Eine Kress Commander 110 Drehmaschine

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PerKele
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Eine Kress Commander 110 Drehmaschine

Beitrag von PerKele » Mi 16. Jan 2019, 22:58

Einen wunderschönen guten Hallo allerseits.

Einige von euch kennen mich ja bereits von meiner kleinen Fräsmaschinenrestauration.

Nun gibt es an dieser Maschine einige Teile die ersetzt werden müssen.
Sehr viele davon sind zylindrisch, und ich denke jetzt ist klar worauf ich hinaus möchte...

Also habe ich mich ein Weilchen nach einer Machine umgesehen, welche den Anforderungen entspricht.
Diese waren:
  • <100kg, mein Mitbewohner(Vater) hat ein wenig Angst, dem Kellerboden eine größere Maschine zuzutrauen.
  • Bezahlbar, mein Budget belief sich auf ~1000€ inkl. anfänglichem Zubehör.
  • Großer Spindeldurchlass, 20mm+ wären schön.
  • Möglichst etwas sehr stabiles, ich möchte die Maschine behalten bis ich ausziehe, da ist eine kleine Sieg mMn. nicht wirklich ausreichend.
  • Vernünftige Vorschübe fürs Längsdrehen, die 0,4mm minimum bei der Sieg sind viel zu schnell.
  • Eine deutsche Maschine wäre schon schön, wird natürlich auch gebraucht sein.
Und wie es der Zufall so wollte, wurde im Ebay-Fundstückthread eine gebrauchte Tischdrehmaschine aus deutscher Produktion publiziert.

Und die hat: 25mm Spindeldurchlass, wiegt nur ca. 110kg, ist eine deutsche Maschine mit hervorragender Genauigkeit, und wurde noch dazu günstig angeboten, mit Verhandlungsspielraum nach unten.

Ich hatte mich anfangs für eine BV20L Variante entschieden(Güde), aber nach dem durchlesen von Minitechs Bericht, (/viewtopic.php?f=43&t=2763), ist hier dann doch die Wahl auf die Kress gefallen, wenn sie auch bedeutend weniger Plug&Play ist.

In Anbetracht des stark verdreckten Zustandes, und weil der VK das Futter nicht lösen konnte, habe ich dann noch ein wenig Runterhandeln können, und den Speditionstermin für den 31. zugesagt bekommen... und wurde dann prompt informiert, dass der vereinbarte Termin wegen Fahrverboten nicht eingehalten werden konnte. :gruebel:

Also wurde die teuer bezahlte Avisierung für den 3. Januar festgelegt, der erstmögliche Abholtermin beim VK also der 4.
Am 4. wurde der VK angerufen, während er die Maschine einpackte, und den Anruf nicht hören konnte.
Die Spedition versicherte per Mail, dass sie weiter Kontaktaufnahme versuchen würden.
Der VK meldete dann abends, dass er nicht nochmal angerufen worden sei. :-(
Am 4. wurde der VK dann erreicht, und die Maschine wurde am 5. abgeholt.

Die Hoffnung, die Drehe vor Ferienende zu bekommen, war somit dahin. :-<
Daraufhin bekam ich am Samstag eine SMS mit einem Link für die Terminvereinbarung.
Klingt nach ner guten Idee, nen Anruf kann man nicht immer beantworten, aber das Zeitfenster war sehr grob und nicht gerade flexibel.
Bei der letzten Spedition wurde ich angerufen, habe gesagt wann ich Zeit habe, und dann kam der mit ner Stunde Toleranz. :nixweiss:

Sprechzeiten waren nur werktags, also habe ich die Lieferung für Montag festgelegt, und Montagmorgen angerufen, dass ich im angegebenen Zeitfenster diese, die nächste, und auch die Übernächste nur begrenzt verfügbar bin, war aber kein Problem, das war ein interner Fehler, der früheste Termin wäre Dienstag...
Während ich so langsam den Kaffee auf hatte und bereit war ein fünfseitiges volksverhetzendes Manifest über meinen Unmut gegenüber Lieferdiensten zu schreiben, bot mir der freundliche Herr am Hörer an, er könne den Fahrer bitten, eine Stunde vor Lieferung anzurufen. Fast als hätte ich dafür bezahlt....

Den Zehner hätte ich besser in Werkzeug investiert.

Egal, dachte ich mir, morgen ist Dienstag, schreibst du ne Deutschklausur, und dann empfängst du dein neues Männerspielzeug.
Also war der Termin für 10 Uhr angesagt, da war die Deutschklausur vorbei, und notfalls könnte ich mir ne Freistunde nehmen.

Ich sitze in der Deutschklausur, bringe meine höchst unpositive Meinung über Walter Fabers Ansichten zur Maya-Architektur und die Zukunft der deutschen Zigarre aufs Papier... Und mein Telefon vibriert.
Meine Deutschlehrerin guckt mich böse an, und das Telefon hört auf.
Eine Viertelstunde später vibriert es wieder.
Ein irritierter Blick, meine Lehrerin drückt mir das Telefon in die Hand und schiebt mich aus dem Raum, ich soll mich darum kümmern und dann weiterschreiben.
Ich liebe diese Frau.

Es ist, erwarteterweise, der Spediteur.
Er sei schon um die Ecke, ich solle schonmal rauskommen.
Es ist 9:13.
Ich informiere ihn freundlichst, dass ich gerade eine Klausur schreibe.
"Können sie denn zwischen 10 und 11 Uhr?"
Dann nehme ich mir wohl eine Freistunde.

Ich sitze also um knapp 10 Uhr zuhause und warte auf einen Anruf.
Das Telefon vibriert.
Er schafft es nicht, ich habe um 14 Uhr aus, er verspricht danach zu kommen.
Um 14 Uhr also:
IMG_4687.JPG
So hübch.

Die Maschine ist jetzt also schon knapp eine Woche bei mir, in der Zeit habe ich auch schon einiges gereinigt, aber der Plan ist tatsächlich das zu tun, was ich bei meiner Fräse ursprünglich beabsichtigt habe, eine reine Instandsetzung.
Es gibt eigentlich nur zwei Baustellen:
  • Das Futter ist Bombenfest, ich habe mir da schon einen Lochmutterschlüssel abgebrochen
  • Die Maschine ist unvorstellbar dreckig und ranzig, das übliche halt, geölt wurde sie dieses Jahrhundert noch nicht, und die Öleinfülltrichter die nicht trocken sind, sind mit ranzigem Fett vollgepackt. :|
Ich wollte eigentlich mehr über die schreiben, aber da war es noch 20 Uhr, ich werd das jetzt auf den morgigen Tag verschieben.
Gruß.
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Re: Eine Kress Commander 110 Drehmaschine

Beitrag von MalteS » Do 17. Jan 2019, 08:39

War das die aus eBay Kleinanzeigen mit so halb dunklen Bildern?
Die hatte ich ne Weile in Beobachtung...

Alteisenfreund
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Re: Eine Kress Commander 110 Drehmaschine

Beitrag von Alteisenfreund » Do 17. Jan 2019, 13:00

Glückwunsch - die kleine KRESS sieht ganz solide aus.

Spedition und Termine passt selten zusammen. Die Rollfuhrfahrer sind meistens unter Druck.
Beim nächsten Mal verabredest Du die Annahme der Sendung besser mit einem Nachbarn oder Hausmeister oder holst selber bei der Spedition ab.
Eisen und Alu verrottet aber Edelstahlspäne haben auf dem Sofa nix verloren.

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PerKele
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Re: Eine Kress Commander 110 Drehmaschine

Beitrag von PerKele » Do 17. Jan 2019, 15:43

MalteS hat geschrieben:
Do 17. Jan 2019, 08:39
War das die aus eBay Kleinanzeigen mit so halb dunklen Bildern?
Ich denke schon. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob das so ein Schnäppchen war, warum zeige ich gleich.
Alteisenfreund hat geschrieben:
Do 17. Jan 2019, 13:00
Spedition und Termine passt selten zusammen.
Da bin ich wohl ein wenig verwöhnt, die letzte Sendung welche ich entgegengenommen habe war meine Fräsmaschine, die war doppelt so groß und viermal so schwer.
Da war das Ganze mit einem Anruf erledigt, und die Avisierung war auch gratis.

Wobei ich natürlich erwähnen muss, dass sich der Fahrer auch Mühe gemacht hat mir entgegenzukommen, das Büro hat dabei auf Kundenservice einen Dreck gegeben, ich habe nur leider die Spedition von der Fräse nicht angeboten bekommen.(Buchung über den externen Dienstleister Pamyra.)

Nun war sie also da.

Es hatte mittlerweile angefangen zu regnen.
Ich habe einen Kollegen angerufen, der versprochen hatte beim Transport in den Keller zu helfen.
Anrufbeantworter... :aerger:

Also bei Niederschlag und Kälte soweit wie möglich zerlegt und in den Keller gepackt.
Glücklicherweise lief mir dann noch ein Nachbarsjunge über den Weg, der dann Hand anlegte und zu zweit schleppten wir den Korpus die Treppe herunter.

Jetzt war sie drin.

Ich muss mich an diesem Punkt für mangelnde Bilder entschuldigen, ich war dem Zustand der Maschine gegenüber Optimistisch, und hatte keine Beitragswürdigen Probleme erhofft.

Aber das war wohl nix.

Also fangen wir doch einfach mal an.
Die Kress hat eine proprietäre Aufnahme, ein kurzer Kegel und danach ein Gewinde. Auf diese passen 100mm Flansche, von denen auch einige mit dabei waren.
Das Problem bei so einer genauen Aufnahme ist, dass die bei zu viel Anzugsmoment sehr Schwer zu lösen ist.

Dieses Problem war den Ingenieuren bei Kress bekannt, also dachten sie sich eine Lösung aus.
Auf der Hinterseite des Spindelstocks sitzt eine kleine Bohrung. Diese geht durch bis zur Spindel und befindet sich genau über einem Grundloch in dieser.
Um also die Spindel zu blockieren, muss man einfach nur den mitgelieferten gehärteten Stift in diese Bohrung einführen, und die Spindel sitzt fest.
In der Theorie höchst geniös, in der Praxis aber nicht so ganz perfekt, da die Richtung, in die mehr Stabilität notwendig ist, ein wenig dünn ausgeführt ist.
Den mitgelieferten Stift hat der VK entweder verloren, oder, wahrscheinlicher, nie gesehen, und daher auch nicht mitgeliefert.

Also habe ich da einfach ein Reststück Silberstahl reingesteckt, wird schon passen...
Denkste!
Bei der Bohrung war wohl schon vor langer Zeit ein Stück rausgebrochen, und das Reststück bog sich dann einfach durch.
Ich wollte das dann wieder rausziehen, aber das passte nicht mehr durch die Bohrung. :wall:
IMG_4688.JPG
Am Lack sieht man schon was ich versucht habe um das rauszubekommen.

Nach langem grübeln und Fühlen an der Innenseite des Spindelstocks habe ich ihn schließlich abmontiert, um die Spindel zu lösen, damit ich diesen Verdammten Stift rausbekomme.
Mir fiel dann aber auf, dass ich das Futter abbekommen muss, um die Spindel demontieren zu können, weil ein paar Schrauben hinter dem Futter sind. :wall:

Da hab ich mich mal großzügig in eine Ecke gemalt. :imstupid:

Aber man lernt aus seinen Fehlern.... Hoffentlich...

Ich habe es dann mit einer Rohrzange geschafft, den Stift zurückzubiegen, und dann rausgezogen.
IMG_4690.JPG
Der sah ein wenig zerkaut aus. :pfeif:

Den Motor habe ich dann auch neu verkabelt, da kommt dann ein Parker AC10 FU dran, den hab ich schon da.
IMG_4692.JPG
Kein mühsames Riemenwechseln mehr. :freu:

Aber das wars dann auch im Moment, als nächstes kommen der Bett- und Oberschlitten dran.
Gruß.
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Re: Eine Kress Commander 110 Drehmaschine

Beitrag von PerKele » Fr 18. Jan 2019, 23:44

Ja moin, weiter gehts.
Ich werde mal versuchen, hier tägliche Updates rüberzubringen bis ich die Maschine zum Laufen gebracht habe, mal sehen ob das klappt.

Nach dem Beinahedesaster mit dem Stift habe ich mich dazu entschieden, mich erstmal um Bett-, Plan- und Oberschlitten zu kümmern.

Das war ein wenig entmutigend.
IMG_4702.JPG
Flugrost ist nie schön, aber auf der Innenseite einer Führung...

Naja.
Der letzte Nutzer hat auf dem Oberschlitten eine Aluplatte montiert, um die Höhe des Werkzeugs ein wenig zu heben.
Ich wollte mal sehen was sich darunter verbarg.
Als ich sie löste, stieg mir ein richtig widerlicher Geruch in die Nase, den ich schon am Rest der Maschine leicht wahrgenommen hatte, eine Mischung aus Ethanol, ranzigem Fett und Orangenschalen.

Woher das kommt?

Nachdem ich da mit einem Lappen drüber gegangen war, sah der Oberschlitten immer noch ein wenig mitgenommen aus.
IMG_4703.JPG
Da bin ich dann mal mit der Drahtbürste am Schleifbock drüber gegangen, habe beide Oberflächen mit WD40 eingesprüht, und dann wieder zusammengesetzt.

Als nächstes der Oberschlitten.
IMG_4705.JPG
Auweia.

Der Öltrichter in der Mitte ist schon nicht mehr sichtbar. :-(
Die Skala hat auch schon bessere Tage gesehen.

Das meiste davon ist aber Oberflächlich, da hat die heilige Drahtbürste kurzen Prozess mit gemacht.
Ebenso mit dem Zentrierbolzen, da dauerte der Prozess allerdings länger, da muss wohl Feuchtigkeit eingedrungen sein.

Der Funktioniert übrigens genau wie bei einer Rotwerk/Sieg. Leider.
Die Gestaltung der Maschine reicht sowieso von genial bis hirnrissig, da treffen gute Ideen wie der Sicherungsstift, und der serienmäßige simple Längsvorschub auf Unsinn wie die Nachstellung der Schwalbenschwänze und Oberschlitten, den man komplett zurückfahren muss, um den Winkel zu ändern. :stupid:

Ich weiß, ich mecker da jetzt ein wenig viel, aber es wird wohl keine Maschine geben, die einen voll und ganz zufriedenstellt, an Dinge wie die Leitspindel werde ich mich noch gewöhnen müssen.

Aber wo ich wirklich nicht meckern kann, ist die Qualität.
Die Kontaktflächen der Schwalbenschwänze sind vollkommen Rostfrei, da ist einfach kein Platz für da.
Ich habe alle Einstellschrauben ersetzt und dabei bei Plan- und Oberschlitten ohne Schrauben kein Spiel fühlen können.
Die sind so dermaßen genau gefertigt, dass bei festgezogenem Drehmeißel der Oberschlitten klemmt.
Das nenne ich mal deutsche Wertarbeit.
Außer vielleicht die Gewindespindeln, die sind alle mehr als ausgelutscht.

Ich habe dann auch den Schwalbenschwanz des Planschlittens abgewischt und geölt.
IMG_4711.JPG
Das Bisschen Flugrost hat dann nicht weiter gestört, und ließ sich mit einer Rasierklinge fast vollkommen entfernen.

Dann wurde alles wieder zusammengesetzt.
IMG_4712.JPG
Und viel mehr hoffe ich mich mit dem Teil nicht mehr beschäftigen zu müssen.
IMG_4713.JPG
Und noch ein Bild, weil es so schön ist, und damit man die Aluplatte gut sieht.

Zu guter letzt noch ein kleiner Tip, wenn man bei seinen Schweißkonstruktionen Gelegentlich mal mehr Verzug hat als erwartet, schafft ein Zurrgurt gerne Abhilfe:
IMG_4724.JPG
Und so einfach hat man die Hände frei.

Das wars dann wieder für heute, Gruß.
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Re: Eine Kress Commander 110 Drehmaschine

Beitrag von PerKele » Mo 21. Jan 2019, 21:35

Also das mit den täglichen Updates hat ja nicht so gut geklappt, sowas geht schief, sobald man es ausspricht.

Aber am Wochenende habe ich ja nicht nur gedaddelt.

Sondern die Rutschkupplung gereinigt,
IMG_4715.JPG
IMG_4718.JPG
IMG_4726.JPG
das Vierbackenfutter zerlegt,
IMG_4746.JPG
IMG_4753.JPG
gefettet,
IMG_4758.JPG
und entrostet.
IMG_4759.JPG
Jetzt läuft es wieder ohne zu hakeln.

Der Vorschub bedurfte weniger Aufmerksamkeit.
IMG_4762.JPG
Der wurde einfach gereinigt und geölt.
IMG_4763.JPG
Somit sind alle Teile im Spindelstock wieder einsatzfähig.

Als nächstes wird zusammengebaut.
Gruß.
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Re: Eine Kress Commander 110 Drehmaschine

Beitrag von PerKele » So 3. Feb 2019, 13:09

Ja moin allerseits.
Das letzte Update ist ein Weilchen her... :pfeif:

In der Zwischenzeit ist mein Laptop krepiert, musste ich diverse Vorträge für die Schule vorbereiten und hatte wieder dezent widerliche Schwindelanfälle, sowohl Zeit, als auch Lust an der der Maschine zu arbeiten, waren Mangelware. :frown:

Jetzt habe ich aber nen neuen Laptop, neue Motivation und neue Fotos.

Angefangen mit dem zusammengebauten und frisch geölten Vorschub, mit dem Bett vereint.
IMG_4782.JPG
Da kommt dann der Spindelstock drauf.
IMG_4784.JPG
Und nachdem ich den Motor montiert und angeschlossen hatte, konnten erste Drehversuche unternommen werden.

Ich brauchte einen Stehbolzen für den Multifix.
Dabei habe ich mich für einen AA entschieden, laut Hahn&Kolb hält der eine Antriebsleistung von bis zu 1,1KW aus, da hat die Maschine knapp die Hälfte.
Außerdem habe ich gesehen was der Larry damit schon für Zustellungen geschafft hat, der Stefan ist ja nicht der einzige bei dem man sich etwas abgucken kann. ;-)

Also die erste Seite bearbeitet, Rundlauf ist hier nicht kritisch, da kann man das mal im Dreibackenfutter machen. Auch wenn das sehr ausgelutscht ist.
IMG_4803.jpg
Soweit ist die Maschine schon beeindruckend, die hat bei 560U/m 2,5mm Zustellung locker mitgemacht.

Es wurde umgespannt und die anderen Seite für ein M10 Gewinde abgedreht.
IMG_4806.JPG
Ich wollte das zuerst auf der Maschine machen, aber dann hab ich doch lieber zum Schneideisen gegriffen, bei dem unteren Gewinde hat das auch funktioniert, beim oberen... naja... seht selbst:
IMG_4807.JPG
Ich mag Schneideisen nicht wirklich, und das beruht auf Gegenseitigkeit.

Ich habe mich dann mit der Entfernung des Futters beschäftigt. Wie schon zuvor erwähnt, hat die Kress eine eigene Aufnahme, die mit nichts auch nur annähernd konform ist.
Es handelt sich dabei um einen kurzen Kegel mit einem Gewinde dahinter, 40x1,5 glaube ich. Das problem ist, dass sowas sehr einfach viel zu fest angezogen werden kann.
Und das hält dann so ähnlich wie ein umgekehrter Morsekegel.
Viel um den heißen Brei herumgeredet, die Aufnahme sitzt fest.
Ich-habe-schon-ein-paar-Werkzeuge-daran-zerstört-fest.

Ich erinnerte mich dann aber an Minitechs Bericht, dessen Futter saß auch verdammt fest, er hat das dann mit einem eingeklebten Rundrest und einer einer 40cm Rohrzange am Spindelende, und einem Quer eingespannten Stahlstab gelöst bekommen.

Eine 40cm Rohrzange habe ich nicht. Dafür aber ein Schweißgerät. :ideadev:
Rund auf Rutschpassung abgedreht, ein Stück Winkel angeschweißt, und die ganze Konstruktion in die Spindel geklebt.
Am Futter einen halben Meter 16er Rund, und:
IMG_4814.JPG
:abgelehnt:

Das ist nicht so ganz aufgegangen. :nixweiss:

Auf ein neues. Diesmal einen Engländer mit einem Gussteil verklemmt, das gibt einen viel kürzeren Hebelarm, Stoßgebet von Powerwolf über die Anlage laufen lassen, und mit den vollen 100Kg Körpergewicht das Rund im Futter belastet.
IMG_4816.JPG
Nach einem nervenzerreißendem Knacken dann das Futter begutachtet.

Das war Lose. :freu: :22:

Dieses Futter habe ich dann auch gleich auseinandergenommen und neu gefettet, dabei fiel mir was interessantes auf:
IMG_4819.JPG
Das sind drehbare Backen. Sowas habe ich bisher nur in unabhängigen Vierbackenfuttern/Planscheiben gesehen. Sehr praktisch, nur ob das auch hält wenn man außen was spannt...

Ist im Moment auch egal, das Futter kam sofort wieder drauf.Nach dem ganzen Aufwand der fürs Lösen betrieben wurde.
Der Stehbolzen hatte nämlich einen kleinen Fehler, die M10 Mutter war so breit, dass sich die Halter in einigen Positionen nicht einstellen ließen. -_-

Also flugs einen neuen gedreht.
IMG_4823.JPG
Diesmal mit Innengewinde für eine M10 Inbusschraube.
Ich habe auch ein neues Gewinde im Support bohren müssen, der ist 90mm breit, ein wenig zu viel für die 50mm des AA.

Nun kommen wir zum Grund, aus dem die Gewinde nicht auf der Maschine gemacht wurden.
Die Maschine ist von 1978. Also eine der Allerersten. Und so sehr ich einige Aspekte auch gelobt habe, das Alter sieht man ihr definitiv an. Alle Gewindespindeln sind bis aufs letzte ausgenudelt. Der Planschlitten hat 1,5mm Spiel in Zustellrichtung, vorm Bettschlitten graut es mich jetzt schon, das sind mit bloßen Auge geschätzt schon 5mm+.
Der Reitstock ist eingelaufen wie... mir fällt da jetzt nichts ein, aber der ist praktisch hin. Zusätzlich hat der Vorbesitzer um das Spiel auszugleichen ein paar Unterlegscheiben an das Handrad der Leitspindel gefummelt, so dass bei der Gewindeschneideinrichtung kein Platz mehr für die Zahnräder ist.

Grob zusammengefasst heißt das eine Verdammt große menge an sehr unangenehmer Arbeit.
Ob sich das Lohnt ist da eine wichtige Frage.
Ich mache diesen Sommer mein Abitur, danach geht es ab an die Hochschule, Maschinenbaustudium Produktionstechnik wenn alles klappt. Ich glaube nicht, dass ich in dieser Zeit umziehen werde. Also mindestens 3 Jahre bis zum Bachelor, 5 Jahre bis zum Master. Das heißt ich bin für mindestens 3 Jahre auf meinen Keller mit dem Platz, und den Gewichtsgrenzen beschränkt. Insofern ist diese Maschine meine beste Wahl.

Um einige der Großen Mängel herzurichten brauche ich allerdings eine Fräse. Und nun schließt sich der Kreis. Die Drehe ist definitiv nicht optimal, Umkehrspiel ist allerdings das größte Problem. Damit kann man arbeiten, das kann man ausgleichen, und um die Fräse zum Laufen zu bringen reicht es definitiv. Und sie läuft ja auch relativ präzise.

Ich hab noch ein paar Kleinigkeiten zu erledigen, Flansch für ein Vierbackenfutter, Späneschutzwand, und weiteres, das übliche halt. Ich werd das auf jeden fall detaillierter dokumentieren.

Das wars für heute.
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Re: Eine Kress Commander 110 Drehmaschine

Beitrag von Minitech » So 3. Feb 2019, 15:49

Hallo,

erstmal Daumen hoch für das Entfernen des Futters.
Das war auch bei meiner Maschine ein Problem.

Ich kann kaum glauben, dass die Leitspindel dermaßen verschlissen ist.
Bei einem Spiel von ca. 5 mm müssten ganze Gewindegänge fehlen.
Vermutlich fehlen nur Distanzscheiben an den Anschlägen (links oder rechts).
Auch bei meiner Maschine hatte die Leitspindel etwas Spiel, was durch die
neue Lagerung am Handrad behoben wurde (siehe Beitrag dazu).

Was genau ist denn am Reitstock verschlissen?
Die Bettbahnführungen? Die Pinolenaufnahme? Die Pinolenspindel?

Insgesamt sieht die Maschine nicht stark gebraucht aus, wenn man sich an den
Lackschäden oder sonstigen sichtbaren Gebrauchsspuren orientiert.

Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass wesentliche Teile verschlissen sind
(z.B. das Maschinenbett).
Die Maschine ist grundsolide gebaut und an den unwahrscheinlichsten Stellen
gehärtet.
Etwas Vergleichbares in dieser Größe wird man kaum finden können,
vielleicht mal abgesehen von einer Technika.

Es macht daher Sinn, die Maschine zu vermessen und mögliche Fehler
genauer zu untersuchen.

Grüße

Herbert

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Re: Eine Kress Commander 110 Drehmaschine

Beitrag von PerKele » So 3. Feb 2019, 16:06

Moin Herbert.

Es ist ja nicht nur die Leitspindel verschlissen, Sondern auch die Leitspindel-/Schlossmutter und die Anschläge, das Problem ist dabei auch, dass die Distanzscheiben, die der Vorbesitzer eingeklemmt hat, garantiert nicht zur Maschine gehören, und auch nicht wirklich passen, die Spindel rutscht gut mit.
Das Spiel am Bettschlitten werde ich jetzt mal richtig nachmessen, die 5mm waren Gefühl und Beobachtung, das ist wahrscheinlich weniger . Das ist aber auch nicht einfach zu messen, da sich der Bettschlitten ohne genügend Druck auf dem Bett leicht drehen lässt.

Ich werde mal ein bisschen mit der Messuhr spielen und die Ergebnisse Fotografieren.

Die Farbe ist übrigens sehr resilient, und hat auch ein wenig Misshandlung mit der Drahtbürste auf der Bohrmaschine überstanden, danach kann man den Verschleiß nur schwer beurteilen.

Gruß.
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Re: Eine Kress Commander 110 Drehmaschine

Beitrag von PerKele » So 3. Feb 2019, 17:12

So, die Diagnose ist doch nicht ganz so schlimm wie befürchtet.

Ich habe eine Messuhr an den Schlitten angesetzt, und mit der Hand entgegengedrückt während ich den Schlitten auf 0 gefahren habe.
Dann den Schlitten von der Messuhr weggedrückt.

Erst der Oberschlitten:
IMG_4837.JPG
IMG_4838.JPG
Spiel etwa 1,08mm

Dann der Planschlitten linear:
IMG_4834.JPG
IMG_4835.JPG
Spiel etwa 1,17mm

Jetzt das etwas beunruhigende, das Spiel des Bettschlittens auf Rechtwinkligkeit zur Z-Achse:
IMG_4839.JPG
Genullt.
IMG_4840.JPG
Richtung Messuhr.
IMG_4841.JPG
Richtung Prismenführung.

Und weil nach Bildern vom Reitstock gefragt wurde:
IMG_4842.JPG
IMG_4844.JPG
Der ist so um die zwei oder drei Zehntel tiefergelegt. :help:

Mir wurde von einem Forumsmitglied auch schon Moglice ans Herz gelegt, das hatte ich bisher völlig aus den Augen verloren und bietet sich hier als gloriöse Lösung an.
Das Spiel müsste sich mit ein paar neuen Gewindespindeln auch größtenteils legen, nur wo finde ich eine M12x1,5 Linksgewinde, und was auch immer die Leitspindel hat. :nixweiss:
Wenn's schon Mädler nicht hat...

Naja, kommt Zeit, kommt Rat. Oder wenigstens der Mut sich zum Handeln zu bringen, ich genieße jetzt erstmal meinen Restsonntag.

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