Anschleifen eines Einstech/Abstechdrehmeißels

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Anschleifen eines Einstech/Abstechdrehmeißels

Beitrag von Allemool » Mo 22. Nov 2010, 18:09

Zum Anschleifen eines Einstech- oder Abstechdrehmeißels braucht Ihr einen Doppelschleifbock
und einen entsprechenden Rohling aus HSS oder Hartmetall. So ein Rohling kann auch ein alter Gewindebohrer oder Schleifstift sein.
Zu beachten ist das beim Schleifen von Hartmetall Siliciumcarbit Schleifscheiben benutzt werden sollen. Zum Anschleifen von HSS genügen Korundschleifscheigen wie sie in der Regel auf den Hobbydoppelschleifern standardmäßig montiert sind. Bevor Ihr Euch den Beitrag schnell anschaut und dann sofort in den Hobbyraum geht schaut Euch nochmals die Unfallverhütungsvorschriften beim beim Schleifen an (Schutzbrille, Abstand Schleifscheibe zu Auflage usw.)

Wichtig beim Anschleifen eines Einstech- oder Abstechdrehmeißels sind die Freiwinkel. Werden diese Freiwinkel nicht angeschliffen „drückt“ der Drehmeißel. Dies wirkt sich negativ auf die Oberflächen und die Maßhaltigkeit aus. Im ungünstigen Fall reißt der Drehmeißel ab und ist Schrott.

Hier mal ein Bild zur Verdeutlichung der folgenden Erklärungen.
Ansichten.jpg
Ansichten.jpg (26.17 KiB) 36363 mal betrachtet
In der Ansicht auf die Schneide erkennt Ihr das beidseitig Freiwinkel (3-5°) angeschliffen werden müssen. Wären diese Freiwinkel nicht würde der Drehmeißel beim einstechen an diesen Flächen am Material reiben.
Freiwinkel1.jpg
Freiwinkel1.jpg (29.28 KiB) 36363 mal betrachtet
In der Ansicht von Oben erkennt Ihr das dort auch zusätzlich Freiwinkel angeschliffen sind. Diese Freiwinkel bewirken, dass die Schneide breiter ist. Somit ist sichergestellt das der Drehmeißel nur vorne an der Schneide Material abnimmt.
Freiwinkel2.jpg
Freiwinkel2.jpg (12.55 KiB) 36363 mal betrachtet
In der Ansicht des Schneidkeils seht Ihr den Freiwinkel der zusammen mit dem Spanwinkel die Größe des Schneidenkeils bestimmt. Der Spanwinkel habe ich in dem Beispiel als Spanleitstufe bezeichnet weil auf dieser Fläche der Span abfließt.
Keilwinkel.jpg
Keilwinkel.jpg (19.38 KiB) 36363 mal betrachtet
Nun Zur Praxis

Schritt 1

Zuerst schleift mal die Breite des Stechdrehmeißels vor.
Anschleifen_Schritt1_1.jpg
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Anschleifen_Schritt1.jpg
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Dabei ist darauf zu achten das man der ersten Freiwinkel schon gleich mit anschleift. (siehe Ansicht auf die Schneide)

Schritt 2

Hier wird der zweite Freiwinkel angeschliffen
Anschleifen_Schritt2_1.jpg
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Anschleifen_Schritt1_2.jpg
Anschleifen_Schritt1_2.jpg (48.21 KiB) 36363 mal betrachtet
Wie weit Ihr diese Freiwinkel anschleift ist davon abhängig wie tief Ihr in das Material beim Ab- oder Einstechen eintauchen wollt. Ich schleife so ca. 2-3 mm weiter als der Einstich tief ist.

Danach wird der Freiwinkel für den Schneidkeil angeschliffen.
Anschleifen_Schritt3_1.jpg
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Anschleifen_Schritt3.jpg
Anschleifen_Schritt3.jpg (40.66 KiB) 36363 mal betrachtet
Schritt4

Danach wird der Spanwinkel bzw. die Spanleitstufe angeschliffen.
Anschleifen_Schritt4_2.jpg
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Anschleifen_Schritt4_1.jpg
Anschleifen_Schritt4_1.jpg (39.26 KiB) 36363 mal betrachtet
Schritt 5

Ich schleife an die Schneidenecken des Drehmeißels immer noch einen kleinen Radius, diese Radien sorgen für eine bessere Oberfläche und der Drehmeißel wird nicht so schnell stumpf

Das sollte dann so aussehen
Anschleifen_Schritt5.jpg
Anschleifen_Schritt5.jpg (18.04 KiB) 36363 mal betrachtet
Bei den Freiwinkel wähle ich Winkel zwischen 3-5°. Mit diesen habe ich die besten Erfahrungen gemacht.

Wie schleife ich solche Winkel per Hand an den Rohling? Dazu habe ich Euch folgendes Bild zur Erklärung gemacht.
Anhalten des Rohlings.jpg
Anhalten des Rohlings.jpg (21.81 KiB) 36363 mal betrachtet
Die Kunst dabei besteht darin den Rohling den man Anschleifen will nicht gerade auf die Schleifauflage zu legen sondern mit der Schrägstellung die dann an dem Drehmeißel sein sollte. Die Bewegung beim Schleifen ist ein leichter Druck des Rohlings an die Schleifscheibe- gleichzeitig bewege ich den Rohling langsam vor und zurück. Zwischenzeitlich solltet Ihr den Rohling abkühlen in einem Becher mit Wasser.

WICHTIG! Wenn die Flächen durch das schleifen blau verfärbt sind ist an dieser Stelle das Material ausgeglüht. Das heißt es hat dort nicht mehr die Härte wie zu beginn. Aus diesem Grund solltet Ihr öfter kühlen. Kommt es doch mal dazu solltet Ihr nach dem abkühlen den Rohling nochmals ganz zart überschleifen bis die blauen Stellen weg sind.
Für alle die noch nie etwas mit dem Doppelschleifer gemacht haben würde ich empfehlen mit einem Stück "normalen" Stahl zu üben damit Ihr das "Gefühl" für das schleifen entwickelt. Wäre Schade wenn der Rohling beim ersten Versuch danebengeht.

Der Unterschied zwischen einem Einstechdrehmeißel und einem Abstechdrehmeißel ist die Lage der Schneide zur Achse. Bei Einstechen ist diese Lage in der Regel parallel zur Drehachse. Bei Einstechen ist die Schneide schräg damit der "Butzen" beim abgestochenen Teil klein ist.
Einstechmeißel.jpg
Einstechmeißel.jpg (17.98 KiB) 36363 mal betrachtet
Abstechmeißel.jpg
Abstechmeißel.jpg (19.36 KiB) 36363 mal betrachtet
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Re: Anschleifen eines Einstech/Abstechdrehmeißels

Beitrag von kramer » Mo 22. Nov 2010, 22:43

Allemool hat geschrieben: Wenn die Flächen durch das schleifen blau verfärbt sind ist an dieser Stelle das Material ausgeglüht. Das heißt es hat dort nicht mehr die Härte wie zu beginn. .... . Kommt es doch mal dazu solltet Ihr nach dem abkühlen den Rohling nochmals ganz zart überschleifen bis die blauen Stellen weg sind.
Hallo Stieven,

Meinst du wirklich, daß das oberflächliche Abschleifen der Anlaßfarben etwas bringt? Die Anlaßfarbe ist doch nur ein Anzeichen, daß das darunterliegende Material eine bestimmte Temperatur erreicht und damit einen gewissen Teil seiner Härte verloren hat. Dieses müßte doch eigentlich enfernt werden und nicht nur die farbige Oxidschicht


meint der Peter

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Re: Anschleifen eines Einstech/Abstechdrehmeißels

Beitrag von Allemool » Di 23. Nov 2010, 05:04

Hallo Peter,
Dieses müßte doch eigentlich enfernt werden und nicht nur die farbige Oxidschicht
Das meinte ich mit wegschleifen. Ich gehe davon aus das nur ein kleiner Bereich "angelaufen" ist und nicht die komplette Schneide.

Gruß

Stieven
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Re: Anschleifen eines Einstech/Abstechdrehmeißels

Beitrag von kramer » Di 23. Nov 2010, 13:08

alles klar. Am besten ist natürlich, es gar nicht so weit kommen zu lassen: Kühlen, Kühlen, ... aber das hast du ja eh schon geschrieben.

Grüße

Peter

PS: Bitte weitermachen, das ist eine sehr schöne Serie.

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