Lackieren von Kleinteilen - Grundlagen gesucht

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wefalck
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Re: Lackieren von Kleinteilen - Grundlagen gesucht

Beitrag von wefalck » Mo 16. Apr 2018, 10:03

Die Frage ist: was sind Kleinteile ? Das ist alles relativ ... es kommt auch darauf an, was mit den Teilen nachher gemacht werden soll.

Ich arbeite mit einer Graphikerspritzpistole (vulgo 'airbrush') mit 0,3 mm Düse und verwende nur wasserverdünnbare bzw. bereits verdünnte Acrylfarben. Die zu spritzenden Teile stelle ich in einen Pappkarton, der vorne offen ist und so den Spritznebel auffängt. Allerdings lackiere ich nur sporadisch, bei regelmäßigen Lackierarbeiten, würde ich mir eine Kabine mit Abzug bauen. Im Bereich (Plastik-)Modellbau gibt es im Internet eine Menge Ideen, Hinweise und auch kommerzielle Produkte dafür.

Das Lackieren mit Farben, die organische Lösungsmittel enthalten, erfordert eine gute Lüftung, u.U. auch zur Verhinderung der Bildung explosionsfähiger Konzentrationen in der Luft.

tofro
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Re: Lackieren von Kleinteilen - Grundlagen gesucht

Beitrag von tofro » Mo 16. Apr 2018, 10:12

Also, wenn du unter "klein" Dinge verstehst, die ca. in einen halben Schuhkarton passen, dann ist eine Airbrush noch geeignet. Alles, was größer ist, wird ganz schön mühsam (bzw. ist die Farbe an einem Ende schon trocken, wenn du noch nicht mal am anderen angekommen bist.

Einerseits ist man mit einer Airbrush ein bißchen eingeschränkt, welche Farben man verwenden kann - die meisten "gängigen" Lacke haben zu große Pigmentkörper um gescheit durch die kleinen Düsen zu passen - Andrerseits kann man (wenn man's kann) mit einer guten Airbrush Dinge treiben, von denen man mit einer Sata nur träumen kann. Die kann halt "bloß lackieren".

Tobias
Jemandem schon mal aufgefallen, dass die Anzeigen "Sie nutzen nur 30% ihres Gedächtnispotentials" zeitgleich mit der Einführung der IBAN verschwunden sind?

Heisti
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Re: Lackieren von Kleinteilen - Grundlagen gesucht

Beitrag von Heisti » Mo 16. Apr 2018, 10:22

Z. B. so etwas..... ;-)
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Re: Lackieren von Kleinteilen - Grundlagen gesucht

Beitrag von Nicolas » Mo 16. Apr 2018, 14:11

tofro hat geschrieben:Also, wenn du unter "klein" Dinge verstehst, die ca. in einen halben Schuhkarton passen,
Ja, genau. Ein Schuhkarton ist oft meine Lackierkabine. Allerdings will ich auch "blos lackieren" und mangels Talent nirgendwo Katzen draufsprühen (btw.: Sehr schick!).
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Re: Lackieren von Kleinteilen - Grundlagen gesucht

Beitrag von DigiDet » Mo 16. Apr 2018, 18:29

Ich hab ja gefragt, ob das mit einer Airbrushpistole ginge. Die Antworten waren ja eher: NEIN
Danke für diese Antworten. Bitte nicht falsch verstehen - ich hab´s trotzdem versucht vor allem da mir die Reinigung der Gun einfacher erschien als die der Mini HVLP die mir noch zur Verfügung steht. Mit großer Wahrscheinlichkeit habt ihr Recht und diese Anwendung ist für anspruchsvolle Aufgaben nicht zu favorisieren. Aber ein befriedigendes Ergebnis kann man schon erzielen. Und bitte beachten, dass ich keinerlei Erfahrungen habe. Also für mich für Kleinteile bzw. kleine Maschinenteile ist das schon eine Option.

Habe also in einem Fachgeschäft einen Liter des unten gezeigten PU 2K-Lack mischen lassen sowie Härter und Verdünnung mitgenommen.
Dieser Lack wird wohl hauptsächlich für Fahrzeuglackierungen benutzt. Sagt der Verkäufer.

Also hab ich mir ein Opfer für den Versuch ausgeguckt. Es geht mir ja auch, wie Nicolas, um "Kleinteile". Hab dann ein Stück Stahlrohr genommen, welches ich mal im Zuge einer MIG Schweissübung aus zwei Teilen zusammengebrutzelt habe. Es erschien mir relativ sauber, daher auch nicht gesäubert und nicht entfettet.

Einen kleinen Arbeitsplatz eingerichtet. Zeitung auf der Werkbank ausgebreitet. Nähere Gerätschaften (Umkreis ca. 1m) abgedeckt.
Dann hab ich mir noch verschiedene Lösungsmittel zum Reinigen bereitgestellt.
Die Pistole bereit gemacht angeschlossen direkt an meinen Kompressor. Druckregler auf 2 bar. (Bei Luftdurchfluss also Pistole also gedrückt)

Das schwierigste war es die superkleine Menge (ca. 2cl) im Verhältnis 2 Teile Farbe - 1 Teil Härter aus den Ursprungsdosen in meinen Mini Mixbecher zu bekommen.
Da konnte ich nicht gießen. Die Farbe hab ich dann mit einem Teelöffel entnommen. Den Härter mit einem dünnen Messingrohr als Heber. Das mit dem Heben hat nicht gut geklappt so dass ich mir nicht sicher bin ob ich die richtige Mischung Farbe/Härter getroffen habe. Im Moment egal.

Sowohl die Farbe als auch der Härter erschienen mir recht flüssig. Das blieb auch nach dem Mischen so. Habe mich deshalb entschlossen es ohne weitere Verdünnung zu versuchen.
Mit den eingestellten 2 bar kam allerdings nur ein Hauch von Farbe aus der Düse. Also hab ich auf ca. 2,5 erhöht. Das funktionierte dann für mich sehr gut. Ich hatte Zeit die nach meiner Meinung nach geeignete Menge aufzubringen so dass eine satte Deckung ohne die geringste Gefahr von Läufern zu bemerken, möglich war. Das Rohr ist etwa 100 mm lang und 25 oder 30mm im Durchmesser.
Bei dieser Dimension des Teils dauerten die zwei Lagen die ich quasi hintereinander machte etwa 4 Minuten. Eigentlich sollte man 2 Lagen machen und dazwischen 5-10 Minuten Lüften lassen.
Das war mir hinsichtlich eines möglichen Antrocknens der Farbe in der Gun jedoch zu "gefährlich". Hinterher ist man schlauer. Es wäre gegangen.

Also zusammenfassend: Ergebnis für mich ok. Beim spritzen mit der Airbrush hat mir gut gefallen, das sehr, sehr wenig Nebel entstand und sehr, sehr wenig Farbe am Ziel vorbeigeschossen wurde.
Hätte nicht erwartet, dass der Lack unverdünnt mit dem "Spielzeuggerät" verarbeitet werden kann.
Angenehme Überraschung beim rumprobieren mit Reinigungsmitteln! Ich hatte bereitgestellt: Waschbenzin, Isopropanol, Nitroverdünnung, die 2K Verdünnung und Aceton. In der Reihenfolge wollte ich testen. Bin dann aber nach Waschbenzin welches überhaupt keine Wirkung zeigte, bei Isopropanol hängen geblieben. Das funzt hervorragend.

Der Lack kann zum Spritzen noch mit 5-10% Verdünnung eingestellt werden. Da kann ich noch mal mit experimentieren.
Die Lackierung zeigt klar die Struktur der Oberfläche des Rohres. Das sind die sichtbaren Unebenheiten. So ein bischen Orangenhaut sehe ich. Vielleicht ändert sich das mit ein wenig Verdünnung

Gruss
Detlev
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Re: Lackieren von Kleinteilen - Grundlagen gesucht

Beitrag von Amigast » Mo 16. Apr 2018, 19:45

Hallo,
Das schwierigste war es die superkleine Menge (ca. 2cl) im Verhältnis 2 Teile Farbe - 1 Teil Härter aus den Ursprungsdosen in meinen Mini Mixbecher zu bekommen.
-das mache ich mit einer Injektionsspritze.
Möglichst ein Modell mit Kunstoffkolben. Kein Gummikolben.
Der Quillt von der Verdünnung auf.
Erst direkt 10ml Farbe in die Spritze gesaugt,
und in den Behälter.
Dann den Kolben der Spritze herausziehen, das Loch zuhalten,
und 5ml Härter einfüllen. Im Behälter ablassen.
Dann Verdünnung in die Spritze.
Etwas Luft mit in die Spritze ziehen, und die Spritze schütteln, bis sie sauber ist.
Bei Bedarf 1-2ml Verdünnung mit in den Farbbehälter geben.
So ist die Mischung fertig, und die Spritze gleich wieder sauber...
Gruß
Dirk

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Re: Lackieren von Kleinteilen - Grundlagen gesucht

Beitrag von Nicolas » Di 17. Apr 2018, 12:52

Mischen/abmessen mache ich immer mit Kaffee- oder Suppenlöffeln aus Kunststoff. Ein frischer Löffel für den Härter, einer für die Farbe, und beide dann zum Rühren.

@DigiDet: Welchen Düsendurchmesser hast Du verwendet?
Mein Werkzeug hat hauptsächlich den Zweck, das Werkzeug für mein Werkzeug herstellen zu können.

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Re: Lackieren von Kleinteilen - Grundlagen gesucht

Beitrag von netsupervisor » Di 17. Apr 2018, 13:27

Ich finde, das Ergebnis zwei Antworten über mir schaut brauchbar für eine Airbrush aus.

Bei so kleinen Mengen würde ich auch tunlichst mit Einwegspritzen arbeiten. Wenn man das Verhältnis nicht ganz genau einhält bleiben zB bei zu wenig Härter Lackpartikel ohne Partner, sprich: der Lack wird nicht hart genug.

Ich habe auch mehrere SATA-Pistolen (RP und HVLP) und unterschiedliche Düsensätze. Für die Kleinteile arbeite ich mit der minijet HVLP, aber der Lacknebel macht im Inneren arbeiten eher gefährlich fürs Umfeld, also spritze ich nur zur Türe raus oder im Garten. Wenn ich mal drinnen spritze dann kleide ich den Hintergrund mit Folie aus und benetze die Folie mit Wasser-Spülmittel-Mix aus der Sprühflasche. Der Lacknebel wird von der Folie statisch leicht angezogen und verteilt sich weniger im Raum.

Walzen kann man übrigens 2K Lack auch, mit einem langsamen Härter funktioniert das auch bei längerer Topfzeit. Insgesamt hab ich festgestellt, das die Topfzeit von PUR-Lacken aus dem Holz-Bereich recht angenehm ist und die Oberfläche damit für meine Anwendung ausreichend mechanisch belastbar wird (Herrsteller: Clou).

Im Übrigen kann man mit der minijet ähnliche wie mit einer Airbrush arbeiten, man muss halt etwas mit Druck und Dosierung spielen.
Für ebene Flächen ist halt der Rundstrahl einfach nicht optimal und ich bin mir nicht sicher, ob die Airbrush-Pistolen einen Breitstahl erzeugen können?
Grüße, Manuel
Drehmaschine: Interkrenn TY-1340 GH/C (330x1000), Bohr-/Fräsmaschine: Rong-Fu 25, WIG-Schweißgerät: Stahlwerk 200P, Autogenschweißausrüstung
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Re: Lackieren von Kleinteilen - Grundlagen gesucht

Beitrag von DigiDet » Mi 18. Apr 2018, 20:12

@DigiDet: Welchen Düsendurchmesser hast Du verwendet?
0,5mmm - die größte die für diese Pistole geht.

Gruss
Detlev

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Re: Lackieren von Kleinteilen - Grundlagen gesucht

Beitrag von 1.2510 » Mi 18. Apr 2018, 21:39

Vielleicht hilft auch folgendes Buch weiter ...
https://petersrailway.com/product/how-n ... ocomotive/
Grüsse, Rob

Kompliziert kann jeder ...

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