Reitstock einschaben

Claus
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Reitstock einschaben

Beitrag von Claus » Sa 29. Dez 2018, 14:19

Hallo!

Bei meiner (chinesischen) Drehbank (Spitzenweite 1100mm und ca 450kg) ist der Reitstock zu hoch. Seitlich gibt es eine Einstellmöglichkeit, in der Höhe leider nicht.
Ich habe auch die Pinole vermessen. Auf 100mm steht die Pinole 0,02 mm in die Höhe und 0,01 in Richtung des Bedieners. Finde ich eigentlich nicht so schlecht. Die Höhe ist aber um 0,4mm zu hoch. Speziell beim Aufbohren mit großen Bohrer sieht man wie sich der Bohrer verbiegt und grausame Geräusche macht.

Also habe ich den Reitstock auf der Rührungsbahn (hinten Prisma, vorne Flach) abtuschiert. Tragbild waren eigentlich schrecklich - nur wenige Punkte. Da genug Material in der Höhe vorhanden ist, möchte ich den Reitstock einschaben. Ich habe einmal angefangen und stehe schon an:

Wenn ich den Reitstock auf die Führung stelle kann ich den gesamten Reitstock durch drücken auf die hinteren Ecken "wackeln". Erste Überlegung die Auflageflächen sind krumm. Also habe ich in der Mitte etwas Magerial abgenommen. Hat nicht wirklich viel gebracht - war aber vermutlich auch zu wenig.

Wie stelle ich aber jetzt fest wo ich etwas wegnehmen muss? Erschwerend kommt noch das Prisma dazu - in einfaches Aufsetzen auf ein Meßplatte (die ich ohnehin nicht habe) ist also nicht möglich. Schön wäre es noch, wenn ich auch noch die geringe Fehlstellung der Pinole mitkorrigieren könnte.

Wie gehe ich das an? Danke für Eure Tipps!

Grüße Claus
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Stolle1989
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Re: Reitstock einschaben

Beitrag von Stolle1989 » Sa 29. Dez 2018, 14:26

Ich würde als erstes den Reitstock passend auf die Führung einschabem, bis die Pinole entsprechend zur Spindel läuft. Und danach den fehlende Betrag zwischen Unter und Oberteil abnehmen.

Das kippen würde ich lokalisieren, indem ich erst an einer Seite beispielsweise mit einer Schraubzwinge fixieren und die Pinole vermessen und danach die andere Seite.

Dann weißt du in welche Richtung du das kippeln bearbeiten musst.
Viele Grüße aus der Braunschweiger Ecke
Lennart

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Claus
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Re: Reitstock einschaben

Beitrag von Claus » Sa 29. Dez 2018, 14:42

Ich würde als erstes den Reitstock passend auf die Führung einschabem, bis die Pinole entsprechend zur Spindel läuft. Und danach den fehlende Betrag zwischen Unter und Oberteil abnehmen.
Genau das ist eigentlich mein Plan. Aber ich brauche eine praktische Anleitung wie ich vorgehen soll.

Erste Überlegung war, alles was blau ist einfach wegschaben - aber damit werde ich in erster Linie wohl nur das Tragbild verbessern und nicht geziehlt die Geometrie beeinflußen.

LG Claus

Darko
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Re: Reitstock einschaben

Beitrag von Darko » Sa 29. Dez 2018, 15:28

Claus hat geschrieben:
Sa 29. Dez 2018, 14:42
Erste Überlegung war, alles was blau ist einfach wegschaben - aber damit werde ich in erster Linie wohl nur das Tragbild verbessern und nicht geziehlt die Geometrie beeinflußen.
Tragpunkte sind nicht blau, sie sind nur blau umrandet. Alles was blau ist wegschaben ja, aber nur am Anfang um überall mal Tragpunkte gehabt zu haben. Erst wenn die halbwegs regelmäßig über die gesamte Fläche verteilt sind, kann man anfangen sie zu mehren. Es ist sehr wichtig das Tuschierbild zu verstehen.

Beim Schaben nimmt man nicht viel Material ab. Ich hab irgendwo 1/1000 pro Schabegang gelesen. Wird eher weniger sein. Man muss nicht jedes Mal die ganze Fläche überschaben, es kann auch mal 1/4, 1/2, 3/4 sein. Den Rest lässt man einfach stehen. So beeinflusst man dann die Geometrie in die gewünschte Richtung.

Um zu schaben muss man erstmal wissen was man damit erreichen möchte, also vorher messen. Zum Beispiel kann es sein dass die Spindel nach unten geneigt ist, und die 4/10 daher kommen, und nicht vom Reitstock.

Achte auch darauf, dass Teile die gerade geschabt werden nicht krummgezogen sind, also die Verbindung zwischen Oberteil und Unterteil lösen und einzeln bearbeiten, oder die Verbindungsstelle vorher einschaben.

Gelegentlich mehrmals abtuschieren ohne zu schaben, schauen ob sich das Tuschierbild ändert wenn man den Reitstock beim Verschieben an einer anderen Stelle hält. Oder mal nur in eine Richtung verschieben.
Viel Geduld mitbringen! So ein Reitstock kann schon mal ein paar Tage oder auch Wochen Arbeit bedeuten. Wenn die Arbeit dann einmal erledigt ist, sollte man für Jahrzehnte seine Ruhe haben, die Geduld lohnt sich am Ende also.
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Re: Reitstock einschaben

Beitrag von Hops » Sa 29. Dez 2018, 16:39

Bevor du mit Schaben beginnst, erstmal die Maschine "ins Wasser setzen", also mit Maschinenwasserwaage ausrichten. Sonst ist alles Schaben mehr Aktionismus als das es effektiv präzise wird.
Danach mittels Prüfdorn Geometrie des Spindelstocks überprüfen. Ist diese okay, geht´s an den Reitstock. Stimmt sie nicht, sollte sie zuerst korrigiert werden, da tieferliegend als der Reitstock.
Dann nochmal Geometrie des Reitstocks prüfen mittels Prüfdorn.

Gleitfläche des Reitstocks dritteln und mittleres Drittel freischaben. Danach lässt sich dann gut arbeiten.

Wenn du mir deine Mailadresse angibst, sende ich dir DIN 8605 und DIN 8606. Da stehen die zulässigen Geometrieabweichungen angegeben.

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Re: Reitstock einschaben

Beitrag von elmech » Sa 29. Dez 2018, 16:49

Hallo Claus, bevor Du anfängst zu schaben würde ich mal die Maschine sauber und bestmöglich ausrichten , nivellieren und dann ausmessen! Einfach zum Schaber greifen ohne genaue Kontrolle der Geometrie wird gar nichts bringen! Die Aufnahmen lassen auf eine sehr billige und schlecht ausgearbeitete Maschine schliessen und da brauchst Du enorm viel Erfahrung. Da wird guter Rat einfach teuer und überleg mal, was die nötige Ausrüstung dazu kostet ! Grüsse Andi

Claus
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Re: Reitstock einschaben

Beitrag von Claus » Sa 29. Dez 2018, 17:14

Hops hat geschrieben:
Sa 29. Dez 2018, 16:39
Bevor du mit Schaben beginnst, erstmal die Maschine "ins Wasser setzen", also mit Maschinenwasserwaage ausrichten. Sonst ist alles Schaben mehr Aktionismus als das es effektiv präzise wird.
Danach mittels Prüfdorn Geometrie des Spindelstocks überprüfen. Ist diese okay, geht´s an den Reitstock. Stimmt sie nicht, sollte sie zuerst korrigiert werden, da tieferliegend als der Reitstock.
Dann nochmal Geometrie des Reitstocks prüfen mittels Prüfdorn.
Die Maschine steht auf Füßen - ist also leider nicht auf ein Fundament geschraubt. Habe ich mit einer Maschinenwasserwaage seinerzeit aufgestellt. DIe Maschine hat aber zu wenig Masse und vibriert bei unwuchtiger Aufspannung im 4 Backenfutter als Ganzes.

Geometrie habe ich geprüft, auf 300mm zeigt eine eingespannte Welle um 0,03mm nach oben und 0,09mm nach vorne. (Bei den 0,09 habe ich überlegt die Schrauben zu lösen und den Spindelstock mit leichten Hammerschlägen gegen das Bett zu drehen, wollte aber zuerst noch eine Welle fliegend drehen und die Durchmesserabweichung messen)

Reitstock - ich habe keinen Prüfdorn - Pinole zeigt auf 100mm zeigt 0,02 nach oben und 0,01 nach vorne.

Die Maschine ist und bleibe eine günstige Chinaware und soll nicht komplett überarbeitet werden. Ich wollte nur, wenn ich mir die Arbeit mit dem Reitstock schon mache, gleich die wichtigsten Grundlagen einhalten. Mein größtes gedankliches Problem ist wie muss ich das Prisma schaben wenn ich den Reitstock um 0,01mm auf 100m im Uhrzeigersinn verdrehen will? Natürlich muss ich die Fläche "geringfügig" verdrehen, dabei wird aber das Prisma breiter damit sinkt der Reitstock auch tiefer, damit liegt die flache Führungsfläche nicht mehr vollflächig auf, .... nicht so einfach.

Tatsächlich werde ich vermutlich einfach versuchen gute Tragbilder zu schaben - dabei wird der Reitstock tiefer werden - die Gesamtposition sollte sich also zumindest verbessern und nicht verschlechtern.

LG Claus

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Re: Reitstock einschaben

Beitrag von Oliver M » Sa 29. Dez 2018, 17:25

Hallo Claus

0,02 nach oben und 0,01 nach vorne ist auch schon gar nicht so schlecht.
Zumindest gehen die Toleranzen in die richtige Richtung.

Gruß Martin
Früher war alles:
A: besser B: aus Holz C: mit Schlitzschrauben

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Re: Reitstock einschaben

Beitrag von pliester » Sa 29. Dez 2018, 18:56

Claus hat geschrieben:
Sa 29. Dez 2018, 17:14
Die Maschine steht auf Füßen - ist also leider nicht auf ein Fundament geschraubt. Habe ich mit einer Maschinenwasserwaage seinerzeit aufgestellt. DIe Maschine hat aber zu wenig Masse und vibriert bei unwuchtiger Aufspannung im 4 Backenfutter als Ganzes.

Geometrie habe ich geprüft, auf 300mm zeigt eine eingespannte Welle um 0,03mm nach oben und 0,09mm nach vorne. (Bei den 0,09 habe ich überlegt die Schrauben zu lösen und den Spindelstock mit leichten Hammerschlägen gegen das Bett zu drehen, wollte aber zuerst noch eine Welle fliegend drehen und die Durchmesserabweichung messen)

Reitstock - ich habe keinen Prüfdorn - Pinole zeigt auf 100mm zeigt 0,02 nach oben und 0,01 nach vorne.

Die Maschine ist und bleibe eine günstige Chinaware und soll nicht komplett überarbeitet werden. Ich wollte nur, wenn ich mir die Arbeit mit dem Reitstock schon mache, gleich die wichtigsten Grundlagen einhalten. Mein größtes gedankliches Problem ist wie muss ich das Prisma schaben wenn ich den Reitstock um 0,01mm auf 100m im Uhrzeigersinn verdrehen will? Natürlich muss ich die Fläche "geringfügig" verdrehen, dabei wird aber das Prisma breiter damit sinkt der Reitstock auch tiefer, damit liegt die flache Führungsfläche nicht mehr vollflächig auf, .... nicht so einfach.

Tatsächlich werde ich vermutlich einfach versuchen gute Tragbilder zu schaben - dabei wird der Reitstock tiefer werden - die Gesamtposition sollte sich also zumindest verbessern und nicht verschlechtern.
LG Claus
Hallo Claus,

der 1. Schritt wäre, das "im Wasser" der Maschine zu überprüfen / einzustellen.
der 2. Schritt, die Lage des Spindelstock / der Arbeitsspindel zum Bett überprüfen / einzustellen, dann das "im Wasser" nochmals kontrollieren.

Jetzt zum Reitstock.
Deine ermittelten Maße der Pinole von +0,02H und +0.01V sehen doch annehmbar aus,Pinole geklemmt oder lose?
Du wirst nie mit so hoher Genauigkeit über die Länge eine Bohrung mit einem Bohrer anfertigen, da wird immer nachgedreht.

Wie du schon Gedanklich festgestellt hast, ist das Prisma nicht ohne / bringt Probleme.
Durch Bearbeitung des Prisma sinkt dieses ab und ändert das Tragbild der zugehörigen ebenen Fläche.
Das Nacharbeiten der zugehörigen ebenen Fläche verändert wiederum das Tragbild des Prisma.
Bei dieser Arbeit muß in kleinen Schritten vorgegangen werden unter ständigem Kontrollieren der Maschinengeometrie.

Mit dem Prisma wird die parallele Lage der Reitstockspindel auf der Ebene zur Arbeitsspindel bestimmt, aber auch die horizontal parallele Lage zur der Arbeitsspindel.
Das Fluchten diese beiden Achsen mit der Achse der Arbeitsspindel erfolgt an der Trennstelle(Ober/Unterteil) des Reitstock.
Die Verschiebemöglichkeit auf der Ebene ist schon vorhanden.(die Oberfläche des Unterteils sollte Längs und Quer "im Wasser" wie das Bett sein.)
Die Pinolenhöhe zur Achse der Arbeitsspindel wird dann eingeschabt.

Und das Schaben sollte vorher an einem anderen Werkstück schon einmal geübt werden.

gruß
pliester

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Sepp9550
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Re: Reitstock einschaben

Beitrag von Sepp9550 » Sa 29. Dez 2018, 22:09

Ich glaub du hast eine ähnliche Maschine wie ich, nur ist deine genauer und die Führung am Reitstock ist besser verarbeitet. :pfeif:

Ich war auch schon oft am überlegen die Maschine zu überarbeiten, aber wo anfangen :steinigung:

Was die Drehung von Reitstock angeht würde ich auch bei der Trennstelle im Reitstock ansetzten, dann ist das mit dem Prisma nicht so wichtig.


Beim Spindelstock sollten unten ein paar Stellschrauben sein um die Drehung einstellen zu können
Mit freundlichen Grüßen, ein Stefan zu viel

...auf der suche nach dem verlegten Werkzeug

Drehmaschine: Quantum D310x910, Bohr(fräs)maschine: Optimum MB4, Deckel G1

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