Wohlhaupter Schaft anpassen

Antworten
rafael
Beiträge: 370
Registriert: Mo 9. Jan 2017, 22:47
Switzerland

Wohlhaupter Schaft anpassen

Beitrag von rafael » Mo 1. Jun 2020, 02:41

Da die Ausdrehköpfe von Wohlhaupter scheinbar dazu neigen, mit dem falschen Schaft daher zu kommmen, möchte ich hier eine Variante der Adaptierung zeigen.

Ich bin günstig an einen Wohlhaupter UPA3 mit reichlich Zubehör in der Holzbox gekommen.
IMG_0978_.JPG
Der Preis war so gut, dass mir der nicht zu meiner Maschine passende Schaft erst mal egal war. Ich wusste von den Beiträgen hier, dass es Wohlhaupter mit festem Schaft aber auch mit Wechselschaft gibt. Als ich meinen Ausdrehkopf genauer anschaute, bemerkte ich, dass ich den Schaft demontieren kann. Der Schaft ist aber nicht durch die Differenzschraube in der Mitte wie beim originalen Wechselschaft befestigt, sondern wird von vier Schrauben schräg von der Seite gehalten.
IMG_0997_.JPG
Auf dem Ausdrehkopf steht "Steilk 30 x M12". Der montierte Schaft ist aber ein SK40 mit S20x2 Gewinde. Das bestärkt mich in der Annahme, dass der Ausdrehkopf bereits modifiziert wurde. Demontiert sieht das folgendermassen aus:
IMG_1001_.JPG
Für mich sieht es so aus, als ob der originale (feste) Schaft abgetrennt und vier schräg angeordnete Gewindebohrungen gesetzt wurden. Man sieht noch die Nut für den Seegerring, der mit einer Stahlscheibe die Verstellringe fixieren würde. Das Prinzip scheint bis auf die Befestigung vergleichbar mit dem originalen Wechselschaft zu sein. Der Schaft selbst wirkt qualitativ sehr hochwertig gefertigt. Die Montageflächen sind alle geschliffen. Weiss jemand, ob der Schaft mit dieser Befestigung für eine andere Anwendung so produziert wird/wurde?

Für meine Optimum MB4 brauche ich einen MK4. Ich habe daher einen Schaft bestellt, wie er für die günstigen Ausdrehköpfe aus Fernost angeboten wird. Diese Ausdrehköpfe haben als Aufnahme ein 1 1/2" UNF18 Gewinde und sind mit vielen verschiedenen Schäften erhältlich.
IMG_0768_.JPG
Da das Ende nur grob überdreht war und einige Macken hatte, habe ich das in der Fräsmaschine plangedreht. Ich habe aber nur 0.1mm abgedreht, um die Zentrierbohrung nicht zu verlieren.
IMG_0848_.JPG
Danach habe ich den Schaft zwischen Spitzen gespannt und das besagte Gewinde auf denselben Durchmesser wie der Ansatz am Wohlhaupter abgedreht. Der Schaft liess sich mit Hartmetall gut bearbeiten. Der unterbrochene Schnitt beim Gewinde gefiel aber dem Drehstahl nicht.
IMG_0855_.JPG
Zusätzlich habe ich einen Ring mit demselben Innendurchmesser gedreht. Am Ring habe ich vier Flächen angefräst, die ich nachher als Teilung für den Lochkreis nutzen kann. Der Ring wurde mit Loctite 648 auf den Schaft geklebt.
IMG_0885_.JPG
Das Bohren der vier Schraubenlöcher bzw. die Flachsenkung war die grösste Herausforderung. Ich habe VHM-Fräser mit vier Schneiden, wovon eine über die Mitte geschliffen ist. Mit einem neuen 10mm Fräser habe ich senkrecht eingestochen, um nachher mit dem 12mm Fräser die Senkung zu vergrössern. Beim ersten Loch ging das ganz gut. Beim zweiten musste ich den Fräser schon zwingen und ab dem dritten musste ich mit einem Zentrierbohrer das Zentrum anbohren, damit der Fräser vorwärts ging. Das Bohren selbst ging mit einem HSS-Bohrer und genügend Druck ganz gut.
IMG_0891_.JPG
Zum Schluss habe ich den Schaft mit dem Ring wieder zwischen Spitzen überdreht, um die Spannflächen zu entfernen und den Ring auf die passende Länge zu kürzen.
IMG_0909_.JPG
So wäre der Schaft eigentlich schon fertig, wenn sich nicht einer beim Masse notieren verschrieben hätte. :unknown:
Durch den Fehler wurde der Ring leider 1mm zu kurz. Ich habe daher einen Absatz gedreht, einen passenden Ring gefertigt und erneut mit Loctite 648 verklebt.
IMG_0934_.JPG
Nach dem Verkleben nochmal überdreht...
IMG_0975_.JPG
Und fertig montiert sieht das so aus. Die Verstellringe sind leichtgängig und haben ca. 0.03mm Spiel.
IMG_1031_.JPG

Über Anregungen und Kritik würde ich mich freuen. Insbesondere an den Flachsenkungen habe ich mir die Zähne ausgebissen. Was wäre die sinnvolle Vorgehensweise für solche Flachsenkungen oder Anspiegelungen generell?

Gruss Rafael

elmech
Beiträge: 3326
Registriert: So 13. Aug 2017, 17:14
Wohnort: Mitteland Aarau/Olten
Switzerland

Re: Wohlhaupter Schaft anpassen

Beitrag von elmech » Mo 1. Jun 2020, 09:43

Hallo, gute Arbeit! Zum Senken gibt es HM Zapfensenker von verschiedenen Herstellern. Aber schon Erstaunlich, wie Du mit dem Vorgehen den Winkel und den Teilkreis genau getroffen hast! Hut ab vor solcher Leistung! Freundliche Grüsse Andi

fortunesun
Beiträge: 609
Registriert: Di 13. Mär 2018, 16:56
Germany

Re: Wohlhaupter Schaft anpassen

Beitrag von fortunesun » Mo 1. Jun 2020, 12:24

Hallo, den selben Gedanken hatte ich beim lesen Auch, unter einem Winkel den teilkreis genau zu treffen ist schon nicht ganz einfach. Respekt !!!
Ich habe in solchen Fällen bisher den Schaft einfach umgearbeitet. Einen Wechselschaft zu haben, ist natürlich eine feine Sache.
VG Mathias
Wer mit dem Strom schwimmt, wird die Quelle nie erreichen.

Benutzeravatar
Alex V
Beiträge: 21
Registriert: Mo 6. Apr 2020, 21:07
Wohnort: Nürnberg
Germany

Re: Wohlhaupter Schaft anpassen

Beitrag von Alex V » Mo 1. Jun 2020, 17:49

Sehr fein, danke fürs zeigen!

Ich habe ähnliches für meinem Lenz LPA-2S gemacht, war zum Glück "nur" ein Absatz und ein M20X1 Innengewinde. Diese chinesischen Ausbohrkopf-Schäfte sind günstig, weich und relativ einfach zu bearbeiten (in meinem Fall MK2). Dies gilt nicht für gute Weldon-Schäfte (SK30 in meinem Fall), habe ausgerechnet einen jenseits von 60HRC rausgesucht und musste diesen partiell anlassen damit da überhaupt was geht, gab am Ende trotzdem genügend tote Wendeschneidplatten :pfeif:


Grüße!
Alex
Wabeco D2400 mit Fräsaufsatz
3D-Drucker: CR-10S Pro

rafael
Beiträge: 370
Registriert: Mo 9. Jan 2017, 22:47
Switzerland

Re: Wohlhaupter Schaft anpassen

Beitrag von rafael » Mi 3. Jun 2020, 22:22

Vielen Dank für eure Rückmeldungen. Ich habe mir lange überlegt, wie ich den Teilkreis am besten treffe. Schlussendlich habe ich mit dem Kantentaster die untere Kante der zwei Parallelunterlagen, die ich mit dem Schaft in den Schraubstock gespannt habe, angefahren und mir mit Winkelfunktionen ausgerechnet, wie weit ich von dieser Kante nach links verschieben muss. Die Durchgangsbohrungen für die M6-Schrauben waren auch im mitgelieferten Schaft mit 6.8mm gebohrt. Somit bleibt da etwas Toleranz. Natürlich war ich erleichtert, als die Schrauben auch tatsächlich passten.

Für Zapfensenker hätte ich zuerst ein Loch bohren müssen. Auch dafür hätte ich ja zuerst mit einem Fräser einstechen müssen? Ich müsste wohl mit einem 6mm Fräser 6-8mm tief einstechen, bis dieser am vollen Umfang eintaucht. Bei meinen HSS-Zapfensenker wäre der Führungsbolzen zu kurz.

Ich frage mich aber, ob meine Fräser für axialen Vorschub nicht optimal geschliffen sind, oder ob ich generell in solchen Fällen wenn immer möglich seitlich rein fräsen sollte?

Gruss Rafael

Spartaner117
Beiträge: 2168
Registriert: Fr 14. Mär 2014, 20:50
Germany

Re: Wohlhaupter Schaft anpassen

Beitrag von Spartaner117 » Do 4. Jun 2020, 14:22

Evtl noch als Möglichkeit zwei für die Zukunft:

Für solche Maßnahmen mach ich mir öfter Schrauben ohne Kopf, die ich dann ins Teil schraube und auf der anderen Seite dann ins Bohrfutter klemme.
Dann so in den Schraubstock fahren, den Schraubstock "dranklemmen" und aufpratzen.
Macht man dann Futter auf, Schraube raus, Futter raus, Fräseraufnahme mit Fräser rein ergibt das immer einen sauberen Treffer. Für einzelne Löcher geht das echt super.
Viele Grüße,

Marc

Antworten