wieder von dir zu hören :hi:
Da hast du deiner kleinen "Roten" aber was Nettes spendiert.
Schöner Bericht ... :respekt:
Ich glaube ich muss dich mal besuchen und mir die Steuerung live angucken, ist ja nur um die Ecke.

Gruß aus der Nachbarschaft
Hans
Hallo Hans!

Das mit dem Besuchen sollten wir wirklich bald mal wahr machen! Ich schicke dir eine PN mit meiner Adresse! Wir können das dann ja mal kurzfristig telefonisch absprechen!




Old-Papa hat geschrieben:
Mo 11. Feb 2019, 05:44
Schöner Umbau!
Meine Chinadrehe hat seit letztem Sommer auch eine ELS. Wie konnte man früher ohne arbeiten? :-D
Bei Deinem Umbau irritiert mich allerdings ein Satz. Du schreibst, dass Du in den Encoderhalter ein Kugellager "versenkt" hast. Wenn das wirklich nur ein Lager ist, wird es irgendwann den Encoder zerreißen!

Old-Papa
Hallo!

Wegen des Encoders mache ich mir keine großen Sorgen, denn das Lager sitz nur wenige Millimeter hinter der Zahnriemenscheibe. Da ist kein großer Hebelarm, der an der Welle zerrt und den Zahnriemen muß man ja auch nicht spannen, bis das Wasser raus tropft!

Limbachnet hat geschrieben:
Mo 11. Feb 2019, 14:14
Schön dokumentiert, vielen Dank dafür, Wilhelm!

Die Kugellager für die Leitspindel sind auch ohne ELS eine interessante Idee - zumindest bei meiner ED350 haben die Gleitlager ordentlich Luft...
Hallo Matthias!

Ja, die Kugellager an der Leitspindel hatte ich auch schon länger geplant, aber wir das so läuft, es bleibt oft beim Plan. Aber jetzt war das dann einfach fällig! Nenneswertes Spiel hatte ich zwar noch nicht in den alten Lagern, aber weil die Leitspindel ja jetzt fast bei jeder Arbeit läuft, hätte ich das Spiel über kurz oder Lang wohl auch gehabt! Und weil es an beiden Spindelenden ja 12 mm Absätze gab, war der Umbau eigentlich recht problemlos, denn die Spindel selbst konnte ja unverändert bleiben!

MfG

Wilhelm

MSN
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Re: Umbau meiner Rotwerk EDM 300 auf ELS (Elektronische Leitspindel)

Beitrag von MSN » Di 12. Feb 2019, 21:49

Kannst du mir sagen wo du die profile für das Gehäuse her hast?

Gruß,
Marc

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gerhard_56
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Re: Umbau meiner Rotwerk EDM 300 auf ELS (Elektronische Leitspindel)

Beitrag von gerhard_56 » Mi 13. Feb 2019, 08:21

MSN hat geschrieben:
Di 12. Feb 2019, 21:49
Kannst du mir sagen wo du die profile für das Gehäuse her hast?

Gruß,
Marc
Die Profile gibt es in verschiedenen Ausführungen und von verschiedenen Herstellern, z.B. hier
https://gie-tec.de/produkt-kategorie/ge ... profile-2/
Such einfach einmal nach "Profile Gehäusebau" und dann die Bilder anschauen, da kommen dann einige hoch
Viele Grüße, Gerhard

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