Frage an die Uhrmacher

Antworten
mospo27
Beiträge: 144
Registriert: Mi 4. Mai 2016, 12:43
Wohnort: Rottenburg am Neckar
Germany

Frage an die Uhrmacher

Beitrag von mospo27 » Di 11. Jun 2019, 17:27

Hallo zusammen,
ich habe eine 8Tage-Uhr mit Schlagwerk und Pendel. Vermutlich nichts besonderes, aber sie hat sentimentalen Wert für mich, stammt von meinen Großeltern und dürfte knapp 100Jahre alt sein.

Die Uhr habe ich seit etwa 20 Jahren. Ging immer sehr genau und lief auch von Wochenende zu Wochenende hervorragend.
Seit einiger Zeit stoppt sie jetzt nach wenigen Tagen. Man spürt dann auch, dass die Federn noch Restspannung haben, aber sie läuft halt nicht mehr.
Nach dem Wiederanschubsen geht es wieder eine Weile, dann gleiches Phänomen.

Kennt jemand das Phänomen und kann einem Laien beschreiben, wo man da ran muss?

Bevor jemand sagt "geh zum Uhrmacher". Ja, habe ich zuletzt vor 10 Jahren gemacht, um eines der Federhäuser tauschen zu lassen. Nach Androhung von Gewalt :ironie: habe ich die Uhr nach etwa 8 oder 9 Monaten wiederbekommen. Die interessieren sich nicht wirklich für solche Kleinigkeiten. Und ich kann es teilweise auch verstehen, der Reparaturwert übersteigt ja ruckzuck den Wert der Uhr. Da machen die lieber ne Rolex :-D

Viele Güße
Nico
P1080245.JPG
P1080246.JPG
P1080247.JPG

Benutzeravatar
rawing
Beiträge: 1173
Registriert: Mo 29. Sep 2014, 17:06
Wohnort: Linker Niederrhein
Germany

Re: Frage an die Uhrmacher

Beitrag von rawing » Di 11. Jun 2019, 17:34

Hallo,
steht die Uhr am selben Platz, oder ist die verrückt worden? Es könnte sein, dass dann der Abfall nicht mehr stimmt. Hör mal, ob das Schwingen nach rechts und links im gleichen Zeitintervall erfolgt. Zweite Ursache könnte einfach sein, dass die Öle in den Lagern verharzt sind, oder Lager eingelaufen sind. Ich hatte das gleiche Problem und habe jemanden gefunden, der solche Werke repariert. Bei Bedarf die Adresse per PN.
Gruß vom Niederr(h)ainer

Fast alles da was ich brauche, aber etwas fehlt immer.
Ich kann auch nett, bringt aber nix.

metallfunk
Beiträge: 277
Registriert: Di 25. Dez 2018, 16:52
Wohnort: 76877 Offenbach/Queich
Germany

Re: Frage an die Uhrmacher

Beitrag von metallfunk » Di 11. Jun 2019, 18:38

Dreck!

Im Ernst: Ein Dreckkrümel in einem Zahnzwischenraum (Egal ob kleiner Stahltrieb oder grosses Messingrad), kann
gewaltige Auswirkungen haben.

Was hilft? "Putzen".
Das meint aber vollständiges Zerlegen, Reinigen jedes Teiles, Kontrolle jedes Zahnes und Zahnzwischenraumes mit
der Lupe, dann Zusammenbau und Minimalölung mit geeignetem Schmierstoff.

Wenn also sonst nichts kaputt ist, kein grosser Aufwand. ;-)
Natürlich muss das Schlagwerk Zahngenau zusammengesetzt werden, sonst wird das nichts.

Danach läuft das Teil wieder Jahrzehnte.

Nun ist das ein relativ großes Uhrwerk, das macht die Sache einfach.
So ein Werk aus einer Damenarmbanduhr (D= 16 mm) ist da schon heftiger.

Viele Grüße
Bernd

thomas56
Beiträge: 926
Registriert: Mo 8. Nov 2010, 01:09
Germany

Re: Frage an die Uhrmacher

Beitrag von thomas56 » Di 11. Jun 2019, 18:59

Das Problem kenne ich, hatte das auch schon bei mehreren alten Wanduhren.
Zu 90% nur altes, verharztes Öl in den Lagern.
Abhilfe: Lagerbohrungen und Wellenzapfen säubern und mit Uhrenöl sehr sparsam wieder schmieren.
Achtung: Die Zahnräder bekommen kein Öl! Allenfalls die Zähne des Hemmungsrades.

Gruß
Thomas
Wer seine Schwerter zu Pflugscharen schmiedet, wird für jene pflügen, die ihre Schwerter behalten haben.

mospo27
Beiträge: 144
Registriert: Mi 4. Mai 2016, 12:43
Wohnort: Rottenburg am Neckar
Germany

Re: Frage an die Uhrmacher

Beitrag von mospo27 » Di 11. Jun 2019, 22:04

Hallo zusammen,
herzlichen Dank für Eure Antworten!

Ja, die Uhr war immer am selben Platz, zumindest die letzten 10 Jahre.

Zerlegen und Putzen? Das werde ich dann wohl die nächsten Wochen mal angehen, vielleicht schiebe ich es aber noch in die kalte Jahreszeit.
Groß mag das Uhrwerk schon sein, aber bei meiner schwindenden Sehkraft tue ich mir schon damit schwer.
Weshalb bekommen denn die Zahnräder keinen Tropfen Öl? Schaden sollte das doch nicht, oder? Kann man da auch Ballistol nehmen?

@rawing,
falls ich es mir doch anders überlege wäre die Adresse, die Du angeboten hast durchaus interessant. ich schreib Dir ne PN.

Viele Grüße
Nico

Benutzeravatar
rawing
Beiträge: 1173
Registriert: Mo 29. Sep 2014, 17:06
Wohnort: Linker Niederrhein
Germany

Re: Frage an die Uhrmacher

Beitrag von rawing » Di 11. Jun 2019, 22:36

Bitte nicht die Zahnräder ölen, nur die Lagerstellen mit einem winzigen Tröpfchen. Dafür bewährt haben sich Zahnstocher. Und kein Ballistol oder WD40, sondern hochwertiges Uhrenöl für Großuhren. Bei Ebah gibt es diese Öle in 5ml- Fläschchen, das reicht locker für 50 Großuhrwerke. Die Adresse such ich raus und schick sie dir.
Gruß vom Niederr(h)ainer

Fast alles da was ich brauche, aber etwas fehlt immer.
Ich kann auch nett, bringt aber nix.

Benutzeravatar
Rainer4x4
Beiträge: 364
Registriert: Fr 24. Mär 2017, 16:18
Wohnort: 49134 Wallenhorst
Kontaktdaten:
Germany

Re: Frage an die Uhrmacher

Beitrag von Rainer4x4 » Mi 12. Jun 2019, 11:43

Meine Mutter hatte eine ähnliche Uhr mit ähnlichen Problemen. Immer wieder hat sie die zum Uhrmacher zur Reinigung gegeben, bis der Uhrmachermeister die Annahme verweigert hat. Mutter wollte auf genau diese Uhr nicht verzichten, es war schliesslich ein Erbstück.
Ich habe das Uhrwerk aus dem Gehäuse entnommen, es am Stück längere Zeit in Aceton gebadet, danach mit Pressluft ausgeblasen und mit Silikonspray geölt. Die Uhr lief danach strörungsfrei weitere etwa zwanzig Jahre bis zu Mutters Ableben.
Ich habe als Fehlerstellen verharzte Öle in den Lagern und in der Aufzugfeder vermutet.
Gruß Rainer
Damatomacchine Master 520 3L, baugleich Smithy MIDAS 1220 LTD oder Bolton Tools Combo AT520
https://www.ecosia.org/ Die Suchmaschine die Bäume pflanzt!

Antworten