Restauration Flott 604/6041/2 Standbohrmaschine

Zeigt uns eure Maschinen!!
DerJulius!
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Restauration Flott 604/6041/2 Standbohrmaschine

Beitrag von DerJulius! » So 24. Mai 2020, 10:34

Hallo Zusammen,

ich bin neu hier im Forum und brauche mal einen Rat von euch.

Ich restauriere gerade eine alte Standbohrmaschine. Das heißt ich habe sie so ziemlich in alle Einzelteile zerlegt, reinige diese soweit ich das kann, tausche sämtliche Lager aus und setze das Schätzchen dann wieder zusammen.

Soweit so gut denke ich mal. Ich zerbreche mir gerade den Kopf, ob ich die Maschine nun neu Lackieren sollte. Zum einen hat sie durch ihr Alter einen ganz eigenen Look, es würde aber zum Teil bestimmt gut tun neuen Lack aufzutragen, da vom alten einfach nicht mehr viel Übrig geblieben ist. Das Gehäuse vom Motor zum Beispiel braucht in meinen Augen auf jeden Fall einen neuen Anstrich.
Daher die Frage an euch, was würdet ihr machen? Ich hätte die möglichkeit die Teile Sandzustrahlen, zum Lackieren würde ich auf Hammerite Hammerschlag Schwarz zurückgreifen, da ich die Optik schön finde und noch eine angebrochene Dose habe. Auftragen kann ich den Lack nur mit dem Pinsel. Wie beurteilt ihr den Aufwand für die Aktion, ist das an einem Tag gemacht, also abkleben, sandstrahlen und lackieren. Stelle mir das erstmal nicht ganz so wild vor.

Hier noch ein paar Bilder vom Zustand der Maschine. Das eine Logo Schild mit "FLOTT" wollte ich aufpolieren und sehen wie es dann wirkt, dabei hat sie die Politurpaste irgendwie abgesetzt und nun sieht es so bläulich aus. Totaler mist :cry:

Ich bin auf eier Feedback gespannt.

Liebe Grüße
Julius
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Brunke
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Re: Restauration Flott 604/6041/2 Standbohrmaschine

Beitrag von Brunke » So 24. Mai 2020, 10:50

Bei Deiner Maschine würde ich von Patina sprechen und deshalb den alten Lack erhalten. Reinigen, einölen, fertig.

399.03
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Re: Restauration Flott 604/6041/2 Standbohrmaschine

Beitrag von 399.03 » So 24. Mai 2020, 11:24

Hallo Julius,

Gratulation zu dieser unverbastelten Maschine. Du bist zudem auf dem besten Weg, dem alten Schätzchen eine technische Restauration angedeihen zu lassen. Sie wird dann auch wieder für viele Jahre gute Arbeit leisten. Ich nehme ja nicht an, dass Du sie im 3-Schichtbetrieb fordern willst.

Es ist natürlich Deine Maschine und ausschließlich Du entscheidest darüber, wie sie künftig aussehen wird. Ich kann und möchte dazu lediglich ein paar Anregungen geben und zu behutsamem Vorgehen raten. Offensichtlich hast Du die Maschine ja bereits gründlich gereinigt und sie sieht für mich schon sehr passend aus. Sie ist zum Glück auch nicht von einem Vorbesitzer mit Farbe zugekleckert worden.

Wenn Du die alte Dame jetzt professionell neu lackierst (mit viel Schleifen, eventuell Sandstrahlen, anschließendem Spachteln, sorgfältigem Abkleben und anschließendem Neulackieren), wird daraus keine Neumaschine, sie ist vom Design her eine altehrwürdige, fast schon historische Maschine. Und dieses Erscheinungsbild ginge verloren. Zudem würde ich meinen, dass mit dem Pinsel kein perfektes Ergebnis zu erzielen ist. Auch hier im Forum gibt es ausreichend Beispiele dafür, wie eine Neulackierung die ästhetische Erscheinung einer derartigen Maschine nachhaltig zerstören kann.

Meine Empfehlung lautet daher eindeutig: Lass der alten Tante ihr nostalgisches Flair! Gründliches Putzen ist natürlich in Ordnung und auch eine Vorsorge gegen Rost ist empfehlenswert. Ich habe für solche Zwecke an der Drehbank seit vielen Jahren einen Lappen liegen, den ich verwende, um Ölflecken abzuwischen. Diesen leicht öligen Lappen verwende ich gerne, um metallische Oberflächen damit zu pflegen, das würde sicher auch Deiner alten "FLOTT" gefallen.

Ich wünsche Dir weiterhin guten Erfolg bei der technischen Revitalisierung!

Herzliche Grüße, Willi
EMCO MAXIMAT V10-P, EMCO U2, Klippfeld F-10 (als Bohrmaschine), Lorch KD 50

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FP91
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Re: Restauration Flott 604/6041/2 Standbohrmaschine

Beitrag von FP91 » So 24. Mai 2020, 11:41

Die "Restauration" Videos auf YouTube gehören verboten. Jede Woche kommt hier einer an, faselt was von "Restauration" und meint verschlimmbessern und zerstören.

Mit einer drittklassigen Farbbehandlung tust du der Maschine nichts gutes. Du wirst ihre Geschichte und ihren Pflegezustand tilgen und dabei ein inkonsistentes Bild zwischen neuem Lack, mechanischen Gebrauchsspuren und alter Technik schaffen, dass beim Betrachter unbewusstes Unbehagen auslösen wird.
Wie meine Vorredner schon sagten: Prüfe die Technik, ersetze ggf. Defekte Lager und schmiere alles - auch den Motor - mit dem richtigen Schmiermittel ab. Danach wirst du lange Freude damit haben.

Viel Erfolg!

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Gelboliv
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Re: Restauration Flott 604/6041/2 Standbohrmaschine

Beitrag von Gelboliv » So 24. Mai 2020, 11:57

Moin,
die Maschine ist ja wirklich noch in schönem Originalzustand. Ich würde auch die lackierten Teile vorsichtig reinigen sowie die blanken Teile wieder zum Glänzen bringen und von dem ganzen Schmodder befreien. Dann sieht die Maschine schon wesentlich besser aus. Zusätzlich würde ich noch den Kondensator etwas verstecken, z.B in einer alten Bakelit Verteilerdose, damit dieser das Gesamtbild nicht mehr so stört.

Anders wäre es, wenn die Maschine schon nachlackiert oder verbastelt wäre, dann würde ich eine vernünftige Neulackierung bevorzugen.
Gruß
Justus

DerJulius!
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Re: Restauration Flott 604/6041/2 Standbohrmaschine

Beitrag von DerJulius! » So 24. Mai 2020, 12:10

Vielen Dank für das Schnelle Feedback :)

Das spricht ja alles dafür den Erhaltungszustand zu bewahren, was mir an sich auch gut gefällt. Das einzige was mich eben gestört hat ist der Schlechte Zustand am Motorgehäuse. Reicht da einfach ein bisschen Ölen oder gibt es da noch bessere Mittel?
In einem anderen Thread habe ich mal was von Owatrol oder so gelesen, hat da jemand eine Empfehlung?

Um nochmal auf das Thema reinigen einzugehen, wie würdet ihr das am besten machen? Bisher habe ich die großen Gehäuseteile mit Spüliwasser und einem normalen Putzlappen einfach abgewischt. Das entfernt natürlich nur den ganz groben Schmutz bringt aber kein gefühl von einer tatsächlich geputzten Maschine. Ich auch mal mit einem Lappen und Rostlöser von Vikon drüber gewischt. Der Lappen ist dann komplett schwarz, also löst sich mit dem Rostlöser noch ne Menge "Zeug" ab. Da ich mir nicht sicher war, ob das dem Lack schadet habe ich das bisher noch nicht großflächig gemacht.
Die Anbauteile habe ich ebenfalls abgewischt, zum Teil mit einer Polierscheibe (eigentlich für die Bohrmaschine, habe sie aber auf meinen Doppelschleifer montiert) "aufpoliert". Die ganz groben Verschmutzungen oder Flugrost spuren habe ich mit feinem Sandpapier und bereits erwähntem Rostlöser behandelt. Das hat so weit auch alles ganz gut geklappt.

Vielleicht hat je jemand einen guten Tipp für die Gehäuseteile.

Liebe Grüße
Julius

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Re: Restauration Flott 604/6041/2 Standbohrmaschine

Beitrag von DerJulius! » So 24. Mai 2020, 12:13

Gelboliv hat geschrieben:
So 24. Mai 2020, 11:57
Zusätzlich würde ich noch den Kondensator etwas verstecken, z.B in einer alten Bakelit Verteilerdose, damit dieser das Gesamtbild nicht mehr so stört.
Ja der Kondensator sieht sehr bescheiden aus. :D Das war eben der anfängliche Kompromiss um die Maschine überhaupt ohne Starkstromanschluss nutzen zu können. Will ich jetzt im Zuge der Restauration selbstverständlich auch optisch verbesser. Hoffentlich verfüge ich irgendwann über einen Starkstromanschluss um den Kondensator dann wieder entfernen zu könne :D

DerJulius!
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Re: Restauration Flott 604/6041/2 Standbohrmaschine

Beitrag von DerJulius! » So 31. Mai 2020, 11:14

Hallo nochmal,

ich bin mittlerweile weitesgehend mit meinem Projekt fertig und zeige hier noch ein paar Bilder vom Ergebnis. Ich hoffe es ist für euch kein zu großer Tabubruch die Patina entfernt zu haben, mit persönlich gefällt der Look des alten Lacks jedoch deutlich besser und ich bin sehr zufrieden.
Es sind alle Lager getauscht und eine Torsionsfeder zum Rückholen der Pinole eingesetzt. Ein Röhm Supra Bohrfutter ist montiert und die Abdeckung vom Tisch demnontiert um die Nuten zukünftig zum Festspannen nutzen zu können.
Die Lackierten Bauteile sind mit Owotrol behandelt und somit mit einer art Schutzschicht versehen um Rost vorzubeugen, da der Lack eben nicht flächendeckend erhalten ist.

Die Maschine läuft nach dem lagertausch auf ca. 1/3 der vorherigen Lautstärke wodurch es sich deutlich angenehmer arbeiten lässt. Zusätzlich ist das Spiel, das vorher in der Pinole deutlich sichtbar was (Bohrerspitze ~1 mm) quasi nicht mehr vorhanden. Leider habe ich keine Messuhr oder sonstiges um da eine ganz genaue Aussage zur Präzision treffen zu können.

Die Kondensatorlösung habe ich bisher nicht verändert, da ich noch am überlegen bin mir einen Frequenzumrichter zuzulegen... Lohnt sich das? Gerade in bezug auf die Drehzahlregelung würde das bei lediglich zwei Geschwindigkeitsmöglichkeiten einen entscheidenden Vorteil bringen. Ich habe aber auch schon viel über sehr kleine Drehmomente bei geringen Drehzahlen gehört, was bei der sowieso schon eher schwachen Maschine stark ins negative rutschen würden denke ich.

Auf Feedback von euch bin ich gespannt, ich kann sowohl mit positivem Feedback als auch mit konstruktiver Kritik gut umgehen :)
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Re: Restauration Flott 604/6041/2 Standbohrmaschine

Beitrag von Gelboliv » So 31. Mai 2020, 12:20

Moin,
schick! So sieht für mich Patina aus, zwar Originallack aber schön gepflegt. :2up: Ich würde keinen Frequenzumrichter anschließen, ich finde man kommt beim Bohren ganz gut mit 2 Drehzahlen zurecht.
Gruß
Justus

Kobold
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Re: Restauration Flott 604/6041/2 Standbohrmaschine

Beitrag von Kobold » So 31. Mai 2020, 15:51

Hallo,

das sehe ich genau so wie Justus: Frequenzumrichter sind "nice to have", aber nicht wirklich erforderlich.
Ich habe selbst über 20 Jahre mit einer Maschine gebohrt, die nur zwei Drehzahlen hatte. Die schnelle zum zentrieren und für kleine Bohrer, die langsame zum senken, Gewinde schneiden und für große Bohrer (bis 32mm mit MK3). Damit kann man arbeiten, nur kein Geld verdienen im Akkord. Aber dafür würde man auch eine andere Maschine kaufen.
Die kleine Flott ist zum liebhaben, man erfreut sich täglich daran, und wenn sie auch noch bohrt ist es ganz toll.

Gruß Reinhard
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