Reitstock einschaben

Spänefresser
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Re: Reitstock einschaben

Beitrag von Spänefresser » So 30. Dez 2018, 02:24

Da ich vor ein paar Jahren mit meiner D 240 x 500 Vario vor dem gleichen Problem stand mit ähnlichen Werten, habe ich mir ebenfalls meine Gedanken gemacht, wie ich dem ganzen beikommen kann.

Zunächst habe ich die Farbe vom Fuß des Reitstock abgeschabt und diesen auf meiner Meß und Tuschierplatte vermessen und die Auflageflächen entsprechend geschabt, bis das Teil rechtwinklig auf der Platte stand.
Dann wurden die Auflageflächen in ihrer Höhendifferenz vermessen und das Teil auf die Fräsmaschine gespannt und 0,5 mm mehr weg gefräst als der tiefste Punkt,somit hatte ich schon mal parallel ebene Fläche.

Dann das Oberteil locker aufgeschraubt und mit Fühlerlehrenband 0,005 bis 0,05 mm die Parallelität mit 2 Messwellen 20 x 200 mm zur Spindel ausgerichtet.
Das ganze ausrichten lässt sich mit einem Haarlineal 00 in beiden Ebenen sehr gut bewerkstelligen. Ist man soweit, fährt man mit der Messuhr beide Wellen von der Spindelnase bis zum Reitstock vertikal und horizontal ab und korrigiert eventuell noch etwas nach.
Probleme gab es bei mir mit der Arretierung des Reitstockes, da sich beim anziehen der Madenschraube die horizontale Ebene ständig veränderte.
Abhilfe habe ich dadurch geschaffen, indem ich den Teil gegen den sich das Oberteil spannt um 5 mm abgefräst habe um mit 5 x 10 mm Keilstahl eine Zwischenlage zu schaffen,gegen die sich die Madenschraube zieht. Damit änderte sich nichts mehr.

Um den endgültigen Höhenausgleich hin zu bekommen habe ich mir Moglice Dickflüssig besorgt und habe nun einen Reitstock der auf 0,001 mm zentrisch, horizontal und vertikal zur Spindel steht.

Ach so, die unterlegten Maße mit Fühlerlehrenband habe ich natürlich wieder unterlegt.

Anstelle von Moglice geht auch dickflüssiges Epoxidharz welches man mit Eisenpulver als Thixotropiermittel vermischt. Anschließend eine dünne Fettschicht MOS²aufgetragen und die Gleiteigenschaften sind wieder gegeben.

Nach dem Erfolg den ich zu verbuchen hatte,würde ich es heute immer wieder so machen. Hohe Effizienz mit geringen Kosten und Aufwand.

Im Übrigen müssen die beiden Wellen nicht unbedingt absolut gerade sein, wenn man beide Wellen die man eingespannt hat von der Spindelnasemit 0,00 mm abfährt und am Reitstock ebenfalls 0,00 mm erreicht, kann sich in der Mitte der Messstrecke getrost eine Abweichung zeigen.

Gruß vom Spänefresser

ttspecial
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Re: Reitstock einschaben

Beitrag von ttspecial » So 30. Dez 2018, 16:34

Nicht vergessen, dass sich der Spindelkasten mit dem erwärmen ausdehnt und das Spindelzentrum in die Höhe wächst.
Das kann natürlich von Maschine zu Maschine verschieden sein.
Eine kleinere Maschine mit weniger Material zwischen Spindel und Spindelkastenboden wird sicher kleinere Werte (evtl. völlig vernachlässigbar) als eine schwere Industriemaschine.
Dazu kommt noch hinzu, dass sich je nach Lagerspiel der Spindellager und andere Reibungswerte, die Erwärmung sehr unterschiedlich sein kann.
Im Messprotokoll meiner Industriemschine wurde die Höhe des Reitstocks zur Spindelachse, kalt und nach 30min im schnellsten Gang gemessen.

Rini

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